Das Thema dieser Hausarbeit ist der Sprachverlust und -wiedergewinn in der Exillyrik von Mascha Kaléko, das anhand der Fragestellung "Wie entwickelte sich der Sprachverlust bei Mascha Kaléko innerhalb des New Yorker Exils?" untersucht werden soll. Zunächst wird ein historischer Überblick über das Thema Sprachverlust im Kontext des Exils gegeben. Dann werden verschiedene Standpunkte zum Thema Sprache(n) im Exil dargestellt. Die Haltung von Mascha Kaléko zu diesem Thema wird eingeordnet und es wird veranschaulicht, wie der Sprachverlust die literaturgeschichtliche Identität von Mascha Kaléko beeinflusst hat.
Anschließend werden die Gedichte Der kleine Unterschied und Momentaufnahme eines Zeitgenossen werden im Hinblick auf Sprachverlust und -wiedergewinn untersucht, wobei der Zusammenhang von Form und Inhalt und wichtige sprachliche Aspekte erörtert werden. Abschließend wird mit Bezug auf den historischen Kontext dargestellt, wie sich der Prozess des Sprachverlusts und -wiedergewinns in den zwei Gedichten abzeichnet. Die Ergebnisse dieser Arbeit werden in einem Fazit zusammengetragen.
Exilautor*innen befindet sich in einer extremen Lebenslage. Oft sind es politische, religiöse oder rassistische Beweggründe, die sie zur Flucht in ein anderes Land zwingen. Durch den Heimatverlust sind sie auch von sprachlicher Entwurzelung und von Sprachverlust bedroht, was den Verlust von Heimatgefühl und Identität oft noch verstärkt. Der Topos Sprachverlust im Zusammenhang mit der Exilerfahrung kann auf die aktuellen Themen Auswanderung, Flucht und neue Heimatsuche übertragen werden. Die Auseinandersetzung mit den Gedichten deutscher Exilschriftsteller*innen kann ein Mittel sein, um über Sprache(n) im Exil zu reflektieren und um Verständnis über Sprachschwierigkeiten von Geflüchteten zu erlangen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2.1 Mascha Kalékos Sprache(n) im Exil
2.2 Gedichtanalyse Mascha Kaléko Der kleine Unterschied
2.3 Gedichtanalyse Mascha Kaléko Momentaufnahmen eines Zeitgenossen
3. Fazit
4. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den komplexen Prozess von Sprachverlust und -wiedergewinn in der Exillyrik von Mascha Kaléko. Das primäre Ziel ist es, in einer Analyse der Fragestellung nachzugehen, wie sich der Sprachverlust bei Mascha Kaléko innerhalb ihres New Yorker Exils entwickelt hat, wobei die Auseinandersetzung mit der Muttersprache und der Zweitsprache im Zentrum steht.
- Historischer Kontext von Sprache und Heimat im Exil
- Die identitätsstiftende Funktion der deutschen Sprache für Exilautoren
- Analyse der Gedichte "Der kleine Unterschied" und "Momentaufnahmen eines Zeitgenossen"
- Die Entwicklung von einer konservativen Sprachhaltung zur produktiven Sprachhybridität
- Sprachliche Merkmale als Ausdruck von Entwurzelung und Widerstand
Auszug aus dem Buch
2.2 Gedichtanalyse Mascha Kaléko Der kleine Unterschied
Viele von Mascha Kalékos Gedichten thematisieren die Eindrücke und Erfahrungen von Exilant*innen, die Deutschland gezwungenermaßen verlassen haben. Das Gedicht Der kleine Unterschied schrieb sie im New Yorker Exil. Obwohl sie fließend Englisch sprach, hielt sie weiter an ihrer Muttersprache fest und dichtete in deutscher Sprache. Die Muttersprache gab ihr inneren Halt in der Fremde und diente der Vergewisserung ihrer kulturellen Identität. Das Gedicht handelt von den Schwierigkeiten des Sprachwechsels im Exil:
Der kleine Unterschied
Es sprach zum Mister Goodwill
Ein deutscher Emigrant:
„Gewiß, es bleibt das selbe,
sag ich nun land statt Land,
sag ich für Heimat homeland
und poem für Gedicht.
Gewiß, ich bin sehr happy:
Doch glücklich bin ich nicht.“
Kapitelzusammenfassungen
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Problematik der sprachlichen Entwurzelung im Exil ein und benennt die zentrale Fragestellung der Arbeit bezüglich Mascha Kalékos Sprachverlust im New Yorker Exil.
2.1 Mascha Kalékos Sprache(n) im Exil: Es werden verschiedene wissenschaftliche Standpunkte zur Bedeutung der Muttersprache und zur Haltung von Exilschriftstellern gegenüber dem Sprachwechsel sowie zur spezifischen Situation von Mascha Kaléko erläutert.
2.2 Gedichtanalyse Mascha Kaléko Der kleine Unterschied: Dieses Kapitel widmet sich der formalen und inhaltlichen Interpretation des Gedichts, um die Thematik der sprachlichen Heimatlosigkeit und der Unübersetzbarkeit existenzieller Gefühle aufzuzeigen.
2.3 Gedichtanalyse Mascha Kaléko Momentaufnahmen eines Zeitgenossen: Das Gedicht wird hinsichtlich der ironischen Verarbeitung von Mehrsprachigkeit und den Bewältigungsstrategien einer fiktiven Figur in der Exilsituation analysiert.
3. Fazit: Die Arbeit fasst zusammen, wie sich Mascha Kalékos Haltung von einer konservativen Sprachbewahrung hin zu einer produktiven mehrsprachigen Lyrik entwickelt hat.
4. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur zur Unterstützung der Analyse.
Schlüsselwörter
Exillyrik, Mascha Kaléko, Sprachverlust, Exil, Muttersprache, Sprachwechsel, Identität, Heimatlosigkeit, Deutschsprachige Literatur, Mehrsprachigkeit, Sprachwiedergewinn, Neue Sachlichkeit, Exilforschung, Sprachhybridität, Sprachbewahrungstendenz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit behandelt den Prozess des Sprachverlusts und der sprachlichen Entwurzelung im Exil, illustriert anhand des lyrischen Werks von Mascha Kaléko.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der Bedeutung der Muttersprache für die Identität im Exil, der Problematik des Sprachwechsels und dem Umgang von Schriftstellern mit der erzwungenen Fremdsprache.
Was ist die Forschungsfrage der Publikation?
Die Untersuchung konzentriert sich auf die Frage, wie sich der Sprachverlust bei Mascha Kaléko innerhalb des New Yorker Exils entwickelte.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die primär auf der Interpretation von zwei ausgewählten Gedichten unter Einbeziehung des historischen und biographischen Kontexts basiert.
Was deckt der Hauptteil der Arbeit ab?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einordnung der Sprache im Exil sowie in zwei detaillierte Gedichtanalysen, die Kalékos wandelnde Haltung zur Sprache dokumentieren.
Welche Schlagworte charakterisieren die Untersuchung?
Zentrale Begriffe sind Exillyrik, Sprachhybridität, Identitäsbruch, Sprachbewahrung und Exilerfahrung.
Warum wird Mascha Kaléko als Beispiel herangezogen?
Kaléko bietet durch ihre persönliche Lebensgeschichte und ihre Entwicklung von einer Berlinerin der Neuen Sachlichkeit zu einer Exillyrikerin ein besonders aufschlussreiches Fallbeispiel für Sprachverlust.
Was ist das zentrale Ergebnis der Analyse von "Momentaufnahmen eines Zeitgenossen"?
Das Gedicht verdeutlicht, dass Kaléko die Zweitsprache schließlich als Stilmittel und für ihre künstlerische Produktivität nutzte, womit sie den rein negativen Aspekt des Sprachverlusts überwand.
Wie unterscheidet sich die Haltung in den zwei untersuchten Gedichten?
Während "Der kleine Unterschied" eher schwermütig die Schwierigkeit des Sprachwechsels thematisiert, nutzt Kaléko in "Momentaufnahmen eines Zeitgenossen" Ironie und Zeitkritik, um den Prozess der kulturellen Hybridität darzustellen.
- Arbeit zitieren
- Linda Melissa Otto (Autor:in), 2022, Sprache(n) im Exil. Zum Verlust und Wiedergewinn der Sprache in der Exillyrik von Mascha Kaléko, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1277946