Diese Arbeit soll einen Überblick über derzeitige Entwicklungen im Bereich der Herangehensweisen zur Klimarisikoquantifizierung in Banken darstellen, mit denen es Kreditinstituten bereits heute möglich ist, ihre Portfolios auf darin enthaltene Klimarisiken zu prüfen.
Aktuell gibt es kein zusammenfassendes Werk, welches sich mit der Welt der Methoden zur Klimarisikoquantifizierung in Banken beschäftigt. Deren Betrachtung wird jedoch zunehmend sehr viel wichtiger für Institute, auch aufgrund Forderungen von aufsichtsrechtlicher Seite wie von der Europäischen Zentralbank (EZB) und der European Bankung Authority (EBA), welche sich für eine Aufnahme von Klimarisiken in Risikomanagementprozesse von Finanzinstituten einsetzen, und eine tiefgreifende Beschäftigung mit dem Thema fordern.
Die Arbeit ist inhaltlich in zwei große Teile gesplittet. In Kapitel 2 wird zunächst der Begriff ESG (Environmental, Social, und (Corporate) Governance) näher betrachtet, mit einer kurzen Betrachtung von sozialen und Governance-Risiken. Besonderer Fokus liegt auf Umwelt-Risiken, und hier insbesondere den Klima-Risiken. Anschließend werden aktuelle Entwicklungen der Regulatorik betrachtet, hinsichtlich Anforderungen und Erwartungen. Kapitel 3 beschäftigt sich mit Grundlagen und Methoden der Klimarisikoquantifizierung. Zu Beginn wird auf die Quantifizierung von Risiken und die Grundlagen des Kreditrisikomanagements in Banken eingegangen, wobei stets aktuelle Entwicklungen im Finanzbereich einfließen.
Anschließend werden verschiedene Methoden zur quantitativen Risikomessung vorgestellt wie die Verwendung von Ratings, Szenarioanalyse, Stresstesting, Naturkapitalanalyse, die Einbindung von ESG-Faktoren auf Einzelprojektebene, Maße wie der Climate Value at Risk, und eine Erweiterung von in Banken genutzten Kreditrisikosystemen um einen Faktor Klimarisiko. Ein Fokus liegt hier auf der Anwendung von Szenarien und deren Entwicklung, da diese bei fast allen Messungen mit Blick in die Zukunft eingesetzt werden. Zuletzt werden die beschriebenen Methoden kritisch bewertet, und ein kurzer Ausblick über die künftigen Entwicklungen gegeben.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit
2 Der Begriff der ESG-Risiken und regulatorische Entwicklungen
2.1 Grundlagen von ESG-Risiken mit besonderer Betrachtung von Klimarisiken
2.2 Regulatorische Entwicklungen und Erwartungen bezüglich Klimarisiken
3 Klimarisikoquantifizierung in Banken und verfügbare Methoden
3.1 Risikomanagement in Banken und Quantifizierung von Klimarisiken
3.1.1 Quantifizierung von Risiken
3.1.2 Kreditrisikomanagement in Banken und statistische Ansätze zur Risikomodellierung
3.1.3 Aktueller Stand der Klimarisikoquantifizierung in Banken
3.2 Methoden zur Messung von Klimarisiken in Banken
3.2.1 Exposure-Methode
3.2.2 Klima-Szenarioanalyse und bei der Klimarisikoquantifizierung eingesetzte Szenarien
3.2.3 Klima-Stresstesting
3.2.3.1 Stresstests von Aufsichtsorganen wie BoE, Bank of Canada, EZB und EBA
3.2.3.2 Stresstesting für Transitionsrisiken am Beispiel des Stresstesting-Frameworks der TU München
3.2.3.3 Stresstesting für physische Risiken am Beispiel des Drought Stress Testing Model
3.2.4 Analyse von physischen Risiken durch Natural Capital Analysis
3.2.5 Einbindung von ESG-Faktoren direkt in Finanzmodelle
3.2.6 Climate Value at Risk
3.2.7 Erweiterung von bestehenden Kreditrisikomodellen um den Faktor Klimarisiko am Beispiel des Climate Extended Risk Model CERM
4 Kritik und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht den aktuellen Stand und die Methoden zur Quantifizierung von Klimarisiken im Bankensektor, um Kreditinstituten einen praktischen Überblick für die Implementierung dieser Risiken in ihre Portfoliosteuerung zu geben.
- Identifikation und Differenzierung von ESG- und Klimarisiken.
- Analyse regulatorischer Anforderungen von Aufsichtsbehörden wie EZB und EBA.
- Bewertung verschiedener methodischer Ansätze zur Klimarisikoquantifizierung (z.B. Szenarioanalyse, Stresstesting).
- Untersuchung der praktischen Anwendung von Tools und Modellierungen im Bankbetrieb.
Auszug aus dem Buch
1.1 Problemstellung
Die Existenz des menschgemachten Klimawandels gilt im Bereich der Klimawissenschaften seit Jahren als erwiesen, die Temperaturmuster von Luft und Wasser besonders des letzten Jahrhunderts zeigen seine Effekte deutlich im Vergleich zu Werten früherer Jahrhunderte bzw. Jahrtausende. Ursache sind v.a. der Anstieg der Treibhausgasemissionen seit Beginn der Industriellen Revolution. Auch in der Wirtschaft ist das Bewusstsein darum in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Im Allianz Risk Barometer des Jahres 2022, welches weltweit über 2600 Risikomanagementexperten befragt, um die aktuell zehn wichtigsten Risiken für Unternehmen der nächsten 12 Monate und längerfristig zu ermitteln, steht der Klimawandel auf Platz 6 der Liste, mit Sorgen um Verluste, Störungen der Lieferketten, und Änderungen des Marktumfelds.
Jedoch werden auch andere Risiken genannt, die unweigerlich mit den Auswirkungen des Klimawandels zusammenhängen wie Betriebsunterbrechungen und Störungen in der Lieferkette auf Platz 2, Naturkatastrophen an Stelle 3, und Änderungen gesetzlicher Vorgaben und Anforderungen v.a. auch in Bezug auf ESG auf Platz 5. Für Kreditinstitute sind ESG-Risiken ebenfalls ein wichtiges Thema, sie sind v.a. durch die Auswirkungen auf Kunden und damit auf ihr eigenes Portfolio von diesen Risiken betroffen. In der nachhaltigen Transformation kommt dem Finanzsektor zudem als Kapitalgeber eine Schlüsselrolle zu. Ein Großteil der Folgen des Klimawandels wird sich erst im Lauf dieses Jahrhunderts materialisieren, was unwiederbringlich unsere Wirtschaft verändern wird mit unausweichlichen Folgen für den Finanzsektor, die Effekte stellen möglicherweise auch ein systemisches Risiko für das weltweite Finanzsystem dar bei unzureichenden Anstrengungen zur Folgenminimierung. Dies macht bereits heute eine Berücksichtigung der daraus erwachsenden Risiken dringend notwendig.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz des Klimawandels als wirtschaftliches und finanzielles Risiko ein und erläutert das Ziel der Arbeit, einen Überblick über methodische Ansätze zur Klimarisikoquantifizierung in Banken zu geben.
2 Der Begriff der ESG-Risiken und regulatorische Entwicklungen: Das Kapitel definiert ESG-Risiken sowie deren Unterkategorien Klimarisiken (physische und Transitionsrisiken) und beleuchtet die aktuellen regulatorischen Rahmenbedingungen und Anforderungen an Finanzinstitute.
3 Klimarisikoquantifizierung in Banken und verfügbare Methoden: Hier werden detailliert verschiedene mathematische und strategische Methoden vorgestellt, darunter die Exposure-Methode, Szenarioanalysen, Stresstests sowie spezifische Risikomodelle wie das Climate Extended Risk Model.
4 Kritik und Fazit: Das Kapitel reflektiert die Anwendbarkeit der vorgestellten Methoden, betont den bestehenden Aufholbedarf der Banken in der Datenbeschaffung und plädiert für eine stärkere kooperative Zusammenarbeit im Bereich der Klimarisikomodellierung.
Schlüsselwörter
Klimarisiken, ESG, Banken, Risikomanagement, Klimarisikoquantifizierung, Szenarioanalyse, Stresstesting, Transitionsrisiken, Physische Risiken, Sustainable Finance, Kreditrisiko, Klimamodelle, Offenlegung, Regulatorik, Nachhaltigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der quantitativen Erfassung und Messung von Klimarisiken durch Kreditinstitute als integraler Bestandteil ihres Risikomanagements.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Definition von Klimarisiken, den regulatorischen Rahmenbedingungen sowie der methodischen Umsetzung durch Szenarioanalysen, Stresstests und Modellierungen.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, den aktuellen Stand und die Vielfalt der vorhandenen Methoden zur Messung von Klimarisiken in Banken darzustellen und deren praktische Anwendbarkeit zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine Literatur- und Sekundäranalyse, die aktuelle regulatorische Berichte, wissenschaftliche Studien und Fachpublikationen zusammenführt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erörtert detailliert verschiedene Messmethoden, von einfachen Exposure-Ansätzen bis hin zu komplexen Modellen wie Monte-Carlo-Simulationen und speziellen Modellen wie dem CERM.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Klimarisikoquantifizierung, Szenarioanalyse, Stresstesting, Transitionsrisiken und ESG-Integration.
Warum ist die Unterscheidung zwischen physischen Risiken und Transitionsrisiken so wichtig?
Sie erfordert unterschiedliche methodische Ansätze, wobei Transitionsrisiken oft stärker auf politischen und technologischen Veränderungen beruhen, während physische Risiken durch direkte Ereignisse wie Dürren oder Überflutungen definiert werden.
Welche Rolle spielt die Datenverfügbarkeit für die Klimarisikomodellierung?
Die Datenverfügbarkeit wird als eine der größten Herausforderungen identifiziert, da für eine fundierte quantitative Analyse oft granulare, bisher in Banken nicht standardisierte Daten benötigt werden.
- Arbeit zitieren
- Lea Burgetsmeier (Autor:in), 2022, Klima-Risiken im Bankenbereich. Methoden und Anwendungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1277960