Gegenstand dieser Arbeit ist eine Untersuchung und Überprüfung von Le Corbusiers Ideologie und Umsetzung der "vertikalen Stadt". Ziel ist es, zu klären, ob und unter welchen Umständen ein solches Konzept der Wohnform funktionieren kann.
Neben der vorangegangenen Klärung der historisch-gesellschaftlichen Ausgangsposition folgt in Kapitel 2 eine nähere Betrachtung des Aufbaus, sowie der intendierten Funktion der Unité d’habitation. Zum Verständnis der, dieser Wohneinheit zugrundeliegenden, Komplexität dient die in Kapitel 3 erfolgte theoretische Erörterung der unterschiedlichen Ursprungsquellen. Zur Untersuchung der Wohnkultur dieses Baus, widmet sich Kapitel 4 dem architektursoziologischen Aspekt, dem mittlerweile Vergleichsmaterial aus über 60 Jahren zur Verfügung steht.
Die Herausarbeitung der damaligen und heutigen Kritikpunkte des Baus in Kapitel 5, dient einer erneuten kritischen Überprüfung der vorangegangenen Kapitel und als Grundlage für das abschließende Fazit in Kapitel 6. Nicht genauer eingegangen werden konnte auf die ästhetischen Aspekte und Grundlagen wie zum Beispiel, das von Le Corbusier entwickelte Proportionssystem dem Modulor.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Ausgangslage
1.2. Fragestellung, Aufbau, Methode und Begriffsklärung
1.3. Literaturspiegel
2. Unité d’habitation – Marseille
2.1. Errichtung (1947- 1952)
2.2. Moderne Wohnzellen
2.3. Architektur und Lebensform - Innere Organisation
3. Ursprung und Hintergrund
3.1. Funktionierende Gesellschaft durch architektonische Ordnung
3.3. Der Passagierdampfer als funktionale Wohneinheit
4. Umsetzung und Funktion
4.1 Demografische Zusammensetzung
4.2 Die Unité d’habitation als vertikale Stadt
5. Kritik
6. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht Le Corbusiers Konzept der Unité d’habitation und analysiert, inwieweit dieses Modell als „vertikale Stadt“ in seiner ursprünglichen Form als funktionale Wohneinheit Bestand haben kann.
- Historische und soziologische Einordnung des Baus.
- Analyse der baulichen Struktur und des Konzepts der „modernen Wohnzelle“.
- Untersuchung der intendierten sozialen Ordnung und Alltagsorganisation.
- Kritische Reflexion der Umsetzung und der späteren Entwicklung des Projekts.
- Vergleich der Unité d’habitation mit anderen städtebaulichen Leitbildern.
Auszug aus dem Buch
3.3. Der Passagierdampfer als funktionale Wohneinheit
Le Corbusiers Maxime der Unité lassen sich in vielerlei Hinsicht ebenso im Konzept eines Passagierdampfers finden. Auf architektonischer Ebene betrifft dies die angesprochene Minimierung von individuellen Einheiten zugunsten kollektiver Einrichtungen, als auch die rationelle, funktionale und ökonomische Raumaufteilung der Passagierkabinen. Desgleichen sind die Kabinen hauptsächlich mit, die Raumökonomie unterstützenden, festen Bauelementen ausgestattet. Auch wenn im Innern der Wohneinheit keinerlei nautische Motive vorkommen, nimmt das Dach hingegen großen Anklang an den Aufbau eines Schiffsdecks, inklusive eines „Schwimmbecken[s] am Heck des Sonnendecks, einer Brücke, die über die Aussenwand hinausragt“ und einem Schornstein (Abb.20.). Gert Kähler versteht selbst das durch die Pilotis erfolgte Loslösen des Baus vom Boden als Anspielung auf einen Passagierdampfer.
Weitere Parallelen sind hauptsächlich konzeptioneller Natur. Beide Male handelt es sich um, für eine grosse Anzahl an Menschen konzipierte, autarke und in sich geschlossene „Versorgungseinheiten“ mit Freizeiteinrichtungen, Läden und Restaurants.
Abgesehen von den sich wiederholenden Maschinenmetaphern in Le Corbusiers Architektur und Theorie der 20er Jahre41, schafft der Architekt in seiner 1935 erschienen Schrift ville radieuse eindeutige Bezüge zwischen der Idee der Unité d’habitation und einem Passagierschiff (Abb.21.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die historische Ausgangslage und die Problematik der Wohnungssituation nach dem Zweiten Weltkrieg ein und definiert das Ziel der Forschungsarbeit.
2. Unité d’habitation – Marseille: Hier erfolgt eine detaillierte Beschreibung des Baus, seiner Errichtung sowie der spezifischen architektonischen Gestaltung und inneren Organisation der Wohnzellen.
3. Ursprung und Hintergrund: Das Kapitel beleuchtet die theoretischen Leitgedanken von Le Corbusier, einschließlich der Einflüsse durch andere Lebensformen und Maschinenmetaphern.
4. Umsetzung und Funktion: Der Fokus liegt auf der realen demografischen Entwicklung und der Bewertung, ob das Gebäude tatsächlich als „vertikale Stadt“ funktioniert.
5. Kritik: In diesem Kapitel werden die zeitgenössischen und späteren fachlichen Kritikpunkte am Bau sowie die Auswirkungen auf das tägliche Leben der Bewohner diskutiert.
6. Fazit: Das Kapitel fasst die Untersuchungsergebnisse zusammen und schließt mit einer Bewertung der Zukunftsfähigkeit des Konzepts der Unité d’habitation.
Schlüsselwörter
Le Corbusier, Unité d’habitation, Marseille, vertikale Stadt, moderne Architektur, Wohnzelle, Architektursoziologie, Stadtplanung, Industriegelände, soziale Ordnung, Wohnungsbau, Funktionalismus, Stadtentwicklung, Industriegeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das zentrale Thema dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Architektur und sozialen Funktion der Unité d’habitation von Le Corbusier in Marseille.
Welche Hauptthemen werden untersucht?
Im Zentrum stehen die Entstehungsgeschichte, das Konzept der „vertikalen Stadt“, der architektonische Aufbau sowie die soziale Bedeutung der Wohneinheit.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit prüft, ob Le Corbusiers Konzept der Unité d’habitation in seiner ursprünglichen Form als funktionale Wohneinheit im urbanen Kontext bestehen kann.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine Literaturanalyse sowie eine kritische Untersuchung der historischen Quellen und der soziologischen Aspekte der Architektur durchgeführt.
Welche Aspekte stehen im Hauptteil im Vordergrund?
Der Hauptteil behandelt die detaillierte architektonische Ausgestaltung, theoretische Ursprungskonzepte wie das Kloster- oder Schiffsmotiv und eine Analyse der späteren Nutzung.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit zeichnet sich durch Begriffe wie Corbusianische Architektur, soziale Verdichtung und das Konzept der „Wohnhöhle“ bzw. „vertikalen Stadt“ aus.
Warum spielt der Begriff „Passagierdampfer“ eine wichtige Rolle für Le Corbusier?
Das Motiv dient als Metapher für autarke, hochfunktionale und rationell strukturierte Versorgungseinheiten, die auf engem Raum kollektives und individuelles Leben verbinden.
Inwiefern hat sich die Bewohnerschaft der Unité d’habitation über die Zeit gewandelt?
Ursprünglich als Projekt für erschwinglichen Wohnraum geplant, hat sich die Bewohnerstruktur im Laufe der Jahrzehnte hin zu einer Architektur interessierten Elite gewandelt.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2017, Le Corbusier und die Unité d'habitation als vertikale Stadt. Theorie und Realität, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1277988