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Der Skandal um Hochhuths 'Der Stellvertreter'

Title: Der Skandal um Hochhuths 'Der Stellvertreter'

Term Paper (Advanced seminar) , 2005 , 24 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: M.A. Anne Oppermann (Author)

Theater Studies, Dance
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„Der 20. Februar 1963, an dem Rolf Hochhuths Schauspiel „Der Stellvertreter“ an der Berliner Volksbühne uraufgeführt worden ist, kann als ein historisches Datum bezeichnet werden.“ (Siegfried Melchinger) In der Tat ist Rolf Hochhuths Der Stellvertreter ein Phänomen: Es stellte einen bis dato völlig unbekannten jungen Schriftsteller in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses, es verwandelte das Theater in einen Schauplatz der Politik und der Aktualität und löste weltweit eine leidenschaftliche Debatte aus, die bis heute ihresgleichen sucht. Alles in allem ein Skandal – wenn nicht gar der Theaterskandal des deutschen Nachkriegstheaters.
Durfte der Papst schweigen? Durfte sich Papst Pius XII. angesichts der systematischen Vernichtung der Juden in Nazideutschland und in den besetzten Gebieten hinter diplomatischen Floskeln verschanzen oder hätte er in einem Aufschrei der Menschlichkeit die Katholiken der Welt zum Widerstand aufrufen und das 1933 geschlossene Konkordat zwischen dem Dritten Reich und dem Vatikan brechen müssen? Diese Fragen stellt Hochhuth in seinem Erstlingswerk und gibt auch gleich die Antwort: Nein, er durfte nicht schweigen! Der Papst hatte als einziger die Möglichkeit erfolgreich zu protestieren und als Stellvertreter Christi auf Erden sogar die moralische Verpflichtung dazu. Der Papst als höchste moralische Institution des Abendlandes war der einzige, den Hitler noch fürchtete, er und nur er hätte den Genozid stoppen können, wenn er nicht – von ökonomischen und politischen Motiven getrieben – moralisch und menschlich versagt hätte, so Hochhuths These. In Anbetracht dieser provokanten These, sowie der Konfrontation der Deutschen mit der noch unbewältigten, nicht allzu fernen Vergangenheit erstaunen die folgenden hitzigen Diskussionen nicht. „Man hatte sofort begriffen, daß hier ein junger Dramatiker nicht nur eine unbewältigte Vergangenheit, sondern uns alle herausfordern wollte“ beschreibt Willy Jäggi die Situation 1963.
Angesichts der Fülle von Kritiken, Leserbriefen, Polemiken und Publikationen muß die Darstellung der Debatte um den Stellvertreter im Rahmen dieser Arbeit unvollständig bleiben. Die wichtigsten Richtungen der Debatte sollen jedoch exemplarisch dargestellt werden. Dies erscheint möglich, da „die Flut der Beiträge und die scheinbar kaum zu bewältigende Vielfalt der Meinungen in schroffem Widerspruch zu dem tatsächlichen Inhalt und der stereotypen Argumentation der 'Stellvertreter'-Debatte steht.“

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Basisdaten

2.1. Elementardaten

2.2. Beteiligte der Uraufführung

2.3. Inhaltsüberblick

3. Der Skandal

3.1. Vorgeschichte

3.2. Auslöser des Skandals

3.3. Die an dem Skandal Beteiligten

3.4. Die Art des Skandals

3.5. Hauptrichtungen der Debatte

3.5.1. Geschichtsverfälschung

3.5.2. Gerade von deutscher Seite

3.5.3. Befürworter des Stellvertreters

3.6. Konsequenzen des Skandals

4. Parallele

4.1. Ähnliche Probleme an anderen Orten

4.2. Skandale bei gleichem Autor, Theatermacher oder gleicher Thematik

5. Wirkungs- und Rezeptionsgeschichte des Stückes, der Aufführung

5.1. Längerfristige Konsequenzen

6. Resümee

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit analysiert den massiven Theaterskandal rund um Rolf Hochhuths Erstlingswerk „Der Stellvertreter“ aus dem Jahr 1963. Ziel der Untersuchung ist es, die Ursachen der leidenschaftlichen, internationalen Debatte sowie die verschiedenen Argumentationslinien der Kritiker und Befürworter vor dem Hintergrund der unbewältigten deutschen Vergangenheit aufzuzeigen.

  • Historische Einordnung von Hochhuths Theaterstück im Kontext der Nachkriegszeit.
  • Analyse der zentralen Vorwürfe: Geschichtsverfälschung vs. ethisches Engagement.
  • Untersuchung der Rolle des Vatikans und Papst Pius XII. im Drama.
  • Darstellung der internationalen Reaktionen und skandalträchtigen Aufführungsbedingungen.
  • Reflexion über die politische Wirkung und die Entstehung des Dokumentartheaters.

Auszug aus dem Buch

3.2. Auslöser des Skandals

Der Auslöser des Skandals ist eindeutig im Dramentext, bzw. in der darin behandelten Thematik zu sehen. Die Anklage eines erst vor kurzem verstorbenen Papstes auf der Theaterbühne mußte die Katholiken aller Länder erregen. Und über Religionsgrenzen hinweg verunsicherte die Form des politischen Gegenwartsstücks das Publikum.

Rolf Hochhuth hatte ca. 15 Jahre nach Kriegsende mit der Arbeit an seinem Stück begonnen, und 18 Jahre nach Kriegsende wurde es uraufgeführt. Die Bedeutung der Nachkriegszeit für die Rezeption kann in diesem Rahmen natürlich nicht ausreichend dargestellt werden, unbewältigte Vergangenheit ist aber sicherlich ein Schlagwort, das in diesem Kontext nicht fehlen darf. In der Kunst und den Medien waren es hauptsächlich Romanschriftsteller wie Koeppen, Böll und Andersch, die sich hiermit beschäftigten. Sie wurden zwar als eine Art Nestbeschmutzer angesehen, aber solange sie sich nur im speziellen Gebiet der Literatur bewegten, wurde dies akzeptiert. Auf den Theaterbühnen Anfang der 60er Jahre findet sich ein breites Spektrum an Stücken, vom absurden Theater über Unterhaltungsstücke bis zu den Klassikern. Aber die Realität, die politische Wirklichkeit wurde größtenteils völlig ausgeblendet.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in das Phänomen „Der Stellvertreter“ als Theaterskandal der Nachkriegszeit und Darstellung von Hochhuths provokanter These zum Verhalten von Papst Pius XII. während des Genozids.

2. Basisdaten: Zusammenstellung der elementaren Fakten zur Uraufführung 1963 an der Freien Volksbühne Berlin sowie eine inhaltliche Übersicht des Dramentextes.

3. Der Skandal: Detaillierte Untersuchung der Vorgeschichte, der Akteure und der Debatte, unterteilt in die Richtungen der Kritiker, Befürworter und die Rolle der Bundesregierung.

4. Parallele: Analyse der internationalen Reaktionen und ähnlicher Skandale, die durch die Thematik oder ähnliche Theatermacher ausgelöst wurden.

5. Wirkungs- und Rezeptionsgeschichte des Stückes, der Aufführung: Bewertung des Stückes als Wegbereiter des Dokumentartheaters und Analyse der langfristigen Folgen für den Autor.

6. Resümee: Zusammenfassende Einschätzung der Debatte als emotional und redundant, mit dem Aufruf zu einer wissenschaftlicheren Auseinandersetzung mit der Verantwortung des Einzelnen.

Schlüsselwörter

Rolf Hochhuth, Der Stellvertreter, Papst Pius XII., Theaterskandal, Vergangenheitsbewältigung, Dokumentartheater, Nationalsozialismus, Vatikandiplomatie, Geschichtsverfälschung, Erwin Piscator, Zeitgeschichte, Theaterkritik, moralische Verantwortung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?

Die Arbeit befasst sich mit dem historischen Theaterskandal, der durch Rolf Hochhuths Schauspiel „Der Stellvertreter“ im Jahr 1963 ausgelöst wurde und die Rolle von Papst Pius XII. während des Holocaust thematisierte.

Welche zentralen Themenfelder werden beleuchtet?

Die Arbeit behandelt die Konfliktlinien zwischen kirchlicher Historiographie und künstlerischer Freiheit, die Vergangenheitsbewältigung in der jungen Bundesrepublik sowie die internationalen Reaktionen auf das Stück.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die Dynamik des Skandals zu analysieren und aufzuzeigen, wie das Stück die deutsche Gesellschaft und die internationale Öffentlichkeit im Umgang mit der NS-Vergangenheit herausgefordert hat.

Welche methodische Vorgehensweise liegt der Arbeit zugrunde?

Die Autorin oder der Autor stützt sich auf eine tiefgehende Literaturanalyse, wertet zeitgenössische Kritiken, Presseberichte, offizielle Dokumente (wie Kleine Anfragen des Bundestages) und Korrespondenzen aus, um die Debatte exemplarisch darzustellen.

Welche inhaltlichen Schwerpunkte bilden den Hauptteil?

Den Kern bilden die Analyse der Argumente der Kritiker (Vorwurf der Geschichtsverfälschung), die Verteidigungsstrategien der Befürworter (ethisches Engagement) und die politische Reaktion der Bundesregierung auf den diplomatischen Druck des Vatikans.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie „Der Stellvertreter“, „Theaterskandal“, „Schuldfrage“, „Papst Pius XII.“ und „Dokumentartheater“ geprägt.

Welche Bedeutung hatte Erwin Piscator für die Inszenierung?

Piscator erkannte das Potenzial des Stückes sofort, forcierte die Aufführung trotz großer Widerstände und trug maßgeblich zur Etablierung des epischen bzw. dokumentarischen Theaterstils bei, der das Werk prägte.

Wie bewertet die Arbeit das Fazit der Debatte?

Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die Debatte oft zu redundant und emotional geführt wurde, da beide Seiten – Hochhuth und die Kirche – an festgefahrenen Positionen festhielten, anstatt sich einer wissenschaftlich fundierten Aufarbeitung zu widmen.

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Details

Title
Der Skandal um Hochhuths 'Der Stellvertreter'
College
Friedrich-Alexander University Erlangen-Nuremberg
Grade
1,7
Author
M.A. Anne Oppermann (Author)
Publication Year
2005
Pages
24
Catalog Number
V127803
ISBN (eBook)
9783640341016
ISBN (Book)
9783656761655
Language
German
Tags
Skandal Hochhuths Stellvertreter
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
M.A. Anne Oppermann (Author), 2005, Der Skandal um Hochhuths 'Der Stellvertreter', Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/127803
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