Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Psychology - Miscellaneous

Synergetik in der Psychologie und Psychotherapie

Grundannahmen und Grundbegriffe der Psychologie und ihre Anwendung auf Psychologie und Psychotherapie

Title: Synergetik in der Psychologie und Psychotherapie

Term Paper (Advanced seminar) , 2009 , 34 Pages , Grade: 0,7

Autor:in: Franziska Roßmann (Author)

Psychology - Miscellaneous
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Die Synergetik beschäftigt sich mit dem Verhalten von Systemen, die aus vielen Elementen bestehen (z.B. Zellen, Menschen) und genauer mit dem Zusammenwirken der einzelnen Systemkomponenten. Die Synergetik ist dabei als ein interdisziplinäres Forschungsgebiet auf der Suche nach gemeinsamen Eigenschaften dieses Zusammenwirkens sowie nach den zugrunde liegenden allgemeinen Gesetzmäßigkeiten. Die synergetische Grundidee ist, dass das Zusammenwirken der Elemente von nur einigen wenigen Prinzipien bestimmt wird (Haken & Schiepek, 2006).Ausgehend von der Physik konnte die Theorie der Synergetik erfolgreich auf vielfältige sog. selbstorganisierende Phänomene in verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen der Natur-, Geistes- und Sozialwissenschaften übertragen und angewendet werden. In der Psychologie fand fand die Synergetik zunächst nur in experimentell leicht zugänglichen Bereichen Anwendung (z.B. Wahrnehmung, motorische Koordination) (Haken & Schiepek, 2006; Schiepek, 1999b). Später wurden auch komplexere und experimentell schwerer zugängliche Gebiete als Beispiele für Selbstorganisation aufgedeckt. Nach Schiepek und Tschacher (1992) und Schiepek et al. (2000) ist das Paradigma der Selbstorganisation im Bereich psychologischer Phänomene insbesondere für die Psychotherapie relevant. Sie verweisen dabei sowohl auf theoretische Entwürfe als auch auf empirische Evidenzen durch Einzelfallstudien (u.a. Schiepek, 1999b). Psychotherapeuten beschäftigen sich professionell mit der Veränderung von Ordnungszuständen und kommen dadurch in Berührung mit den selbstorganisierten Veränderungen im Sinne der Synergetik (Haken & Schiepek, 2006). Die Synergetik liefert ein Modell psychotherapeutischer Veränderungsprozesse (Haken, 1992) und kann als innovative Metatheorie für die Psychotherapieforschung angesehen werden (Tschacher, 1990, zitiert in Tschacher & Grawe, 1996). Die Synergetik differenziert also nicht in einzelne Therapierichtungen, sondern analysiert grundlegende Prozesse. Der therapeutische Prozess ist vor dem Hintergrund der Synergetik ein idealtypisches Beispiel emergenter Selbstorganisation (Schiepek et al., 2000) und Psychotherapie kann dementsprechend verstanden werden als selbstorganisierter Ordnungswandel (Schiepek, 1999b), als alternative Realitätskonstruktion (Kruse, Stadler, Pavlekovic & Gheorghiu, 1992) sowie als Kaskade dynamischer nicht linearer Ordnungsübergänge zwischen verschiedenen Kognitions-Emotions-Verhaltens-Mustern (Haken & Schiepek, 2006).

Excerpt


Gliederung

1 Einführung in die Synergetik

1.1 Grundidee und historische Entwicklung der Synergetik

1.2 Synergetik als Theorie der Selbstorganisation

1.2.1 Begriffsdefinition und -abgrenzung

1.2.2 Voraussetzungen für Selbstorganisationsprozesse

2 Grundannahmen und Grundbegriffe der Synergetik

2.1 Hinführung zu den synergetischen Grundannahmen und Grundbegriffen

2.2 Darstellung synergetischer Grundannahmen und Grundbegriffe

2.2.1 System

2.2.2 Emergenz

2.2.3 Kontrollparameter

2.2.4 Instabilität und kritische Fluktuationen

2.2.5 Ordnungsparameter und Versklavungsprinzip

2.2.6 Zirkuläre Kausalität

3 Synergetik in der Psychotherapie

3.1 Transfer der Synergetik auf den Psychotherapieprozess

3.2 Prozessforschung: Methode zur Analyse therapeutischer Selbstorganisation

3.3 Verlaufsmerkmale therapeutischer Selbstorganisation

3.3.1 Reduktion von Freiheitsgraden im Therapieverlauf

3.3.2 Motivation als Kontrollparameter

3.3.3 Sicherheit und Stabilität im Therapieprozess

3.3.4 Kritische Fluktuationen als Kennzeichen von Ordnungsübergängen

3.3.5 Kairos – der sensible Therapiemoment

3.4 Implikationen für die Psychotherapie

4 Kritische Stellungnahme zur Bedeutung der Synergetik für die Psychologie

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Anwendung der synergetischen Theorie der Selbstorganisation auf psychologische Phänomene, mit einem besonderen Fokus auf den therapeutischen Prozess. Ziel ist es, die Eignung der Synergetik als interdisziplinäre Metatheorie zur Beschreibung psychotherapeutischer Veränderungsprozesse zu evaluieren und deren Nutzen für die psychotherapeutische Praxis und Forschung aufzuzeigen.

  • Grundlagen der Synergetik und der Theorie der Selbstorganisation.
  • Systemtheoretische Konzepte wie Ordnungsparameter, Kontrollparameter und Zirkuläre Kausalität.
  • Modellierung psychotherapeutischer Veränderungsprozesse als Ordnungswandel.
  • Methoden der Prozessforschung, insbesondere Real-Time-Monitoring zur Analyse der Therapiedynamik.
  • Ableitung generischer Prinzipien für die praktische psychotherapeutische Intervention.

Auszug aus dem Buch

1.1 Grundidee und historische Entwicklung der Synergetik

Die Synergetik (griech. synergeĩn: zusammenarbeiten) beschäftigt sich mit dem Verhalten von Systemen, die aus vielen Elementen bestehen (z.B. Elektronen, Zellen, Menschen) und genauer mit dem Zusammenwirken der einzelnen Systemkomponenten.

Die Synergetik ist dabei als ein interdisziplinäres Forschungsgebiet auf der Suche nach gemeinsamen Eigenschaften dieses Zusammenwirkens sowie nach den zugrunde liegenden allgemeinen Gesetzmäßigkeiten. Die synergetische Grundidee ist, dass das Zusammenwirken der Elemente von nur einigen wenigen Prinzipien bestimmt wird (Haken, 1988a; Haken, 1999; Haken & Schiepek, 2006).

Die Geburtsstunde der „Lehre vom Zusammenwirken“ (Haken, 1971, zitiert in Haken, 1999) reicht zurück in das Jahr 1969, als der Physiker Hermann Haken unter dem Begriff Synergetik eine Wissenschaft auf der Suche nach universellen Gesetzmäßigkeiten für naturwissenschaftliche und gesellschaftliche Phänomene ins Leben rief. Seine ersten Forschungsarbeiten im Bereich der theoretischen Physik beschäftigten sich mit der Erklärung der Lichtemission des Lasers. Dem Pionierartikel „Synergetik - Die Lehre vom Zusammenwirken“ (Haken, 1971, zitiert in Haken, 1999) über die Grundgedanken der Synergetik, folgte ein erstes internationales Symposium, das Gelegenheit bot, die zugrunde liegenden Konzepte der Synergetik innerhalb der wissenschaftlichen Öffentlichkeit zu diskutieren.

Die sich daraus entwickelnde, dem naturwissenschaftlichen Wissensverständnis nahe stehende Forschungsrichtung konnte in den folgenden Jahrzehnten die Theorie der Synergetik erfolgreich auf vielfältige sog. selbstorganisierende Phänomene in verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen der Natur-, Geistes- und Sozialwissenschaften übertragen und anwenden. Dabei entstanden neben vielfältigen Theorien insbesondere im Bereich der Physik auch phänomenunabhängige mathematische Formalismen, die die Wirksamkeit der synergetischen Prinzipien mathematisch nachvollziehen. Durch Analogieschluss lassen sich die gefundenen Formeln mitunter auf verschiedene andere wissenschaftliche Disziplinen übertragen (u.a. Haken, 1973, zitiert in Honermann, 2002; Haken, 1988a).

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einführung in die Synergetik: Dieses Kapitel führt in die Grundidee der Synergetik als interdisziplinäre Lehre vom Zusammenwirken ein und definiert die zentralen Voraussetzungen für Selbstorganisationsprozesse.

2 Grundannahmen und Grundbegriffe der Synergetik: Anhand des Beispiels des Lasers werden die Kernkonzepte der Synergetik, wie System, Emergenz, Kontrollparameter, Ordnungsparameter, Versklavungsprinzip und zirkuläre Kausalität, erläutert.

3 Synergetik in der Psychotherapie: Der Abschnitt überträgt synergetische Prinzipien auf den therapeutischen Prozess, diskutiert Prozessforschungsmethoden wie Real-Time-Monitoring und definiert Verlaufsmerkmale sowie generische Prinzipien für die Praxis.

4 Kritische Stellungnahme zur Bedeutung der Synergetik für die Psychologie: Die Autorin reflektiert die interdisziplinäre Bedeutung der Synergetik als Metatheorie, würdigt ihren Beitrag zu einem humanistischen Verständnis therapeutischer Prozesse, hinterfragt jedoch kritisch die Übertragbarkeit physikalischer Konzepte auf den Humanbereich.

Schlüsselwörter

Synergetik, Selbstorganisation, Psychotherapie, Ordnungsparameter, Kontrollparameter, Prozessforschung, Real-Time-Monitoring, Nichtlineare Dynamik, Emergenz, Systemtheorie, Veränderungsprozesse, Therapieverlauf, Komplexität, Selbstwirksamkeit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der Synergetik als einer interdisziplinären Theorie der Selbstorganisation und untersucht deren Anwendung auf den Bereich der Psychologie, insbesondere auf psychotherapeutische Prozesse.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen der Selbstorganisation (Systemtheorie), die Übertragung dieser Konzepte auf die Psychotherapie, die Erforschung therapeutischer Veränderungsprozesse sowie die methodische Erfassung dieser Dynamiken.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die Synergetik als innovative Metatheorie helfen kann, die komplexen, nichtlinearen Veränderungsprozesse in einer Psychotherapie zu verstehen, zu analysieren und therapeutisch zu gestalten.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse basiert. Ergänzend werden Ansätze der Prozess-Outcome-Forschung und mathematische Modelle (wie Komplexitäts-Resonanz-Diagramme) diskutiert, die zur Analyse therapeutischer Selbstorganisation eingesetzt werden.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden zunächst die physikalischen Grundbegriffe der Synergetik (z.B. Laser-Modell) erläutert. Anschließend wird der Transfer auf die Psychotherapie vollzogen, Konzepte wie Destabilisierung, Instabilität und der "Kairos" als sensibler Therapiemoment beschrieben sowie praktische Implikationen in Form von generischen Prinzipien für Therapeuten abgeleitet.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Schlagworte sind Synergetik, Selbstorganisation, Psychotherapie, Ordnungsparameter, Real-Time-Monitoring und nichtlineare Dynamik.

Welche Rolle spielt das "Real-Time-Monitoring" in der therapeutischen Praxis?

Real-Time-Monitoring dient der kontinuierlichen Erfassung von Prozessmerkmalen während der Therapie. Es ermöglicht Therapeuten, instabile Phasen des Klienten frühzeitig zu erkennen und therapeutische Interventionen zeitlich passend ("Kairos") und datenbasiert zu steuern.

Wie bewertet die Autorin die Anwendung der Synergetik auf die Psychologie kritisch?

Die Autorin sieht in der Synergetik eine fruchtbare Metatheorie, die ein humanistisches, nicht-mechanistisches Menschenbild stützt. Kritisch hinterfragt sie jedoch, inwieweit die aus der Physik stammenden Begrifflichkeiten metaphorisch versus isomorph verwendet werden und wo die Grenzen der Prognostizierbarkeit bei der aktiven Steuerung dieser Prozesse liegen.

Excerpt out of 34 pages  - scroll top

Details

Title
Synergetik in der Psychologie und Psychotherapie
Subtitle
Grundannahmen und Grundbegriffe der Psychologie und ihre Anwendung auf Psychologie und Psychotherapie
College
LMU Munich
Course
Seminar Familienpsychologie – Interventionen in Familiensystemen
Grade
0,7
Author
Franziska Roßmann (Author)
Publication Year
2009
Pages
34
Catalog Number
V127823
ISBN (eBook)
9783640342754
ISBN (Book)
9783640342556
Language
German
Tags
Synergetik Psychologie Psychotherapie Grundannahmen Grundbegriffe Psychologie Anwendung Psychologie Psychotherapie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Franziska Roßmann (Author), 2009, Synergetik in der Psychologie und Psychotherapie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/127823
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  34  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint