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Ist der eindimensionale Mensch Marcuses eine Weiterführung des letzten Menschen bei Nietzsche?

Title: Ist der eindimensionale Mensch Marcuses eine Weiterführung des letzten Menschen bei Nietzsche?

Seminar Paper , 2008 , 18 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Hakan Tanriverdi (Author)

Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal
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Das Pendel der philosophischen Reflexion schwingt zwischen gesellschaftlicher Utopie und Dystopie und im Mittelpunkt dieser Analyse steht zumeist der Mensch und die ihn umgebende Gesellschaft. Falls das Pendel in die Richtung der Utopie schwingt, entstehen Bilder einer Gesellschaft, die eine positive Entwicklung durchmacht oder durchmachen wird, wie sie z.b. im Fortschrittsglauben des Positivismus zu finden ist. Im gegenteiligen Fall ertönen Kassandrarufe, die der Gesellschaft eine Zukunft voraussagen, die voll von schwarzmalerischen Bildern ist. Exemplarisch hierfür kann die „Dialektik der Aufklärung“ von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno gelten.
Doch es gibt gleichermaßen philosophische Denkrichtungen, die sich nicht auf eine starr prognostizierte Zukunft festlegen, sondern proklamieren, dass der Zustand der Gesellschaft sich zu beiden Seiten hin auflösen kann. Letzteres ist der Fall vor allem bei Friedrich Nietzsche und Herbert Marcuse. Sowohl bei Nietzsche, in seinem Monumentalwerk „Also sprach Zarathustra“, als auch bei Marcuse, in „Der Eindimensionale Mensch“, steht die Gesellschaft entweder vor einem Wandel oder macht ihn gerade durch. Beide Philosophen lassen in ihrer Analyse kein gutes Haar an den bestehenden Verhältnissen. Aber sie geben sich mit einer harschen Kritik nicht zufrieden, sondern entwerfen Gegenkonzepte. Jedoch gilt für beide in gleicher Weise, dass sie die Entwicklung der Gesellschaft mit Sorge betrachten, da die Anzeichen eher dafür sprechen, dass sich die Menschen für die negative Option entscheiden würden.
In der vorliegenden Arbeit sollen die Ähnlichkeiten der beiden Denker untersucht werden und zwar gerade im Hinblick auf dieses dystopische Element. Ginge es darum, die Sichtweise von Nietzsche und Marcuse aphoristisch auf den Punkt zu bringen, genügt ein Verweis auf Albert Einstein: „Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu können, muß man vor allem ein Schaf sein.“ (...) Trotz dieser zeitlichen Differenz von ca. 80 Jahren scheint es auf den ersten Blick so, als ob der eindimensionale Mensch Marcuses genau den Kriterien eines letzten Menschen bei Nietzsche entspricht. Damit dieser Vergleich, Ähnlichkeiten in der Philosophie Nietzsches und der Marcuseschen Konzeption herauszufinden, ein fruchtbarer ist, gilt es, die Essenzen der jeweiligen Postulate herauszukristallisieren und in Beziehung zueinander zu setzen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1.) Einführung

2.) Der letzte Mensch in „Also sprach Zarathustra“

2.1) Theoretischer Hintergrund: Der Tod Gottes und der Nihilismus

2.3) Der letzte Mensch

3.) Marcuse

3.1) Der eindimensionale Mensch und die Technik

3.2) Die Eindimensionalität der Sprache

3.3) Repressive Toleranz

3.4) Konsequenz der Eindimensionalität: Revolutionsverzicht

4.) Schnittpunkte und Unvereinbares

4.1) Das „göttliche Leben ohne Gott“

4.2) Falsche Bedürfnisse

4.3) Wege zum letzten und eindimensionalen Menschen

4.4) Ausbruch aus der Gesellschaft

5.) Fazit

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das dystopische Element in der Philosophie von Friedrich Nietzsche und Herbert Marcuse, um zu klären, ob Marcuses Konzept des „eindimensionalen Menschen“ eine direkte Weiterführung von Nietzsches Figur des „letzten Menschen“ darstellt.

  • Vergleich der gesellschaftskritischen Ansätze von Nietzsche und Marcuse.
  • Analyse des Nihilismus und des „Todes Gottes“ als Ausgangspunkt für gesellschaftliche Fehlentwicklungen.
  • Untersuchung der Mechanismen von Konsum, Technik und Sprache in der modernen Industriegesellschaft.
  • Gegenüberstellung der Begriffe „letzter Mensch“ und „eindimensionaler Mensch“.
  • Kritische Reflexion über die Möglichkeiten des Ausbruchs aus gesellschaftlicher Gleichschaltung.

Auszug aus dem Buch

2.) Der letzte Mensch in „Also sprach Zarathustra“

Zarathustra wird gleich zu Beginn seiner Vorrede als Mensch eingeführt, der in die Berge ausgewandert ist. Zu den Gründen seiner Auswanderung erfährt der Leser mehr, als Zarathustra während seines Abstiegs einem alten Greisen begegnet, dem Zarathustras Wandlung direkt ins Auge springt und den Greis zu folgendem Spruch verleitet: „Nicht fremd ist mir dieser Wanderer: vor manchem Jahre gieng er hier vorbei. Zarathustra hieß er; aber er hat sich verwandelt. Damals trugst du deine Asche zu Berge: willst du heute dein Feuer in die Thäler tragen?“ Zarathustra ist also ein Zivilisationsflüchtling, der nach zehnjähriger Askese schließlich zu der Überzeugung gelangt, dass das Prinzip des Menschsseins nur dann funktioniert, wenn die Weisheit, das „Feuer der Erkenntnis“, weitergegeben wird. Erst nach dieser Einsicht beginnt sein Abstieg ins Tal, denn „Zarathustra will wieder Mensch werden.“ Erwähnenswert in diesem Kontext ist noch, dass sich im Laufe des Dialogs herauskristallisiert, dass der alte Greis noch nichts vom Tode Gottes, eine Formel, die später noch zu erörtern sein wird, gehört hat. Somit ist der alte Greis gleichsam als Symbol eines mittlerweile archaischen Glaubens zu verstehen, das sein Heil in der Flucht vor den Menschen, hin zu Gott, sucht.

Zusammenfassung der Kapitel

1.) Einführung: Diese Einleitung stellt die philosophischen Gegenentwürfe von Nietzsche und Marcuse zur dystopischen Gesellschaftsentwicklung vor und formuliert das Ziel, die Verbindung zwischen ihren jeweiligen Menschenbildern zu erforschen.

2.) Der letzte Mensch in „Also sprach Zarathustra“: Das Kapitel erläutert Nietzsches Figur des letzten Menschen, dessen Dasein durch Massenkonformität und die Ablehnung von Individualität geprägt ist.

2.1) Theoretischer Hintergrund: Der Tod Gottes und der Nihilismus: Hier werden der Wegfall objektiver moralischer Instanzen und die Konsequenzen für das menschliche Selbstverständnis nach dem Tod Gottes analysiert.

2.3) Der letzte Mensch: Dieser Abschnitt definiert das antipodische Gegenstück zum Übermenschen und zeigt auf, wie der letzte Mensch in einem göttlichen Leben ohne Gott verharrt.

3.) Marcuse: Dieses Kapitel führt in Marcuses Denken ein, insbesondere in seine Kritik an der modernen Industriegesellschaft und der zunehmenden Technisierung.

3.1) Der eindimensionale Mensch und die Technik: Es wird dargelegt, wie technischer Fortschritt und Konsum den Menschen in ein System ohne Opposition einbinden und politisch neutralisieren.

3.2) Die Eindimensionalität der Sprache: Das Kapitel beschreibt, wie durch ritualisierten Sprachgebrauch und Klischees das kritische Potenzial von Begriffen wie „Freiheit“ entleert wird.

3.3) Repressive Toleranz: Hier wird analysiert, wie die moderne Gesellschaft durch eine vorgebliche Toleranz jegliche systemkritische Praxis unterbindet.

3.4) Konsequenz der Eindimensionalität: Revolutionsverzicht: Dieser Teil diskutiert die Gefahr der Integration der Massen und benennt potenzielle Kräfte für einen gesellschaftlichen Wandel.

4.) Schnittpunkte und Unvereinbares: Es werden die zentralen Kategorien der Analyse, wie die Rolle Gottes und die Lebensweise, vergleichend gegenübergestellt.

4.1) Das „göttliche Leben ohne Gott“: Dieses Kapitel vergleicht die Herdenmoral bei Nietzsche mit der technologischen Rationalität bei Marcuse als neue Götterersatz-Strukturen.

4.2) Falsche Bedürfnisse: Es werden die Parallelen zwischen der Nivellierung durch den Massenmenschen und der Manipulation durch Konsumbedürfnisse aufgezeigt.

4.3) Wege zum letzten und eindimensionalen Menschen: Hier wird der Unterschied zwischen Nietzsches bewusster Entscheidung und Marcuses deterministischem gesellschaftlichen Fortschritt herausgearbeitet.

4.4) Ausbruch aus der Gesellschaft: Das Kapitel untersucht, ob ein Ausbruch aus der jeweiligen Gesellschaftsform für den Einzelnen möglich ist.

5.) Fazit: Die Schlussbetrachtung kommt zu dem Ergebnis, dass Marcuses eindimensionaler Mensch das Leben führt, das Nietzsche für den letzten Menschen vorausgesagt hat.

Schlüsselwörter

Nietzsche, Marcuse, letzter Mensch, eindimensionaler Mensch, Nihilismus, Tod Gottes, Industriegesellschaft, Konsumkritik, repressive Toleranz, Übermensch, Massengesellschaft, technologische Rationalität, Gesellschaftskritik, Entfremdung, individuelle Freiheit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, inwiefern der „eindimensionale Mensch“ bei Herbert Marcuse als Weiterführung des „letzten Menschen“ bei Friedrich Nietzsche betrachtet werden kann.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Themen sind der Nihilismus, die Auswirkungen von Technik und Konsum auf das Individuum, die Rolle der Sprache sowie die Frage nach gesellschaftlicher Opposition und Freiheit.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es, die Essenzen beider Postulate herauszukristallisieren und die philosophischen Ähnlichkeiten sowie Differenzen in ihrem jeweiligen gesellschaftskritischen Kontext zu prüfen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine komparative Analyse, bei der die Theorien beider Philosophen in Bezug auf ausgewählte Kategorien wie Lebensweise, Moral und gesellschaftlicher Ausbruch gegenübergestellt werden.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden Nietzsches Zarathustra-Exegese und Marcuses Analysen zur Industriegesellschaft separat dargestellt und anschließend auf Schnittpunkte und Unvereinbarkeiten untersucht.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Nihilismus, Eindimensionalität, Konsum, Massenmensch, technologische Rationalität und repressive Toleranz.

Wie unterscheidet sich der Weg zum „letzten Menschen“ bei Nietzsche vom „eindimensionalen Menschen“ bei Marcuse?

Nietzsches letzter Mensch ist das Resultat einer aktiven Entscheidung der Masse, während Marcuses eindimensionaler Mensch das Dasein als direkte, fast zwanghafte Folge des technologischen Fortschritts und unbewusster Machtmechanismen erfährt.

Welche Rolle spielt der „Tod Gottes“ für die Argumentation?

Der „Tod Gottes“ fungiert als theoretischer Wendepunkt: Er markiert bei Nietzsche den Verlust objektiver moralischer Instanzen und erzwingt entweder die Entwicklung zum Übermenschen oder zum nihilistischen letzten Menschen.

Was ist mit „repressiver Toleranz“ gemeint?

Marcuse bezeichnet damit eine Form von Toleranz, die durch die Gleichbehandlung aller Meinungen und die Integration in das kapitalistische System jegliche ernsthafte oppositionelle Praxis neutralisiert.

Zu welcher Schlussfolgerung gelangt der Autor im Fazit?

Der Autor kommt zu dem Schluss, dass der eindimensionale Mensch exakt das Leben führt, das Nietzsche für den letzten Menschen prognostiziert hat: ein in der Masse aufgelöstes Dasein, das durch internalisierte falsche Bedürfnisse jegliches „Innen“ verloren hat.

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Details

Title
Ist der eindimensionale Mensch Marcuses eine Weiterführung des letzten Menschen bei Nietzsche?
College
LMU Munich  (Geschwister-Scholl-Institut für Politikwissenschaft)
Course
Politisches Denken bei Friedrich Nietzsche
Grade
1,0
Author
Hakan Tanriverdi (Author)
Publication Year
2008
Pages
18
Catalog Number
V127838
ISBN (eBook)
9783640342808
ISBN (Book)
9783640342600
Language
German
Tags
Nietzsche Marcuse Kritische Theorie Frankfurter Schule letzter Mensch Übermensch Eindimensionalität Gott ist tot Gottestod
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Hakan Tanriverdi (Author), 2008, Ist der eindimensionale Mensch Marcuses eine Weiterführung des letzten Menschen bei Nietzsche?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/127838
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