Im Rahmen dieser Hausarbeit soll das Schulprogramm "Mainzer Schultraining zur Essstörungsprävention" (MaiStep) vorgestellt und evaluiert werden. Die Intention dieses Programmes ist es, Kinder und Jugendliche frühzeitig darin zu unterstützen, protektive Fertigkeiten und Kompetenzen aufzubauen, um essgestörte Verhaltensweisen und damit einhergehende Denkmuster vorzubeugen. Diese Arbeit soll zudem einen Überblick über das Spektrum von Essstörungen im Kindes-und Jugendalter verschaffen und Risikofaktoren beleuchten. Kinder und Jugendliche wachsen in einer Gesellschaft auf, in der die Figur und das äußere Erscheinungsbild zu bedeutsamen Beurteilungskriterien einer Person geworden sind.
Der gesellschaftliche Anspruch, möglichst schlank zu sein, übt auf viele Menschen Druck und Unwohlsein aus. Als Reaktion entwickeln Kinder und Jugendliche immer früher dysfunktionale Essverhaltensweisen. Dazu zählt beispielsweise Diäthalten oder aber auch unkontrolliertes Essverhalten. Essstörungssymptome gehören mittlerweile zu den häufigsten psychischen Gesundheitsproblemen im Kindes- und Jugendalter und weisen die höchste Mortalitätsrate unter allen psychischen Erkrankungen auf. In der Studie von Presnell et al. kam man zu dem Ergebnis, dass Jugendliche bzw. junge Erwachsene besonders einen medial ausgelösten Druck verspüren, dünn sein zu müssen. Die Internalisierung von unrealistisch dargestellten Schönheitsidealen ist ein wesentlicher Prädiktor für Körperunzufriedenheit und mündet häufig in Diäten.
In zeitlich immer kürzeren Abständen werden neue Diätkonzepte auf den Markt gebracht. Paradoxerweise zeigen Diäten jedoch einen gegenteiligen Effekt auf. Langfristig stellt Diätverhalten ein hohes Risiko für die Entwicklung einer Essstörung und Übergewicht dar. Da Essstörungen die Tendenz zur Chronifizierung haben und häufig langwierige Therapien sowie schwere Begleit- und Folgeerkrankungen nach sich ziehen, ist es von großer Bedeutung, wirksame Verfahren zur Verhinderung der Entstehung von Ess-und Gewohnheitsstörungen zu etablieren. Daher besteht dringender Handlungsbedarf, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken. Neben den enormen Belastungen auf persönlicher Ebene verursachen Essstörungen überdies sehr hohe Kosten für das Gesundheitssystem.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Essstörungen bei Kindern und Jugendlichen
3. Risikofaktoren von Essstörungen bei Kindern-und Jugendlichen
3.1. Die Diätgesellschaft
4. Schutzfaktoren
5. Präventive Maßnahmen
5.1. Primärpräventionen
5.2. Das MaiStep Präventionsprogramm
5.2.1. Zielgruppe
5.2.2. Rahmenbedingungen
5.2.3. Programmkonzept
5.2.4. Durchführung
6. Evaluation
7. Resümee
8. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit hat zum Ziel, das Schulprogramm "MaiStep" (Mainzer Schultraining zur Essstörungsprävention) im Hinblick auf seine Wirksamkeit und seine Bedeutung für die Gesundheitsförderung bei Jugendlichen zu evaluieren und einen Überblick über das Spektrum der Essstörungen zu geben.
- Prävalenz und Risikofaktoren von Essstörungen im Kindes- und Jugendalter
- Bedeutung von Primärprävention in der Essstörungsprävention
- Methodik und Konzept des MaiStep-Trainingsprogramms
- Evaluation der Programmeffektivität durch eine cluster-randomisierte Studie
- Kosten-Nutzen-Analyse und gesundheitsökonomische Aspekte
Auszug aus dem Buch
5.2.2. Rahmenbedingungen
Das Programm wird von geschulten LehrerInnen, SchulsozialarbeiterInnen oder PsychologInnen durchgeführt. Die TrainerInnen durchlaufen vorab eine eintägige Schulung, die sie in das Themengebiet der Essstörungen einführt. Sie erhalten Informationen zur Durchführung, dem Ablauf, den konkreten Inhalten und bekommen Materialien überreicht. Insgesamt umfasst das MaiStep Programm fünf Doppelstunden à 90 Minuten, die in den Regelunterricht fachübergreifend integriert werden sollen (Lohaus & Domsch, 2009).
Alle Trainingsmaterialien sowie die Lehrkräfteschulung werden von der Universitätsmedizin Mainz und der Kaufmännischen Krankenkasse kostenlos zur Verfügung gestellt (Lohaus & Domsch, 2009).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den gesellschaftlichen Druck durch Schlankheitsideale und die daraus resultierende Notwendigkeit wirksamer Präventionsmaßnahmen gegen Essstörungen.
2. Essstörungen bei Kindern und Jugendlichen: Dieses Kapitel erläutert die Hauptformen klinischer Essstörungen, deren Prävalenz sowie die diagnostischen Kriterien.
3. Risikofaktoren von Essstörungen bei Kindern-und Jugendlichen: Hier werden die multifaktoriellen Ursachen für Essstörungen analysiert, wobei besonders der soziokulturelle Einfluss einer „Diätgesellschaft“ hervorgehoben wird.
4. Schutzfaktoren: Das Kapitel beschreibt psychologische Ressourcen wie Selbstwertgefühl und Achtsamkeit, die als Puffer gegen die Entstehung von Essstörungen fungieren.
5. Präventive Maßnahmen: Es erfolgt eine theoretische Einordnung der Primärprävention sowie die detaillierte Vorstellung der Zielgruppe, des Konzepts und der Struktur von MaiStep.
6. Evaluation: Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitstudie zur Wirksamkeit von MaiStep werden präsentiert, inklusive der Erkenntnisse zur Kosten-Nutzen-Bilanz.
7. Resümee: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Bewertung der Ergebnisse und einer Empfehlung zur weiteren Förderung schulbasierter Präventionsprogramme.
8. Literaturverzeichnis: Auflistung der im Text zitierten wissenschaftlichen Quellen.
Schlüsselwörter
Essstörungen, Jugendalter, Prävention, MaiStep, Primärprävention, Schulprogramm, Gesundheitsförderung, Psychologie, Adipositas, Anorexia nervosa, Bulimia nervosa, Binge-Eating-Störung, Interozeptionsfähigkeit, Körperzufriedenheit, Kosten-Nutzen-Analyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit im Kern?
Die Arbeit befasst sich mit der Prävention von Essstörungen bei Kindern und Jugendlichen anhand des Schulprogramms "MaiStep" und untersucht dessen theoretische Grundlagen und praktische Wirksamkeit.
Welche Essstörungen werden thematisiert?
Fokus der Arbeit bilden die Anorexia nervosa (AN), Bulimia nervosa (BN) sowie die Binge-Eating-Störung (BES).
Was ist das primäre Ziel des MaiStep-Programms?
Ziel ist es, Kindern und Jugendlichen durch den Aufbau von Lebenskompetenzen (Life-Skills) zu helfen, protektive Fertigkeiten zu entwickeln, um essgestörte Verhaltensweisen und Denkmuster frühzeitig vorzubeugen.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Evaluation zugrunde?
Das Programm wurde in einer cluster-randomisierten Evaluationsstudie mit über 900 Jugendlichen in Rheinland-Pfalz untersucht, wobei Interventionsgruppen mit einer aktiven Kontrollgruppe verglichen wurden.
Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil analysiert die Risikofaktoren, die theoretischen Hintergründe von Präventionsmaßnahmen sowie die konkrete Struktur, Zielsetzung und Umsetzung des MaiStep-Trainings.
Wie lässt sich die Arbeit anhand von Schlüsselwörtern charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Prävention, Essstörungen, Jugendalter, Schulprogramm und Lebenskompetenz definieren.
Wie erfolgreich ist das MaiStep-Modell nachweislich?
Die Studie konnte zeigen, dass die Inzidenzrate für die Entwicklung von Essstörungen unter den Teilnehmenden im Vergleich zur aktiven Kontrollgruppe signifikant geringer war.
Welchen ökonomischen Nutzen hat das Programm laut der Untersuchung?
Durch die Prävention von Essstörungen wurden signifikante Einsparungen für das Gesundheitssystem in Millionenhöhe erzielt, da langwierige und kostenintensive Therapien vermieden werden konnten.
- Arbeit zitieren
- Patricia Voit (Autor:in), 2022, Das MaiStep Präventionsprogramm für Essstörungen im Kindes- und Jugendalter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1278504