Gegenstand der vorliegenden Arbeit ist die Methode Video-Home-Training (VHT) im Kontext elternaktivierender stationärer Erziehungshilfe. Unter Heranziehung einer konkreten Praxiseinrichtung, werden mehrere Elemente und Möglichkeiten stationärer VHT-Arbeit beleuchtet und in Kontext bereits vorhandener Wissensbestände und Praxen innerhalb und außerhalb des VHT-Diskurses gesetzt. Auf dieser Grundlage wird untersucht, wie sich VHT innerhalb eines elternaktivierenden Wohngruppensettings auswirkt. Hierzu wird mithilfe einer qualitativen Einzelfallstudie erforscht, welche Wirkungen von VHT-Arbeit von Adressat*innen – Kindern, Elternteilen, Auszubildenden, Fachkräften – beobachtet werd
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
2 Relevante Hintergründe
2.1 Grundlagen des VHTs
2.2 Elternaktivierendes Wohngruppensetting
3 Konkrete VHT-Elemente in der Wohngruppe
3.1 VHT mit Eltern
3.2 VHT mit Kindern
3.3 VHT in Elternrunden
3.4 VHT in der Ausbildung
3.5 VHT im Team
4 Forschungsteil
4.1 Forschungsdesign
4.2 Ergebniszusammenfassung
4.3 Diskussion und Resümee
5 Schlussgedanken
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Wirkung der VHT-Methode (Video-Home-Training) im Kontext der elternaktivierenden stationären Erziehungshilfe. Ziel ist es, durch eine qualitative Einzelfallstudie aufzuzeigen, welche Auswirkungen VHT auf verschiedene Adressatengruppen – Kinder, Eltern, Auszubildende und Fachkräfte – hat und wie die Methode effektiv in den Wohngruppenalltag integriert werden kann.
- Grundlagen und Anwendung von VHT in stationären Settings.
- Methoden der Elternaktivierung und des Empowerment.
- Rolle des VHT in der Beziehungsarbeit zwischen Fachkräften, Eltern und Kindern.
- Einsatzmöglichkeiten für die Personalentwicklung und Ausbildung in Jugendhilfeeinrichtungen.
- Umgang mit Widerständen und Skepsis gegenüber videobasierten Beratungsformen.
Auszug aus dem Buch
Türöffner 2: Wollen Sie eigentlich mal sehen, was wir da machen?
Diese flapsig formulierte, auch humorvolle Einladung, weckt selbst bei Elternteilen in Widerstand Neugier – so die Beobachtung der Wohngruppe. Eine solche ist möglich, wenn mit ihren Söhnen oder Töchtern VHT auf Kinderebene praktiziert wird. Unter dem ‚Vorwand‘, den Elternteil zu informieren, woran der*die VHTler*in mit seinem Kind derzeit arbeitet und wie dieser Prozess gelingt, wird ein Videozusammenschnitt erstellt und eine Rückschau gehalten.
Herr Feller, Vater des 10-jährigen Janniks, welcher seit kurzem einen VHT-Prozess gestartet hatte, war bereits seit fünf Monaten im Kampfmuster mit der Wohngruppe. Er betonte stets, dass er Kooperation nur für sinnvoll hielt, wenn es direkt um seinen Sohn ginge. Weil er keine Erziehungsthemen bei sich sah, war es für ihn ‚unnötig‘ in einen Prozess zu starten. Dies annehmend, vermieden die VHTlerinnen an der Stelle, sein Muster zu bestärken, indem sie ihn wiederum zu etwas ‚drängen‘ würden. Durch die Frage, ob er mal sehen wolle, was die Wohngruppe da eigentlich mit seinem Sohn tue, konnte er in ein erstes Rückschau-Setting geholt werden. Es stellte sich schnell heraus, dass die Bilder und die Fragen der VHTlerin die Expertenrolle in Herrn Feller anregte und so (erstmals) ein kooperativer Austausch und Reflexion auf Erwachsenenebene stattfinden konnte. Von den gelungenen Sequenzen seines Sohnes war er stark gerührt und äußerte sogar Positives über die Arbeitsweise der VHT-Kollegin. Auf Nachfrage, ob er sich erneut solche Gespräche und Aufnahmen von sich und seinem Sohn vorstellen könne, bejahte er und formulierte „Ich bin sehr gespannt“.
Nicht mit seinen eigenen Erziehungsthemen im Fokus der Videoanalyse zu stehen, kann für Eltern zu Beginn eine Entlastung darstellen. Der Weg über das Kind kann sich wie im obigen Beispiel als gelungene Anbahnung eignen. Das Beispiel zeigt, dass diese und das ‚erst gewinnen müssen von Elternteilen‘ Zeit und Gelassenheit brauchen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Die Arbeit führt in die Methode VHT im Kontext der stationären Kinder- und Jugendhilfe ein und formuliert die Forschungsfrage zur Wirkung in elternaktivierenden Settings.
2 Relevante Hintergründe: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen des VHT-Säulenmodells sowie die Konzepte eines elternaktivierenden Wohngruppensettings.
3 Konkrete VHT-Elemente in der Wohngruppe: Die praktische Anwendung wird systematisch nach den Zielgruppen Eltern, Kinder, Elternrunden, Ausbildung und Team differenziert und beschrieben.
4 Forschungsteil: Das Forschungsdesign der qualitativen Einzelfallstudie wird dargelegt und in einer Zusammenfassung sowie Diskussion der Ergebnisse ausgewertet.
5 Schlussgedanken: Die Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass VHT ein wirksames und wertgeschätztes Werkzeug in der stationären Erziehungshilfe darstellt, das einen wesentlichen Beitrag zur Elternaktivierung leistet.
Schlüsselwörter
Video-Home-Training, VHT, stationäre Erziehungshilfe, Elternaktivierung, Empowerment, Systemische Interaktionstherapie, Fallbesprechung, Elternrunde, Ressourcenorientierung, Beziehungsarbeit, Elternkompetenz, Videobasierte Beratung, Wohngruppensetting, pädagogische Ausbildung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Abschlussarbeit beschäftigt sich mit der Integration und Wirksamkeit der videobasierten Beratungsmethode (VHT) in einem speziellen, elternaktivierenden stationären Wohngruppensetting.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Schwerpunkte bilden die methodische Umsetzung des VHT für verschiedene Akteure, Ansätze zur Elternaktivierung, die Gestaltung von Elternrunden sowie die professionelle Begleitung in der Ausbildung und im Team.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht konkret: Wie wirkt sich VHT im Kontext elternaktivierender stationärer Erziehungshilfe aus?
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Autorin führt eine qualitative Einzelfallstudie durch, basierend auf leitfadengestützten Interviews mit Bewohnern, Eltern und Fachkräften der Wohngruppe.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung und eine detaillierte Auseinandersetzung mit der Praxiserfahrung auf den Ebenen Eltern, Kinder, Ausbildung und Team.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Aspekte sind Ressourcenorientierung, Empowerment, Video-Interaktions-Begleitung und die systematische Stärkung der Eltern-Kind-Beziehung.
Warum ist die Arbeit insbesondere für Fachkräfte der Jugendhilfe relevant?
Sie zeigt praxisnah auf, wie Widerstände von Eltern und Kindern gegenüber Beratung durch VHT abgebaut werden können und wie dieses Instrumentarium zur Qualitätsentwicklung in Teams genutzt wird.
Welche Rolle spielt die "Elternrunde" für den Erfolg der Methode im Wohngruppenkontext?
Die Elternrunde dient als psychoedukatives Element, das den Austausch zwischen Eltern fördert, soziale Fähigkeiten stärkt und den Einstieg in individuellere VHT-Prozesse erleichtert.
- Quote paper
- Felizitas Balzer (Author), 2020, Videobasiertes Arbeiten (VHT) im Kontext elternaktivierender stationärer Erziehungshilfe, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1278760