Die Fusion von SPD (Ost) und KPD (Ost) zur SED


Hausarbeit (Hauptseminar), 2003

27 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Historische Vorbemerkungen
2.1 Ursachen der Vereinigung von SPD (Ost) und KPD (Ost)

3. Sprachliche Erörterungen zu Artikeln der Westpresse
3.1 Neue Zeitung vom 22. April 1946: „Die SED in Berlin gegründet“
3.2 Hamburger Echo vom 20. April 1946: Grothewohls „Zentralausschuß“ hat kapituliert. Der letzte Akt der „Einheits“-Tragödie in Berlin

4. Sprachliche Erörterungen zu Artikeln der Ostpresse
4.1 Die Einheit vom 4. April. 1946: „Der Sieg muß unser sein!“ Kommentar von H. Al. Pohlmeyer
4.2 Volkszeitung vom 2. April 1946: „Die Niederlage der Einheitsgegner in Berlin“

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

7. Anhang

1. Einleitung

Das Ende des zweiten Weltkriegs bedeutete für das Pressewesen einen kompletten Neuanfang, welcher unter strenger Aufsicht der Besatzungsmächte erfolgte.[1]

Die westlichen Alliierten entschieden sich für eine 3-Phasen Entwicklung. Anfangs fand eine Zäsur statt, in der ausschließlich von den Besatzungsmächten veröffentlichte Zeitungen herauskommen durften. In der zweiten Phase wurden dann Mitteilungsblätter verbreitet und in der dritten Phase erschien die erste deutsche Zeitung unter der Kontrolle der Alliierten.

Die Sowjets hatten eine andere Zielsetzung. Noch bevor die SMAD (Sowjetische Militäradministration) gegründet wurde, gaben Soldaten Nachrichtenblätter an die Bevölkerung heraus.[2] Dabei handelte es sich mehr um Flugblätter, auf denen Nachrichten in deutscher Sprache standen und durch die die Gründung einer Zeitung vorbereitet werden sollte.

Es entstanden im Westen einige neue Zeitungen, von denen viele nach kurzer Zeit wieder eingestellt wurden. Geblieben sind bis heute z.B. die „Neue Presse“ und „Frankfurter Rundschau“. Alle Zeitungen wurden jedoch von den Alliierten lizensiert - z.B. der französisch lizensierte „Kurier“, der britisch lizensierte „Telegraf“ und die mit US-amerikanischer Lizenz gedruckte „Neue Zeitung“ - aus der in dieser Arbeit ein Artikel analysiert wird.

Ein Wille der Allliierten, die Zeitungen zu Propagandazwecken zu nutzen, war seitens der westlichen Alliierten weniger stark erkennbar als auf Seiten der Sowjetischen Besatzer welche die Berichterstattung ausschließlich zur Agitation nutzten. Hier wurde die Zeitung „Neues Deutschland“ zum Sprachrohr der SED, der sie unterstand. Auch die Lizenzvergabe erfolgte auf unterschiedliche Weise. Die drei westlichen Alliierten vergaben Lizenzen fast nur an Einzelpersonen, die Sowjets dagegen hauptsächlich an Interessensorganisationen wie Parteien, Gewerkschaften und andere Massenorganisationen.[3]

Die Vergabe einer Lizenz war in der sowjetischen Besatzungszone mit der Übernahme einer politischen Aufgabe gekoppelt, nämlich der „antifaschistisch-demokratischen Umerziehung“ im Sinne des Marxismus- Leninismus.[4]

Diese Arbeit befasst sich mit Artikeln die über die Fusion von SPD (OST) und KPD (OST) zur SED im April 1946 berichten.

Zu Beginn der Arbeit erfolgt ein historischer Überblick über die damaligen Geschehnisse und die damit verbundene unterschiedliche Berichterstattung.

Diese unterschiedliche Berichterstattung wird anhand von jeweils zwei Ost- und zwei Westartikeln analysiert. Besonderer Augenmerk gilt der Verwendung von Stigmawörtern, Fahnenwörtern, und Hochwertwörtern sowie anderen Schreibtechniken z.B. dem Einsatz von Attribuierungen.

Als „Schlagwörter“ werden laut Klein Wörter bezeichnet, die in komprimierter Form Einstellungen ausdrücken oder provozieren wollen. Sie sollen Denken, Fühlen und Verhalten steuern wie z.B. ideologiesprachliche Wörter wie Freiheit, Sozialismus etc..[5]

Als Fahnenwörter bezeichnet man Wörter mit stark deontischem Potential, deren Funktion es ist, als parteisprachliche Wörter aufzufallen, den Parteistandpunkt deutlich zu machen. Das negative Pendant der Fahnenwörter bilden die Stigmawörter, diese sollen die gegnerische Partei negativ darstellen.[6] Auch auf die Verwendung von Hochwertwörtern wird in dieser Arbeit verwiesen. Hochwertwörter sind Wörter, die parteiübergreifend oft stark umkämpft eingesetzt werden. Es sind Wörter mit einer positiven deontischen Bedeutung wie „Freiheit, Demokratie, Gerechtigkeit etc.“.[7]

Versucht werden soll, die einzelnen sprachlichen Besonderheiten zueinander in Beziehung zu setzen.

Im Anhang befindet sich eine Auflistung von Schlag-/Schlüsselwörtern, die nach Ost- und Westherkunft geordnet ist.

2. Historische Vorbemerkungen

2.1 Ursachen der Vereinigung von SPD (Ost) und KPD (Ost)

Der „Befehl Nr. 2“ der Sowjetischen Militäradministration (SMAD) machte die Gründung bzw. Wiedergründung deutscher Parteien in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) wieder möglich. Erlaubt wurden ausschließlich antifaschistische Parteien, die der Kontrolle und dem Willen der SMAD unterstanden.[8] Es bildeten sich wieder bzw. neu die KPD, SPD, CDU und LDPD (Liberaldemokratische Partei Deutschlands). Zunächst bildete sich also das traditionelle deutsche Parteiensystem, welches ein pluralistisches darstellte. CDU und LDPD wurden jedoch schon bald eingebunden in die Einheitsfront der antifaschistisch – demokratischen Parteien (Antifa – Block) und standen somit in Abhängigkeit der KPD/SED.[9]

Die SMAD hoffte, dass die Berliner Parteiführungen von SPD, CDU und LDPD zu Reichs-Zentralen eines rekonstruierten deutschen Parteiensystems würden. Es erfolgte aber nur die Führung der KPD in allen vier Besatzungszonen von Berlin aus, während sich die anderen Parteien im Westen langsam dem Einfluss der Sowjets entzogen.[10] Die Sozialdemokraten bekamen, so Wilke, den „totalitären Machtwillen der sowjetischen und deutschen Kommunisten als erste zu spüren, als die Marxisten/Leninisten die sozialdemokratische Konkurrenz in der Arbeiterbewegung mit List und Gewalt ausschalteten.“[11] Wilke bezeichnet die SED-Gründung als ersten Schritt in die deutsche Zweistaatlichkeit.

Auch Weber bezeichnet die Gründung der SED im April 1946 als einen großen Einschnitt in das Parteiensystem der sowjetischen Besatzungszone.[12] Für ihn zeichnete sich durch die Fusion und deren Umstände der Weg der SBZ zum Einparteienstaat ab.

Die Fusion wurde in Ost und West unterschiedlich dokumentiert und beurteilt; DDR – Schriften gingen von einer freiwilligen Vereinigung seitens der SPD aus, während der Westen von „Zwangsvereinigung“ sprach.[13]

Zu Beginn, im Juni 1945, sprach sich die KPD unter Wilhelm Pieck zunächst nur für eine „Aktionseinheit“ mit der SPD und gegen eine von den Sozialdemokraten geforderte Einheitspartei aus[14], jedoch merkte sie schon bald, dass sie aufgrund mangelnder Zustimmung in der Bevölkerung ins Abseits geriet. Außerdem wurden die Kommunisten nach Wahlniederlagen in Österreich und Ungarn sowie durch die ansteigenden Ost-West Spannungen von der Sowjetunion unter Druck gesetzt. Des weiteren ging die SPD bei einigen Wahlen in der SBZ als stärkste Partei hervor.

Daraufhin trat die Spitze der KPD- Führung Ende 1945 für einen schnellen Zusammenschluss beider Parteien, SPD und KPD, ein.[15]

Gemeinsam war den beiden Parteien eine antifaschistische Grundeinstellung, auch das Bekenntnis der KPD zur parlamentarischen Demokratie brachte die beiden Parteien sich ein Stück näher.[16]

Die Hoffnungen der SPD-Führung unter Otto Grothewohl in einer organisatorischen Einheit mit der KPD lagen in der Möglichkeit eines demokratischen und sozialistischen Neuaufbaus. Außerdem hoffte die SPD, durch ihre zahlenmäßige Überlegenheit in dem Bündnis dominieren zu können.[17]

Da die SPD im Westen unter Kurt Schumacher jedoch eine Verschmelzung mit der KPD massiv ablehnte, standen auch immer mehr SPD-Angehörige in der Sowjetischen Besatzungszone einer Fusion misstrauisch gegenüber. Der Grund Schumachers, eine Einheit mit der KPD abzulehnen, lag nicht darin, dass er die KPD für eine revolutionäre sozialistische Klassenpartei hielt, sondern weil sie eine, in seinen Augen, zu enge politisch-ideologische Bindung an die KpdSU hatte und somit die Staatsinteressen der Sowjetunion deutsche Politik sein würden.[18]

Trotz vieler Vorbehalte und ohne die Beteiligung der SPD im Westen waren die SPD-Delegierten schlussendlich für die Vereinigung mit der KPD. Dies lässt sich zum einen aus dem verstärkten Druck der SMAD erklären und zum anderen auf die bereits erwähnten Zugeständnisse seitens der KPD, die eine „volle Demokratie“ versprach, zurückführen.[19]

Die Bezeichnung der „Zwangsvereinigung“ seitens der SPD als Hinweis darauf, dass Fusionsgegner in der SBZ zum Schweigen gebracht wurden, soll nicht darüber hinweg täuschen, dass zunächst viele Ost- SPD Mitglieder für eine Vereinigung waren und erst spät die wahren Ziele der KPD erkannten. Diese waren die alleinige Machterringung und die Ausschaltung der SPD, die den größten Konkurrenten für sie darstellte.[20]

Mit Hilfe sowjetischer Ortskommandanten, die verstärkt KPD - Ortsgruppen zuließen, schaffte es die KPD, eine in etwa gleich starke Mitgliederzahl wie die SPD aufzuweisen. Somit gelang es der KPD gerade auf dem Land, wo sonst die SPD dominierte, diese zu überflügeln.[21] Auch lockte die SMAD diejenigen Sozialdemokraten, die für eine Vereinigung waren mit Karriereaussichten, Lebensmittelpaketen etc. und reagierte auf Widerstand seitens der SPD u.a. mit Redeverboten und Verhaftungen von Fusionsgegnern.

Somit erreichten die Kommunisten die Macht in Ostdeutschland nicht aus eigener Kraft, sondern mit Hilfe und im Auftrag der sowjetischen Besatzer.[22]

Auf einem gemeinsamen Parteitag von KPD und SPD am 21. / 22.04.1946 wurde die SED gegründet. Vorsitzende wurden Wilhelm Pieck (KPD) und Otto Grothewohl (SPD). Dieser Parteitag galt als Demonstration einer freiwilligen Vereinigung.[23]

In den Westzonen fand im Mai 1946 der erste Parteitag der SPD der drei Westzonen statt und wählte Kurt Schumacher zum Vorsitzenden.[24]

Die Bildung der SED führte zu einer stärkeren Spaltung Deutschlands, da sie zu Auseinandersetzungen zwischen der westdeutschen Sozialdemokratie und der kommunistischen SED im Osten führte. Die westlichen Besatzungsmächte gingen von einer Bildung des sowjetischen Einparteienstaats durch die SED aus und nahmen Kurs auf einen „Weststaat“, da ein kommunistisch geführter Staat mit den westlichen Ideologien nicht vereinbar war.[25]

[...]


[1] Pross H.: 2000 S. 130 ff.

[2] Benning, K.: 1997, S. 12

[3] ebd., S. 14

[4] ebd., S. 15

[5] Klein, J.: 1989, S. 11

[6] ebd., S. 21 ff.

[7] ebd., S. 21

[8] Weber, H.: 1985, S. 69

[9] Schlosser, H.: 1999, S. 40

[10] Wilke, M.: 1998, S. 221

[11] ebd. , S.213

[12] Weber, H.: 1985, S.115

[13] Weber, H.: 1985, S.119

[14] ebd., S. 221

[15] ebd., S. 116

[16] ebd., S. 116

[17] ebd., S. 116

[18] Wilke, M.: 1998, S. 214

[19] Weber H.: 1985, S. 199 ff.

[20] ebd., S. 118

[21] ebd., S. 119

[22] Wilke, M.: S. 216

[23] ebd., S. 132

[24] Benz, W.: 1999, S. 11

[25] ebd., S. 116

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Die Fusion von SPD (Ost) und KPD (Ost) zur SED
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Germanistik)
Veranstaltung
Hauptseminar/Sprachgeschichte der deutschen Teilung
Note
2
Autor
Jahr
2003
Seiten
27
Katalognummer
V12788
ISBN (eBook)
9783638185929
ISBN (Buch)
9783638642613
Dateigröße
658 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Medienberichterstattung, deutsche Teilung, Sprachgeschichte, Fursion von SPD und KPD zur SED, SPD SED
Arbeit zitieren
Stefanie Scholl (Autor), 2003, Die Fusion von SPD (Ost) und KPD (Ost) zur SED, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/12788

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