Rechtschreibung und Rechtschreibunterricht sind ein wesentlicher Bestandteil des Deutschunterrichts in Baden-Württemberg. Deutschlehrerinnen und -lehrer sind für den erfolgreichen Orthografieerwerb ihrer Schülerinnen und Schüler verantwortlich, weshalb ihnen eine wichtige Aufgabe zugeschrieben wird, da diese Lernende dazu befähigt, an der Gesellschaft teilzuhaben. Dazu gehört das fehlerfreie Verfassen von Bewerbungen, geschäftlichen E-Mails und vieles mehr. Allerdings ist diese wichtige Aufgabe von extremer Komplexität und zahlreichen, vielfältigen Teilbereichen geprägt.
Einer der problematischsten Aspekte umfasst dabei die korrekte Groß- und Kleinschreibung. Diesen Bereich kann man in mehrere Teilbereiche gliedern, wovon die satzinterne Großschreibung Schreibenden die größten Schwierigkeiten bereitet (vgl. Betzel/Droll 2020). Daher soll diese, neben den kurz angeschnittenen Regelungsbereichen, vor allem fokussiert werden.
Die satzinterne Großschreibung ist anhand zwei verschiedener Ansätze beschreibbar: den lexikalischen und den syntaktischen Ansatz. Bevor diese näher beleuchtet werden, wird zunächst die Entstehung der Großschreibung in der deutschen Sprache aufgegriffen. Daraufhin werden die beiden Prinzipien näher untersucht, aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet und deren Möglichkeiten, aber auch Mängel aufgezeigt. Im Anschluss soll ein Vorschlag für den Einsatz im schulischen Kontext skizziert werden, der die Erlernung der satzinternen Großschreibung ermöglicht. Dabei gilt es abzuwägen bzw. herauszuarbeiten, inwiefern die beiden Ansätze dazu einen Beitrag leisten können und welche Funktion sie wann und wie dabei übernehmen können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Entstehung der Großschreibung
2.1 Entwicklung der Majuskeln, Minuskeln und der Großschreibung
2.2 Historik der satzinternen Großschreibung
3. Die korrekte Großschreibung
3.1 Reglungsbereiche der Großschreibung
3.2 Die korrekte satzinterne Großschreibung
3.2.1 Die korrekte satzinterne Großschreibung anhand lexikalischer Eigenschaften
3.2.1.1 Prototypische Substantive im Rahmen des lexikalischen Ansatzes
3.2.1.2 Substantivierungen im Rahmen des lexikalischen Ansatzes
3.2.2 Die korrekte satzinterne Großschreibung anhand syntaktischer Eigenschaften
3.2.2.1 Prototypische Substantive im Rahmen des syntaktischen Ansatzes
3.2.2.1.2 Substantivierungen im Rahmen des syntaktischen Ansatzes
4. Einsatz im schulischen Kontext
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die zwei wesentlichen Ansätze der Vermittlung von satzinterner Großschreibung im Deutschunterricht – den traditionellen lexikalischen Ansatz und den neueren syntaktischen Ansatz – mit dem Ziel, einen didaktisch fundierten Vorschlag für den Unterricht zu erarbeiten.
- Historische Entwicklung der Großschreibung
- Lexikalische versus syntaktische Bestimmung von Substantiven
- Merkmale und Problematik der Substantivierung
- Didaktische Konzepte für Grund- und Sekundarstufe
- Einsatz von Treppengedichten zur Visualisierung grammatischer Strukturen
Auszug aus dem Buch
3.2.2 Die korrekte satzinterne Großschreibung anhand syntaktischer Eigenschaften
„Bei der syntaktischen Substantivbestimmung wird das Substantiv nicht isoliert betrachtet, sondern als Einheit im Satz.“ (Betzel/Droll 2021, S. 89)
Da beim syntaktischen Ansatz der satzinternen Großschreibung nun ganze Sätze und nicht nur isolierte Wörter in den Blick genommen werden, muss man sich zunächst über die Konstruktion eines Satzes klar werden. Die einfachsten Sätze der deutschen Sprache bestehen aus einer Nominalgruppe in Verbindung mit einem verbalen Kern: (1) Die Kinder spielen.
In Satz (1) bildet „die Kinder“ die Nominalgruppe des Satzes. Um besser nachvollziehen zu können, was eine Nominalgruppe ausmacht und wie sie funktioniert, soll folgendes Zitat helfen: „Die Nominalgruppe ist eine Wortgruppe mit einem Nomen […] als Kern. […] Vertreter anderer Wortarten [können] als Kern einer Nominalgruppe gebraucht werden (Nominalisierung). Der Kern bestimmt das Genus; in Bezug auf die Deklinationskategorien Kasus und Numerus sind die Konstituenten der Nominalgruppe aufeinander abgestimmt (Kongruenz). Die Deklinationskategorien werden meist am Artikel gekennzeichnet. Nominalgruppen können durch Attribute ausgebaut werden.“ (Leibniz-Institut für Deutsche Sprache (IDS), 2020)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Schwierigkeiten der Groß- und Kleinschreibung im Deutschunterricht und definiert das Ziel der Arbeit, einen didaktischen Vorschlag für das Erlernen der satzinternen Großschreibung zu entwickeln.
2. Die Entstehung der Großschreibung: Dieses Kapitel skizziert den historischen Entwicklungsprozess von Majuskeln und Minuskeln sowie die Entstehung der satzinternen Großschreibung ab dem 17. Jahrhundert.
3. Die korrekte Großschreibung: Hier werden die Reglungsbereiche definiert und ein tiefergehender Vergleich zwischen dem lexikalischen und dem syntaktischen Ansatz zur Bestimmung von Substantiven und Substantivierungen gezogen.
4. Einsatz im schulischen Kontext: Dieser Teil leitet aus den theoretischen Erkenntnissen praktische Empfehlungen für den Unterricht ab, darunter die Verwendung von Treppengedichten zur Vereinfachung komplexer Strukturen.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass beide Ansätze ihre Berechtigung haben und ein schrittweiser Übergang vom lexikalischen zum syntaktischen Modell für den Lernerfolg am sinnvollsten ist.
Schlüsselwörter
Satzinterne Großschreibung, Lexikalischer Ansatz, Syntaktischer Ansatz, Substantivierung, Substantiv, Nominalgruppe, Orthografieerwerb, Rechtschreibunterricht, Grammatikrahmen, Treppengedicht, Artikelfähigkeit, Attributfähigkeit, Prototypische Substantive, Konkreta, Abstrakta.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Vermittlung der satzinternen Großschreibung im Deutschunterricht und vergleicht dabei zwei methodische Ansätze: den lexikalischen und den syntaktischen Ansatz.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die historische Entwicklung der Großschreibung, die grammatikalischen Kriterien zur Substantivbestimmung sowie didaktische Strategien für den Schulunterricht.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Ausarbeitung eines fundierten, didaktischen Vorschlags, der Schülern das Erlernen der satzinternen Großschreibung durch die Verbindung von lexikalischen und syntaktischen Prinzipien erleichtert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung anhand von Fachliteratur sowie die Anwendung linguistischer Analysen (z.B. des topologischen Satzmodells), um didaktische Schlussfolgerungen abzuleiten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die beiden Ansätze detailliert erläutert, die Rolle von Nominalgruppen beleuchtet und die Problematik von Substantivierungen aufgezeigt.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Nominalgruppe, syntaktisches Kriterium, Substantivierung, Artikelfähigkeit und didaktische Reduktion.
Was sind die Grenzen des lexikalischen Ansatzes?
Der lexikalische Ansatz scheitert oft bei Substantivierungen, da diese nicht mehr den prototypischen Substantiven entsprechen und somit semantische Merkmale zur korrekten Schreibung nicht mehr ausreichen.
Warum wird der syntaktische Ansatz als vorteilhaft dargestellt?
Der syntaktische Ansatz bietet eine universellere Systematik, da er Großschreibung nicht an die Wortart Substantiv, sondern an die syntaktische Konstellation im Satz (z.B. Kern einer Nominalgruppe) bindet.
Welche Rolle spielen Treppengedichte in dieser Arbeit?
Treppengedichte werden als didaktisches Werkzeug empfohlen, um die Struktur von Nominalgruppen und die zugrunde liegenden syntaktischen Kriterien für Schüler einfacher visualisierbar und begreifbar zu machen.
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- Anonym (Author), 2022, Der lexikalische und der syntaktische Ansatz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1278899