Das Ziel dieser Arbeit ist es, aufzuzeigen, wie Nietzsche versucht, genealogisch die Herkunft und die Ausbreitung der abendländischen Moral in seiner Schrift "Zur Genealogie der Moral" zu erläutern. Die nachfolgende Untersuchung setzt sich neben dieser Problematik mit dem Verhältnis von Kritik und genealogischer Betrachtung im Spätwerk Nietzsches auseinander. In der ersten Abhandlung wird über Nietzsches Verständnis der Moralherkunft gesprochen, im Hinblick auf die griechische aristokratische Gesellschaft. Dabei sollen die Begriffe Gut und Böse verdeutlicht werden. In einem zweiten Schritt werden die Begriffe Schuld, schlechtes Gewissen und Verwandtes thematisiert. Im dritten Teil wird der Begriff asketisches Ideal behandelt: in der Kunst, in der Philosophie, in der Priesterschaft und überhaupt in der Wissenschaft. In den Schlussbemerkungen werden einige Kommentatoren zitiert, um einen Ausblick über Nietzsches Schrift anzubieten. Primär beruht aber diese Arbeit auf Nietzsches Schrift "Zur Genealogie der Moral".
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Erste Abhandlung: Gut und Böse, Gut und Schlecht
2.1 Die Herkunft der Moral
2.2 Die aristokratische Gesellschaft und die Umwertung von Gut und Schlecht zu Gut und Böse
2.3 Nietzsches Verhältnis zum Ressentiment
3. Zweite Abhandlung: Schuld, schlechtes Gewissen und Verwandtes
3.1 Verantwortlichkeit und Gewissen
3.2 Ressentiment und Kultur
3.3 Verinnerlichung und Ressentiment
3.4 Schuldbewusstseins-Entwicklung und die Götter
4. Dritte Abhandlung: was bedeuten asketische Ideale?
4.1 Kunst und asketisches Ideal
4.2 Philosophie und asketische Ideal
4.3 Priesterschaft und asketisches Ideal
4.4 Wissenschaft und asketisches Ideal
5. Schlussbemerkungen
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist die genealogische Untersuchung der Herkunft und Verbreitung abendländischer Moralvorstellungen, wie sie Nietzsche in seiner Schrift Zur Genealogie der Moral darlegt, ergänzt durch eine kritische Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Moral, Kritik und dem Spätwerk des Philosophen.
- Die Entstehung und Umwertung moralischer Begriffe wie „Gut“, „Böse“ und „Schlecht“.
- Die Analyse von Ressentiment, Schuld und schlechtem Gewissen im kulturellen Kontext.
- Die Untersuchung der Rolle asketischer Ideale in Kunst, Philosophie, Priesterschaft und Wissenschaft.
- Die Dekonstruktion religiöser und metaphysischer Machtstrukturen durch die Brille Nietzsches.
Auszug aus dem Buch
Die aristokratische Gesellschaft und die Umwertung von Gut und Schlecht zu Gut und Böse
„Nehmen wir sofort das größte Beispiel. Alles was auf Erde gegen ‚die Vornehmen‘, ‚die Gewaltigen‘, ‚die Herren‘, ‚die Machthaber‘ getan worden ist, ist nicht der Rede wert im Vergleich mit dem, was die Juden gegen sie getan haben: die Juden jenes priesterliche Volk gemäß, das sich an seinen Feinden und Überwältigern zuletzt nur eine radikale Umwertung von deren Werten, also durch einen Akt der geistigsten Rache Genugtuung zu schaffen wusste. So allein war es eben einem priesterlichen Volke gemäß, dem Volke der zurückgetretensten priesterlichen Rachsucht. Die Juden sind es gewesen, die gegen die aristokratische Wertgleichung (gut = vornehmen = mächtig = schön = glücklich = gottgeliebt) mit einer furchteinflößenden Folgerichtigkeit die Umkehrung gewagt und mit den Zähnen des abgründlichsten Hasses (des Hasses der Ohnmacht) festgehalten haben (…).“
Diese andere Vorstellungswelt verdrängt und ersetzt die aristokratische Welt sowohl durch die sokratisch-platonische Welt als auch durch die jüdisch-christliche Moral (priesterliche Aristokratie). Nietzsche sieht die christliche Moral als Kontinuität der jüdischen Moral. „Diese von den Juden vollzogene Umwertung der Werte war aber erst der Beginn des Sklaven-Aufstandes in der Moral. Mit dem Christentum trat eine Weltreligion die Erbschaft dieser jüdischen Umwertung an.“ Es wird durch diese Erbschaft eine klare Trennungslinie in der Menschheitsgeschichte gezogen. „Und in der Tat sind durch sie schließlich Klüfte zwischen Mensch und Mensch aufgerissen worden.“ Das geht bis in die Gegenwart hinein.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einführung erläutert Nietzsches Streitschrift, das Ziel der Arbeit zur genealogischen Herkunft der abendländischen Moral sowie die zentrale Problematik des Verhältnisses von Kritik und Genealogie im Spätwerk.
2. Erste Abhandlung: Gut und Böse, Gut und Schlecht: Dieses Kapitel behandelt den Ursprung moralischer Vorurteile und die historische Rekonstruktion der Begriffe „Gut“ und „Böse“ durch die Transformation von aristokratischen Idealen in eine Demutsmoral.
3. Zweite Abhandlung: Schuld, schlechtes Gewissen und Verwandtes: Hier wird analysiert, wie Verantwortlichkeit und Gewissen als kulturelle Dressurakte entstanden sind und wie die Verinnerlichung von Instinkten zur Entstehung des schlechten Gewissens unter dem Einfluss des Christentums führte.
4. Dritte Abhandlung: was bedeuten asketische Ideale?: In diesem Hauptteil wird untersucht, welche Bedeutung das asketische Ideal bei Künstlern, Philosophen, Priestern und Wissenschaftlern als Instrument zur Verneinung oder Lenkung des Lebens spielt.
5. Schlussbemerkungen: Das Fazit fasst Nietzsches Verständnis von Zivilisation und Moral zusammen und reflektiert die Tragweite seiner Genealogie für die moderne Reflexion über menschliche Werte und den Übermenschen.
Schlüsselwörter
Nietzsche, Zur Genealogie der Moral, Moral, Ressentiment, Askese, Gut und Böse, schlechtes Gewissen, Sklavenmoral, Christentum, Verantwortung, Kulturgeschichte, Umwertung der Werte, Macht, Wille, Übermensch.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht Nietzsches philosophische Streitschrift „Zur Genealogie der Moral“ und analysiert kritisch, wie Nietzsche die Entstehung unserer moralischen Werte herleitet.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung der Moral, der psychologischen Bedingtheit von Schuld und Gewissen sowie der Kritik an asketischen Idealen in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, Nietzsches genealogische Methode aufzuzeigen, mit der er die Herkunft der abendländischen Moral aus ihren historischen und psychologischen Bedingungen erläutert.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit nutzt die genealogische Analyse nach Nietzsche, kombiniert mit einer philologischen Untersuchung des Originaltexts und einer interdisziplinären Sichtweise durch zeitgenössische Kommentatoren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die drei Abhandlungen Nietzsches detailliert analysiert – von der Umwertung der Begriffe Gut und Böse über die Entstehung des schlechten Gewissens bis hin zur Rolle der asketischen Ideale.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit lässt sich vor allem durch Begriffe wie Ressentiment, Genealogie, Sklavenmoral, asketische Ideale und die philosophische Krise der Moderne charakterisieren.
Welche Rolle spielt das Ressentiment in Nietzsches Theorie?
Laut Nietzsche ist das Ressentiment der entscheidende psychologische Motor für die Umwertung aristokratischer Werte in eine Sklavenmoral, bei der die Schwachen ihre eigene Machtlosigkeit als „Tugend“ deklarieren.
Wie unterscheidet Nietzsche zwischen der aristokratischen Weltanschauung und der christlichen Moral?
Nietzsche sieht die aristokratische Welt durch Selbstbejahung und Macht definiert, während die christliche Moral als eine Umkehrung der Werte auf dem Fundament von Schuld, Sündenbewusstsein und Verneinung des irdischen Lebens basiert.
- Quote paper
- Maximiliano Candido (Author), 2018, Nietzsches Genealogie der Moral und das Verhältnis von Kritik und genealogischer Betrachtung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1278940