Die Suche nach Glück gestaltet sich in einer wertpluralen Gesellschaft als ein mannigfaltiges Unternehmen. In Rekurs auf die antike Diätik hat schon Friedrich Nietzsche gegen Ende des 19. Jahrhunderts nach einer "Ästhetik der Existenz" ausschau gehalten, und sein Geist fand sich rund hundert Jahre später bei Michel Foucault auf erstaunlicher Art und Weise wieder. Die Arbeit sucht nach Parallelen der beiden postmodernen Denker und versucht die Art dieser Lebensphilosophie vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Gesellschaftsverhältnisse zu durchleuchten.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Nietzsches Denken bei Foucault – Methoden und Grundeinsichten
1.1 Die Methode der Genealogie
1.2 Über Wahrheit und Erkenntnis
1.3 Über das menschliche Subjekt
2. Nietzsches Wege zum Glück – sich selber treulich nachgehen
2.1 Nietzsches „Experimentalphilosophie“
2.2 Der Gedanke der „Ewigen Wiederkunft“
2.3 Der „positive Asketismus“
2.4 Zusammenfassung
3. Foucaults Wege zum Glück – die Philosophie der Lebenskunst
3.1 Subjekt und Wissen
3.2 Subjekt und Macht
3.3 Subjekt und Ethik des Selbst
4. Zusammenfassung, Würdigung und Kritik
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die methodischen und inhaltlichen Ähnlichkeiten im Denken von Friedrich Nietzsche und Michel Foucault im Hinblick auf eine sogenannte „Ästhetik der Existenz“, um Wege zu einem gelingenden oder dem Menschen „gerechteren“ Leben in der Moderne aufzuzeigen.
- Vergleich der genealogischen Methode bei Nietzsche und Foucault
- Untersuchung des Konzepts der Lebenskunst und der Selbstsorge
- Analytik der Macht und ihre Bedeutung für die Subjektkonstitution
- Kritik am abendländischen Nihilismus und Möglichkeiten der Selbstüberwindung
- Reflexion über Chancen und Risiken einer Ästhetik der Existenz in der Gegenwart
Auszug aus dem Buch
1.1 Die Methode der Genealogie
Wie bereits oben angeführt, begibt sich ein Genealoge nicht auf die Suche nach einem wesenhaften Ursprung, sondern nach unzähligen Einzelheiten und Zufällen, die am Beginn eines kulturellen Phänomens stehen. Dazu Foucault in einer Anmerkung zu Nietzsches Zur Genealogie der Moral: „Es gilt zu entdecken, daß [!] an der Wurzel dessen, was wir erkennen und was wir sind, nicht die Wahrheit und das Sein steht, sondern die Äußerlichkeit des Zufälligen. Darum verdient jeder Ursprung der Moral, sofern er nicht mehr verehrungswürdig ist – und die Herkunft ist es niemals – Kritik.“ Anstatt soziale und kulturelle Phänomene zu begründen, blickt Nietzsche auf deren Entstehungsgeschichte. Dahinter steht eine kritische Geschichtsschreibung, bei der die Möglichkeit einer linearen Geschichte mit einem Anfang und einem Ende ausgesperrt bleibt. Sie richtet sich weiters gegen ein von der Vernunft geleitetes platonisches Verständnis von Wesenhaftigkeit und Wahrheit. Weiters gesellt sich, vor allem beim frühen Nietzsche, noch ein von einem radikalen Pessimismus geprägtes Bild vom Menschen dazu, das ihn permanent an seine Vergänglichkeit erinnert. Dazu schreibt Nietzsche in der Morgenröthe: „Das neue Grundgefühl: unsere endgültige Vergänglichkeit. – Ehemals suchte man zum Gefühl der Herrlichkeit des Menschen zu kommen, indem man auf seine göttliche Abkunft hinzeigte: diess ist jetzt ein verbotener Weg geworden, denn an seiner Thür steht der Affe […]. Das Werden schleppt das Gewesensein hinter sich her: warum sollte es von diesem ewigen Schauspiele eine Ausnahme für irgend ein Sternchen und wiederum für ein Gattungchen auf ihm geben! Fort mit solchen Sentimentalitäten!“ Wie ich in einem späteren Abschnitt zeigen werde, will Nietzsche den Menschen in dieser „heideggerischen“ Geworfenheit und in seinem In-der-Welt-sein nicht stehen lassen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Nietzsches Denken bei Foucault – Methoden und Grundeinsichten: Analyse der genealogischen Methode und des Wahrheitsverständnisses, die als Grundlage für die Untersuchung beider Denker dienen.
2. Nietzsches Wege zum Glück – sich selber treulich nachgehen: Erläuterung der Überwindung des Nihilismus durch Experimente, den Gedanken der ewigen Wiederkunft und einen positiven Asketismus.
3. Foucaults Wege zum Glück – die Philosophie der Lebenskunst: Darstellung von Foucaults Analytik der Macht und der Entwicklung einer Ethik des Selbst als Praxis der Freiheit.
4. Zusammenfassung, Würdigung und Kritik: Synthese der Ergebnisse mit einer kritischen Reflexion über die Potentiale und Grenzen der Ästhetik der Existenz.
Schlüsselwörter
Nietzsche, Foucault, Ästhetik der Existenz, Genealogie, Lebenskunst, Selbstsorge, Macht, Subjekt, Nihilismus, Ethik, Selbstüberwindung, Widerstand, Perspektivismus, Freiheit, Moderne
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die philosophische Verwandtschaft zwischen Friedrich Nietzsche und Michel Foucault im Kontext ihrer Suche nach einer „Ästhetik der Existenz“.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Konzepte der Genealogie, die Analyse von Machtverhältnissen, das menschliche Subjekt sowie die praktische Lebenskunst als Weg zu einem gelingenden Leben.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie durch Techniken der Selbstsorge und die bewusste Gestaltung der eigenen Existenz ein Ausweg aus nihilistischen Tendenzen gefunden werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine historisch-genealogische Methode angewandt, die den Fokus auf die Herkunftsgeschichte von Begriffen und kulturellen Phänomenen richtet, anstatt nach zeitlosen Wesenheiten zu suchen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Nietzsches Denken als Vorbild, die Analyse seiner Wege zum Glück sowie Foucaults darauf aufbauende Philosophie der Lebenskunst.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Genealogie, Macht, Subjekt, Ästhetik der Existenz, Selbstsorge und Freiheit definiert.
Warum wird Nietzsche als "Vordenker" von Foucault bezeichnet?
Weil Nietzsche bereits früh Konzepte wie die genealogische Methode und die Kritik an einer absoluten Wahrheit formulierte, die sich wie ein roter Faden durch Foucaults Werk ziehen.
Welche Rolle spielt die „Sorge um sich“ bei Foucault?
Sie fungiert als Praxis der Freiheit, die es dem Subjekt ermöglicht, sich den Wirkungen von Macht zu entziehen und sich selbst zu einer autonomen Existenz zu formen.
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- Mag. Johann Platzer (Author), 2008, Nietzsche und Foucault. Das Glück einer Ästhetik der Existenz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/127967