Diese Ausarbeitung stellt einen Versuch dar, die Stilmittel der Literatur mit der der Kunst zu Vergleichen. Genauer soll hier die Stilrichtung des Surrealismus, der sich in Lateinamerika in den 20er und 30er Jahren etabliert hatte, bezüglich der Literatur genauer beleuchtet werden. Dabei soll ebenfalls auf die Realisierung in der Kunst eingegangen werden, die in Europa ihren Ursprung hatte.
In der Ausarbeitung wird der Surrealismus in kurzen Zügen skizziert und an einigen Beispielen aufgezeigt, wie er sich in der Kunst verwirklicht hat. Dabei soll im besonderen auf zwei Künstler eingegangen werden. Ein Werk von Salvador Dalí soll analysiert und zwei Bilder von René Magritte beschrieben werden. Die Gemälde werden dann im Vergleich zu zwei Geschichten von Jorge Luis Borges gesetzt, „ Pierre Menard, Autor des Quijote“ und „Die Bibliothek von Babel“.
Dabei soll die zentrale Frage sein, welche Beziehungen sich zwischen Kunst und Literatur ziehen können, wie die Realität dargestellt wird und inwieweit der Leser oder der Betrachter darin miteinbezogen werden können oder sollen.
Als letzte Bemerkung soll hinzufügt werden, dass dieser Vergleich zwischen Kunst und Literatur keine Wertung und keine endgültige Interpretation der Werke darstellen sollen. Vielmehr geht es, um die Realitätswahrnehmungen, die in beiden Darstellungsweisen zum Ausdruck kommen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Surrealismus in der Malerei
2.1. Die surrealistische Kunst
2.2. Der Begriff des „Wunderbaren“ im Surrealismus
3. Bedeutende Künstler und ihre Werke
3.1. René Magritte
3.2. Salvador Dalí
4. Der Surrealismus in der Literatur
5. Jorge Luis Borges
6. Erläuterung und Vergleich der Bilder mit den Texten von J.L. Borges
6.1. „Die Bibliothek von Babel“
6.2. „Pierre Menard, Autor des Quijote“
7. Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die ästhetischen und inhaltlichen Parallelen zwischen der surrealistischen Malerei und ausgewählten literarischen Werken von Jorge Luis Borges, mit dem Ziel, die Beziehung zwischen Kunst und Literatur sowie die Darstellung von Realitätswahrnehmungen zu analysieren.
- Interdisziplinärer Vergleich zwischen surrealistischer Kunst und Literatur.
- Analyse zentraler Stilmittel des Surrealismus, wie Verfremdung und das „Wunderbare“.
- Untersuchung der Werke von René Magritte und Salvador Dalí als visuelle Referenzen.
- Dekonstruktion der Realitätswahrnehmung in den Erzählungen von Borges.
- Rolle des Rezipienten bei der Konstitution von Bedeutung und Wirklichkeit.
Auszug aus dem Buch
6.2. „Pierre Menard, Autor des Quijote“
Der Erzähler im Text stellt den Literaten Pierre Menard vor und zeigt Auszüge aus seinen Werken und seiner Arbeit. Es handelt sich dabei um eine Sammlung unterschiedlichster Textsorten, die von Monographien bis über Fachaufsätze gehen. Das eigentliche literarische Interesse gilt aber dem bedeutendsten Werk Pierre Menards. Dem Erzähler nach soll er die zwei Kapitel des ersten Teils des Don Quijote geschrieben haben. Der Erzähler übt den Versuch seine Behauptung zurechtfertigen. Dabei beschreibt er zu erst den Schreibvorgang Menards. Dieser entschied sich, jedes Wort von Cervantes zu übernehmen. Um den literarischen Rang von Menard zu akzentuieren, erwähnt er in diesem Zusammenhang große Literaten wie Shakespeare und Baudelaire. Der Erzähler lobt das Werk Menards und bezeichnet diese als große literarische Bereicherung.
Borges vermischt in diesem Text sowohl reale, als auch fiktionale Elemente. Der wissende Leser weiß, dass das Werk „Don Quijote“ aus der Feder von Cervantes stammt. Borges lässt seinen Erzähler aber behaupten, dass ein Teil davon von einem gewissen Pierre Menard geschrieben wurde und versucht mit Rückgriff auf reale Autoren dies als wahrhaft gelten zu lassen. Das fiktionale lässt sich dort sehen, wo der Erzähler über den Schreibprozess Auskunft gibt, nämlich das Pierre Menard jedes Wort von Cervantes übernommen hat. Borges bedient sich eines Elements aus der spanischen Tradition, dem „Don Quijote“. Die Figur oder die Geschichte taucht in der Erzählung als ein vertrautes Bild auf, dass jedoch durch Borges verfremdet wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema des interdisziplinären Vergleichs zwischen surrealistischer Kunst und der Literatur von Borges ein.
2. Der Surrealismus in der Malerei: Das Kapitel erläutert die Ursprünge des Surrealismus, seine Verbindung zur Psychoanalyse und den zentralen Begriff des „Wunderbaren“.
3. Bedeutende Künstler und ihre Werke: Es werden die künstlerischen Strategien von René Magritte und Salvador Dalí analysiert, insbesondere ihre Methoden der visuellen Verfremdung.
4. Der Surrealismus in der Literatur: Dieser Abschnitt beleuchtet, wie avantgardistische Bewegungen und der Surrealismus die literarische Wahrnehmung und Formensprache veränderten.
5. Jorge Luis Borges: Das Kapitel porträtiert Borges als Autor, der durch „befreite Metaphern“ und den Einsatz phantastischer Elemente neue Realitätsebenen schafft.
6. Erläuterung und Vergleich der Bilder mit den Texten von J.L. Borges: Hier findet die direkte Gegenüberstellung statt, in der Borges' Texte mit den surrealistischen Bildwelten verknüpft werden.
7. Schlusswort: Das Fazit fasst zusammen, dass Kunst und Literatur durch den Betrachter bzw. Leser erst lebendig werden und die Realitätswahrnehmung erweitern.
Schlüsselwörter
Surrealismus, Jorge Luis Borges, René Magritte, Salvador Dalí, Realitätswahrnehmung, Verfremdung, Don Quijote, Bibliothek von Babel, Literatur, Malerei, Intermedialität, Traum, Metapher, Fiktion, Rezeption.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die stilistischen und inhaltlichen Verbindungen zwischen der Kunst des Surrealismus und der Literatur von Jorge Luis Borges.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit behandelt den Surrealismus in Malerei und Literatur, die Rolle der Realitätswahrnehmung und die Interaktion zwischen dem Werk und seinem Betrachter bzw. Leser.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie beide Disziplinen durch Verfremdung und die Aufhebung logischer Grenzen neue Formen der Wirklichkeitserfahrung erzeugen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Es handelt sich um einen interdisziplinären Vergleich, der theoretische Grundlagen des Surrealismus mit Bildbeschreibungen und literaturwissenschaftlicher Analyse verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in den Surrealismus, die Vorstellung der Künstler Magritte und Dalí sowie eine detaillierte vergleichende Analyse zweier Erzählungen von Borges.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Publikation?
Die Arbeit lässt sich besonders durch Begriffe wie Surrealismus, Verfremdung, Traumbilder, Intermedialität und die Offenheit der Interpretation definieren.
Inwiefern beeinflusst der Surrealismus die Erzählweise von Borges?
Borges nutzt surrealistische Techniken wie die Verfremdung des Bekannten und die Vermischung von Fiktion und Realität, um die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit aufzuheben.
Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin bezüglich der Rolle des Rezipienten?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass ein Werk erst durch den aktiven Prozess der Interpretation seitens des Lesers oder Betrachters seine volle Bedeutung und Lebendigkeit entfaltet.
- Quote paper
- Medina Zec (Author), 2007, 'Die Bibliothek von Babel' und 'Pierre Menard, Autor des Quijote' von Jorge Luis Borges - eine Analyse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/128053