Stundenentwurf zu Patrick Süskind: Das Parfum


Unterrichtsentwurf, 2009
22 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

1. Thema
1.1. Thema der Stunde
1.2. Thema der Reihe
1.3. Thema der letzten Stunde
1.4. Thema der folgenden Stunde

2. Sachanalyse

3. Didaktische Schwerpunktsetzung
3.1. Entscheidungen für die sachlogische, didaktische und methodische Schwerpunktsetzung
3.2. Begründung der Lernphasen und Progression im Lernweg
3.3. Herausstellung: das Neue und Spezifische dieser Stunde

4. Ziele
4.1. Stundenziel/ Intention
4.2. Teilziele/ Lehr-, Lernzielkomplexe

5. Geplanter Verlauf

6. Literatur
6.1. Quellen der Texte und Materialien
6.2. Lehrwerke und Unterrichtsmaterialien
6.3. Sekundärliteratur zum Gegenstand
6.4. Fachdidaktische Literatur

7. Anhang
7.1. Grobplanung der Unterrichtsreihe
7.2. Lesetagebuch zur Vorbereitung der Unterrichtsreihe
7.3. Overheadfolie
7.4. Arbeitsblatt zur 6. Unterrichtsstunde der Reihe

1. Thema

1.1 Thema der Stunde

Der Unterricht findet in Klasse 10 einer ERS statt. Das Thema der Stunde ist eine Bildinterpretation. Die Schüler betrachten auf einer Overheadfolie ein Bild[1] aus der Verfilmung von Patrick Süskinds Roman „Das Parfüm“[2]. Durch Assoziationen durch die Schüler wird die Unterrichtsreihe thematisch von dem Roman zum Film gelenkt. Somit handelt es sich um eine „Brückenstunde“.

1.2 Thema der Reihe

Thema der Unterrichtsreihe ist „Das Parfum“. Die Reihe hat zwei thematische Schwerpunkte. Erster Schwerpunkt ist die Behandlung des Romans Patrick Süskinds[3], zweiter das Arbeiten mit der Romanverfilmung[4] und deren Drehbuch.[5] Erarbeitet werden soll somit einerseits der Roman an sich, andererseits sollen die Schüler Einblicke in den Vorgang einer Literaturverfilmung erhalten.

1.3 Thema der letzten Stunde

In den beiden vorhergehenden Stunden wurde die Personenkonstellation des Romans zusammen mit den Schülern erarbeitet. Dabei wurde auf die Vorarbeit zurückgegriffen, die die Schüler mittels eines Lesetagebuchs[6] leisteten.

1.4 Thema der folgenden Stunde

Nach der Bildinterpretation wird exemplarisch ein Kapitel des Romans mit einer Sequenz des Drehbuchs verglichen, um so in die Praxis von Literaturverfilmung einzusteigen. Eingegangen werden soll auf Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Roman und Drehbuch, besonders im Hinblick auf Techniken und Stilmittel beider Werke. Interessant ist hierbei v.a. die Darstellung des „Geruchs“, der sowohl in Roman als auch in Film nicht direkt dargestellt, sondern nur indirekt umschrieben und symbolisiert werden kann. Für diesen Vergleich böte z.B. die Szene des ersten Mordes Grenouilles.[7]

2. Sachanalyse

Bedingt durch die zwei Schwerpunkte der Unterrichtsreihe, in der die vorgestellte Unterrichtsstunde eine Brückenfunktion übernimmt, ist die Sachanalyse thematisch zweigeteilt. Der erste Teil beschäftigt sich mit dem Werk Patrick Süskinds, der zweite mit der Umsetzung des Romanstoffs im Drehbuch und der Verfilmung.

Zum Roman:

Nach dem Hörspiel „Der Kontrabaß“ und Drehbüchern für mehrere Fernsehserien gilt „Das Parfum“ als das erfolgreiche Erstlingswerk Patrick Süskinds.[8] In dem 1985 in Zürich erschienenen und als „[d]as spektakulärste Ereignis auf dem Buchmarkt der achtziger Jahre“[9] gewürdigten Werk beginnt die Handlung nach einer ausführlichen Beschreibung des Handlungsumfelds – des „allerstinkendsten Ort[es] des Königreichs“[10] Frankreich Mitte des 18.Jahrhunderts – mit der Geburt von Jean-Baptist Grenouille auf dem Fischmarkt in Paris. Grenouille wird als uneheliches Kind einer Fischverkäuferin geboren und sofort von ihr verstoßen, worauf sie hingerichtet wird und Grenouille – zu deutsch „Kröte“ – in die Obhut mehrerer „Erzieher“ kommt, die ihn jedoch nach kurzer Zeit alle verstoßen. Hier werden bereits die herausragendsten Charaktereigenschaften Grenouilles aufgezeigt: sein übermenschlicher Geruchssinn, mit dem er seine Umwelt erkundet, und sein absoluter Überlebenswille, mit dem er sich von Geburt an den widrigsten Umständen stellt, weshalb er vom Autor die Bezeichnung „Zeck“ erhält.[11] Dies ist auch ein Hinweis auf die parasitäre Lebensweise des Romanhelden. Von seiner Geburt an erleiden alle Personen, die mit Grenouille in Kontakt standen, nach seinem Verschwinden einen baldigen Tod oder sterben verarmt, ohne dass jedoch hierfür ein beabsichtigtes Verschulden Grenouilles erkennbar wäre. Als Heranwachsender begeht Grenouille, der zu dieser Zeit bei einem Gerber schuftet, seinen ersten Mord, als er des Geruchs eines Mädchens habhaft werden will.

Nachdem Grenouille seine Jugend trotz vieler lebensbedrohlicher Umstände überstanden hat, tritt er bei einem Parfumeur in die Lehre, dessen Geschäft er aufgrund seines übernatürlichen Geruchssinns rettet. Die Möglichkeiten, die ihm der Parfumeur zur Befriedigung seines Geruchsbedürfnisses bietet, reichen Grenouille jedoch nicht aus und er beschließt, in die Parfummetropole Grasse zu ziehen, um seinem Ziel, alle Gerüche der Welt zu besitzen, näher zu kommen. Auf der Wanderung zieht er sich jedoch in einer äußerst einsamen Gegend einige Jahre in eine Höhle zurück, um dem Geruchswirrwarr menschlicher Siedlungen zu entgehen. Dort stellt er fest, dass er als einziger Mensch keinen Eigengeruch besitzt. Nach seiner Rückkehr in die Zivilisation nutzt er seine Fähigkeiten, sich mittels eines selbst geschaffenen Parfums einen menschlichen Geruch zu geben. In Grasse angekommen, strebt Grenouille weiterhin danach, einen übernatürlichen Duft zu kreieren. Zu diesem Zweck ermordet er mehrere Mädchen, deren Geruch er mittels einer in einer Parfümerie erlernten Technik, der Mazeration, konserviert. Der letzte und lange geplante Mord an einer Bürgertochter, deren Geruch Grenouille schon lange begehrt, führt zu seiner Verhaftung. Die geplante Hinrichtung erfolgt jedoch nicht, da es Grenouille gelingt, sein Parfum fertig zu stellen. Statt seiner Hinrichtung erfährt er nun, da er sich mit seinem Parfum beduftet hat, Verehrung. Selbst der Vater, dessen Tochter Grenouille als letzte ermordete, bittet ihn um Vergebung und will ihn als Sohn annehmen. Da Grenouille die Verehrung als ekelhaft empfindet, begibt er sich zurück nach Paris zum Platz seiner Geburt. Er übergießt sich dort mit seiner Duftkreation, woraufhin der anwesende Pöbel Grenouille in Stücke reißt und auffrisst.[12]

Auffällig in „Das Parfum“ ist die Personenkonstellation: Um den bis ins Detail genauestens beschriebene Grenouille herum sind die weiteren Handelnden oft nur vage beschrieben. Das Auftreten der Nebenfiguren folgt einem linearen Ablauf; jede Figur ist einer bestimmten Lebensphase Grenouilles zugeordnet und stirbt oder verschwindet nach Beendigung der jeweiligen Phase.[13] Die Figuren der 26 ermordeten Frauen bleiben – mit Ausnahme des letzten Opfers – anonym. Sie sind austauschbare und verdinglichte „Geruchsträger“, an denen nur der Duft interessiert. Grenouille betrachtet sie nicht als Individuen, sie sind für ihn von duftenden Blumen zur Parfumherstellung nicht verschieden.[14] Deutlich wird dies auch an der Wortwahl Patrick Süskinds, der Blumenmetaphorik zur Beschreibung der Opfer Jean-Baptiste Grenouilles verwendet: Die Opfer werden „welkgerochen“[15], sind „fast noch geschlossene Blüte[n]“[16] und treiben „prächtigste Blütenstände“[17].

Grenouille selbst wird als betont animalisch dargestellt: durch seinen Namen („Kröte“ bzw. „Frosch“), die mehrfache Bezeichnung als parasitärer „Zeck“ und die Verwendungen von Ausdrücken wie „hervorgezischelt“ oder „schlangenhaft“.[18]

Die Handlung und deren Fortgang lebt von der Person Jean-Baptist Grenouilles, dessen Lebensgeschichte chronologisch dargestellt wird. Der Wechsel des Verhältnisses von Erzählzeit und erzählter Zeit ist für den unvoreingenommenen Leser nicht ersichtlich und wird nur bei genauerer Analyse des Werks offensichtlich. Süskind bedient sich im Erzählablauf stark der Mittel Dehnung und Raffung.[19] Süskind greift in seinem Roman auf eine Vielzahl literarischer Vorbilder zurück, weshalb er auch als literarischer Epigone bezeichnet wird.[20] Durch das Einbringen der unterschiedlichen Literaturepochen entsteht ein für die Postmoderne durchaus typischer Mix aus Romantik, Realismus und Phantastik. Die wichtigsten von Patrick Süskind verwendeten Stile sind die Günter Grass’, Chamissos, E. T. A. Hoffmanns, von Kleists, Goethes und Thomas Manns. Aber auch Referenzen auf andere Autoren, wie z.B. Schiller oder Nietzsche sind unverkennbar.[21]

Der Roman Süskinds, der neben der Erfindung von „Chanel No. 5“ als zweite „entscheidende, […] epochale Entdeckung[] in der Welt des schönen Duftes“[22] gewürdigt wird, wurde nach anfänglicher Ablehnung durch die Verlage ein durchschlagender Erfolg.[23] Dieser Erfolg ist u.a. bedingt durch die „Massentauglichkeit“ von Süskinds Roman. Er verwendet eine auktoriale Erzählhaltung und verzichtet auf Monologe und Rückblenden, wodurch eine flüssige Lektüre ermöglicht wird.[24] Die durch Süskinds Nachahmung der Erzählstile verschiedener Epochen entstehende Pastiche führt zu einem über weite Passagen des Romans altertümliche Erzählweise.

Waren die ersten Rezensionen nach Erscheinen des Romans noch zurückhaltend bis spöttisch – „Das Parfum“ wurde als „höchstens morbides Amüsement und Stoff für Horrorfilme“ bezeichnet[25] – wurden ihm bald sehr positive Literaturkritiken beschieden. Der Roman wurde beispielsweise als Werk eines erstaunlichen Talents[26] oder als „Reise zurück zu den animalischen Instinkten und [als] eine Stänkerei gegen die moderne Deo-Zeit“ gewürdigt.[27]

Zum Drehbuch und zur Verfilmung:

Der Erfolg des Romans führte bald dazu, dass sich viele Filmemacher für die Rechte zur Verfilmung von Süskinds Roman interessierten. Süskind zögerte jedoch 15 Jahre lang, bevor er sich dafür entschied, die Filmrechte an den Produzenten Bernd Eichinger abzutreten.[28] Der Produzent, der für sich in Anspruch nimmt, kein Buch zu verfilmen, sondern ein eigenständiges Werk auf der Grundlage eines anderen zu schaffen,[29] stand vor der Herausforderung, wie er die vom Autor des Romans akribisch geschilderten Gerüche filmisch umsetzen könne. Am Beispiel der Geburt Grenouilles bediente er sich dazu eines Erzählers und setzte die Geruchsschilderung auf Kosten fast der kompletten Kindheit Grenouilles in Szene.[30] Auch durchbricht Eichinger die strikte Chronologie des Romans, indem er den Film mit der geplanten Hinrichtung Grenouilles beginnen lässt, um dann mittels einer Rückblende das Leben Grenouilles zu zeigen.[31]

[...]


[1] Vgl. Andrew Birkin/ Bernd Eichinger/ Tom Tykwer (Hg.): Das Parfum. Das Buch zum Film. Das vollständige Drehbuch mit zahlreichen Fotos aus dem Film, Berichten über die Entstehung des Films, Gesprächen mit Tom Tykwer und Bernd Eichinger sowie einem Essay von Verena Lueken, Zürich 2006, S. 71.

[2] Patrick Süskind: Das Parfum. Die Geschichte eines Mörders, Zürich 1994.

[3] Ebd.

[4] Tom Tykwer/ Bernd Eichinger: Das Parfum. Die Geschichte eines Mörders. Nach dem Roman von Patrick Süskind, 2006 (DVD).

[5] Birkin/ Eichinger/ Tykwer (Hg.): Das Parfum.

[6] s. Anhang 7.2.

[7] Vgl. Süskind: Das Parfum, S. 50-56,

vgl. Birkin/ Eichinger/ Tykwer (Hg.): Das Parfum, S. 40-42,

vgl. Tykwer/ Eichinger: Das Parfum (DVD), 00:17:20-00:25:33.

[8] Vgl. Wolfgang Delseit, Ralf Drost: Erläuterungen und Dokumente. Patrick Süskind. Das Parfum, Stuttgart 2007, S. 45f.

[9] Wolfgang Delseit: [Art.] Patrick Süskind, in: Reclams Romanlexikon. Deutschsprachige erzählende Literatur vom Mittelalter bis zur Gegenwart, hg. v. Frank Rainer Max und Christine Ruhrberg, Stuttgart 2000, S. 1011.

[10] Süskind: Das Parfum, S. 7.

[11] Vgl. ebd., S. 43 u.ö.

[12] Vgl. Helmut Bernsmeier: Lektüreschlüssel. Patrick Süskind. Das Parfum, Stuttgart 2006, S. 7-17,

vgl. Delseit: [Art.] Patrick Süskind, S. 1011f.,

vgl. Michael Fischer: Ein Stänkerer gegen die Deo-Zeit (http://wissen.spiegel.de/wissen/dokument/dokument-druck.html?id=13511622&top=SPIEGEL, Zugriff vom 10.03.2009).

[13] Vgl. Delseit/ Drost: Das Parfum, S. 49f.

[14] Vgl. ebd., S. 57f.

[15] Süskind: Parfum, S. 56.

[16] Ebd., S. 217.

[17] Ebd., S. 241.

[18] Vgl. ebd., S. 92, 114 u.ö.

[19] Vgl. Frank Degler: Aisthetische Reduktionen. Analysen zu Patrick Süskinds ‚Der Kontrabaß’, ‚Das Parfum’ und ‚Rossini’, Berlin, New York 2003, S. 175f.

[20] Vgl. Fischer: Ein Stänkerer.

[21] Vgl. María Cecilia Barbetta: Poetik des Neo-Phantastischen. Patrick Süskinds Roman „Das Parfum“, Würzburg 2002, S. 13f,

vgl. Delseit/ Drost: Das Parfum, S. 66f.

[22] Alexander Kissler/ Carsten S. Leimbach: Alles über Patrick Süskinds Das Parfum. Der Film – Das Buch – Der Autor, München 2006, S. 9.

[23] Vgl. ebd., S. 10f.

[24] Vgl. Delseit/ Drost: Das Parfum, S. 63.

[25] Rudolf Krämer-Baldoni: Neuer Vampir für den Film? Patrick Süskinds Romangeschichte eines Mörders, in: Einfach Deutsch. Unterrichtsmodell. Patrick Süskind. Das Parfum, hg. v. Elisabeth Becker und Johannes Diekhans, Paderborn 2007, S. 107.

[26] Vgl. Marcel Reich-Ranicki: Des Mörders betörender Duft. Patrick Süskinds erstaunlicher Roman „Das Parfum“, in: Einfach Deutsch. Unterrichtsmodell. Patrick Süskind. Das Parfum, hg. v. Elisabeth Becker und Johannes Diekhans, Paderborn 2007, S. 112.

[27] Fischer: Ein Stänkerer.

[28] Vgl. Lueken: Das Parfum – Vom Buch zum Film, in: Das Parfum. Das Buch zum Film. Das vollständige Drehbuch mit zahlreichen Fotos aus dem Film, Berichten über die Entstehung des Films, Gesprächen mit Tom Tykwer und Bernd Eichinger sowie einem Essay von Verena Lueken, Zürich 2006, S. 9f,

vgl. Kissler/ Leimbach: Alles über Patrick Süskinds, S. 146f.

[29] Vgl. Verena Lueken: Das Parfum, S.10.

[30] Vgl. Birkin/ Eichinger/ Tykwer (Hg.): Das Parfum, S. 33f.,

vgl. Tykwer/ Eichinger: Das Parfum (DVD), 00:03:58-00:06:43.

[31] Vgl. Lueken: Das Parfum, S.13,

vgl. Tykwer/ Eichinger: Das Parfum. (DVD), 00:01:04-00:03:21.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Stundenentwurf zu Patrick Süskind: Das Parfum
Hochschule
Universität des Saarlandes
Veranstaltung
Fachdidaktik Deutsch: Didaktik und Methodik der Behandlung von Ganzschriften in der Sekundarstufe I und II
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
22
Katalognummer
V128063
ISBN (eBook)
9783640366415
ISBN (Buch)
9783640366620
Dateigröße
2414 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Stundenentwurf, Patrick, Süskind, Parfum
Arbeit zitieren
Frank Bodesohn (Autor), 2009, Stundenentwurf zu Patrick Süskind: Das Parfum, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/128063

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