Der Konjunkturzyklus, bestehend aus den vier Phasen Aufschwung, Hochkonjunktur, Abschwung und Krise, stellt den Wachstumsprozess einer Volkswirtschaft dar. Dieser verläuft in der Regel unter konjunkturellen Schwankungen im Auslastungsgrad des Produktionspotenzials, wobei ein Konjunkturzyklus in der Regel drei bis acht Jahren dauert. Der politische Konjunkturzyklus besagt jedoch, dass Regierungen bei der Verfolgung ihrer Eigeninteressen die wirtschaftlichen Aktivitäten beeinflussen, wodurch zusätzliche zyklische Schwankungen entstehen.
Ziel dieser Seminararbeit ist es politische Konjunkturzyklen hinsichtlich der Handlungsmotive des Staates zu untersuchen. In diesem Rahmen lassen sich drei Modelltypen definieren, die in Kapitel zwei anhand eines systematischen Überblicks vorgestellt werden. Es werden die jeweiligen Merkmale in einem direkten Vergleich herausgearbeitet und bekannte Theorien zu den jeweiligen Modelltypen zugeordnet.
Im nächsten Schritt sollen Kapitel drei und vier eine weiterführende Analyse zu dem opportunistisch politischen Konjunkturzyklus und dem ideologisch politischen Konjunkturzyklus geben. Hierbei werden zunächst allgemeine Annahmen des zugrundeliegenden Modelltypus beschrieben, um im zweiten Schritt die bekannteste Theorie des jeweiligen Modells verbal und analytisch herauszuarbeiten. Diese ist für den opportunistisch politischen Konjunkturzyklus das Nordhaus-Modell und für den ideologisch politischen Konjunkturzyklus das Hibbs-Modell. Beide folgen dem Grundschema der Zweiteilung in ein politisches und in ein ökonomisches System, die miteinander verbunden sind.
An dieser Stelle ist anzumerken, dass sich die Arbeit vorwiegend auf Konjunkturzyklen adaptiver Erwartungsbildung fokussiert. Zudem werden ausschließlich der rein opportunistische und der rein ideologische Konjunkturzyklus behandelt.
Im fünften Kapitel werden die Modelltypen hinsichtlich der empirischen Befunde untersucht. Die Empirie soll zeigen, inwiefern die Theorien in der Realität vorkommen und, ob eine Verifizierbarkeit bisher bestätigt werden konnte.
Im letzten Kapitel werden die gewonnen Erkenntnisse in einem Resümee zusammengefasst und mit einem kurzen Ausblick abgeschlossen.
Inhaltsverzeichnis
1. MOTIVATION UND AUFBAU DER ARBEIT
2. ÜBERBLICK: MODELLE POLITISCHER KONJUNKTURZYKLEN
3. OPPORTUNISTISCHER POLITISCHER KONJUNKTURZYKLUS
4. IDEOLOGISCHER POLITISCHER KONJUNKTURZYKLUS
5. EMPIRISCHE BEFUNDE ZU POLITISCHEN KONJUNKTURZYKLEN
6. RESÜMEE
Zielsetzung & Themen
Diese Seminararbeit untersucht das Phänomen politischer Konjunkturzyklen, um zu ergründen, inwiefern staatliches Handeln durch politische Eigeninteressen motiviert wird und welche Auswirkungen dies auf makroökonomische Variablen hat. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert dabei auf die theoretische Fundierung und die empirische Überprüfbarkeit unterschiedlicher Modelltypen unter Annahme adaptiver Erwartungsbildung.
- Systematische Einordnung politischer Konjunkturtheorien
- Analyse opportunistischer Konjunkturzyklen (Wiederwahlorientierung)
- Analyse ideologischer Konjunkturzyklen (Parteiinteressen)
- Vergleichende Untersuchung der Modelltypen hinsichtlich ihrer ökonomischen Mechanismen
- Empirische Evidenz und Grenzen der theoretischen Verifizierbarkeit
Auszug aus dem Buch
3. Opportunistischer politischer Konjunkturzyklus
Der Grundmechanismus aller politischen Konjunkturzyklen beruht auf eine Zweiteilung in ein ökonomisches und in ein politisches System, die jeweils miteinander verbunden sind.
Das ökonomische System lässt sich anhand des Trade-Offs der Phillipskurve und der ausgewählten Erwartungsbildung beschreiben, wobei die Wählerschaft seinen Nutzen aus der Regierungswahl mit dem höchsten individuellen Erwartungswert zieht. Die Ergebnisgrößen des ökonomischen Systems fließen als Input in das politische System ein (vgl. Scheuerle 1999, S.9).
Anschließend wird die Leistung der Regierung beurteilt, wobei die sogenannte Popularitäts- bzw. Wahlfunktion gebildet wird. Die Funktion bestimmt hierbei das Wahlergebnis. Wie bereits in Kapitel zwei erwähnt, geht der opportunistisch politische Konjunkturzyklus von einem wiederwahlorientierten Verhalten der Regierung aus. Um eine Wiederwahl sichern zu können, muss also eine Stimmenmaximierung der Wählerschaft erreicht werden. In diesem Rahmen setzt die regierende Partei innerhalb des Wahlzeitraumes wirtschaftspolitische Instrumente so ein, dass die Wählerschaft die Wirtschaftslage und die wirtschaftliche Entwicklung als positiv bewertet. Es liegt eine kurzfristige Veränderung der Wirtschaftslage vor (vgl. Frey 1976, S.172).
In Analogie zur Wählerschaft, kann der Regierung unterstellt werden, dass sie im Sinne des eigenen Wohlergehens handelt. Demnach zieht der politische Akteur seinen Nutzen aus dem politischen Amt und der damit resultierenden Machtposition (vgl. Markwardt 2008, S. 23).
Zusammenfassung der Kapitel
1. MOTIVATION UND AUFBAU DER ARBEIT: Einleitung in die Thematik der Neuen Politischen Ökonomie und Darlegung der Zielsetzung, politische Konjunkturzyklen hinsichtlich staatlicher Handlungsmotive zu untersuchen.
2. ÜBERBLICK: MODELLE POLITISCHER KONJUNKTURZYKLEN: Systematische Klassifizierung der Modelltypen in opportunistische, ideologische sowie ideologisch-opportunistische Zyklen anhand der Unterscheidung von Erwartungsbildung und Zielfunktionen.
3. OPPORTUNISTISCHER POLITISCHER KONJUNKTURZYKLUS: Detailanalyse des Nordhaus-Modells, welches das wiederwahlorientierte Verhalten der Regierung durch geschickten Einsatz wirtschaftspolitischer Instrumente erklärt.
4. IDEOLOGISCHER POLITISCHER KONJUNKTURZYKLUS: Untersuchung des Hibbs-Modells, das die konjunkturellen Auswirkungen politischer Ideologien auf Basis heterogener Wählerpräferenzen analysiert.
5. EMPIRISCHE BEFUNDE ZU POLITISCHEN KONJUNKTURZYKLEN: Darstellung der heterogenen empirischen Ergebnisse in der Literatur, die eine eindeutige Verifizierung oder Verwerfung der theoretischen Modelle erschweren.
6. RESÜMEE: Zusammenfassende Betrachtung der untersuchten Modelle und Ausblick auf die Notwendigkeit einer Standardisierung empirischer Tests zur künftigen Überprüfbarkeit.
Schlüsselwörter
Politische Konjunkturzyklen, Neue Politische Ökonomie, Opportunistischer Zyklus, Ideologischer Zyklus, Nordhaus-Modell, Hibbs-Modell, Adaptive Erwartungsbildung, Phillipskurve, Wiederwahlinteresse, Wahlergebnis, Wirtschaftspolitik, Arbeitslosenquote, Inflation, Popularitätsfunktion, Empirische Evidenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Neuen Politischen Ökonomie und untersucht, wie Regierungen durch ihr Handeln wirtschaftliche Konjunkturzyklen beeinflussen, um eigene politische Ziele zu verfolgen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind der opportunistische politische Konjunkturzyklus, bei dem Wiederwahlinteressen dominieren, und der ideologische politische Konjunkturzyklus, bei dem die Durchsetzung parteispezifischer Agenden im Vordergrund steht.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Ziel ist es, politische Konjunkturzyklen anhand ihrer Handlungsmotive zu analysieren und zu prüfen, ob diese Modelle in der Realität empirisch nachweisbar sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturbasierte Analyse theoretischer Modelltypen (Nordhaus-Modell und Hibbs-Modell) sowie eine darauf aufbauende Auswertung bestehender empirischer Studien.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung des Nordhaus- und Hibbs-Modells unter Berücksichtigung von adaptiver Erwartungsbildung sowie eine detaillierte Gegenüberstellung mit empirischen Befunden aus diversen wissenschaftlichen Untersuchungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Politische Konjunkturzyklen, Nordhaus-Modell, Hibbs-Modell, adaptive Erwartungsbildung, Wiederwahlinteresse, Ideologieverfolgung sowie makroökonomische Variablen wie Inflation und Arbeitslosigkeit.
Wie unterscheidet sich der opportunistische Ansatz vom ideologischen Ansatz?
Der opportunistische Ansatz ist rein auf die Maximierung des Wahlerfolgs ausgerichtet, während der ideologische Ansatz davon ausgeht, dass politische Akteure spezifische ökonomische Ziele ihrer Wählerschichten (z.B. Vollbeschäftigung statt Preisstabilität) umsetzen.
Warum ist eine empirische Verifizierung der Modelle derzeit schwierig?
Die empirische Evidenz ist laut den untersuchten Daten sehr heterogen; je nach verwendeter Methodik, Datenbasis und Betrachtungszeitraum kommen verschiedene Studien zu widersprüchlichen Ergebnissen, was eine allgemeingültige Bestätigung verhindert.
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- Irsa Kiani (Author), 2021, Politische Konjunkturzyklen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1280713