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Das gestörte Ritual der Schwertleite Parzivals in Wolframs von Eschenbach "Parzival"

Title: Das gestörte Ritual der Schwertleite Parzivals in Wolframs von Eschenbach "Parzival"

Term Paper , 2022 , 19 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Tom Hackbarth (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
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Summary Excerpt Details

Die Bedeutung von Ritualen für das soziale Miteinander von Menschen spiegelt sich häufig auch an zentralen Stellen literarischer Texte wider – dann aber auffällig oft als nicht normkonformes Ritual. Die Grundzüge der ursprünglichen Ritualhandlung sind zwar noch erkennbar, sie weichen aber so weit vom Prototyp ab, dass von einem gestörten oder gefährdeten Ritual gesprochen werden muss. Doch weshalb lassen sich in mittelhochdeutscher Literatur auffällig häufig gestörte Rituale finden und welche Bedeutung haben sie für die Texte, in denen sie sich zeigen? Um diese Frage zu beantworten, wird die vorliegende Untersuchung diesen Typus von Ritualen exemplarisch in Wolframs von Eschenbach Parzival betrachten. Hierbei steht die Untersuchung ihrer Rolle für den Gesamttext im Fokus.

Der Versroman Wolframs beinhaltet verschiedene ritualisierte Handlungen – darunter das Gralsritual, das Speiseritual oder auch das Frageritual. Als Untersuchungsgegenstand für diese Arbeit soll Parzivals Schwertleite als Ritual der Ritterpromotion dienen, da diese Textstelle den Anschein erweckt, besonders musterhaft ein von der Norm abweichendes Ritual abzubilden.

Der Fokus dieser Arbeit wird daher auf der Frage liegen, inwiefern das Ritual von Wolfram in gestörter Form, also vom Prototyp abweichend, entwickelt wird und welche Bedeutung dies für die Handlung hat.

Nach einem historisch-theoretischen Überblick über den Ablauf und die Bedeutung der Schwertleite im Mittelalter wird dieses Ritual in die Ritualtheorie Stollberg-Rilingers eingeordnet. Diese erlaubt mit ihren Einzelkriterien eine differenzierte Untersuchung des Rituals. Anschließend erfolgt eine Szenenanalyse der Schwertleite Parzivals im Rahmen des Ither-Kampfes, woraufhin die Frage nach dem gestörten Ritual erneut aufgegriffen und mit dem historischen Kontext und den Ritualkategorien Stollberg-Rilingers abgeglichen wird. Die Arbeit schließt mit einem Fazit, das die Ergebnisse resümiert und einen Ausblick auf weitere Forschungsansätze bietet.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Eine historische und ritualtheoretische Betrachtung der Schwertleite im Mittelalter

2.1 Ablauf und Bedeutung der Schwertleite

2.2 Einordnung der Schwertleite in die Ritualtheorie Stollberg-Rilingers

3. Die Schwertleite Parzivals in Wolframs von Eschenbach Parzival

3.1 Relevante Handlungsschritte im Vorfeld der Schwertleite

3.2 Die Schwertleite Parzivals in Folge des Ither-Kampfes

3.3 Relevante Handlungsschritte im weiteren Textverlauf

4. Parzivals Schwertleite als gestörtes Ritual

4.1 Einordnung der Schwertleite Parzivals in den historischen Kontext

4.2 Einordnung der Schwertleite Parzivals in die Ritualtheorie Stollberg-Rilingers

5. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht Parzivals Schwertleite in Wolframs von Eschenbach gleichnamigem Versroman unter geschichtswissenschaftlichen und ritualtheoretischen Gesichtspunkten. Das zentrale Ziel ist es, die Schwertleite nicht als normgerechtes, sondern als "gestörtes Ritual" zu identifizieren und zu belegen, warum Wolfram diese Abweichung vom Prototyp wählt, um die Charakterentwicklung des Protagonisten vom törichten jungen Mann zum moralischen Helden darzustellen.

  • Historischer Kontext der Schwertleite im frühen Hochmittelalter.
  • Anwendung der Ritualtheorie nach Barbara Stollberg-Rilinger.
  • Analyse der Schwertleite als zentrales, aber gestörtes Element im Parzival.
  • Untersuchung der Bedeutung von ritueller Entgleisung, Usurpation und Missbrauch.
  • Zusammenhang zwischen ritueller Störung und der individuellen Entwicklung Parzivals.

Auszug aus dem Buch

3.2 Die Schwertleite Parzivals in Folge des Ither-Kampfes

Mangels besseren Wissens und einer standesgemäßen Ausbildung ist es Parzival nicht möglich, sein törichtes Leben hinter sich zu lassen. Wie von seiner Mutter vorbestimmt und durch Artus legitimiert, zeichnet sich Parzivals Verhalten während des Kampfes mit Ither durch verschiedene Vergehen aus. Die größte Sünde ist zweifelsohne der unehrenhafte Kampf gegen einen Verwandten mit einem unritterlichen Wurfspeer, der im Mord gipfelt. Bedenkt man, dass Ither aus ritterlichem Ehrempfinden nicht die eiserne Spitze, sondern das stumpfe Ende seiner Lanze gegen Parzival einsetzt,30 erscheint Parzivals Vorgehen umso grausamer und unkontrollierter.

Auch die Leiche Ithers behandelt Parzival nicht mit dem gebotenen Respekt. Er wälzt sie hin und her und versucht so, seiner Rüstung habhaft zu werden, jedoch ohne Erfolg. Erst mit Hilfe des Knappen Iwanet kann er die Rüstung anlegen. Dieser gürtet ihm auch das Schwert Ithers um: der gurte im umbe ein scharpfez swert (157, 22). Hierin liegt – lediglich in einer kurzen Sequenz dargestellt – die eigentliche Schwertleite Parzivals. Die Bitte Parzivals, ihm den Köcher mit den Wurfspießen umzulegen, welcher der Knappe widerspricht, da diese Ausstattung für einen Ritter unpassend wäre, belegt erneut die Unwissenheit des jungen Ritters bezogen auf die höfische Welt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Bedeutung von Ritualen in mittelalterlicher Literatur ein und definiert Parzivals Schwertleite als zentrales, gestörtes Ritual, dessen Untersuchung den Fokus der Arbeit bildet.

2. Eine historische und ritualtheoretische Betrachtung der Schwertleite im Mittelalter: Es werden der historische Ablauf der Schwertleite sowie die Kriterien der Ritualtheorie von Stollberg-Rilinger erläutert, um ein Fundament für die anschließende Analyse zu schaffen.

3. Die Schwertleite Parzivals in Wolframs von Eschenbach Parzival: Dieses Kapitel analysiert chronologisch das Vorfeld, den Vollzug und die Nachwirkungen der Schwertleite im Kampf gegen Ither, inklusive der anschließenden Unterweisungen durch Gurnemanz.

4. Parzivals Schwertleite als gestörtes Ritual: Hier erfolgt der Abgleich der Textbefunde mit dem historischen Kontext und der Ritualtheorie, wobei die rituellen Störungen und deren Funktion im Erzählverlauf systematisch ausgewertet werden.

5. Fazit: Das Fazit resümiert, dass Parzivals Schwertleite ein gestörtes Ritual darstellt, das primär der Darstellung seiner individuellen Entwicklung vom naiven Jungen zum moralischen Ritter dient.

Schlüsselwörter

Parzival, Wolfram von Eschenbach, Schwertleite, Ritualtheorie, Barbara Stollberg-Rilinger, Ritterpromotion, Ither-Kampf, gestörtes Ritual, Höfische Kultur, Mittelalter, Charakterentwicklung, ritterliche Ausbildung, Identitätsfindung, Ständegesellschaft, ritterliches Ethos.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit analysiert die in Wolframs von Eschenbach "Parzival" dargestellte Schwertleite und untersucht diese mithilfe ritualtheoretischer Ansätze auf ihre strukturelle und inhaltliche Korrektheit im Vergleich zu historischen Vorbildern.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Zentrale Themen sind die höfische Epik des Mittelalters, die Theorie gestörter Rituale, der Prozess der ritterlichen Initiation sowie die Charakterentwicklung und moralische Reifung der Titelfigur Parzival.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass es sich bei Parzivals Schwertleite um ein "gestörtes Ritual" handelt, und die erzähltechnischen Motive für Wolframs Abweichungen vom rituellen Standard zu erklären.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es wird eine historisch-theoretische Analyse durchgeführt, die literarische Szenen des Parzival mit historischen Belegen zur Schwertleite und den Kriterien zur Ritualdefinition nach Stollberg-Rilinger abgleicht.

Was bildet den Hauptteil der Arbeit?

Der Hauptteil gliedert sich in eine historisch-theoretische Fundierung, eine detaillierte Szenenanalyse der Schwertleite im Parzival sowie eine synthetische Einordnung dieses Rituals in den Kontext der Ritualtheorie.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Schlüsselbegriffe sind "gestörtes Ritual", "Schwertleite", "höfische Literatur", "Parzival" und "Stollberg-Rilinger".

Warum wird die Szene mit Ither als zentral für das Ritual betrachtet?

Die Szene stellt den Moment dar, in dem Parzival sich durch den Kampf und das Umgürten des Schwertes eigenmächtig in den Ritterstand erhebt, wobei die unrechtmäßigen Bedingungen und die fehlende Legitimation ein Musterbeispiel für eine rituelle Störung bilden.

Spielt der Knappe Iwanet eine Rolle bei dieser rituellen Störung?

Ja, Iwanet fungiert als unbefugter Akteur, der Parzivals Schwertleite erst ermöglicht, obwohl er selbst als Knappe nicht über die nötige Legitimität verfügt, ein solches Ritual regelkonform zu vollziehen.

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Details

Title
Das gestörte Ritual der Schwertleite Parzivals in Wolframs von Eschenbach "Parzival"
College
University of Dusseldorf "Heinrich Heine"  (Institut für Germanistik)
Course
BVM 3b: Ungehobelter Tor – roter Ritter – Gralskönig: Der Parzival Wolframs von Eschenbach
Grade
1,0
Author
Tom Hackbarth (Author)
Publication Year
2022
Pages
19
Catalog Number
V1280737
ISBN (eBook)
9783346733931
ISBN (Book)
9783346733948
Language
German
Tags
Parzival Wolfram Eschenbach Schwertleite Ritter Ritual Stollberg-Rilinger gestörtes Ritual Ither Kampf
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Tom Hackbarth (Author), 2022, Das gestörte Ritual der Schwertleite Parzivals in Wolframs von Eschenbach "Parzival", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1280737
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