Die Waldorfschule - Zur Pädagogik Rudolf Steiners


Hausarbeit, 2006
20 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhalt

1. Vorwort

2. Biografie Steiners und Entstehungsumfeld der Schule
a) Biografie
b) Entstehung der Waldorfschule

3. Merkmale der Waldorfschule

4. Waldorfpädagogik und ihre Ziele

5. Kritik
a) Vorteile
b) Nachteile

6. Nachwort

7. Literaturverzeichnis
Primärliteratur
Sekundärliteratur

1. Vorwort

'Okkultismus', 'Rassismus', 'Dogmatismus': das sind nur einige der Vorurteile, mit denen die Waldorfschule konfrontiert wird. Dennoch steigt die Zahl der Waldorfschulen in Deutschland und auch weltweit an. So sind es im Jahre 2006 allein 197 in Deutschland und 923 insgesamt auf der Welt. Dabei reicht das Spektrum der Länder von Ungarn über Ägypten, bis nach Neuseeland und Thailand.[1] Und das obwohl die Waldorfschule als Privatschule auch einen nicht unerheblichen finanziellen Aufwand bedeutet. Grund genug beziehungsweise geradezu 'Notwendigkeit' genug sich näher mit der dahinter stehenden Theorie und der praktischen Umsetzung der Waldorfschule zu befassen.

Ich werde also in der vorliegenden Arbeit zunächst auf den Mann eingehen, der die pädagogische Lehre der Waldorfschule begründet hat, Rudolf Steiner und die Umstände der ersten Schulgründung erläutern. Darauf folgend soll es um die zahlreichen Merkmale gehen, die die Schule prägen und sie auch von staatlichen Schulen unterscheidet. Im Anschluss wende ich mich der Theorie der Waldorfpädagogik zu, um dann die Vor- und Nachteile dieses Schulsystems aufzuzeigen. Grundsätzliches Ziel meiner Arbeit ist ferner, die vorangestellten Vorurteile zu relativieren und auch einsichtig zu machen, wie eine so starke Polarisierung, die dann negativ auch zu diesen Vorwürfen führt, zu Stande kommen kann.

2. Biografie Steiners und Entstehungsumfeld der Schule

a) Biografie

Rudolf Steiner wird am 27.02.1861 in Kraljevec, was damals zu Ungarn gehörte, geboren. Die Beherrschung der deutschen Sprache ergibt sich jedoch daraus, dass seine Eltern Österreicher sind. Den ersten prägenden geistigen Einfluss auf Steiner übt ein Hilfslehrer der Dorfschule in Neudörfl aus. Steiner beginnt sich zum einen mit der Geometrie auseinander zu setzen, was ihn zu weiteren Überlegungen hinsichtlich des inneren Raums der Menschen veranlasst. Denn neben der für uns fassbaren Wirklichkeit des physischen Raums sieht Steiner die Wahrheit in der innerseelischen Welt. Zum anderen wird auch das künstlerische Element bei ihm geweckt.

In seiner Realschulzeit beschäftigt sich Steiner zudem mit Philosophie, im Besonderen mit Kant, und eignet sich autodidaktisch Kenntnisse in Griechisch und Latein an.

Nachdem er 1879 seine Matura mit Auszeichnung besteht, immatrikuliert er sich noch im selben Jahr an der Universität in Wien und belegt Mathematik, Naturgeschichte und Chemie. Doch sein grundsätzliches Interesse gilt weiterhin der „Frage nach der Bestimmung des Menschen, nach seiner Autonomie und Abhängigkeit im Weltall“[2]. Ein weiteres wichtiges Moment bildet die Begegnung mit dem Germanisten Karl Julius Schreiber, der ihn in das Denken Goethes einführt. Daraus ergibt sich eine lebenslange Auseinandersetzung mit Goethe, die auch zu einem eigenen Ansatz Steiners führt. Als ein wichtiger Einfluss auf seine pädagogische Lehre wirkt sich die Erziehung des ihm anvertrauten Otto Spechts aus. Dieser gilt in geistiger und körperlicher Entwicklung als von der Norm abweichend und dennoch ist Steiner als sein Hauslehrer sehr erfolgreich mit ihm, so dass Otto Specht später sogar Arzt wird.

Ab 1890 verbringt Steiner sechs Jahre in Weimar, wo er damit betraut ist, die Naturwissenschaftlichen Schriften Goethes herauszugeben. In dieser Zeit promoviert er und veröffentlicht bereits eigene Werke, dennoch bleibt die Suche nach Gleichgesinnten vergebens.

Nach einer turbulenten Zeit in Berlin, in der er sich sehr stark verändert und mit der Berliner Avantgarde in Kontakt kommt, die ihn zunächst fasziniert, bald jedoch abstößt, da sich zeigt, dass deren Weltbild nicht mit seinem harmoniert, beginnt seine Hinwendung zur Anthroposophie. Das heißt, genauer gesagt, zunächst zur Theosophie. Nach einem guten Jahrzehnt kommt es jedoch zum Bruch, denn er vertritt im Gegensatz zu den Theosophen keine Synthese aller Religionen, sondern sieht seinen „Ansatz im Geistesleben Europas und im Christentum“[3]. Nun gründet er die „Anthroposophische Gesellschaft“. In zahlreichen Werken entwickelt er seine Lehre und auch Neuschöpfungen wie die Eurythmie. Daraus ergibt sich, dass einer seiner Schüler, Emil Molt, ihn mit der Gründung einer Betriebsschule beauftragt. Die genaueren Umstände dieser Schulgründung werde ich im folgenden Teil beleuchten.

Trotz zunehmender Verschlechterung seines Gesundheitszustandes setzt Rudolf Steiner seine Arbeit auch in den folgenden Jahren unermüdlich fort, bevor er am 30.März 1925 verstirbt.

b) Entstehung der Waldorfschule

Der historische Hintergrund der Schulgründung ist das Ende des Ersten Weltkrieges. Einerseits waren die Bedingungen schwierig, denn die Zeit war von Chaos, Arbeitslosigkeit und extremen Denkrichtungen bestimmt, andererseits jedoch barg dies die Möglichkeit einer vollkommenen Neugestaltung und „setzte gewaltige Kräfte des politischen und sozialen Umbruchs [und] der kulturellen Erneuerung [...] frei“[4] und weckte Motivation in den Menschen. Hinzu kam das persönliche Engagement Emil Molts, der der Direktor der Zigarettenfabrik Waldorf-Astoria war und nicht wollte, dass der Arbeiterklasse aus Geldmangel das Recht auf Bildung verwehrt blieb.

Aus diesem Gedanken heraus entstand also die Waldorfschule, mit deren pädagogischen Leitung Rudolf Steiner betraut wurde. Doch nicht nur die Waldorfschule stellte zu damaliger Zeit eine alternative Schulform da. Allgemein gab es eine Reformpädagogische Bewegung, die auch in anderen Formen Ausdruck und Erfolg fand (z.B. Montessori-Pädagogik. Neben zahlreichen Ähnlichkeiten der Waldorfschule zur Reformpädagogik wie zum Beispiel, dass das Kind zur Selbsttätigkeit erzogen werden soll, sowohl Bewegung als auch das künstlerische Element verstärkt gefördert werden soll und die Klasse als Gemeinschaft gesehen wird, gibt es auch nicht zu vernachlässigende Unterschiede. Dabei ist ganz grundsätzlich der anthroposophische Grundgedanke zu nennen, der das System der Schule durchzieht, sowie Neuschöpfungen (Eurythmie) und auch Merkmale des 'traditionellen' Unterrichts wie der Frontalunterricht, die beibehalten werden. Ein weiteres Kuriosum bildet die Zusammensetzung des ersten Lehrerkollegiums, denn nur vier der zwölf Lehrer hatten bisher als Lehrer gearbeitet bzw. die Befähigung zum Lehramt. „Das einigende Band [dieser Lehrer war] also keine gemeinsame erzieherische oder unterrichtliche Erfahrung, sondern die existentielle Entscheidung für Steiner und seine Lehre.“[5] Die Ausbildung zum Waldorflehrer umfasste lediglich ein Seminar von drei Wochen.

Im folgenden Abschnitt möchte ich einen Überblick über die besonderen Merkmale des Waldorfunterrichts geben, die ich gerade nur angeschnitten habe (wie die Eurythmie).

3. Merkmale der Waldorfschule

Hierbei unterscheide ich grundsätzlich zwischen Merkmalen, die unmittelbar den Unterricht betreffen und Merkmalen, die den Aufbau der Schule, die Verwaltung und Sonstiges umfassen.

a) Zunächst muss dazu angefügt werden, dass sich aus der Tatsache, dass die Waldorfschule eine Schule in freier Trägerschaft ist und es keine genauen für alle Waldorfschulen verbindlichen Vorschriften gibt, ableitet, dass man von Waldorfschule zu Waldorfschule unterschiedliche Ausprägungen findet und ich deshalb versuche, mich bei meiner Darstellung sozusagen auf den kleinsten gemeinsamen Nenner zu konzentrieren, dass ich also die jeweiligen Besonderheiten weitgehend ausklammere.

In allen Waldorfschulen finden wir eine Unterteilung in Haupt-, Fach- und Nachmittagsunterricht.

Der Schultag beginnt mit dem Hauptunterricht, der in Epochen erteilt wird. Das bedeutet, dass ein bestimmtes geeignetes Fach, wie zum Beispiel Geschichte, über mehrere Wochen jeden Morgen im Hauptunterricht unterrichtet wird. Das Ziel ist dabei eine intensivere Auseinandersetzung mit einer bestimmten Thematik. „[D]ie kindliche Aufmerksamkeit [wird] eine Epoche hindurch an einem Gegenstand festgehalten.“[6] Das dabei Erarbeitete „findet seinen Niederschlag in den von den Schülern selbst gestalteten Epochenheften, die die Lehrbücher ersetzen.“[7] Dahinter steht der Gedanke, dass die Kinder aktiv werden sollen und eigene Gedanken und Zusammenfassungen aufschreiben sollen und nicht passiv das, was in einem Lehrbuch geschrieben steht, lesen.

Der Hauptunterricht ist wiederum in sich gegliedert. Er beginnt mit einem rhythmischen Teil, während dem das Sprechen und Singen mittels Gedichten und Liedern geschult wird. Darauf folgt der erarbeitende Teil, in dem neuer Lehrstoff behandelt wird. Der letzte Teil ist schließlich der Erzählteil, das heißt, dass der Unterricht je nach Altersstufe mit einem Märchen, einer Legende und Ähnlichem endet. Diese bildhaften Elemente sollen dazu dienen die Phantasie im Kind zu wecken. Allerdings unterliegt dieser Punkt auch sehr stark der Kritik, was das Weltbild betrifft, dass die Märchen vermitteln und die subtile Erziehung durch sie. Dazu ausführlicher unter dem Punkt 'Kritik'.

[...]


[1] Vgl. http://www.waldorfschule.info/index.39.67.1.html

[2] Kucirek, Xenia: Die Bildungsphilosophie Rudolf Steiners und ihre Realisierung an der Waldorfschule. Frankfurt am Main; Berlin; Bern; New York; Paris; Wien: Lang 1994. (Europäische Hochschulschriften. Reihe 11 Pädagogik. Bd. 606.), S.18.

[3] Ebenda, S 23.

[4] Pro und Contra Waldorfpädagogik. Akademische Pädagogik in der Auseinandersetzung mit der Rudolf-Steiner-Pädagogik. Hrsg. Von Otto Hansmann Würzburg: Königshausen und Neumann 1987, S.61.

[5] Ullrich, Heiner: Waldorfpädagogik und okkulte Weltanschauung. Eine bildungsphilosophische und geistesgeschichtliche Auseinandersetzung mit der Anthropologie Rudolf Steiners. 3. Auflage Weinheim; München: Juventa Verlag 1991, S.74.

[6] Kucirek, Xenia: Die Bildungsphilosophie Rudolf Steiners und ihre Realisierung an der Waldorfschule. Frankfurt am Main; Berlin; Bern; New York; Paris; Wien: Lang 1994. (Europäische Hochschulschriften. Reihe 11 Pädagogik. Bd. 606, S.64.

[7] Ebenda.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die Waldorfschule - Zur Pädagogik Rudolf Steiners
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
20
Katalognummer
V128077
ISBN (eBook)
9783640352593
ISBN (Buch)
9783640352692
Dateigröße
443 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Waldorfschule, Pädagogik, Rudolf, Steiners
Arbeit zitieren
Janine Kapol (Autor), 2006, Die Waldorfschule - Zur Pädagogik Rudolf Steiners, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/128077

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