Die Herrschaftsrepräsentation des Kaisers Augustus am Beispiel der Gemma Augustea. Augustus als neuer Jupiter?


Bachelorarbeit, 2019

46 Seiten, Note: 1,8


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die Gemma Augustea
1.1 Beschreibung
1.2 Personenkonstellation
1.2.1 Augustus‘ Sternzeichen: Der Capricorn
1.3 Die Gemma Augustea im Vergleich mit anderen Kameen

2. Augustus als Jupiter vs. Augustus als Apollo
2.1 Jupiter
2.2 Apollo
2.3 Repräsentation des Augustus
2.3.1 Augustus im Zeichen der Götter
2.3.2 Selbstdarstellung des Augustus

3. Bildersprache und -politik des Augustus
3.1 Definition Bildersprache
3.2 Öffentlicher und privater Bereich
3.3 Bildnistypen des Augustus
3.4 Bildersprache und -politik nach 27 v. Chr.
3.5 Herrscherkult als Zeichen der Loyalität

4. Augustus‘ Bild in den literarischen Quellen
4.1 Ovid und Sueton
4.2 Vergil und Horaz

Resümee

Abschließende Bemerkungen

Quellen- und Literaturverzeichnis

Quellenverzeichnis

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Einleitung

In der folgenden Bachelorarbeit soll die Herrschaftsrepräsentation des Kaisers Augustus dargestellt werden. Dies soll am Beispiel der Gemma Augustea erfolgen. Bei näherem Betrachten der Gemma Augustea fällt auf, dass Kaiser Augustus mit Attributen des Jupiters dargestellt wird. Die Herrschaftsrepräsentation des Kaisers Augustus soll in dieser Arbeit mit der Frage und der Problemstellung, ob Augustus als neuer Jupiter galt, betrachtet werden. Zu Beginn dieser Arbeit soll die Gemma Augustea beschrieben und vorgestellt werden. Hier sollen die Personenkonstellation und erste Auffälligkeiten in der Darstellung des Augustus benannt werden. Bei Bearbeitung der Personenkonstellation der Gemma Augustea soll ebenfalls Augustus‘ Sternzeichen, der Capricorn, betrachtet werden. Er scheint eine wichtige Position in Augustus‘ Leben und seiner vermeintlich göttlichen Herkunft einzunehmen, da das Sternzeichen auf weiteren Bildnissen sowie Münzen zu finden ist. Darauffolgend sollen weitere Kameen mit Augustusdarstellungen beschrieben werden, da hier weitere typische Attribute des Augustus zu finden sind. Da Augustus eher Attribute des Apollo zugewiesen wurden, er auf der Gemma Augustea aber mit typischen Attributen des Jupiters versehen ist, sollen zunächst beide, Jupiter und Apollo, beschrieben werden, woraufhin dann Augustus‘ Repräsentation erläutert werden soll. Dabei soll das Hauptaugenmerk auf seiner scheinbar göttlichen Herkunft, sowie auf seiner Selbstdarstellung und seiner Bildersprache sowie -politik liegen. Abschließend sollen auch die literarischen Quellen hinzugezogen werden, insbesondere Ovid und Sueton, da auch hier Augustus mit Apollo und Jupiter in Verbindung gebracht wird. Nach Untersuchung der eben genannten Themen soll zuletzt versucht werden die Frage zu beantwortet, wie Augustus dargestellt wird - als Jupiter, als Apollo oder ob eventuell die Möglichkeit eines numen mixtum, also die Verschmelzung zweier Gottheiten, besteht. Die Werke von W. Dahlheim und D. Kienast traten für diese Arbeit besonders in den Vordergrund, da sie jeweils die Person Augustus und seine Herrschaft gut darstellen. Ebenfalls wichtig ist das Werk von P. Zanker, da hier die bildliche Ideologie und die Darstellungen des Augustus im Vordergrund stehen. Bilder als Kommunikation waren und sind auch heute noch eines der wichtigsten Medien, was offensichtlich auch Augustus erkannte. Zur Bildersprache und - politik brachte M. R.-Alföldi eine m.E. passende Definition, die für diese Arbeit ein gutes Verständnis gibt. Sie soll in Kapitel 3.1 erläutert werden.

In dieser Arbeit soll Augustus durchgängig als Name für den Kaiser verwendet werden, um möglichen Verwirrungen und einem umständlichen Lesen vorzubeugen. Als Octavian geboren, änderte er seinen Namen im Zuge der Vergöttlichung Caesars im Jahr 40 v. Chr. zu Imperator Caesar divi filius1 Damit trug er den Titel als Vornamen, den sonst der militärische Führer hatte. Bereits mit dem Namen Imperator wurde eine Erhöhung der Person erreicht, die einzigartig, aber noch irdisch war. Hier wurde seine militärische Stärke in den Vordergrund gestellt. Nach dem Sieg von Actium 31 v. Chr. reichte dies nicht mehr aus.2 Nach Überlegungen, den Vornamen Romulus anzunehmen und damit die engste Verbindung zu dem Gründer Roms herzustellen, fiel die Entscheidung auf den Namen Augustus. Der Name galt zuvor eher Göttern und heiligen Orten, da er die Bedeutung „erhaben, verehrungswürdig, heilig“ hatte. Damit machte sich der Kaiser einen Namen zu eigen, der auf die Berufung der Götter verwies.3 Mit der Wahl des Namens Augustus umgab ihn etwas Einzigartiges und Erhöhtes.4 5 Sein endgültiger Name sollte ab Januar 27 v. Chr. „Imperator Caesar Divi filius Augustus“ sein. Damit trug er weiterhin einen militärischen Titel (Imperator), den Verweis auf Caesar und damit den Verweis auf seine Herkunft, womit er gleichzeitig seine Herrschaft legitimieren konnte (Caesar Divi filius, Sohn des vergöttlichten Caesar) und zuletzt Augustus, womit er die einzigarte Erhöhung seines Namens und seiner Person erzielte, was ihn in göttliche Nähe brachte.

1. Die Gemma Augustea

1.1 Beschreibung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Gemma Augustea, in moderner Fassung. Wien, Kunsthistorisches Museum.

(Quelle: https ://www.khm.at/objektdb/detail/59171)

Die Gemma Augustea (Abb. 1) ist ein mehrschichtiger, reliefierter Halbedelstein, ein zweifarbiger Onyx6, der gegen 10 n. Chr. hergestellt wurde. Der Stein besteht aus einer weißen und einer braunen Schicht, die bläulich durchschimmert. Da die Lagen sehr gleichmäßig sind, handelt es sich um einen seltenen und damit besonderen Stein.7 Die Gemma Augustea hat eine Größe von ca. 19 x 23 Zentimetern.8 Es besteht die Vermutung, dass sie aus dem „Umfeld des Hofes in Rom“9 stammt und „als Geschenk für den Kaiser selbst“10 diente. S. Terio stellt in diesem Zusammenhang die Vermutung auf, dass Privatleute mit der Übernahme von offiziellen und politischen Bildthemen in der Hofkunst ihre politische Zustimmung ausdrücken wollten.11 Dadurch würde eine Art von Kommunikation zwischen „den höheren und den niedrigeren Gesellschaftsschichten“12 entstehen. Zum Herrscherkult, seiner Verbreitung und dem höfischen Klima in Rom soll in Kapitel 3.6 weiter eingegangen werden. Wer genau die Gemma Augustea hergestellt hat ist nicht bekannt. Die Literatur schreibt zum Teil dem Dioskurides, der an Augustus‘ Hof gelebt haben könnte, die Herstellung der Gemma Augustea zu, was aus chronologischen Gründen nach E. Zwierlein- Diehl jedoch eher unwahrscheinlich scheint. Aufgrund eines Porträts eines hellenistischen Herrschers beziehungsweise eines Prinzen aus dem Jahr 63 v. Chr., muss Dioskurides spätestens um 80 v. Chr. geboren worden sein. Als Schöpfer der Gemma Augustea kommt daher eher Dioskurides‘ Sohn Hyllos in Frage, der hellenistische Stilelemente benutzte. Eine endgültige Zuschreibung ist allerdings nicht zu machen, da hierfür die sicheren und eindeutigen Beweise fehlen.13

Die Gemma Augustea zeigt Tiberius zusammen mit Augustus, der als Weltherrscher neben der Dea Roma auf einem Thron sitzend dargestellt wird. Der Halbedelstein ist in ein oberes und ein unteres Register geteilt, welches jeweils eine andere Szene zeigt. Im unteren Register wird ein bestimmtes Ereignis angedeutet, welches wohl, allgemein gesprochen, die bewährte und „gottgewollte Ordnung im Sieg der römischen Truppen“14 darstellt. Auf der linken Seite richten römische Soldaten ein Siegeszeichen auf. Auf einem der Schilde der Soldaten lässt sich der Skorpion, das Gestirnzeichen des Tiberius, erkennen. In älterer Forschung, so auch bei P. Zanker, wurde angenommen, dass damit die Siege über die Illyrer aus dem Jahr 9 n. Chr. gemeint sind, nachdem die Varus-Legionen im Teutoburger Wald vernichtet wurden. Auf der rechten Seite sind zwei Personifikationen zu sehen, eine Frau mit Speeren und ein Mann mit breitkrempigen Petasos. Die Frau soll, erkennbar an ihrem Attribut, die spanischen Truppen wiederspiegeln, wohingegen der Mann mit seinem Attribut die thrakischen Truppen versinnbildlichen soll. Beide Provinz-Personifikationen zerren widerspenstige, wahrscheinlich germanische Barbaren zum Siegesdenkmal, welches auf der linken Seite von den römischen Truppen errichtet wird.15 Das untere Register verweist damit auf „Siege gegen Reichsfeinde“16. In der aktuellen Forschung ist mittlerweile bekannt, dass weder der Triumph des Tiberius im Jahr 7 v. Chr. noch der Sieg über die Pannonier im Jahr 12 n. Chr. gemeint sein konnte. E. Zwierlein-Diehl setzt die Arbeit und Herstellung der Gemma Augustea zwischen Winter 9/10 n. Chr. bis 12 n. Chr. an.17

Im oberen Register sind die Sieger des unten gezeigten Geschehens zu sehen: Tiberius und Augustus. Tiberius steigt von der Triumphquadriga ab, deren Zügel die Göttin Victoria hält. Vor dem Triumphwagen steht der gepanzerte Germanicus, der im Jahr 4 n. Chr. von Tiberius, gleichzeitig mit dessen Adoption seitens Augustus, adoptiert wurde. Augustus erscheint gemeinsam mit der Göttin Roma sitzend auf einem Thron. Er ist nicht in ziviler Tracht gekleidet, sondern wird vermeintlich als Jupiter dargestellt, indem er den Hüftmantel trägt und sich mit der linken Hand auf ein Szepter stützt. Außerdem ist unter dem Thron ein Adler zu sehen, der den Vogel Jupiters darstellt.18 Mit Szepter in der Linken, Adler und nacktem Oberkörper wird Augustus dem Jupiter gleich, dessen Vertretung er auf Erden ist.19 Damit werden Augustus die „Qualitäten des höchsten Gottes zugeschrieben: Von Rom, Menschen, Erde und Meer anerkannt, ist er als Weltherrscher in Szene gesetzt“20. Erde und Meer werden in dieser Szene von der personifizierten Oikumene, dem Oceanus und Terra beziehungsweise Tellus dargestellt. Oceanus und Terra/Tellus stehen bei der personifizierten Oikumene, während sie Augustus, den Princeps, bekränzt.21 Im Gegensatz zu Jupiter hält Augustus allerdings nicht das Blitzbündel in seiner Rechten, sondern den Augurstab (lituus)22, welcher die bekannte Priesterinsignie darstellt23. Der lituus wird bei J. Pollini als „interpreter of Jupiter’s will on earth and mediator between gods and man“24 gesehen, er definiert Augustus als „Second Founder of Rome“25, zeigt Augustus als Bringer von Frieden durch Sieg und verweist außerdem darauf, dass Augustus das Recht hat Auspizien als Imperator zu halten.26 Zu vermeintlich typischen Attributen des Jupiters soll in Kapitel 2.2 Weiteres erläutert werden. Zwischen der Göttin Roma und Augustus ist „das Tierkreiszeichen des Kaisers [...] in einem Kreis zwischen dem Paar auf der Mittelachse der Komposition dargestellt“27. Auf Augustus‘ Sternzeichen, den Capricorn, soll in Kapitel 1.2.1 näher eingegangen werden, da er, wie bereits einleitend erwähnt, eine wichtige Rolle in Augustus‘ Leben spielte.

1.2 Personenkonstellation

Alle Personen mit Ausnahme der Victoria wenden Augustus den Kopf zu. Die menschlichen Teilnehmer in den Szenen werden, im Gegensatz zu den Göttern, mit Pupillen dargestellt.28 Tiberius und Germanicus stehen bewaffnet neben Roma, wodurch sie als „Emissäre des Weltherrschers“29 dargestellt werden. Außerdem signalisieren sie durch ihre Bewaffnung, dass sie für den nächsten Kampf bereit sind und sich damit Augustus‘ Sieghaftigkeit automatisch auf sie überträgt. Roma blickt bewundernd zu Augustus, die genannten Personifikationen von Oikumene, Terra/Tellus und Oceanus blicken ebenfalls zu Augustus auf.30 Die genannten Personifikationen nehmen auf der Gemma Augustea erstmals „aktiven Anteil am Sieg und an der Herrscherverehrung“31, zuvor hat es solche Abbildungen nicht gegeben. Augustus thront auf der Gemma Augustea vermeintlich als Jupiter, also als Stifter aller Siege. Mit der Dea Roma und seinem Schicksalsgestirn, dem Capricorn, über ihren Köpfen, wird die Gemma Augustea zu einem repräsentativen Bild.32

Caesar, der Großonkel Augustus‘, machte ihn mit seinem Testament vom 13. September 45 v. Chr. zum Haupterben und adoptierte ihn. Die Bedingung dafür war, dass ihm bis zu seinem Tod kein eigener Sohn als rechtlicher Nachfolger geboren werden sollte.33 Nach dem Attentat auf Caesar mit Folge dessen Todes am 15. März 44 v. Chr., nahm Augustus die Erbschaft bereits zwei Monate später an.34 Eine wichtige Frage in Augustus‘ Herrschaft nahm auch die Frage seiner Nachfolge ein. Diese ließ sich Augustus scheinbar seiner zurückhaltenden und vorsichtigen Führung folgend zunächst noch offen, ließ aber nach gewisser Zeit Tiberius als seinen Nachfolger verkünden. Tiberius wurde zusammen mit seinem Bruder Drusus im Jahr 17 v Chr. von ihrem Stiefvater adoptiert,35 wodurch ebenfalls die Adoption von Germanicus, Sohn Drusus‘, und Agrippa Postumus wirksam wurde.36 Standen zuvor immer die Enkel Gaius und Lucius Caesar als Nachfolger Augustus‘ fest, so wurde nach dessen Tod Tiberius zum Nachfolger. Lucius starb 2 n. Chr., sein Bruder Gaius verstarb bereits kurz nach ihm im Jahr 4 n. Chr..37 Tiberius und Drusus kam eine wichtige Rolle als Feldherren zu und hatten durch ihren Rang als Prinzen eine gesonderte Stellung: Ihnen kam eine Art Stellvertreterposition Augustus‘ zu, wodurch sie ihn, wenn er selber nicht an einem Kampfschauplatz auftreten konnte, vertraten. Damit wurden gleichzeitig die Siege der Prinzen zu den Siegen des Princeps. Die Stellvertreterposition wurde zu einem festen Bestandteil der Herrschaftsideologie.38 Drusus starb in Germanien.39 Im Jahr 6 v. Chr. wurde Tiberius erst zu einer Art Mitregenten, imperium proconsulare maius, erhoben.40 Trotz seiner Wahl zum imperium proconsulare maius ging Tiberius freiwillig für elf Jahre ins Exil nach Rhodos, vermutlich aus

Eifersucht gegenüber der Inszenierung rund um die jungen Enkel Augustus‘, die ja zunächst Nachfolger werden sollten.41 Im Jahr 13 n. Chr. wurden die Amtsvollmachten des Augustus auf Beschluss des Senats verlängert, womit gleichzeitig Tiberius dieselben Kompetenzen übertragen wurden. Damit sollte ein reibungsloser Machtwechsel vollzogen werden können, wenn Augustus sterben sollte.42 In der Gemma Augustea wird die Nachfolgeregelung panegyrisch43 und die Rolle, in der man Augustus sah, poetisch-allegorisch44 gelobt.45

1.2.1 Augustus4 Sternzeichen: Der Capricorn

Im Beginn des Zeichens der Waage lag Augustus‘ Geburtstag, der Tag seiner Empfängnis lag zur Zeit der Wintersonnenwende, also im Beginn des Zeichens des Capricorn.46 Da der Capricorn auf Münzen des Augustus auftauchte, lässt sich daraus schließen, dass er eine wichtige Figur im Horoskop des Augustus gewesen sein muss beziehungsweise Augustus ihn zu einer wichtigen Figur machte. Von dem Astrologen Theogenes in Apolonia besteht die Geschichte, dass er bei Bekanntwerden des Horoskopes des Augustus aufsprang und nach Einsicht der Konstellation der Sterne Augustus anbetete. Zu dem besagten Zeitpunkt soll Augustus erst 19 Jahre alt gewesen sein. Nach A. Schmid ist anzunehmen, dass die Geschichte von Theogenes eine nachträgliche Legende sei, dieser Legende aber das wahre Ereignis der Auslegung des Horoskopes zugrunde liegt.47 Die Geschichte des anbetenden Theogenes ist die einzige Überlieferung zu Augustus‘ Horoskop - ein von einem antiken Astrologen ausgelegtes Horoskop ist nicht überliefert.48 Nach Sueton (Aug. 94, 12) und Cassius Dio (56, 25, 5) ließ Augustus im Jahre 11 n. Chr. sein Horoskop beziehungsweise die Konstellation der Sterne bei seiner Geburt per Edikt bekanntmachen.49 Die Bekanntmachung seines Horoskopes erfolgte ebenfalls durch eine Silbermünze, die Augustus prägen ließ: Auf ihr war das Sternbild abgebildet, der Capricorn, unter dem er geboren wurde (Suet., Aug. 94, 12). Der Capricorn war zur Zeit des Augustus ein vielfach bezeugtes Motiv, weshalb man einen Eindruck von Überschwemmung im öffentlichen Raum bekommen kann.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Silbermünze, AVGVSTVS mit Capricorn, Füllhorn und Lorbeerkranz, 27-26 v. Chr., Wien, Kunsthistorisches Museum.

(Quelle: https://www.khm.at/en/objectdb/detail/1059566/ )

Der Capricorn war bereits seit etwa 28 v. Chr. ein Motiv auf Münzen.50 Mit dem Erscheinen auf Münzen zeigte der Capricorn zusammen mit der Weltkugel zwischen seinen Vorderbeinen und dem Füllhorn auf dem Rücken die Berufung des Augustus zum Wohle der res republica. Ebenso zeigte dies der Capricorn zusammen mit der Dea Roma und dem Augustus auf der Gemma Augustea.51 Das Motiv lässt sich ebenfalls „im Giebel des Augustus­Tempels zu Köln und an einem Kapitell in Pozzuoli“52 finden, der Capricorn war aber auch das Feldzeichen verschiedener Legionen, „die von Augustus und Nachfolgern geschaffen worden sind“53. Das Zeichen des Capricorns erschien ebenfalls auf Glaspasten, die von Augustus‘ Anhängern beispielsweise als Ringsteine getragen wurden. Mit Erscheinen auf Münzen wurden Siege und Friedensprogramme mit dem Sternzeichen in Verbindung gebracht, sowie die Erwählung Augustus‘ durch die Sterne.54 Damit wurde auch sein Geburtstag seit 30 v. Chr. zum „offiziellen Glückstag“55 für Rom, der gefeiert wurde.

Mit Einweihung des Altars der Ara Pacis im Jahr 13 v. Chr. wurde zur selben Zeit eine dem Sol geweihte Sonnenuhr, das Solarium Augusti, eingeweiht. Das Liniennetz dieser Sonnenuhr hatte in der Länge ein größeres Maß als das Augustusforum selbst und schloss das Mausoleum des Augustus sowie die Ara Pacis mit ein. Die Äquinoktienlinie, die Wintersonnenwendlinie sowie die Herbstäquinoktien standen in Verbindung auf dem Augustusforum:

„Mit Augustus beginnt also - an Solarium und Ara Pacis ist es sichtbar - ein neuer Tag und ein neues Jahr: eine neue ... Ära des Friedens mit allen seinen Segnungen ... Diese Anlage ist sozusagen das Horoskop des neuen Herrschers, riesig in den Ausmaßen und auf kosmische Zusammenhänge deutend.“56

1.3 Die Gemma Augustea im Vergleich mit anderen Kameen

Die Gemma Augustea gehört zu der Gruppe der Kameen, die sich zu den Kaiserkameen zählen lässt. Diese zeichnen sich sowohl durch ihre Größe als auch durch ihre Qualität aus. Sie zeigen eine enge Verbundenheit mit dem Kaiserhaus, woraus sich vermuten lässt, dass sie Auftragsarbeiten waren. Wahrscheinlich wurden diese Kameen als Prunk- und Schaustücke gefertigt und in der Schatzkammer aufbewahrt, wo sie dann nur die Angehörigen des Kaiserhofes zu sehen bekamen. E. Zwierlein-Diehl nennt an dieser Stelle den hofinternen Charakter mit hoher und poetischer Sprache, die nicht den Motiven der Münzbilder entsprach - sollten die Motive auf Münzen möglichst viele Menschen mit leicht verständlicher Symbolik erreichen, so waren die Kaiserkameen für diejenigen gefertigt worden, die mit der jeweiligen künstlerischen Herrscherpanegyrik und dem jeweiligen Motiv vertraut waren.57 Im Folgenden soll jeweils auf einen Kameo mit ähnlicher Bildmotivik eingegangen werden und eine Verbindung zu Augustus und der Gemma Augustea hergestellt werden.

Zuerst soll hier der Actium-Kameo (Abb. 3) beschrieben werden. Der Actium-Kameo ist ein 6 x 6,6 Zentimeter großer Kameo, der an den Sieg von Actium und die Ehrungen des Augustus aus dem Jahr 27 v. Chr. erinnern soll. Augustus ist mit einer Toga bekleidet als Triumphator auf einem Wagen zu sehen, der über das Meer fährt und ihn damit übermenschlich werden lässt. In der rechten Hand hält er triumphierend einen Lorbeerzweig, der Wagenkasten ist mit einem Eichenkranz geschmückt. Folgende Attribute lassen sich in dem Actium-Kameo ebenfalls finden: ein Capricornprotomen über einem Globus, wobei das Symbol des Capricorn an Augustus‘ Sternzeichen erinnert und eine auf dem Globus stehende Victoriastatue, die einen Eichenkranz hält. Außerdem ist auf dem Actium-Kameo eine Victoria der Curie zu sehen, die sich auf den Sieg bei Actium bezieht. Ein Eichenkranz und ein Schild verweisen dabei auf die Ehrungen aus dem Jahr 27 v. Chr., als Augustus seinen Namen erhielt und für Tapferkeit, Milde, Gerechtigkeit und Ehrfurcht gegenüber den Göttern geehrt wurde.58 Vergleicht man den Actium-Kameo mit der Gemma Augustea, so lassen sich folgende Parallelen ziehen: Sowohl in dem Actium-Kameo als auch in der Gemma Augustea sind ein Kranz als Siegeszeichen, die Victoria zum Zeichen des Sieges und das Motiv des Capricorns zu sehen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Actium-Kameo. Wien, Kunsthistorisches Museum. (Quelle: https://www.khm.at/objektdb/detail/59148/)

Der Augustus-Kameo am Lotharkreuz (Abb. 4) hat mit seinem klassizistischen Stil und der hoheitsvollen Ausstrahlung Parallelen zur Augustusstatue von Prima Porta und zeigt ein Herrscherbild von unnahbarer Hoheit. Augustus trägt einen Lorbeerkranz im Haar und in der rechten erhobenen Hand hält er einen Stab, auf dem ein Adler sitzt. Der Adler soll der Legionsadler sein, zu dessen Augustus‘ militärische Tracht passt. Nach E. Zwierlein-Diehl könnte der Augustus-Kameo im Stil von dem Steinschneider Dioskurides sein, jedoch findet sich keine Signatur und damit kein sicherer Beweis für diese Vermutung.59 In der Forschung galt Dioskurides zunächst ebenfalls als Künstler der Gemma Augustea, was aber in Kapitel 1.1 bereits widerlegt wurde. Augustus trägt auf dem Augustus-Kameo am Lotharkreuz zwei Attribute, die in der Gemma Augustea ebenfalls zu finden sind. Zum einen ist dies der (Lorbeer-)Kranz und zum anderen sitzt der Adler bei ihm. Hier wird der Adler als Zeichen der Legionen betrachtet, allerdings ist er gleichzeitig eines der Hauptattribute Jupiters (s.u.).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Augustus-Kameo am Lotharkreuz. 9./10. Jh. aus Holz mit Gold-, Silber- und Edelsteinbesatz, Aachen, Domschatz.

(Quelle: https://dewiki.de/Media/DaterAachen_Germany_Domschatz_Cross-of-Lothair- 01.jpg)

[...]


1 Von den Hoff, Ralf; Stroh, Wilfried; Zimmermann, Martin: Divus Augustus. Der erste römische Kaiser und seine Welt. München 2014, S. 66. Im Folgenden als „Von den Hoff, Stroh, Zimmermann: Divus Augustus“ zitiert.

2 Dahlheim, Werner: Augustus. Aufrührer, Herrscher, Heiland; Eine Biographie. München 2010, S. 191. Im Folgenden als „Dahlheim: Augustus“ zitiert.

3 Dahlheim: Augustus, S. 192.

4 Zanker, Paul: Augustus und die Macht der Bilder. München 21990, S. 103. Im Folgenden als „Zanker: Augustus und die Macht der Bilder“ zitiert.

5 Dahlheim: Augustus, S. 192.

6 Terio, Simonetta: Der Steinbock als Herrschaftszeichen des Augustus, in: Horst-Dieter Blume (Hg.): Orbis Antiquus Bd. 41. Münster 2006, S. 40. Im Folgenden als „Terio: Der Steinbock als Herrschaftszeichen des Augustus“ zitiert.

7 Zwierlein-Diehl, Erika: Antike Gemmen und ihr Nachleben. Berlin 2007, S. 150. Im Folgenden als „Zwierlein-Diehl: Antike Gemmen“ zitiert.

8 Von den Hoff, Stroh, Zimmermann: Divus Augustus, S. 242.

9 Von den Hoff, Stroh, Zimmermann: Divus Augustus, S. 242.

10 Von den Hoff, Stroh, Zimmermann: Divus Augustus, S. 242.

11 Terio: Der Steinbock als Herrschaftszeichen des Augustus, S. 40.

12 Terio: Der Steinbock als Herrschaftszeichen des Augustus, S. 40.

13 Zwierlein-Diehl: Antike Gemmen, S. 154.

14 Zanker: Augustus und die Macht der Bilder, S. 233.

15 Zanker: Augustus und die Macht der Bilder, S. 233.

16 Von den Hoff, Stroh, Zimmermann: Divus Augustus, S. 242.

17 Zwierlein-Diehl: Antike Gemmen, S. 153.

18 Von den Hoff, Stroh, Zimmermann: Divus Augustus, S. 242.

19 Zwierlein-Diehl: Antike Gemmen, S. 150.

20 Von den Hoff, Stroh, Zimmermann: Divus Augustus, S. 243.

21 Von den Hoff, Stroh, Zimmermann: Divus Augustus, S. 243.

22 Zanker: Augustus und die Macht der Bilder, S. 232.

23 Von den Hoff, Stroh, Zimmermann: Divus Augustus, S. 243.

24 Pollini, John: From republic to empire. Rhetoric, religion, and power in the visual culture of ancient Rome. Norman 2012, S. 85. Im Folgenden als „Pollini: From republic to empire“ zitiert.

25 Pollini: From republic to empire, S. 85.

26 Pollini: From republic to empire, S. 85.

27 Terio: Der Steinbock als Herrschaftszeichen des Augustus, S. 40.

28 Zwierlein-Diehl: Antike Gemmen, S. 150.

29 Zanker: Augustus und die Macht der Bilder, S. 232.

30 Zanker: Augustus und die Macht der Bilder, S. 232.

31 Zanker: Augustus und die Macht der Bilder, S. 234.

32 R.-Alföldi, Maria: Bild und Bildersprache der römischen Kaiser. Beispiele und Analysen, Mainz am Rhein 1999, S. 87. Im Folgenden als „R.-Alföldi: Bild und Bildersprache“ zitiert.

33 Bringmann, Klaus: Augustus. Darmstadt 2007, S. 32f. Im Folgenden als „Bringmann: Augustus“ zitiert.

34 Bringmann: Augustus, S. 245.

35 Zanker: Augustus und die Macht der Bilder, S. 226.

36 Zanker: Augustus und die Macht der Bilder, S. 229.

37 Kienast: Augustus, S. 136.

38 Zanker: Augustus und die Macht der Bilder, S. 226f.

39 Zanker: Augustus und die Macht der Bilder, S. 229.

40 Kienast: Augustus, S. 128f.

41 Zanker: Augustus und die Macht der Bilder, S. 229.

42 Von den Hoff, Stroh, Zimmermann: Divus Augustus, S. 231.

43 Panegyrik wird hier als Lobrede auf den Herrscher verstanden. Vgl. dazu Dingel, Joachim: Art. Panegyrik II. Römisch, in: DNP Online. Online aufgerufen am 21. Oktober 2019. <http://dx.doi.org/10.1163/1574-9347_dnp_e905770>

44 Allegorie wird hier als auf der Verknüpfung von Metaphern verstanden. Vgl. dazu Grosse, Max: Art. Allegorie, in: DNP Online. Online aufgerufen am 21. Oktober 2019. <http://dx.doi.org/10.1163/1574-9347_dnp_e1301110>

45 Von den Hoff, Stroh, Zimmermann: Divus Augustus, S. 243.

46 Kienast: Augustus, S. 240.

47 Schmid, Alfred: Augustus und die Macht der Sterne. Antike Astrologie und Etablierung der Monarchie in Rom. Köln 2005, S. 20. Im Folgenden als „Schmid: Augustus und die Macht der Sterne“ zitiert.

48 Schmid: Augustus und die Macht der Sterne, S. 20.

49 Schmid: Augustus und die Macht der Sterne, S. 19.

50 Schmid: Augustus und die Macht der Sterne, S. 36f.

51 R.-Alföldi: Bild und Bildersprache, S. 88.

52 Schmid: Augustus und die Macht der Sterne, S. 37.

53 Schmid: Augustus und die Macht der Sterne, S. 37.

54 Zanker: Augustus und die Macht der Bilder, S. 57.

55 Zanker: Augustus und die Macht der Bilder, S. 57.

56 Kienast: Augustus, S. 240f.

57 Zwierlein-Diehl: Antike Gemmen, S. 146.

Ende der Leseprobe aus 46 Seiten

Details

Titel
Die Herrschaftsrepräsentation des Kaisers Augustus am Beispiel der Gemma Augustea. Augustus als neuer Jupiter?
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
1,8
Autor
Jahr
2019
Seiten
46
Katalognummer
V1280797
ISBN (Buch)
9783346749451
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kaiser, Augustus, Herrschaftsrepräsentation, Gemma Augustea, Jupiter, Antike, Capricorn, Apollo, Selbstdarstellung, Götter, Bildersprache, Bilderpolitk, Herrscherkult, Ovid, Sueton, Vergil, Horaz, Imperator, Octavian, Caesar
Arbeit zitieren
Marén Harde (Autor:in), 2019, Die Herrschaftsrepräsentation des Kaisers Augustus am Beispiel der Gemma Augustea. Augustus als neuer Jupiter?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1280797

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