Die vorliegende Hausarbeit zeigt die Perspektive und Darstellung der kulturellen Differenz indigener Volksgruppen des Südpazifiks anhand der Reiseberichte Bougainvilles und Cooks auf. Hierzu werden die Erfahrungen während des Kontaktes mit den indigenen Einwohnern des Feuerlandes und Tahitis von Louis Antoine de Bougainville und James Cook sowie deren Expeditionsteilnehmern gegenübergestellt und miteinander verglichen. Zur Verdeutlichung findet im Fall Cooks noch ein Exkurs zu den Ureinwohnern Australiens, den Aborigines, statt.
In dem Zeitalter der europäischen Expansion brechen mehrere Expeditionen von Europa in Richtung des Pazifiks auf. Bei diesen Expeditionen geht es nicht darum, sagenhafte Reichtümer oder wundersame Phänomene, wie zu Zeiten der ersten Expansion, zu entdecken. Vielmehr sind nun wissenschaftliche als auch wirtschaftliche-imperialistische Bestrebungen vordergründig. Der französische Seefahrer Louis Antoine de Bougainville erhält von seiner Regierung den Auftrag, als erster französischer Staatsbürger die Welt zu umsegeln und den in der Vorstellung der Europäer existierenden Südkontinent, die "terra australis incognita" zu entdecken. Der Auftrag des Briten James Cook, den er von der Royal Society bekommt, lautet, die Insel Tahiti anzusteuern. Die Royal Society erhofft sich dort offiziell besonders günstige Bedingungen, um den für den 3. Juni 1769 vorhergesagten Vorbeizug der Venus an der Sonne beobachten zu können. Der inoffizielle Auftrag Cooks lautet jedoch auch, die seit der Antike auf der Südhalbkugel vermutete Landmasse "terra australis incognita" zu entdecken, welche als Ausgleich für die Landmasse im Norden dienen soll. Um dem wissenschaftlichen Anspruch der Expeditionen Genüge zu tun, werden alle von einer Vielzahl an Wissenschaftlern der verschiedensten Disziplinen begleitet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Historischer Kontext dieser Arbeit
1.2 Kurzabriss der persönlichen Hintergründe Bougainvilles und Cooks
2. Was bedeutet kulturelle Differenz?
2.1 kulturelle Differenz nach Lévi- Strauss
2.2 kulturelle Differenz nach Hellmann
3. Definition der Begriffe “edle“ und „unedle“ Wilde
4. Individuelle Betrachtungen der indigenen Bevölkerung
4.1 Reiseberichte von Louis Antoine de Bougainvilles
4.1.1 Feuerland
4.1.2 Tahiti
4.1.3 Zusammenfassung der Sichtweisen Bougainvilles
4.2 Reiseberichte von James Cook
4.2.1 Feuerland
4.2.2 Tahiti
4.2.3 Australien
4.2.4 Zusammenfassung der Sichtweisen Cooks
5. Zusammenfassung der Betrachtungen und Ansichten
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert die Perspektiven und Darstellungen kultureller Differenz indigener Völker des Südpazifiks durch den Vergleich der historischen Reiseberichte von Louis Antoine de Bougainville und James Cook.
- Vergleich von sozialen Hintergründen der Seefahrer
- Definition von „kultureller Differenz“ nach Lévi-Strauss und Hellmann
- Analyse der Begriffe „edle“ und „unedle“ Wilde
- Kontrastierende Darstellung der Kontakte in Feuerland und Tahiti
- Exkurs zur Sichtweise auf die australischen Aborigines
Auszug aus dem Buch
4.1.2 Tahiti
Betrachtet man hingegen Bougainvilles Reisebericht Voyage autour du monde aus dem Jahr 1771, fällt die intensive Wirkung, welche die indigene Bevölkerung Tahitis auf die Expeditionsteilnehmer zu haben scheint, auf. So werden dem zehntägigen Aufenthalt der Expedition auf Tahiti in Bougainvilles Reisebericht zwei Kapitel gewidmet. Nach einer langen und beschwerlichen Reise glaubten die Expeditionsteilnehmer nach der Landung auf Tahiti in ein arkadisches Paradies versetzt worden zu sein.
Die tahitianische Küste erinnerte Louis Antoine des Bougainville, […] an ein „Amphitheater“, gelegen in „elysäischen Gefilden“, bewohnt nicht von Frauen, sondern von „Nymphen“, durchstreift nicht von Männern, sondern von Recken, die das Modell für einen „Herkules oder Mars“ hätten abgeben können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung skizziert den zeitgeschichtlichen Rahmen der europäischen Expansion und begründet die Relevanz der indigenen Reiseberichte für die aktuelle Analyse.
2. Was bedeutet kulturelle Differenz?: Hier werden mit den Ansätzen von Lévi-Strauss und Hellmann theoretische Grundlagen geschaffen, um das Fremdheitsverständnis der Seefahrer einzuordnen.
3. Definition der Begriffe “edle“ und „unedle“ Wilde: Dieses Kapitel erläutert die ideengeschichtliche Prägung der Begriffe und den Einfluss des Rousseau’schen Naturmenschen-Ideals auf die zeitgenössische Wahrnehmung.
4. Individuelle Betrachtungen der indigenen Bevölkerung: Dieser Hauptteil analysiert detailliert die Reiseberichte von Bougainville und Cook bezüglich ihrer Begegnungen mit indigenen Gemeinschaften im Südpazifik.
5. Zusammenfassung der Betrachtungen und Ansichten: Hier werden die gewonnenen Ergebnisse der Einzeldarstellungen unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Sozialisation der Akteure gespiegelt.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Divergenzen und Konvergenzen der Beobachtungen zusammen und begründet den Einfluss der Quäker-Erziehung bei Cook.
Schlüsselwörter
Aborigines, Bougainville, Cook, kulturelle Differenz, Feuerland, indigene Völker, Missionierung, Mythos Südsee, Naturmensch, Pazifik, Pécherais, Quäker, Reiseberichte, Tahiti, Wildheit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht, wie europäische Seefahrer im 18. Jahrhundert kulturelle Differenz bei indigenen Völkern wahrnahmen und in ihren Reiseberichten darstellten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen der Vergleich zwischen den Seefahrern Bougainville und Cook, die Definition von „Wildheit“ sowie die Analyse des Einflusses ihrer sozialen Prägung auf die Reiseberichte.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, zu klären, inwiefern die unterschiedlichen Sichtweisen der Seefahrer auf indigene Völker durch ihre persönliche Sozialisation oder durch ein allgemeines eurozentristisches Weltbild geprägt wurden.
Welche wissenschaftliche Methode findet Anwendung?
Die Arbeit nutzt eine vergleichende Analyse der Reiseberichte sowie eine theoretische Fundierung durch ethnologische und soziologische Begriffe kultureller Differenz.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition theoretischer Begriffe sowie die detaillierte Gegenüberstellung der Reiseberichte von Bougainville und Cook hinsichtlich ihrer Erlebnisse in Feuerland, Tahiti und Australien.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem kulturelle Differenz, die Idealtypen des „edlen“ und „unedlen“ Wilden, die soziale Konstruktion von Fremdheit sowie die spezifische Rolle der Quäker-Sozialisation bei James Cook.
Warum unterscheidet Cook die Gesellschaft der Aborigines so stark von den Tahitianern?
Cook bewundert die minimalistische Lebensweise und die Sittenstrenge der Aborigines, da diese seinem eigenen, religiös geprägten Verständnis von Schlichtheit und moralischer Enthaltsamkeit stärker entsprechen als die freizügige Kultur Tahitis.
Welche Rolle spielt die Ausbildung der beiden Entdecker für ihre Berichte?
Während Bougainville als gebildeter Mann klassische Mythologie nutzt, um das Erlebte zu interpretieren, greift der weniger formal gebildete, aber bibelfeste Cook vermehrt auf christliche Deutungsmuster zurück.
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- Philipp-Alexander Eilhard (Author), 2022, Die kulturelle Differenz indigener Volksgruppen des Südpazifik. Perspektiven und Darstellung anhand der Reiseberichte von Louis Antoine de Bougainville und James Cook, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1280848