Das Ziel der Arbeit ist es herauszufinden, in welchem Verhältnis Public Relations und Journalismus zueinander stehen und inwiefern sie voneinander beeinflusst werden.
Mit fortschreitender Digitalisierung hat sich die Welt der Medien drastisch verändert. Dabei hat sich das Informationsmedium zu einem sozialen Kommunikationsmedium entwickelt. In der heutigen Gesellschaft wird die Wahrnehmung immer häufiger von der Medienrealität bestimmt. Die Medienrealität und die öffentlich preisgegebene Meinung wird durch den Journalismus und durch die Public Relations, kurz PR, erzeugt. Public Relations hat sich zu einem Bestandteil der Medienwelt entwickelt. Dabei ist die Frage, ob Public Relations den Journalismus verdrängt, noch offen. Schon seit etlichen Jahren versuchen Wissenschaftler, mit unterschiedlichen Theorien das Verhältnis von Journalismus und Public Relations zu beleuchten.
„Journalisten und PR-Fachleute essen irgendwie aus demselben Teller, aber sie wünschen sich häufig, ohne es zu sagen, dass das Essen in dem Hals des anderen stecken bleibt“ (Szambolics).
In einer Studie von Julia Szambolics haben Experten versucht, das Verhältnis von Journalismus und Public Relations metaphorisch zu beschreiben. Eine Antwort ist das oben genannte Zitat. Der Experte verweist hier auf den vorhandenen Machtkampf, die Spannung und auf die Schwierigkeit, das Verhältnis von Journalismus und PR zu beschreiben. Dem Journalismus wird eine große Bedeutung bei der Verbreitung der öffentlichen Meinung zugeteilt und infolgedessen kann jeder Einfluss auf den Journalismus auch unmittelbar als Gefahr für die Öffentlichkeit angesehen werden. Angesichts der Tatsache, dass Forscher und Experten seit etlichen Jahren versuchen, das Verhältnis von Journalismus und Public Relations voneinander abzugrenzen und zu definieren, ist diese beschriebene Thematik ein interessantes Forschungsfeld.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Methodisches Vorgehen
2. Journalismus
2.1 Definition
2.2 Funktionen und Aufgaben des Journalismus
3. Public Relations
3.1 Definition
3.2 Funktionen und Aufgaben der Public Relations
3.3 Abgrenzungsversuch zum Journalismus
4. Intersystembeziehungen zwischen Journalismus und Public Relations
4.1 Determinationsthese
4.2 Intereffikationsmodell
5. Fallbeispiel: Deutsche Bahn
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das komplexe Verhältnis zwischen dem Journalismus und der Public Relations (PR). Das primäre Ziel ist es, herauszufinden, in welchem Verhältnis beide Bereiche zueinanderstehen, wie sie sich voneinander abgrenzen lassen und inwiefern eine gegenseitige Beeinflussung stattfindet.
- Definitionen und Aufgaben von Journalismus und Public Relations
- Abgrenzung der beiden Disziplinen
- Analyse theoretischer Modelle (Determinationsthese und Intereffikationsmodell)
- Untersuchung von Einflüssen und gegenseitiger Abhängigkeiten
- Fallbeispiel zur Veranschaulichung der PR-Einflussnahme
Auszug aus dem Buch
4.1 Determinationsthese
Die deutsche Kommunikationswissenschaftlerin, Barbara Baerns entwickelte mit der Determinationsthese eine These, die den Einfluss von Public Relations auf den Journalismus widerspiegelt. Baerns hat im Jahre 1978 das Ziel gehabt herauszufinden, aus welchem Grund die journalistische Arbeit trotz der zahlreichen Informationen, einseitig gestaltet ist (vgl. Schweiger 2013: 76). Ebenso hat sie untersucht, inwieweit der Journalismus eigenständig recherchiert oder die Materialien von Public Relations nutzt. Diese Untersuchung hat Baerns mit einer Input-Output-Analyse durchgeführt. Dabei wird der Output der journalistischen Arbeit mit dem Input durch Public Relations Arbeit verglichen. Unter die Kategorie Inputs fallen Public Relations Instrumente wie Pressemittelungen und Pressefotos und unter Output werden Beiträge in Zeitungen oder im Fernsehen verstanden (vgl. ebd: 78). Baerns untersucht hierbei, ob der Input dem Output ähnelt oder sogar wörtlich übernommen wird. Das Ergebnis ihrer Untersuchung zeigt, dass Journalisten kaum Eigenrecherche durchgeführt haben. Journalisten haben 64 Prozent aller Berichte in Zeitungen von PR-Arbeiten übernommen. Im Bereich Hörfunk und Fernsehen liegt der prozentuale Anteil ebenso bei ungefähr 60 Prozent. Das heißt, die Veröffentlichung der journalistischen Arbeit wird durch die Public Relations Arbeit dominiert. Daraus lässt sich schließen, dass laut Bearns der Journalismus versagt (ebd: 82).
Die Determinationsthese hat viele Kritiker mit sich gebracht. Der deutsche Medienwissenschaftler Stephan Ruß-Mohl ist davon überzeugt, dass die These zu stark vereinfacht ist, da sie nicht alle Verhältnisse von Journalismus und PR behandelt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Wandel der Medienwelt durch die Digitalisierung und definiert das wissenschaftliche Forschungsziel bezüglich der Wechselwirkung zwischen Journalismus und PR.
2. Journalismus: Dieses Kapitel definiert den Journalismus, beleuchtet seine Ebenen sowie Funktionen und stellt die Rolle der Presse als vierte Gewalt im Staat dar.
3. Public Relations: Das Kapitel erläutert das Berufsbild der PR, definiert verschiedene PR-Modelle von Grunig und Hunt und beschreibt die vielfältigen Aufgabenfelder im Management der Kommunikation.
4. Intersystembeziehungen zwischen Journalismus und Public Relations: Hier werden theoretische Ansätze wie die Determinationsthese von Baerns und das Intereffikationsmodell von Bentele zur Erklärung der systemischen Abhängigkeiten eingeführt.
5. Fallbeispiel: Deutsche Bahn: anhand des PR-Skandals um die Deutsche Bahn im Jahr 2007 wird die praktische Manipulationsgefahr und die Einflussnahme auf die öffentliche Meinung durch PR-Arbeit illustriert.
6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Journalismus und PR zwar unterschiedliche Ziele verfolgen, jedoch in einer wechselseitigen Abhängigkeit zueinanderstehen.
Schlüsselwörter
Journalismus, Public Relations, PR, Medienrealität, Determinationsthese, Intereffikationsmodell, Öffentlichkeitsarbeit, Kommunikationswissenschaft, Medienwandel, Meinungsbildung, Induktion, Adaption, systemische Abhängigkeit, Deutsche Bahn, Unternehmenskommunikation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse der Beziehung zwischen dem Journalismus und der Public Relations, insbesondere im Hinblick auf deren gegenseitige Beeinflussung und Abhängigkeit in der modernen Medienlandschaft.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Themen sind die Definitionen und Funktionen beider Disziplinen, deren theoretische Abgrenzung sowie die Analyse von Modellen, die das Verhältnis zwischen PR und Journalismus beschreiben.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, in welchem Verhältnis Public Relations und Journalismus zueinanderstehen und inwiefern die beiden Systeme sich gegenseitig beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es erfolgt eine literaturbasierte Analyse theoretischer Modelle sowie eine ergänzende Betrachtung von Berichten und Erfahrungen im Rahmen eines Fallbeispiels zur Qualifizierung der Thematik.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Definitionen, die Analyse der Intersystembeziehungen mittels etablierter Modelle und eine praxisnahe Fallstudie zur PR-Arbeit der Deutschen Bahn.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit zeichnet sich durch Begriffe wie Journalismus, Public Relations, Determinationsthese, Intereffikationsmodell und systemische Abhängigkeit aus.
Was besagt die Determinationsthese von Barbara Baerns?
Die Determinationsthese besagt, dass die journalistische Berichterstattung weitgehend durch PR-Material dominiert wird und Journalisten in hohem Maße von der PR bereitgestellte Informationen übernehmen, statt eigenständig zu recherchieren.
Wie erweitert das Intereffikationsmodell von Günter Bentele das Verständnis der PR-Journalismus-Beziehung?
Im Gegensatz zum einseitigen Einfluss der Determinationsthese beschreibt das Intereffikationsmodell eine wechselseitige Abhängigkeit, bei der beide Seiten durch Induktion und Adaption ständig aufeinander wirken.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2022, Das Verhältnis von Journalismus und Public Relations. Determinationsthese und Intereffikationsmodell, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1280874