Mit der Forschungsfrage, wie eine rassismuskritische Beratung gelingen kann, wird sichtbar gemacht, dass auch Professionelle Rassismus verleugnen und in rassistischen Strukturen arbeiten. Solange diese Realität nicht Anerkennung bekommt und thematisiert wird, bleibt Rassismus virulent. Dies kann dazu führen, dass von Rassismus betroffene Personen Beratungen weniger in Anspruch nehmen. Was können also BeraterInnen tun, um rassismuskritisch zu beraten?
Um diesem Thema näher zu kommen, wird zunächst erläutert, was Beratung in der Sozialen Arbeit bedeutet. Hiernach wird der aktuelle Forschungsstand dargestellt. Für diese Arbeit wird der Alltagsrassismus anhand der Theorien von Mecheril (2007) und Scharathow (2018) definiert. Daraufhin wird eine Verknüpfung von (Alltags-)Rassismus und Beratung hergestellt. Hierbei wird erläutert, wie Sprache als Machtausdruck in der Beratung im Kontext von Rassismus genutzt wird. Darauf folgt ein Einblick in die Interkulturalität in Beratungen, da die Wichtigkeit fremdkulturelle Problematiken zu verstehen unterschätzt wird, was wiederum zu rassistischen Denkmustern führen kann. Anschließend gibt es eine Erläuterung zu Mikroaggressionen in der Beratung. Das letzte Kapitel widmet sich der beraterischen Professionalität im Umgang mit dem Thema Rassismus. Zu einer professionellen Umgangsweise mit Rassismus in der Beratung gehören eine rassismuskritsche Haltung und interkulturelle Kompetenzen, auf die in diesem Kapitel eingegangen werden. Abschließend erfolgt ein Fazit, das die Erkenntnisse zusammenfasst und die Forschungsfrage beantwortet.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Beratung in der Sozialen Arbeit
3 Forschungsstand
4 Rassismus
4.1 Normalität des Rassismus nach Paul Mecheril
4.2 Rassismusverständnis nach Scharathow
5 Rassismus und Beratung
5.1 Sprache als Machtausdruck in Beratung
5.2 Interkulturalität in der Beratung
5.3 Mikroaggressionen in der Beratung
6 Beraterische Professionalität im Umgang mit dem Thema Rassismus
6.1 Rassismuskritische Haltung
6.1.1 Reflexion des Selbst und der eigenen Haltung/Perspektive
6.1.2 Reaktion auf erzählte Rassismuserfahrungen
6.1.3 Sichtbarmachen von Rassismus
6.2 Interkulturelle Kompetenzen
7 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, die Auswirkungen von Rassismus im Beratungskontext zu untersuchen. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, wie eine rassismuskritische Beratung gelingen kann, um rassistische Strukturen aufzudecken und ein professionelles, diskriminierungssensibles Handeln zu fördern.
- Rassismustheorie und Normalität des Rassismus
- Machtdynamiken durch Sprache in der Beratung
- Mikroaggressionen im Beratungsalltag
- Rassismuskritische Haltung und Selbstreflexion
- Entwicklung interkultureller Kompetenzen
Auszug aus dem Buch
4.1 Normalität des Rassismus nach Paul Mecheril
Paul Mecheril (2007) beschreibt, dass Rassismus und Rechtsextremismus selbstverständlich geworden sind. Damit einher geht die Formulierung „Normalität des Rassismus“ (Mecheril 2007, S. 4) einher und weist auf drei Aspekte hin. Als erstes wird hierdurch bewusst gemacht, dass „Rassismus sich in dem Sinne auf Normalität bezieht, dass er Normalität produziert, aber auch voraussetzt“ (Mecheril 2007, S.4). So werden Vorstellungen von Normalität ermöglicht und diese führen wiederum auf Rassismus zurück. Der zweite Aspekt verdeutlicht, dass mit dem Adjektiv „normal“ auch alltäglich oder banal gemeint ist. Damit findet Rassismus auch im Alltag statt und wird als eine Normalität angesehen. Der letzte Aspekt bezieht sich auf die „Gewöhnungseffekte“ (Mecheril 2007, S. 4) des Rassismus durch seine dauerhafte Präsenz. Rassistische Geschehnisse sind normal. Die Gesellschaft hat sich daran gewöhnt und ist in einer gewissen Art und Weise abgestumpft (Mecheril, 2007).
Nach Mecheril stellt Rassismus eine Ordnung her, welche eine „symbolische[r] und materielle[r] Geregeltheit“ (Mecheril 2007, S. 5) innehat. Es ist normal, dass ein nicht-deutschsprechendes Kind, mit der Einstellung es gehöre nicht nach Deutschland, stigmatisiert und dieses unabhängig von seinen individuellen Fähigkeiten auf die Sonderschule, welches „den stigmatisierten und stigmatisierenden Rand der Sonderbehandlung“ (Mecheril 2007, S. 5) darstellt, zugewiesen wird. So lässt sich eine Ordnung herstellen, was die Normalität darstellt. In Deutschland ist diese Ordnung vor allem dadurch hergestellt, dass man an der Schulform den Anerkennungsgrad ablesen kann. So sind SchülerInnen mit Migrationshintergrund überproportional an Sonderschulen vertreten, wobei die SchülerInnen aufgrund der institutionellen Diskriminierung an Sonderschulen zugewiesen werden. So ist bei der Einschulung die Ethnizität ein Kriterium, welches die Entscheidung bei organisatorischen Fragen vereinfachen soll.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Relevanz von Rassismus in der Beratung und stellt die Forschungsfrage nach den Möglichkeiten einer rassismuskritischen Beratungspraxis.
2 Beratung in der Sozialen Arbeit: Dieses Kapitel definiert Beratung und erläutert deren Rahmenbedingungen sowie Ziele im Kontext der Sozialen Arbeit.
3 Forschungsstand: Hier wird das bestehende Forschungsaufkommen zu Rassismus und dem professionellen Umgang von BeraterInnen mit diesem Thema dargelegt.
4 Rassismus: Das Kapitel analysiert Theorien zur Normalität des Rassismus nach Mecheril und das Rassismusverständnis nach Scharathow.
5 Rassismus und Beratung: Es wird untersucht, wie Sprache Machtverhältnisse in der Beratung konstruiert und wie sich Interkulturalität sowie Mikroaggressionen auswirken.
6 Beraterische Professionalität im Umgang mit dem Thema Rassismus: Dieses Kapitel thematisiert die notwendige rassismuskritische Haltung, Reflexion des Selbst und den Erwerb interkultureller Kompetenzen.
7 Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und beantwortet die Forschungsfrage zur Umsetzung einer rassismuskritischen Beratung.
Schlüsselwörter
Rassismus, Beratung, Soziale Arbeit, Mikroaggression, Rassismuskritik, Interkulturelle Kompetenz, Macht, Sprache, Diskriminierung, Selbstreflexion, Normalität, Identität, Empowerment, Migrationsgesellschaft, Professionelles Handeln.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Thematik Rassismus im Kontext von Beratungsbeziehungen in der Sozialen Arbeit und wie dieser dort wirksam wird.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die theoretische Fundierung von Rassismus, die Macht der Sprache, das Auftreten von Mikroaggressionen und die Notwendigkeit beraterischer Professionalität.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie eine rassismuskritische Beratung gelingen kann, um Betroffenen in Beratungskontexten besser gerecht zu werden.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Es handelt sich um eine theoretische Fundierung, die auf bestehenden Rassismusforschungen und Fachliteratur (u.a. Mecheril, Scharathow, Kupfer) basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Normalität des Rassismus, die sprachlichen Aspekte von Macht, die interkulturelle Herausforderung sowie konkrete Ansätze für eine rassismuskritische Haltung von BeraterInnen.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Rassismus, Soziale Arbeit, Mikroaggression, Rassismuskritik und interkulturelle Kompetenz charakterisieren.
Was versteht die Autorin unter Mikroaggressionen in der Beratung?
Es sind unbewusste, subtile verbale oder behaviorale Demütigungen im Beratungsalltag, die rassistische Strukturen widerspiegeln und Betroffene in ihrem Selbstwertgefühl verletzen können.
Wie kann eine rassismuskritische Haltung von BeraterInnen praktisch aussehen?
Durch ständige Selbstreflexion, die Auseinandersetzung mit eigenen Privilegien, die parteiliche Unterstützung von KlientInnen und das bewusste Sichtbarmachen von Rassismus.
- Quote paper
- Nazile Karagöz (Author), 2022, Rassismus in der Beratung. Wie kann eine rassismuskritische Beratung gelingen?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1281084