Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Philosophy - Philosophy of the Ancient World

Das Problem des Ökonomischen in Platons "Polilteia"

Title: Das Problem des Ökonomischen in Platons "Polilteia"

Term Paper , 2021 , 22 Pages , Grade: 1.0

Autor:in: Alexander Jahn (Author)

Philosophy - Philosophy of the Ancient World
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Die Hausarbeit erläutert den Themenwechsel von der Bestimmung des Gerechtigkeitsbegriffs hin zur ökonomischen Prämisse der Staatsgründung. Dabei wird auf Platons Ideenlehre und den Gerechtigkeitsbegriff nur soweit eingegangen, wie es zum Verständnis der ökonomischen Themen notwendig ist. Das Aufzeigen der Ausrichtung des Textes an der „Idee des Guten“, lässt scheinbar bloß-ökonomische Themen wie „Arbeitsteilung“ oder „Besitz“ als Momente eben dieser Ausrichtung erkennen und verschränkt sie mit dem Gerechtigkeitsbegriff.

Alle ökonomischen Konzepte realisieren die Vorstellung, dass der Bürger mit all seinen dinglichen Bedürfnissen erst in einem auf das Gemeinwohl hin ausgerichteten Staat sein individuell gelungenes Leben (εὐδαιμονία) führen kann. Als Hindernis auf diesem Weg sieht Platon die Maßlosigkeit des einzelnen, die als „Problem des Ökonomischen“ das eigentliche Thema der Hausarbeit darstellt. In einer von expansiver Wirtschaft bestimmten Stadt zeigen sich die Folgen des Verlangens nach Luxus und Annehmlichkeiten.

Platons "Politeia" gilt als eines der bedeutendsten Werke der politischen Philosophie, nicht aber der ökonomischen. In Beschreibungen und Zusammenfassungen werden die Bestimmung des Gerechtigkeitsbegriffs und die politische Konzeption eines Staats als die wesentlichen Themen der "Politeia" genannt, während auf die ökonomischen Inhalte bestenfalls beiläufig eingegangen wird. Das ist insofern überraschend, als sich die konzeptionelle Staatsgründung in der "Politeia" zuallererst auf ökonomische Prämissen gründet, die so wirkmächtig sind, dass sie die Entwicklung des Staates nachhaltig prägen. Es gibt also gute Gründe, sich mit den ökonomischen Themen der "Politeia" zu befassen und die Konzeption eines idealen Staats auf seine wirtschaftlichen Grundbedingungen hin zu untersuchen. Es zeigt sich, dass Platon (besonders auch aus moderner Perspektive) in beeindruckender Weitsicht die Folgen der materiellen Maßlosigkeit und des andauernden Wirtschaftswachstums für eine Gesellschaft darlegt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

2 Einleitung

3 Vom Begriff der Gerechtigkeit zur Staatsgründung aus wirtschaftlicher Notwendigkeit

4 Arbeitsteilung unter κοινωνοί in der „Stadt der Schweine“

5 Die Verselbstständigung des Marktgeschehens in der „üppigen“ Stadt

6 Zwei Gefahren für die Einheit des Staates

7 Auswege aus dem ökonomischen Dilemma

7.1 Der Philosoph soll herrschen

7.2 Die besitzlose Exekutive – Die Klasse der Wächter (φύλακες)

7.3 Erziehung statt gesetzlicher Regulierung

8 Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das „Problem des Ökonomischen“ innerhalb von Platons Politeia, um aufzuzeigen, wie Platon die negativen Konsequenzen materieller Maßlosigkeit und stetigen Wirtschaftswachstums für die Stabilität und Einheit des idealen Staates analysiert und theoretisch zu bewältigen versucht.

  • Die ökonomischen Prämissen der Staatsgründung in der Politeia.
  • Die Rolle der Arbeitsteilung und deren ethische sowie soziale Implikationen.
  • Die Gefahren der Pleonexie für die soziale Ordnung und den inneren Frieden.
  • Lösungsansätze durch die Herrschaft der Philosophen und die besitzlose Wächterklasse.
  • Die Bedeutung der Erziehung gegenüber gesetzlicher Marktregulierung.

Auszug aus dem Buch

Die Verselbstständigung des Marktgeschehens in der „üppigen“ Stadt

Größer und voller soll die Stadt gedacht werden; eine, die weit über das Notwendige hinaus Annehmlichkeiten bietet. Polster, Salben und Räucherwerk machen das Leben angenehmer, genau wie Kinderfrauen, Kosmetiker und (von Platon dem Luxus zugeordnete) Ärzte, Dichter und Rhapsoden. Weil der Bedarf an Ackerland einer solchen Stadt ständig steigt, muss sie sich auch in der Fläche ausdehnen.

Sokrates erkennt an, dass die Maßlosigkeit ein Teil der Natur des Menschen ist. Sie muss daher auch konstitutiv für den gedachten Staat sein und konsequenterweise prüft Platon die Auswirkungen dieses ressourcenhungrigen Wirtschaftens gegen das eigentliche Ziel seiner Staatidee, gegen die unbewegte Idee des Guten. Platon lässt Sokrates ein eindeutiges Urteil über eine solche Entwicklung fällen, indem dieser sagt: „Denn jene gesunde (ὑγιεινὴ) [Stadt] ist nicht mehr hinreichend…“. Der Ausdruck ὑγιεινὴ, der sich im Wort „Hygiene“ erhalten hat, ist eine positive Bewertung der Elementarpolis gegenüber der Luxuspolis. Ob die von Sokrates gewählte Beschreibung der Luxuspolis als „üppig“ (τρυφερός) eher deskriptiv oder wertend gemeint ist, ist strittig. Dagegen unzweifelhaft abwertend und gleichzeitig sehr bildhaft für eine vom maßlosen Expansionsstreben bestimmte Stadt ist die Bezeichnung φλεγμαίνουσαν, die Schleiermacher mit „aufgeschwemmt“ übersetzt. Die Übersetzung unterverkauft allerdings die Bedeutung des Krankhaften, die sich in φλέγμα ausdrückt. Die Luxuspolis ist „aufgeschwemmt“, aber auch „entzündet“, „erhitzt“ und „verschleimt“. Das Bild ist insofern doppelt stimmig, als eine Stadt, in der das rechte Maß in Bezug auf das Wirtschaftens überschritten wird, nicht nur strukturell krank ist, sondern sich auch in pulsierender Unruhe auszudehnen beginnt wie eine unbehandelte Entzündung.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Diese Einleitung führt in die ökonomischen Aspekte von Platons Politeia ein und stellt die zentrale Hypothese auf, dass das „Problem des Ökonomischen“ – die menschliche Maßlosigkeit – eine Hauptbedrohung für die staatliche Einheit darstellt.

Vom Begriff der Gerechtigkeit zur Staatsgründung aus wirtschaftlicher Notwendigkeit: Das Kapitel erläutert den Übergang von der Bestimmung des Gerechtigkeitsbegriffs zur ökonomisch motivierten Staatsgründung, wobei der Mangel als grundlegende anthropologische Kategorie identifiziert wird.

Arbeitsteilung unter κοινωνοί in der „Stadt der Schweine“: Es wird dargelegt, wie die Arbeitsteilung in einer ersten, noch notdürftigen Stadtform eingeführt wird, um die Spezialisierung und somit die autarke Versorgung der Bürger zu gewährleisten.

Die Verselbstständigung des Marktgeschehens in der „üppigen“ Stadt: Dieses Kapitel analysiert die Ausdehnung der Stadt durch den Wunsch nach Luxus und die damit einhergehende Entstehung des krankhaften, „aufgeschwemmten“ Zustands innerhalb des Staatswesens.

Zwei Gefahren für die Einheit des Staates: Untersuchungsgegenstand sind die sozialen Folgen materiellen Wachstums – namentlich die ungleiche Vermögensverteilung und die Notwendigkeit von Kriegen – die als Existenzbedrohung für das Staatswesen wahrgenommen werden.

Auswege aus dem ökonomischen Dilemma: Hier werden die politischen und pädagogischen Gegenstrategien Platons diskutiert, um den schädlichen Auswirkungen der Pleonexie entgegenzuwirken.

Der Philosoph soll herrschen: Das Kapitel erklärt, warum nur der Weise, frei von materieller Begehrlichkeit, das Gemeinwohl über persönliche Interessen stellen und angemessen regieren kann.

Die besitzlose Exekutive – Die Klasse der Wächter (φύλακες): Die Einführung einer besitzlosen Wächterklasse wird als Schutzmaßnahme und moralisches Vorbild zur Wahrung des inneren Friedens und zur Verteidigung nach außen vorgestellt.

Erziehung statt gesetzlicher Regulierung: Zusammenfassend wird aufgezeigt, dass Platon primär auf die charakterliche Bildung der Bürger setzt, um eine gesunde soziale Ordnung zu gewährleisten, statt sich auf bloße juristische Marktvorschriften zu verlassen.

Fazit: Das Fazit resümiert Platons Weitsicht hinsichtlich der ökonomischen Dynamiken und kritisiert die gleichzeitige lebensferne Modellhaftigkeit seiner Lösungsansätze.

Schlüsselwörter

Platon, Politeia, Ökonomie, Gerechtigkeit, Maßlosigkeit, Arbeitsteilung, Pleonexie, Philosophie, Wächter, Staat, Gemeinwohl, Luxus, Erziehung, Staatsgründung, Philosophie der Antike.

Häufig gestellte Fragen

Was ist das grundlegende Thema dieser Arbeit?

Die Arbeit untersucht die ökonomischen Konzepte in Platons Politeia, insbesondere wie der Philosoph das Problem der menschlichen Maßlosigkeit als Bedrohung für die staatliche Einheit thematisiert.

Welche zentralen Themenfelder behandelt die Untersuchung?

Im Zentrum stehen die Entstehung des Staates aus wirtschaftlicher Notwendigkeit, das Prinzip der Arbeitsteilung, die Folgen von Luxuskonsum sowie Platos Konzepte zu Herrschaft, Bildung und Besitzlosigkeit.

Was ist das primäre Forschungsziel?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Platon ökonomische Prozesse mit dem Gerechtigkeitsbegriff verschränkt und welche theoretischen Strategien er entwickelt, um den Staat vor den destabilisierenden Folgen ökonomischer Expansion zu bewahren.

Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?

Es handelt sich um eine textimmanente Analyse der Politeia, die durch den Einbezug zentraler Forschungsliteratur gestützt wird, um das ökonomische Staatsmodell aus dem Werk selbst und der Ideenlehre heraus zu interpretieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Staatsentstehung, die Analyse der Arbeitsteilung, die Identifizierung der Gefahren durch wirtschaftliche Expansion und die anschließende Diskussion von Platons Lösungsansätzen.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?

Die Kategorien des Mangels (χρεία), der Arbeitsteilung, der Pleonexie (Maßlosigkeit), der Idee des Guten sowie das Konzept der Philosophenherrschaft sind zentral für das Verständnis.

Warum unterscheidet die Arbeit zwischen einer „notdürftigen Stadt“ und einer „üppigen Stadt“?

Die Unterscheidung dient dazu, den Punkt zu verdeutlichen, an dem das wirtschaftliche Handeln von der bloßen Grundbedürfnisbefriedigung in einen gesundheitsgefährdenden Zustand der Maßlosigkeit und des Luxus übergeht.

Welche Rolle spielt die Wächterklasse in Bezug auf das ökonomische Gleichgewicht?

Die Wächter dienen als besitzlose Elite und moralisches Vorbild, die durch ihre Lebensweise die Idee des Guten verkörpern und den Bürgern eine Orientierung abseits des materiellen Gewinnstrebens geben sollen.

Excerpt out of 22 pages  - scroll top

Details

Title
Das Problem des Ökonomischen in Platons "Polilteia"
College
University of Hagen  (Kulturwissenschaften)
Grade
1.0
Author
Alexander Jahn (Author)
Publication Year
2021
Pages
22
Catalog Number
V1281213
ISBN (PDF)
9783346736437
ISBN (Book)
9783346736444
Language
German
Tags
Platon Politeia Ökonomie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Alexander Jahn (Author), 2021, Das Problem des Ökonomischen in Platons "Polilteia", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1281213
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  22  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint