Zusammenschluss der Viadrina mit der Breslauer Universität


Essay, 2006
9 Seiten, Note: 1,7 (B)

Leseprobe

Laut dem Vereinigungsplan vom 3. August 1811, erlassen von Friedrich Wilhelm III, die Universität in Breslau vereinigt sich die Universität völlig mit der gleichnamigen in Frankfurt

(Oder). Der Plan hatte nicht nur den Aufbau der Universität sondern auch die Ämter, die Hilfsinstitutionen, die Verwaltung des Vermögens und das Nebeneinanderleben der beiden

Konfessionen: protestantischer und katholischer geregelt.

„In Ansehung des Lehrwesens wird alles an Schuldisziplin Gränzende in der

Verfassung der bisherigen Breslauer theologischen und philosophischen

Fakultät aufgehoben, und es werden dieselben der Verhältnisse teilhaftig,

welche auf den übrigen deutschen Universitäten und auch auf der mit Ihnen

zu vereinigenden Frankfurter Universität Statt finden.“[1]

Die Hochschule setzte sich organisatorisch aus dem Universitätskurator[2], dem Rektor

und Senat sowie den Dekanen der Fakultäten zusammen. Es bestanden 5 Fakultäten und zwar in einer Rangordnung: katholisch-theologische, protestantisch-theologische, juristische, medizinische und philosophische. An der Spitze jeder Fakultät stand zur Leitung des Ganzen ein eigener Dekan, der unter sich einen Prodekan hatte. Außerdem war für die katholisch-theologische und die philosophische Fakultät jeweils ein Senator zuständig (entsprechend Prof. Köhler und zusammen Jugnitz und Steffens). Die theologische Fakultät zerfiel und es bestanden zwei getrennte Fakultäten, was die sozial-konfessionellen Veränderungen im Land widerspiegelte. Ihre Ränge waren nicht in jedem akademischen Jahr gleich, sondern wechselten von Jahr zu Jahr jedes Mal im Herbst. Zum Beispiel im akademischen Jahr 1811/12 wurde zuerst die protestantische und im akademischen Jahr 1812/13 – die katholische zuerst aufgeführt. Um die katholischen Kommilitonen zu beruhigen, sollte die eigentliche Philosophie doppelt – d.h. sowohl mit einem katholischen als auch einem evangelischen Lehrer besetzt sein. Interessant dabei ist die Tatsache, dass im Fach Geschichte jedoch erst unter Friedrich Wilhelm IV ein katholischer Professor angestellt wurde.

Jede Fakultät handelte getrennt in den Bereichen: Kapital, Stiftungen, Stipendien, Prüfungen, Promotionen, Ausstellung von Zeugnissen...usw. Die protestantische Fakultät behielt das Geld (sog. peculium) in Kapitalien, Stiftungen und Stipendien- Anteilen, welches von Frankfurt aus mit ihm verbunden war. Gleiche Aufteilung des jetzigen oder künftigen Vermögens und der jetzigen oder künftigen Stiftungen fand auch unter Berücksichtigung der katholischen Fakultät statt. Dieser wurde dazu zugesichert, dass jährlich wenigstens 4000 Talars immer nur für diese Fakultät verwendet werden. Sehr wichtig in diesem Zusammenhang scheint die Tatsache, dass die Idee der vereinigten Universität war, aus allen Professoren, Dozenten, Studierenden und Offizianten ohne Unterschied der Konfession ein Ganzes zu machen.

Die neue Universität wurde nicht nur um 3 Fakultäten sondern auch um einige Institute erweitert. Es kamen ein evangelisch-theologisches Seminar 1812, ein philologisches 1812, ein katholisch-theologisches 1812[3], dann ein homiletisch-praktisches 1827 und schließlich ein historisches Seminar 1843 hinzu.

Von der Frankfurter Universität wurden 57 Studenten an der neuen Universität immatrikuliert, von der Leopoldina kamen 94 dazu und außerdem wurden 68 neue Studenten immatrikuliert. Das war nicht viel im Vergleich zu der Zahl des Studierenden der Breslauer Universität im letzten Jahr ihrer selbständigen Existenz. Unter den Studenten waren 231 Schlesier, 22 Märker, 8 aus anderen Provinzen und 27 Ausländer. Die katholisch-theologische Fakultät war am Anfang zahlenmäßig am größten: 72 Studenten im Vergleich zu den übrigen: der protestantisch-theologischen gehörten 48 an, der juristischen – 50, der medizinischen - 25 und der philosophischen 23 Studenten. Obwohl die katholische Theologie am größten war, „diese (die Studenten) großentheils aus den niederen, ja niedrigsten Ständen geboren wurden (...)[4]“. In Ansehung des Lehrwesens wurden alle Studien-, Erziehungs- und Unterrichtspläne sowie Formen der öffentlichen Prüfungen aufgehoben. Man hatte vor, sich an die allgemeindeutschen Standards anzupassen. Jeder Professor konnte selbst den Gegenstand und die Stundenzahl seiner Vorlesungen bestimmen. Die Fächer sollten dabei einer jeden zugehörig besetzt werden und außerdem musste der Vorschlag doch gemeinschaftlich diskutiert werden.. Ein Professor durfte auch über seine Fakultät hinausgehende Fächer halten, wenn er Zeit und Lust hatte. Die wurden ihm honoriert unter der Bedingung, dass er mindestens 4 Stunden wöchentlich eine öffentliche, unentgeltliche Vorlesung hält. Vor dem Beginn jedes akademischen Jahres wurden dem Kurator der Universität die in Latein vorbereiteten Lektionskataloge vorgelegt. Er musste sie kontrollieren und akzeptieren, erst dann durfte das Angebot bekannt gegeben werden. Alle öffentlichen Prüfungen wurden aufgehoben, deswegen mussten sämtliche Professoren aller Fakultäten sog. examinatoriamit ihren jeweiligen Zuhörern abhalten. Zu den Innovationen gehörte auch die Anordnung, dass die Studierenden der theologischen und philosophischen Fakultät nicht mehr an die Lektionskurse von bestimmten Jahren gebunden wurden. Es musste aber von jedem katholischen Theologie- Student nachgewiesen werden, dass er „die Vorlesungen im Nutzen besucht“[5] und erforderliche Vorkenntnisse hat.

[...]


[1] Vereinigungsplan 1811; §11

[2] am 7.9.1811 wurde General-Landschaftsdirektor Johann Wenzel Graf von Haugwitz zum Kurator ernannt.

[3] 1812 geplant, erst 1819 gegründet

[4] Steffens,Was ich erlebte VII, S. 21f.

[5] Vereinigungsplan 1811, §11

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Zusammenschluss der Viadrina mit der Breslauer Universität
Hochschule
Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)
Veranstaltung
Alma Mater Viadrina
Note
1,7 (B)
Autor
Jahr
2006
Seiten
9
Katalognummer
V128155
ISBN (eBook)
9783640349333
ISBN (Buch)
9783656415404
Dateigröße
419 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Vuadrina, EUV, Alma Mater, Bresla, Frankfurt (Oder), Uniwersytet Wrocławski, Bresaluer Universität, Zusammenschluss, 1506
Arbeit zitieren
Elzbieta Szumanska (Autor), 2006, Zusammenschluss der Viadrina mit der Breslauer Universität, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/128155

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