Schülerinnen und Schüler werden heutzutage freiwillig oder unfreiwillig mit vielen sexualisierten Inhalten konfrontiert, da ihre Umwelt viel sexualisierter geworden ist. Die Schule sollte dementsprechend neben den biologischen Dimensionen auch die psychologischen, ethischen und sozialen Aspekte der sexuellen Bildung in Betracht ziehen, sodass die Schüler_innen ihre Erfahrungen und Erkenntnisse besser einordnen können.
Im ersten Kapitel werden für diese Arbeit wichtige Termini definiert. In den folgenden zwei Kapiteln wird die Relevanz von sexueller Bildung im schulischen Kontext generell und speziell für den Musikunterricht geschildert. Wie Lehrer_innen nun sexuelle Bildung in ihren Fachbereich inhaltlich einbeziehen können, wird im Kapitel pädagogische Implikationen konkretisiert. Im fünften Kapitel wird geklärt wie Musikunterricht zur Anerkennung vielfältiger sexueller und geschlechtlicher Lebensweisen in Schulen beitragen kann. Die Arbeit endet mit einer Reflexion und einem Fazit.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Relevanz von sexueller Bildung im Kontext Schule
3 Relevanz von sexueller Bildung im Rahmen des Musikunterrichts
4 Pädagogische Implikationen
5 Konkrete Unterrichtsideen
5.1 Stationenlernen: Komponistinnen und Musikerinnen
5.2 Exkurs: Coming Out
5.3 LGBTQIA* in Filmen, Musicals, Musiktheater und Oper
5.4 Weitere Ideen
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Notwendigkeit und praktische Umsetzung von sexueller Bildung im Musikunterricht, um zur Anerkennung geschlechtlicher und sexueller Vielfalt beizutragen und heteronormative Strukturen aufzubrechen.
- Bedeutung der sexuellen Bildung im schulischen Kontext
- Analyse geschlechtsspezifischer Rollenbilder im Musikfach
- Dekonstruktion heteronormativer Strukturen durch den Musikunterricht
- Konkrete Unterrichtsszenarien und didaktische Handlungsmöglichkeiten
- Bedeutung von Vorbildern und Peer-Involvement für queere Jugendliche
Auszug aus dem Buch
3 Relevanz von sexueller Bildung im Rahmen des Musikunterrichts
Der besagte Orientierungsrahmen des Staatsministerium für Kultus Sachsen sieht vor, dass Schüler_innen befähigt werden mit anderen Menschen unbefangen, respektvoll und partnerschaftlich umzugehen, unterschiedliche sexuelle Orientierungen, Verhaltensweisen und Lebensstile zu tolerieren um Diskriminierungen entgegenzuwirken (2016: 5). Da auch Rollenzuschreibungen ein tolerantes Miteinander behindern können, wird im Folgenden kurz auf die geschlechtsspezifischen Selbstkonzepte und Zuschreibungen im Fach Musik eingegangen.
Auch der Musikunterricht hat momentan ein „gegendertes“ Image. Er gilt unter anderem als „Mädchenfach“, weil das Selbstkonzept der Mädchen im Fach Musik höher ist als bei Jungen (Heß 2018: 45; 88-90). Der von Frauke Heß konzipierte Test MASS überprüft anhand „quantitativer Berechnungen die Hypothese, ob ein Spannungsverhältnis zwischen dem femininen Fachimage des Musikunterrichts und den Geschlechtsrollen-Selbstbildern der Jugendlichen zu Distanzierungen vom Fach führt“ (2018: 94). Dabei stellte sich heraus, dass viele Jungen sich früh von allen als feminin angesehenen Verhaltensweisen und Fächern abwenden (vgl. Heß 2018: 94). Dementsprechend sollten Präferenzen für bestimmte Schulfächer laut Heß nicht nur als Interesse der Schüler_innen gelten, sondern insbesondere auch als Ausdruck deren Selbstdefinition (2018: 96). Was getan werden kann, damit Jungen keine Angst haben müssen, belächelt oder sogar verhöhnt zu werden und sie nicht mehr „nur“ in die weniger als feminin geltenden Musizierpraxen flüchten müssen (Bandspiel etc.), wird im fünften Kapitel erläutert.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz der sexuellen Bildung an Schulen ein und definiert die zentralen Begriffe wie sex, gender, Heteronormativität sowie doing gender und undoing gender für den weiteren Arbeitskontext.
2 Relevanz von sexueller Bildung im Kontext Schule: Das Kapitel thematisiert die Verbreitung von Homophobie und geschlechtsspezifischen Zuschreibungen im Schulalltag sowie die daraus resultierende Verantwortung für Lehrkräfte, diese zu dekonstruieren.
3 Relevanz von sexueller Bildung im Rahmen des Musikunterrichts: Hier wird das „gegenderte“ Image des Musikunterrichts analysiert und erläutert, wie das Fach durch seine Freiräume gezielt zur Toleranzbildung beitragen kann.
4 Pädagogische Implikationen: Dieser Abschnitt stellt den fachdidaktischen Dreischritt aus Konstruktion, Rekonstruktion und Dekonstruktion vor sowie Prinzipien für einen gendersensiblen Unterricht.
5 Konkrete Unterrichtsideen: Das Kapitel bietet praktische Ansätze für den Unterricht, wie z.B. das Sichtbarmachen von Komponistinnen, Exkurse zu Coming-out-Thematiken, Medienanalysen und fächerübergreifende Methoden.
6 Fazit: Das Fazit reflektiert die Möglichkeiten des Musikunterrichts bei der Förderung eines toleranten Miteinanders und diskutiert kritisch die Umsetzung der diskutierten Konzepte im Schulalltag.
Schlüsselwörter
sexuelle Bildung, Musikunterricht, Heteronormativität, Gender, Geschlechterrolle, Doing Gender, LGBTQIA*, Diskriminierung, Pädagogik der Vielfalt, Dekonstruktion, Sexualerziehung, Fachimage, Rollenbilder, Peer-Involvement, Schulpraxis
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Notwendigkeit und den Möglichkeiten, sexuelle Bildung im Musikunterricht zu integrieren, um zur Anerkennung vielfältiger Lebensentwürfe beizutragen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Felder sind die Dekonstruktion von Geschlechternormen, der Umgang mit Heteronormativität in Schulen sowie die geschlechtersensible Gestaltung des Musikunterrichts.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Lehrerinnen und Lehrer im Musikunterricht durch gezielte methodische Ansätze Vorurteile abbauen und zur Akzeptanz sexueller Vielfalt beitragen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Fundierung, die auf aktuellen Studien zur Geschlechterforschung, musikpädagogischer Literatur und curricularen Vorgaben basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Herleitung der Relevanz, pädagogische Implikationen für den Geschlechterdiskurs und eine konkrete Ideensammlung für die Unterrichtspraxis.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind sexuelle Bildung, Heteronormativität, Dekonstruktion, Gender und geschlechtsbezogene Selbstkonzepte im Musikfach.
Inwiefern beeinflusst das „falsche“ Image des Musikunterrichts das Lernverhalten?
Die Arbeit legt dar, dass das Image des „Mädchenfachs“ dazu führen kann, dass sich Jungen frühzeitig von musikalischen Inhalten abwenden, um ihre eigene Geschlechtsidentität zu wahren.
Wie kann das Peer-Involvement im Musikunterricht praktisch genutzt werden?
Durch die Einladung praktisch gleichaltriger Künstlerinnen und Künstler (z.B. Tanz oder Instrumentalistinnen) sollen Hemmschwellen abgebaut und ein authentischerer, toleranter Umgang mit Vielfalt erreicht werden.
Welche Herausforderungen bestehen bei der „Dramatisierung“ von Geschlechterthemen?
Die Autorin weist darauf hin, dass durch ständige Thematisierung (doing gender) bestehende Rollenbilder ungewollt verstärkt werden könnten, weshalb ein vorsichtiger Umgang zugunsten einer Dekonstruktion notwendig ist.
- Quote paper
- Malin Boeckers (Author), 2021, Sexuelle Bildung im Musikunterricht. Wie kann Musikunterricht zur Anerkennung vielfältiger sexueller und geschlechtlicher Lebensweisen beitragen?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1281661