In der vorliegenden Bachelorarbeit wird die Beeinflussung der politischen Willensbildung durch das Agieren von politischen Parteien auf Social Media, speziell Instagram, untersucht. Das Hauptaugenmerk liegt hier auf dem individualpsychologischen Erklärungsansatz. Dieser beschreibt, aus welchen Gründen sich der*die Wähler*in für eine Partei entscheidet. Basierend auf den Ergebnissen konnte der digitale Wahlkampf der politischen Parteien für die Bundestagswahl 2021 ausgewertet werden. Auch generelle, durch Social Media hervorgerufene Effekte, die die politische Willensbildung lenken, werden genauer beleuchtet.
Die Untersuchung der Forschungsfrage „Beeinflussung der politischen Willensbildung bei der Bundestagswahl 2021 durch Social Media am Beispiel der Selbstdarstellung von politischen Parteien auf Instagram“ ergab, dass alle im deutschen Bundestag vertretenen Parteien auf Instagram aktiv sind und hier auch Wahlkampf führten. Unentschlossene Wähler*innen wurden auf der sozialen Plattform durch die Darstellung von Kandidaten*innen, Wahlkampfthemen und möglichen Koalitionen beeinflusst.
Auch befinden sich kontinuierlich willensbildungsbeeinflussende Effekte auf Social Media. So verhindert z.B. der Instagram Algorithmus eine transparente Analyse der Plattform und erschafft u.a. Filterblasen und Echokammern. Der*die Nutzer*in ist nur noch von Menschen mit gleichen Einstellungen umgeben und bewertet diese dann als Mehrheitsansichten. Weitergehend bedroht u.a. auch Microtargeting den freien Willensbildungsprozess durch das gezielte Schalten von personalisierter Werbung.
Es ist davon auszugehen, dass Instagram Nutzer*innen - bei der Wahlentscheidung für den zwanzigsten deutschen Bundestag – durch die soziale Plattform beeinflusst worden sind.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Themendarstellung
1.2 Relevanz des Themas und persönliche Motivation
1.3 Problemstellung und thematische Abgrenzung
1.4 Zielsetzung
1.5 Methodische Vorgehensweise und Aufbau
2 Politische Parameter
2.1 Definition Demokratie
2.2 Politische Willensbildung
2.3 Politische Parteien
2.4 Parteien im deutschen Bundestag
2.4.1 Alternative für Deutschland
2.4.2 Christlich Demokratische Union Deutschlands
2.4.3 Christlich-Soziale Union
2.4.4 Freie Demokratische Partei
2.4.5 Bündnis 90/DIE GRÜNEN
2.4.6 DIE LINKE.
2.4.7 Sozialdemokratische Partei Deutschlands
3 Der Bundestagswahlkampf 2021
3.1 Der Wahlkampf
3.2 Der digitale Wahlkampf
3.4.1 Die Bundestagswahlkampfphasen 2021
3.4.2 Das Bundestagswahlergebnis 2021
4 Social Media
4.1 Definition
4.2 Informationsbeschaffung über Social Media
4.3 Instagram
4.3.1 Allgemeine Beschreibung
4.3.2 Nutzer*innen der Plattform Instagram
4.3.3 Instagram als wichtigste Plattform für politische Kommunikation
4.3.4 Politische Parteien auf Instagram
5 Erklärungsansätze in der Wahlforschung
5.1 Erklärungsansätze
5.1.1 Der soziologische Ansatz
5.1.1.1 Der mikrosoziologische Ansatz
5.1.1.2 Der makrosoziologische Ansatz
5.1.2 Das Modell des rationalen Wahlverhaltens
5.1.3 Das Modell des sozialen Milieus
5.1.4 Der individualpsychologischer Erklärungsansatz
5.2 Das Ann-Abor-Modell
5.2.1 Grafische Darstellung des Ann-Abor-Modells
5.2.2 Erläuterung der dargestellten Faktoren im Ann-Abor-Modell
5.2.2.1 Langfristige Faktoren
5.2.2.2 Kurzfristige Faktoren
6 Analyse von Kurzfristfaktoren auf der sozialen Plattform Instagram
6.1 Bewertung der Kanzlerkandidaten*innen
6.1.1 Personalisierungsthese
6.1.2 Kanzlerkandidaten*innen
6.1.2.1 Annalena Baerbock
6.1.2.2 Armin Laschet
6.1.2.3 Olaf Scholz
6.1.3 Die Kanzlerkandidaten*innen auf den Instagram-Profilen ihrer jeweiligen Partei
6.2 Bewertung der politischen Themen
6.2.1 Agenda-Setting
6.2.2 Themenrelevanz
6.3 Bewertung der möglichen Koalitionsmodelle
7 Allgemeine Einflussfaktoren von Social Media auf die politische Willensbildung
7.1 Unvorteilhafte Einflussfaktoren
7.1.1 Der Instagram-Algorithmus
7.1.2 Die Filterblase
7.1.2.1 Der Confirmation Bias
7.1.3 Echokammern
7.1.4 Microtargeting
7.1.4.1 Microtargeting im Bundestagswahlkampf 2021
7.1.4.2 Mere-Exposure-Effekt und Microtargeting
7.1.5 Framing
7.1.6.1 Negativitätsbias
7.1.7 Social Bots
7.1.8 Fake News
7.2 Vorteilhafte Einflussfaktoren
7.2.1 Die Mobilisierung junger Wähler*innen
7.2.2 Informations- und Meinungsvielfalt
7.2.3 Chancen des Microtargeting
7.3 Gesamtheitliche Betrachtung des Einflusses von Social Media auf die politische Willensbildung
8 Fazit
8.1 Kritische Würdigung der Arbeit
8.2 Wesentliche Erkenntnisse
8.3 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Einfluss von Social Media, insbesondere Instagram, auf die politische Willensbildung während der Bundestagswahl 2021. Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, ob und in welchem Ausmaß die Selbstdarstellung politischer Parteien und unvorteilhafte digitale Mechanismen die Wahlentscheidung der Bürgerinnen und Bürger beeinflussen.
- Analyse des digitalen Wahlkampfs und der Rolle von Social Media für die politische Kommunikation.
- Untersuchung von Kurzfristfaktoren wie Kanzlerkandidaten, politischen Themen und Koalitionsmodellen auf Instagram.
- Betrachtung von Einflussmechanismen wie Algorithmen, Filterblasen, Microtargeting, Framing und Fake News.
- Gegenüberstellung von unvorteilhaften Risiken und vorteilhaften Potenzialen (z. B. Mobilisierung junger Wähler).
- Reflexion der theoretischen Grundlagen der Wahlforschung, insbesondere des Ann-Abor-Modells.
Auszug aus dem Buch
7.1.1 Der Instagram-Algorithmus
„Ein Algorithmus ist eine definierte Handlungsvorschrift, die für jede mögliche Eingabe von Informationen eine Ausgabe generiert, die bestimmte Eigenschaften hat“ (Zweig et al. 2017: 319).
Anhand von Mediennutzungsdaten legen Algorithmen automatisiert fest, welche Medien welchen Nutzern angezeigt werden sollen. Der Algorithmus entscheidet demnach grundlegend darüber, welche Inhalte auf Social Media gesehen werden. Die Meinungsbildung wird dadurch erheblich beeinflusst (vgl. Oertel et al. 2018).
Um den Einfluss auf die politische Meinungsbildung durch den Algorithmus eingrenzen zu können, müsste zunächst dessen Funktionsweise grundlegend analysiert werden.
Die gemeinnützige GmbH AlgorithmWatch, startete am 3. März 2020 ein Projekt mit der Zielsetzung, den Instagram-Algorithmus besser begreifen zu können. Zur Umsetzung dieses Projektes haben 1.500 Freiwillige ein Add-on installiert, um persönliche Daten für das Team von AlgorithmWatch auslesbar zu machen. Dieses Projekt wurde von dem Europäischen Netzwerk für Datenjournalismus und der niederländischen Stiftung „Stichting Internet Domeinregistratie Nederland“ (SIDN) unterstützt.
Im Mai 2021 wurde das Team der AlgorithmWatch von Meta Platforms zu einem Treffen eingeladen. Hier wurde erläutert, dass das Projekt gegen die Nutzungsbedingungen verstoßen und somit beendet werden müsse. Ein Nichtbeachten dieser „Warnung“ würde zu einem Einleiten von formellen Schritten gegen die GmbH führen.
Am 13. Juli 2021 wurde das Projekt beendet.
AlgorithmWatch ruft das Europäische Parlament und die Europäischen Mitgliedstaaten zum Eingreifen auf. Sie beharren u.a. auch auf die wichtige Rolle, die Plattformen im Wahlentscheidungsprozess spielen. Diese Rolle könne jedoch nur weiter eingeordnet werden, wenn Transparenz über den Algorithmus hergestellt werden kann (vgl. Kayser-Bril 2021).
„Nur wenn wir verstehen, wie unsere Öffentlichkeit durch die algorithmischen Entscheidungen der Plattformen beeinflusst wird, können wir Maßnahmen ergreifen, um sicherzustellen, dass sie nicht unsere Autonomie, Freiheit und das Gemeinwohl untergraben“ (Kayser-Bril 2021).
Unzweifelhaft ist also, dass sich Meta Platforms der Erforschung der Funktionsweise des Algorithmus in den Weg stellt. Kann dieser nicht analysiert werden, können auch keine konkreten Wirkungsweisen diagnostiziert werden. Dementsprechend lässt sich auch kein konkreter Einfluss von Instagram oder anderen sozialen Plattformen – die Meta Platforms unterstehen– auf die politische Willensbildung ablesen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der digitalen politischen Willensbildung ein und definiert das Ziel sowie die methodische Herangehensweise der Arbeit.
2 Politische Parameter: Dieses Kapitel erläutert demokratische Grundbegriffe und stellt die im Bundestag vertretenen Parteien sowie deren Entstehungsgeschichte vor.
3 Der Bundestagswahlkampf 2021: Hier werden die Funktionen des Wahlkampfs und der spezifische Ablauf sowie das Ergebnis der Bundestagswahl 2021 analysiert.
4 Social Media: Das Kapitel bietet eine grundlegende Darstellung der Bedeutung von Social Media als Informationsquelle, mit besonderem Fokus auf die Funktionen und Nutzer der Plattform Instagram.
5 Erklärungsansätze in der Wahlforschung: Es werden verschiedene wissenschaftliche Modelle zur Erklärung des Wahlverhaltens vorgestellt, wobei ein Schwerpunkt auf dem individualpsychologischen Ann-Abor-Modell liegt.
6 Analyse von Kurzfristfaktoren auf der sozialen Plattform Instagram: Das Kapitel untersucht die Relevanz von Kanzlerkandidaten, Sachthemen und Koalitionsmodellen für die Wählerbeeinflussung auf Instagram im Kontext der Wahl 2021.
7 Allgemeine Einflussfaktoren von Social Media auf die politische Willensbildung: Hier werden systemimmanente Effekte wie Filterblasen, Microtargeting, Framing und Fake News kritisch hinsichtlich ihrer Wirkung auf die Wähler analysiert.
8 Fazit: Das Fazit würdigt die Ergebnisse kritisch, fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen und gibt einen Ausblick auf die Notwendigkeit einer stärkeren Regulierung digitaler Medien.
Schlüsselwörter
Bundestagswahl 2021, Politische Willensbildung, Soziale Medien, Instagram, Microtargeting, Ann-Abor-Modell, Filterblase, Echokammern, Wahlkampf, Kanzlerkandidaten, Framing, Social Bots, Fake News, Politische Parteien, Wahlforschung
Häufig gestellte Fragen
Was ist das grundlegende Thema der Bachelorarbeit?
Die Arbeit untersucht, inwieweit soziale Medien – speziell Instagram – die politische Willensbildung bei deutschen Wählern anlässlich der Bundestagswahl 2021 beeinflusst haben.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Untersuchung?
Zentral sind der digitale Wahlkampf, die Selbstdarstellung politischer Parteien auf Instagram und die psychologischen bzw. algorithmischen Einflussfaktoren auf die Wahlentscheidung.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Das Ziel ist es herauszufinden, ob soziale Medien die politische Meinung der Nutzer prägen und damit potenziell das Wahlergebnis mitgestalten können.
Welche methodische Vorgehensweise wurde gewählt?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse (Sekundärliteratur) sowie der Auswertung von Daten und Inhalten aus Internetquellen, insbesondere von Instagram-Profilen der Parteien und Kanzlerkandidaten.
Was steht im inhaltlichen Fokus des Hauptteils?
Der Hauptteil analysiert, neben theoretischen Erklärungsmodellen für Wahlverhalten, konkrete "Kurzfristfaktoren" wie Kandidaten-Wahrnehmung, Sachthemen und algorithmisch gesteuerte Prozesse wie Microtargeting oder Framing im digitalen Wahlkampf.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Bundestagswahl 2021, Instagram, Microtargeting, Filterblase, politische Willensbildung und das Ann-Abor-Modell.
Warum spielt das Ann-Abor-Modell eine so wichtige Rolle in der Arbeit?
Es dient als theoretisches Fundament, um zwischen langfristigen Parteibindungen und kurzfristigen Faktoren, die gezielt über soziale Netzwerke beeinflusst werden können, zu unterscheiden.
Wie bewertet die Autorin die Rolle von Algorithmen bei der Meinungsbildung?
Sie schätzt den Einfluss als hoch und potenziell gefährlich ein, da mangelnde Transparenz der Plattformbetreiber die gezielte Analyse von Verzerrungen wie Filterblasen erschwert.
Welches Fazit zieht die Verfasserin bezüglich der Rolle von Parteien auf Instagram?
Parteien nutzen Instagram intensiv als Wahlkampfinstrument, insbesondere um durch Personalisierung und gezielte Themenansprache (Microtargeting) bestimmte Wählergruppen zu adressieren und zur Wahl zu motivieren.
Welche Forderung stellt die Autorin für die Zukunft auf?
Aufgrund der zunehmenden Bedeutung digitaler Medien für die Demokratie fordert sie eine stärkere gesetzliche Regulierung und die Förderung von Medienkompetenz in der Bevölkerung.
- Arbeit zitieren
- Viola Schmidt (Autor:in), 2022, Die Selbstdarstellung der Parteien auf Social Media während den Bundestagswahlen 2021 und dessen Einfluss auf die politische Willensbildung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1281885