Viele Menschen auf dieser Welt teilen die Begeisterung für eine Macht, die über ihre sinnlich erfahrbare Welt hinausgeht. Sie glauben an erhabene Wesen (Götter), die die Schicksale der Menschen in der Hand haben und sie leiten. Das höchste Ziel der Gläubigen ist, das Wohlgefallen dieser Götter zu erlangen, ihre Strafen sind unbedingt zu vermeiden.
Während Religion lange Zeit in fast allen Kulturkreisen eine bedeutende Rolle zukam, gibt es in der modernen Welt immer mehr Menschen, die diese Begeisterung nicht teilen oder sie mit der Zeit verlieren. Viele Menschen geben ihren Glauben auf und sind nicht mehr bereit, ihr Leben an religiösen Regeln und Ritualen zu orientieren. Gleichzeitig zeigt sich, dass in einigen Regionen dieser Welt die Religion für die dort lebenden Menschen an Bedeutung gewinnt und sie voller Überzeugung an ihrer Religion festhalten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Einführung in die psychologische Religionskritik von Freud
3. Die Psychoanalyse von Freud
3.1. Das Eisbergmodell
3.2. Die Triebstruktur des Menschen
3.3. Der psychische Apparat
4. Die psychologische Religionskritik von Freud
4.1. Der Ursprung der Religionen
4.2. Religion und Zwangsneurose
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die psychologische Religionskritik von Sigmund Freud mit dem Ziel, seine psychoanalytischen Erklärungsmodelle zur Entstehung von Religion und das Verhältnis von Religion zu neurotischen Störungen zu beleuchten und kritisch darzulegen.
- Grundlagen der Psychoanalyse nach Freud (Eisbergmodell, psychischer Apparat, Triebstruktur)
- Psychoanalytische Deutung der Religionsentstehung (Totem und Tabu, Vaterkomplex)
- Analyse des Werkes "Der Mann Moses und die monotheistische Religion"
- Vergleichende Untersuchung: Religion als kollektive Zwangsneurose
Auszug aus dem Buch
4.2 Religion und Zwangsneurose
Aufgrund seiner umfangreichen Kenntnisse konnte Freud einige Analogien zwischen Neurose und Religion aufdecken (vgl. Belzen et al. 2004, S. 21).
In seinem Aufsatz aus dem Jahre 1907, in dem Freud sich mit der Religion befasste, macht er auf die Parallelität zwischen Zwangshandlungen Neurotischer und der Religionsübung aufmerksam (vgl. Scharfenberg 1971, S. 138). Er schreibt: „Ich bin gewiß nicht der erste, dem die Ähnlichkeit der sogenannten Zwangshandlungen Nervöser mit den Verrichtungen aufgefallen ist, durch welche der Gläubige seine Frömmigkeit bezeugt. Der Name „Zeremoniell“ bürgt mir dafür, mit dem man gewisse dieser Zwangshandlungen belegt hat. Doch scheint mir diese Ähnlichkeit eine mehr als oberflächliche zu sein, so daß man aus einer Einsicht in die Entstehung des neurotischen Zeremoniells Analogieschlüsse auf die seelischen Vorgänge des religiösen Lebens wagen dürfte“ (Freud 2013, S. 7).
Eine Zwangsneurose ist eine psychische Krankheit, bei der die Patienten eine Handlung zwanghaft durch- bzw. ausführen müssen. Sie erscheinen für die Patienten selbst bedeutungslos und doch sind die Patienten nicht in der Lage, auf diese Handlungen zu verzichten, weil die Abweichung von der Zwangshandlung mit großer Angst verbunden ist. Diese Zwangshandlugen können alle beliebigen Tätigkeiten sein, die aber das soziale Verhalten des Menschen nicht beeinträchtigt. Sie sind für den Patienten wie ungeschriebene Gesetzte, an die sie sich halten müssen. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie individuell und im Privaten stattfinden. Im Gegensatz zur Zwangshandlung ist die Religion öffentlich und deren Ausübung findet in Gemeinschaften statt (vgl. Freud 2013, S. 7–9). Die Motive, die die Zwangshandlungen bewirken, und der Sinn, der hinter ihnen steckt, können durch psychoanalytische Therapie bewusst gemacht werden (vgl. Freud 2013, S. 11).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische und psychologische Relevanz der Religionskritik ein und legt die methodische Vorgehensweise der Arbeit dar.
2. Einführung in die psychologische Religionskritik von Freud: Hier wird der biographische und theoretische Kontext von Sigmund Freuds Auseinandersetzung mit der Religion als Reflexion seiner Tätigkeit als Nervenarzt und seiner jüdischen Erziehung beschrieben.
3. Die Psychoanalyse von Freud: Dieses Kapitel erläutert die Grundpfeiler der Freudschen Lehre, namentlich das Eisbergmodell, die menschliche Triebstruktur und die Instanzen des psychischen Apparats (Es, Ich, Über-Ich).
4. Die psychologische Religionskritik von Freud: Der Hauptteil analysiert Freuds Schriften zur Entstehung der Religion durch den Vaterkomplex sowie seinen religionspsychologischen Vergleich zwischen der Religion und der menschlichen Zwangsneurose.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, wonach Religion als Ausdruck der menschlichen Hilflosigkeit und als kollektive Zwangsneurose zu verstehen ist, die durch Vernunft überwunden werden sollte.
Schlüsselwörter
Sigmund Freud, Psychoanalyse, Religionskritik, Eisbergmodell, Triebstruktur, psychischer Apparat, Es, Ich, Über-Ich, Vaterkomplex, Totem und Tabu, Zwangsneurose, Religion, Realitätsprinzip, Lustprinzip.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die psychologische Religionskritik Sigmund Freuds und untersucht, wie Freud Religion mittels seiner psychoanalytischen Theorien als ein psychisches Phänomen deutet.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die menschliche Psyche mit ihren Instanzen, der Ursprung des Glaubens in Vaterbeziehungen und der Vergleich religiöser Rituale mit zwangsneurotischem Verhalten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Freuds Hypothese darzulegen, nach der Religion ein Produkt des Unterbewusstseins ist, das Menschen nutzen, um ihre kindliche Hilflosigkeit zu bewältigen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor führt eine literaturbasierte Analyse zentraler Werke Freuds durch und wendet dessen psychoanalytische Konzepte systematisch auf das Phänomen Religion an.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die Basiskonzepte der Psychoanalyse sowie Freuds konkrete religionskritische Schriften, wie "Totem und Tabu" und "Der Mann Moses und die monotheistische Religion", detailliert diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Neben dem zentralen Begriff der Psychoanalyse prägen Begriffe wie Zwangsneurose, Vaterkomplex, psychischer Apparat und Triebbefriedigung die wissenschaftliche Ausarbeitung.
Wie unterscheidet Freud laut der Arbeit zwischen individueller Neurose und Religion?
Freud betrachtet die Neurose als eine Form individueller Religiosität und im Umkehrschluss die Religion als eine Form der universellen Zwangsneurose der Menschheit.
Welche Rolle spielt der Vaterkomplex bei der Entstehung von Religion?
Nach Freud entsteht Religion aus dem unbewussten Schuldgefühl gegenüber dem Vater und der Suche nach einer schützenden, übermenschlichen Vatergestalt, die den Menschen in seiner Hilflosigkeit stützen soll.
- Arbeit zitieren
- Imad Ismail (Autor:in), 2020, Die psychologische Religionskritik Freuds. Ist die Religion eine kollektive Zwangsneurose?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1281993