M&A-Transaktionen. Eine deskriptive Analyse seit dem Jahr 2000


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009

66 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einführung
1.1 Problemaufriss
1.2 Aufbau der Arbeit

2. Grundlegende Definitionen und Abgrenzungen
2.1 Begriffsbestimmung: Mergers and Acquisitions
2.2 Kooperations- und Konzentrationsformen
2.2.1 Fusionen
2.2.2 Akquisitionen
2.3 Formen von Unternehmenstransaktionen
2.3.1 Horizontale Transaktionen
2.3.2 Vertikale Transaktionen
2.3.3. Laterale Zusammenschlüsse
2.4 Zusammenfassung

3. Motive von M&A-Transaktionen
3.1 Erzielung von Synergien
3.1.1. Economies of Scale
3.1.2. Economies of Scope
3.2 Transaktionskosten
3.3 Marktmacht
3.4 Diversifikationseffekte
3.5 Unterbewertung ineffizienter Kapitalmärkte
3.6 Weitere Motive

4. Aufbau des M&A-Prozesses
4.1 Die Konzeptionsphase
4.2 Die Transaktionsphase
4.3 Die Integrationsphase
4.3.1 Post Merger Integrationsmanagement
4.3.2 Post Merger Integrationsdurchführung
4.3.3 Post Merger Integrationscontrolling

5. Erfolg und Misserfolg von M&A’s
5.1 Verfahren der Erfolgsmessung
5.2 Beispiele für erfolgreiche M&A-Transaktionen
5.3 Beispiele für Misserfolge von M&A-Transaktionen

6. Deskriptive Analyse
6.1 M&A-Transaktionen in den MOEL
6.1.1 Umsatzgröße der Zielgesellschaften in den MOEL
6.1.2 Entwicklung der M&A-Transaktionen in den MOEL
6.2 M&A-Transaktionen in der EU
6.2.1 Umsatzgröße der Zielgesellschaften in der EU
6.2.2 Entwicklung der M&A-Transaktionen in der EU
6.3 M&A-Transaktionen in den USA
6.3.1 Umsatzgröße der Zielgesellschaften in den USA
6.3.2 Entwicklung der M&A-Transaktionen in den USA

7. Fazit

I. Quellen- und Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Angelsächsische Definition von Mergers and Acquisitions

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Unternehmenstransaktionen nach der Bindungsausrichtung

Abbildung 2: Übersicht von Unternehmenszusammenschlüssen

Abbildung 3: Phasen einer M&A-Transaktion

Abbildung 4: Phase I – Konzeptionsphase

Abbildung 5: Phase II – Transaktionsphase

Abbildung 6: Phase III - Integrationsphase

Abbildung 7: Das 7 K Modell der Integration im M&A-Prozess

Abbildung 8: Herkunft der Zielgesellschaften aus den MOEL

Abbildung 9: Herkunft der Käuferländer aus den MOEL

Abbildung 10: Umsatz der Zielgesellschaften in den MOEL

Abbildung 11: Entwicklung der Transaktionen in den MOEL

Abbildung 12: Herkunft der Zielgesellschaften aus der EU

Abbildung 13: Herkunft der Käuferländer aus der EU

Abbildung 14: Umsatz der Zielgesellschaften aus der EU

Abbildung 15: Entwicklung der Transaktionen in der EU

Abbildung 16: Herkunft der Käuferländer aus den USA

Abbildung 17: Umsatz der Zielgesellschaften aus den USA

Abbildung 18: Entwicklung der Transaktionen in den USA

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einführung

1.1 Problemaufriss

Die folgende Arbeit beschäftigt sich mit dem Thema ‚Mergers and Acquisitions’ (abgekürzt M&A). Der Begriff M&A ist der englische, im deutschen Sprachraum übernommene, Sammelbegriff für den Erwerb von Unternehmen und Fusionen. Zahlreiche Unternehmen haben in den vergangenen Jahren zur Stärkung oder zur Erweiterung ihres Kerngeschäftes sogenannte „M&A-Wellen“ ausgelöst. Auch derzeit lässt sich eine solche Welle feststellen. Allerdings wird diese durch die weltweite Finanz- und Kreditkrise gebremst. Im letzten Jahr brach eine Reihe von Finanzhäusern zusammen und Regierungen wurden durch ihre Rettungsschirme und staatliche Beteiligungen (unfreiwillig) zu wichtigen M&A-Akteuren. Neben dieser, aus der Not heraus geborenen Transaktionen („Distressed Deals“), führten der Zusammenbruch der Börsenkurse zu abnehmenden Transaktionsgrößen. Sogenannte Megadeals, wie sie aus der Vergangenheit bekannt waren, blieben aus.

M&A-Transaktionen zählen heute zum Standardrepertoire strategischer Unter-nehmensführung. In einer regelmäßigen Umfrage der Unternehmensberatung Bain & Company wird das Durchführen von Unternehmenskäufen oder – verkäufen unter den fünf wichtigsten Instrumenten strategischer Unternehmensführung genannt. Allerdings geben mehr als 50 Prozent der Befragten an, dass sie mit diesem Instrument nicht vollständig zufrieden sind. Zahlreiche Studien zeigen, dass ca. 60 bis 70 Prozent der Unternehmens-übernahmen scheitern. Nur wenige Beispiele zeigen erfolgreiche Trans-aktionen, in denen die erhofften Synergiepotenziale, strategischen Wettbewerbsvorteile oder eine Verbesserung der Marktposition erzielt werden konnten. Dennoch stieg das Transaktionsvolumen in den letzten Jahren an, so dass bereits von der sechsten M&A-Welle die Rede ist.[1] Daraus kann der Entschluss getroffen werden, dass M&A-Aktivitäten oftmals durch externe Zwänge hervorgerufen werden.

Bis Heute ist es der empirischen sowie theoretischen Forschung nicht gelungen die auslösenden Treiber der jeweiligen M&A-Wellen abschließend zu identifizieren.

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, welche Gründe zu solch einer Transaktion führen. Des Weiteren wird im analytischen Teil die Entwicklung der letzten acht Jahre herausgearbeitet. In den letzten Jahren dominierten Megadeals, bei denen sich Unternehmen durch Aktientausch zu neuen Gebilden zusammenschlossen. So kam es bereits 1986 zu der feindlichen Übernahme des Unternehmens RJR Nabisco durch den Finanzinvestor KRK zum erstaunlichen Preis von 25 Mrd. US-Dollar. In den letzten Jahren reihte sich eine Vielzahl von Übernahmen in Milliardenhöhe durch Finanzinvestoren dicht aneinander. Durch die hohen Transaktionsvolumina kann kein eindeutiges Bild über den M&A-Markt widergespiegelt werden. Aus diesem Grund wird in der folgenden Arbeit die Entwicklung der Transaktionsanzahl analysiert. Dadurch entsteht keine Beeinflussung solcher Megadeals. Vor allem nach der Finanzkrise, in der die Unternehmenswerte rapide gesunken sind, ist es interessant zu beobachten ob der M&A-Markt tatsächlich einen Rückgang erlitten hat.

1.2 Aufbau der Arbeit

Im Folgenden wird der strukturelle Aufbau dieser Ausarbeitung erläutert. Hierbei werden die Inhalte der einzelnen Kapitel vorgestellt.

Beginnend werden im zweiten Kapitel dieser Arbeit grundlegende Begriffe definiert, die zum Verständnis der Arbeit von Bedeutung sind. Hierbei wird zunächst der Begriff Mergers and Acquisitions definiert und eingegrenzt. Dahingehend erfolgt eine Definition der Begriffe Fusion und Akquisition, sowie der verschiedenen Formen von Unternehmenstransaktionen. Bezüglich der Transaktionsformen folgen kurze Praxisbeispiele.

Im dritten Kapitel werden verschiedene Motive, die zu einer M&A-Transaktion bewegen, vorgestellt.

Im nächsten Kapitel wird der Ablauf eines idealtypischen M&A-Prozesses diskutiert. Hierzu erfolgt zu jedem Teilprozess eine genaue Erläuterung.

Anschließend wird im fünften Kapitel kurz auf die Möglichkeit einer Erfolgsmessung von M&A-Transaktionen eingegangen. Diesbezüglich werden Praxisbeispiele für erfolgreiche sowie nicht erfolgreiche Unternehmens-zusammenschlüssen der Vergangenheit vorgestellt.

Die Ergebnisse der deskriptiven Analyse werden im sechsten Kapitel vorgestellt. Zunächst erfolgt eine Erläuterung der verwendeten Daten. Anschließen werden diese in grafischer Form abgebildet und diskutiert.

Im letzten und damit siebten Kapitel werden die gewonnen Kenntnisse aus dieser Arbeit zusammengefasst niedergelegt.

2. Grundlegende Definitionen und Abgrenzungen

Nachdem die generelle Problemstellung und die grundlegende Vorgehensweise der Arbeit erläutert wurden, liegt der Schwerpunkt dieses Kapitels in der Definition grundlegender Begriffe, die im Kontext der M&A von Bedeutung sind. Zunächst wird der Begriff Mergers and Acquisitions definiert und anschließend die verschiedenen Akquisitions- und Kooperationsformen vorgestellt. Bezüglich der Begriffsbestimmung der M&A erfolgt im Abschnitt 2.3 eine Abgrenzung der verschiedenen Übernahmearten. Hierbei unterscheidet man zwischen horizontalen, vertikalen und lateralen Unternehmenstransaktionen. Hinsichtlich der Begriffsbestimmung erfolgt eine genaue Eingrenzung, die im sechsten Kapitel für die Analyse von Bedeutung ist.

2.1 Begriffsbestimmung: Mergers and Acquisitions

Mergers and Acquisitions (M&A) ist ein aus dem angelsächsischen Sprachraum übernommener Begriff, der in der Literatur nicht allgemeingültig definiert ist.[2] Die Ursache könnte in der fehlenden Definition des Unternehmensbegriffes im deutschen Recht sein. Der Begriff M&A trat bereits am Ende des 19. Jahrhunderts nach der ersten Übernahmewelle (1895-1904) in den USA auf.[3] In Deutschland wurde dieses Thema erst zu Beginn der 1980er Jahre intensiver behandelt.

Unter M&A werden im weiteren Sinne alle Vorgänge beschrieben, die mit dem Erwerb oder der Veräußerung von Unternehmen zusammenhängen.[4] Im Deutschen stehen der M&A die verschiedensten Terminologien gegenüber. So spricht man hierbei von Unternehmenstransaktion, -zusammenschluss, - übernahme und –kauf. Die direkte deutsche Übersetzung lautet Fusion (für Merger) und Akquisition (für Acquisition).[5]

Da sich der Begriff ‚Mergers and Acquisitions’ in Deutschland durchgesetzt hat, wird auch in dieser Arbeit M&A als Synonym für Fusionen und Akquisitionen verwendet.[6]

M&A stellt nun einen Sammelbegriff dar, der verschiedenste Gestaltungsformen von Transaktionen umfasst.[7] In der angelsächsischen Literatur fallen hierunter auch strukturelle Veränderungen, wie z.B. Leveraged Buyouts (LBOs) oder Aktienrückkäufe sowie Teilverkäufe, Desinvestitionen oder Liquidationen.[8] Die folgende Abbildung verdeutlicht die weitgehende Verwendung des Begriffs M&A in der angelsächsischen Literatur.

Tabelle 1: Angelsächsische Definition von Mergers and Acquisitions

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Beitel, P. (2002), S.8; Vogel, D. H. (2002), S.4; Jansen, S. (2001), S.46 sowie Copeland, T. et al. (1988), S.676 ff.

Im Rahmen der Arbeit werden, innerhalb der Unternehmensperspektive, diese Bereiche nicht betrachtet, sondern ausschließlich Fusionen und Akquisitionen. Diese beiden Transaktionsformen bedeuten eine Veränderung der wirtschaftlichen Kontrolle der beteiligten Unternehmen und können innerhalb des Begriffs ‚Unternehmenszusammenschluss’ untergeordnet werden.[9] Hierbei werden zwei Formen von Unternehmenszusammenschlüssen unterschieden, Unternehmenskooperationen und Unternehmenskonzentrationen. Der Begriff Unternehmenszusammenschluss wird in der deutschsprachigen Literatur meist als Oberbegriff für alle Zusammenschlüsse von Unternehmen im weiteren Sinne verwendet.[10] Allgemein entsteht ein Zusammenschluss, wenn mindestens zwei rechtlich und wirtschaftlich selbstständige Unternehmen sich zur Verfolgung einer gemeinsamen wirtschaftlichen Zielsetzung „verbinden“.[11] Diese Verbindung ist auf den verschiedensten Ebenen und mit unterschiedlichem Abhängigkeitsgrad (wirtschaftlich, rechtlich) möglich und kann demnach zu einer Einschränkung bis hin zu einer völligen Aufgabe der wirtschaftlichen sowie rechtlichen Selbstständigkeit führen.[12]

Wird durch einen Unternehmenszusammenschluss die wirtschaftliche Selbständigkeit von Unternehmen vollständig aufgehoben, so wird dies als Unternehmenskonzentration bezeichnet. Wird dagegen die wirtschaftliche Selbständigkeit von Unternehmen lediglich eingeschränkt, so wird dies als Unternehmenskooperation bezeichnet.

Im Folgenden werden die beiden Formen kurz erläutert.

2.2 Kooperations- und Konzentrationsformen

Bezüglich der Unternehmenskooperation findet sich in der Literatur eine Vielzahl verschiedener Begriffsbestimmungen. Ausgehend von der sprachlichen Abstammung beinhaltet der Begriff ‚Kooperation’ eine Zusammenarbeit. Abgesehen von den unterschiedlichen Definitionen, die in der Literatur zu finden sind, so haben alle gemeinsam, dass bei einer

Unternehmenskooperation die rechtliche und wirtschaftliche Selbständigkeit der Kooperationspartner erhalten bleibt. Nach Blohm (1980) versteht man unter einer Kooperation „eine auf stillschweigenden oder vertraglichen Vereinbarungen beruhende Zusammenarbeit zwischen rechtlich und wirtschaftlich Selbstständigen und in den nicht von der Kooperation betroffenen Bereichen auch wirtschaftlich nicht voneinander abhängigen Unternehmungen“.[13] Lediglich die wirtschaftliche Entscheidungsfreiheit der beteiligten Unternehmen wird in dem der vertraglichen Zusammenarbeit unterworfenen Bereiche eingeschränkt. Im Rahmen einer Kooperation entsteht die Zusammenarbeit durch Abstimmung (Koordinierung) von Funktionen sowie der Übertragung auf eine gemeinschaftliche Einrichtung.[14]

Als Beispiele für Formen von Unternehmenskooperationen lassen sich neben Interessen- und Arbeitsgemeinschaften auch strategische Allianzen und Gemeinschaftsunternehmen („Joint Venture“) sowie Kartelle nennen.[15]

Grund für eine Kooperation ist für viele Unternehmen das Bestreben, sich das Know-how und Image anderer Unternehmen nutzbar zu machen. Einige Kooperationsarten verfolgen das Ziel der Beschränkung oder der Beseitigung des Wettbewerbs bzw. die Realisierung bestimmter Marktformen.[16] Vor allem ist die Bewältigung von Aufgaben mit einem hohen Schwierigkeitsgrad durch zielgerichtete Kooperationen i.d.R. einfacher und effektiver.[17]

Bei Unternehmenskonzentrationen wird im Gegensatz zur Unternehmens-kooperation die wirtschaftliche Selbstständigkeit von mindestens einem Teil der beteiligten Unternehmen aufgehoben. Zudem besteht je nach Ausgestaltung die Möglichkeit, dass neben der wirtschaftlichen auch die rechtliche Selbstständigkeit verloren geht. Konzentrationen setzen voraus, dass die beteiligten Unternehmen eine einheitliche Leitung bestimmen und sich dieser unterordnen.[18] Die Unternehmenskonzentration ist ein wichtiges Struktur-merkmal des Marktes und die jeweiligen Marktteilnehmer passen ihr Verhalten der vorherrschenden Struktur an, so dass mit steigendem Konzentrationsgrad i.d.R. die Konkurrenz sinkt und die Rendite steigt.[19] Hierbei werden zwei wesentliche Formen unterschieden: Fusionen und Akquisitionen. Im Folgenden werden diese beiden Formen näher erläutert, da sie im Fokus der Arbeit stehen und in der deskriptiven Analyse betrachtet werden.

2.2.1 Fusionen

Wenn eines der beteiligten Gesellschaften, infolge einer Transaktion, ihre rechtliche Selbstständigkeit/Rechtspersönlichkeit verliert bzw. beide Unternehmen in eine neue aufgehen, so entspricht dies einer Fusion.[20] Demnach ist eine Fusion genau dann gegeben, wenn zwei oder mehrere bis dahin rechtlich sowie wirtschaftlich selbständige Unternehmen sich zusammenschließen, wobei mindestens ein beteiligtes Unternehmen seine rechtliche Selbständigkeit verliert.[21] Hierbei erfolgt eine Unterscheidung zwischen einer Fusion durch Neugründung und einer Fusion durch Aufgabe.[22] Ersteres besteht, wenn von den beteiligten Unternehmen eine neue organisatorische Einheit geschaffen wird, so dass die einzelnen Unternehmen nach der Vermögensübertragung erlöschen. Bei einer Fusion durch Aufgabe überträgt das zu übernehmende Unternehmen sein Vermögen auf den Unternehmenskäufer, so dass es seine rechtliche und wirtschaftliche Selbstständigkeit verliert.[23]

Im Rahmen von Fusionen spielt der Grad der Abhängigkeit eine wesentliche Rolle, da dieser ein wichtiges Klassifizierungsmerkmal darstellt.[24] Wie bereits erläutert verliert eines der Unternehmen seine rechtliche Selbstständigkeit. Bezüglich der wirtschaftlichen Selbständigkeit wird diese durch die Höhe der Beteiligung bestimmt und richtet sich damit an der Höhe der Stimmrechte.

In der Literatur findet man häufig den Begriff ‚Merger of Equals’. Dieser soll die Gleichstellung der fusionierten Unternehmen suggerieren.[25] Merger of Equals setzt voraus, dass die beteiligten Unternehmen sich an das Wohl des neu entstandenen Unternehmens richten und damit Eigeninteressen hinten anstellen. Zudem ist erforderlich, dass beide Unternehmen weitgehend gleiche Grundsätze für strategische Entscheidungen und operatives Management anwenden.[26] Allerdings zeigt sich spätestens nach der Besetzung der Managementpositionen, dass von einer ‚Gleichberechtigung’ kaum gesprochen werden kann und es ist schnell zu erkennen bei welchem Unternehmen es sich um das übernommene Unternehmen (das Target) handelt. Ein Beispiel hierfür ist der Zusammenschluss der beiden Automobilhersteller Daimler-Benz und Chrysler im Mai 1998 zur Daimler-Chrysler AG. Öffentlich wurde bekräftigt, dass es sich um eine Fusion unter Gleichen handelt, doch mit dem Abgang von Bob Eaton urteilen die Experten und US-Medien, dass es sich um eine Übernahme handelte.[27]

2.2.2 Akquisitionen

Nach Achleitner (1999) versteht man unter einer Akquisition den Erwerb eines ganzen Unternehmens, einzelner oder mehrerer Unternehmensteile oder Beteiligungen, die anschließend in den Unternehmensverbund des Unternehmenskäufers eingegliedert werden.[28] Der Erwerb des Unternehmens bzw. der Unternehmensteile erfolgt entweder durch einen Asset Deal (Vermögenserwerb), einem Share Deal (Beteiligungserwerb) oder einer Kombination beider. Bei einem Asset Deal vollzieht sich der Unternehmenskauf im Rahmen einer Singularsukzession, durch den faktischen Erwerb sämtlicher Wirtschaftsgüter (z.B. Grundstücke, Gebäude, Maschinen). Gemäß §433 BGB handelt es sich damit um einen Sachkauf. Dagegen werden bei einem Share Deal nicht die Unternehme ns anteile erworben, sondern die Unternehm er anteile (z.B. Aktien). Dieser vollzieht sich in der Regel um einiges einfacher, da die Mitgliedschaftsanteile in einem Zuge übertragen werden und nicht einzeln.[29] Bei einem Share Deal handelt es sich um einen Rechtskauf im Sinne des §433 ff. BGB.[30]

Bei einer Akquisition bleibt die rechtliche Selbstständigkeit der beteiligten Unternehmen bestehen, während die wirtschaftliche Selbstständigkeit eingeschränkt oder vollkommen aufgegeben wird.[31]

Sowohl die Akquisition als auch die Fusion sind aus Managementsicht eine strategische Maßnahme, die einen Einfluss auf die Unternehmenspolitik ermöglicht.[32] Bezüglich der deskriptiven Analyse, im sechsten Kapitel, ist dies von entscheidender Bedeutung, da hierzu eine genaue Abgrenzung erfolgen muss. Hierbei werden auch die Transaktionen erfasst, bei denen Anteile des Unternehmens gekauft bzw. übernommen werden.[33]

Weiterhin ist durch die steigende Anzahl der Unternehmenstransaktionen und - volumina ein eigener M&A-Markt entstanden, wodurch der Begriff vermehrt für Dienstleistungen, wie etwa der Beratungstätigkeit steht. Diese Blickrichtung der M&A-Dienstleistungen erfährt in der deutschsprachigen Literatur eine besondere Bedeutung.[34] In dieser Arbeit steht jedoch allein die bereits angesprochene Unternehmensperspektive im Vordergrund.

2.3 Formen von Unternehmenstransaktionen

Die Charakterisierung des Begriffs M&A kann auch hinsichtlich ihrer Bindungsrichtung bzw. anhand der betroffenen Märkte und Produktionsstufen klassifiziert werden. Hierbei lassen sich, je nachdem welche Richtung eine Fusion oder Akquisition initiiert und je nach Maßgabe der Vereinigungsrichtung, unterschiedliche strategische Vereinigungsformen unterscheiden.[35] Weit verbreitet ist die klassische Einteilung von Unternehmenstransaktionen anhand der Wertschöpfungskette in horizontale, vertikale und laterale Zusammen-schlüsse.[36] Die ersten beiden Bindungsrichtungen werden in der angloamerikanischen Literatur oft als ‚relatet’ bezeichnet und letzteres als ‚unrelated’. Diese Klassifikation deutet an, dass bei den ersten beiden Kategorien bereits vor dem Zusammenschluss gewisse Übereinstimmungen zwischen den beteiligten Unternehmen bestehen, während bei einer lateralen Unternehmenstransaktion keine Übereinstimmungen vorkommen.[37]

Abbildung 1 zeigt die Ähnlichkeit der Marktsegmente der drei Bindungs-richtungen auf. Hierbei wird deutlich, dass die Ähnlichkeit der Marktsegmente bei lateralen Zusammenschlüssen am niedrigsten ist, womit die angloamerikanische Klassifikation verständlich wird.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Unternehmenstransaktionen nach der Bindungsausrichtung

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an El-Aridi, M. (2007), S.22

Im Folgenden werden diese drei Ausrichtungsmerkmale hinsichtlich ihrer Bedeutung kurz erläutert. Zudem werden einige bekannte Praxisbeispiele sowie Gründe, die zu solch einem Zusammenschluss führen, genannt.

[...]


[1] Ecker, M. (2008), S.509 ff.

[2] Vgl. Storck, J. (1993), S.21; Kerler, P. (1999), S.11f. sowie Jansen, S. (2001), S.45f.

[3] Vgl. Vogel, D. H. (2002), S.3

[4] Vgl. Lucks, K. et al. (2002), S.23

[5] Vgl. Eschen, E. (2002), S.25 sowie Lucks, K. et al. (2002), S.23

[6] Die Begriffe M&A-Transaktion und Unternehmenszusammenschluss werden als Synonym für Mergers and Acquisitions verwendet.

[7] Vgl. Settnik, U. (2006), S.32; Zieschang, P. (2000), S.16f.; Kerler, P. (1999), S.11 sowie Weston, J. et al. (1990), S.4ff.

[8] Vgl. Mußhoff, J. (2007), S.12f.

[9] Vgl. Zieschang, P. (2000), S.16f.

[10] Vgl. Bamberger, B. (1994), S.6 sowie Pausenberger, E. (1989), S.622

[11] Vgl. Settnik, U. (2006), S.26 f.

[12] Vgl. Paprottka, S. (1996), S.5 sowie Jung, H. (2006), S.126

[13] Zitat: Blohm, E. (1980), S.1112

[14] Vgl. Jung, H. (2006), S.126

[15] Vgl. Wöhe, G. (1993), S.403 ff. sowie Kappler, E. et al. (1991), S.205 ff.

[16] Vgl. Kummer, C. (2005). S.10

[17] Vgl. Ehrmann, H. (2007), S. 203

[18] Vgl. Jung, H. (2006), S.126

[19] Vgl. Krol, G. J. et al. (2002), S.86; Welge, M. K. et al. (2001), S.36 ff. sowie Scherer, F. M. et al. (1990), S.184 ff. Für weitere Informationen über den Konzentrationsgrad siehe hierzu Cowling, K. et al. (2000), S.45 ff. bzw. Kantzenbach, E. (1967), S.91 f.

[20] Vgl. Mußhoff, J. (2007), S.13

[21] Vgl. Coenenberg, A. et al. (2000), S.177

[22] In der Literatur werden stattdessen auch die Begriffe Verschmelzung durch Neugründung bzw. Aufnahme oder Fusion durch Neubildung, sowie das Aufgehen eines Unternehmens. Siehe dazu Lucks, K. et al. (2002), S.23; Jansen, S. (2001) sowie Kummer, C. (2005).

[23] Vgl. Lucks, K. et al. (2002), S.23

[24] Vgl. Grube, R. et al. (2002). S.23

[25] Vgl. Lucks, K. et al. (2002), S.24

[26] Vgl. Grube, R. et al. (2002). S.23

[27] Vgl. Spiegel Online Wirtschaft: Übernahme statt Fusion unter Gleichen (27.01.2000)

[28] Vgl. Achleitner, (1999), S.137

[29] Bei einem Asset Deal bezieht sich die Übertragung der Wirtschaftsgüter auf unterschiedliche Normen, z.B. für Grundstücke greift §873 BGB, für Forderungen §398 BGB.

[30] Vgl. Vogel, D. H. (2002), S.10

[31] Vgl. Coenenberg, A. et al. (2000), S.177 f. sowie Lucks, K. et al. (2002), S.24

[32] Lucks, K. et al. (2002), S.24

[33] Eine ausführliche Abgrenzung des Datensatzes ist im Kapitel 6.1 gegeben.

[34] Vgl. Jansen, S. (2001), S.45f.

[35] Vgl. El-Aridi, M. (2007), S.21

[36] Vgl. Settnik, U. (2006), S.34. In der Literatur werden stattdessen als Synonyme diagonale, heterogene, konglomerate, konzentrische bzw. diversifizierende Bindungsrichtungen verwendet. Siehe hierzu El-Aridi, M. (2007), S.22; Mußhoff, J. (2007), S.16; Krummer, C. (2005), S.45.

[37] Vgl. Walsh, J. P. (1988), S.174 f.

Ende der Leseprobe aus 66 Seiten

Details

Titel
M&A-Transaktionen. Eine deskriptive Analyse seit dem Jahr 2000
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Veranstaltung
Finanz- und Bankwirtschaft
Note
1,3
Autoren
Jahr
2009
Seiten
66
Katalognummer
V128212
ISBN (eBook)
9783640343492
ISBN (Buch)
9783640343911
Dateigröße
785 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Projektarbeit, M&A-Transaktionen, Eine, Analyse, Jahr
Arbeit zitieren
Ouafya Sai (Autor)Marin Tadinac (Autor), 2009, M&A-Transaktionen. Eine deskriptive Analyse seit dem Jahr 2000, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/128212

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