Einblick und Besonderheiten der Demenz. Wie kann die Lebensqualität von Demenzerkrankten erhalten werden?


Hausarbeit, 2021

19 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Definition

3 Symptome und Erkennung

4 Demenzformen
4.1 Alzheimerdemenz
4.2 Vaskuläre Demenzen
4.3 Frontotemporale Demenz
4.4 Lewy-Körperchen-Demenz
4.5 Vergleich primärer und sekundärer Demenzen
4.6 Korsakow-Syndrom

5 Ursachen und Risikofaktoren

6 Demenzprophylaxe

7 Behandlungen
7.1 Validation
7.2 Selbsterhaltungstherapie
7.3 Psychotherapie
7.4 Rolle der Sozialen Arbeit

8 Forschungsstand

9 Fazit

Quellenangaben

1 Einleitung

Ich beginne nun die Reise, die mich zum Sonnenuntergang meines Lebens führt" (URL-Quelle Planet Wissen, 2019).

Dieses Zitat stammt aus Ronald Reagans Brief – ein ehemaliger US-Präsident –, in dem er der amerikanischen Öffentlichkeit am 5. November 1994 seine Alzheimer-Demenz mitteilt. Nach Maier, Schulz, Weggen & Wolf (2009, S.35) gehört Reagan zu den bekanntesten Demenzpatienten. Die Demenz ist gemäß der Autoren Maier et al. (2009, S.35) die am häufigsten auftretende erworbene Erkrankung des Gehirns, die zu einer Störung des Gedächtnisses führt und kognitive Leistungen senkt.

Wegen der prognostizierten demographischen Entwicklung in Deutschland (immer älter werdende Bevölkerung) ist nach Nicotera (in Maier et al., 2009, S.8f.) in den kommenden Jahrzehnten ein weiterer Anstieg an Demenzerkrankungen absehbar. Dies wird nach Nicotera (ebd.) eine der größten medizinischen Herausforderungen darstellen. Denn jährlich erkranken in Deutschland circa 200.000 Menschen an Demenz, sodass gemäß Nicotera (ebd.) im Jahr 2050 in etwa vier Millionen demenzerkrankte Menschen in Deutschland leben werden. Gegenwärtig werden drei Viertel der Demenzkranken zu Hause gepflegt, daher gilt es, die Betroffenen und die Angehörigen über das Krankheitsbild aufzuklären. Die Aufklärung wird als Psychoedukation bezeichnet und ist die Grundlage von soziotherapeutischen Maßnahmen. Diese helfen den Angehörigen sowie Erkrankten, besser mit der Demenz umzugehen, weil dadurch u. a. die Selbstkompetenz gesteigert werden kann (Schmidtke, 2006, S.249). Mit dieser Steigerung ist es möglich, die Lebensqualität der Patienten so lange wie möglich beizubehalten. Das Forschungsinteresse dieser Studienarbeit liegt darin begründet, dass viele ältere Menschen an Demenz erkranken (jeder Fünfte über 85 Jahren und jeder Dritte über 90 Jahren), die Krankheit zukünftig zu einer großen medizinischen Herausforderung werden kann und Patienten durch den Verlust ihrer kognitiven Fähigkeiten sowie Fertigkeiten ihre Autonomie verlieren (Bundesministerium für Gesundheit, 2019, S.15) Die vorliegende Hausarbeit soll in Form einer Literaturanalyse einen Einblick in Demenzerkrankungen gewähren.

Das Ziel dieser Hausarbeit besteht darin, die Besonderheiten im Umgang mit Demenz bezüglich des Erhalts der Lebensqualität aufzuzeigen und den Lesern einen Einblick in die verschiedenen Demenzformen sowie Behandlungen zu verschaffen. Ausgehend von diesem Ziel entwickelte sich die Forschungsfrage dieser Hausarbeit: Wie kann die Lebensqualität von Demenzerkrankten erhalten werden?

Zunächst ist es erforderlich, einige Begriffe zu klären. In Kapitel 2 werden die Begriffe Demenz sowie Lebensqualität vorgestellt. Im Anschluss daran werden in Kapitel 3 die Symptome sowie die Diagnose von Demenz erläutert. Für eine bessere Veranschaulichung geschieht dies am Beispiel der Alzheimer-Demenz. Daraufhin folgen generelle Symptome sowie Erkennungsmerkmale für Demenzen, die zu Beginn des Kapitels aufgezählt sind. Kapitel 3 endet mit der Erörterung des Diagnoseverfahrens „DemTec“ und dem „Uhrentest“. Um einen Einblick in Demenzerkrankungen zu gewährleisten und um verstehen zu können, wie die Lebensqualität von Betroffenen explizit verbessert werden kann, sind im vierten Kapitel die häufigsten Demenzformen aufgezeigt. Denn die Formen verlaufen anders, tangieren Betroffene unterschiedlich und haben somit verschiedene Behandlungsmethoden. In Kapitel 5 sind Ursachen/Risikofaktoren und in Kapitel 6 Präventionsmöglichkeiten von Demenzen dargestellt, weil eine Prävention und Vermeidung von Ursachen, Einbüßen der Lebensqualität im Zusammenhang mit einer Demenzerkrankung verhindern kann. In Kapitel 7 wird die Relevanz der Demenzaufklärung ausführlicher behandelt und es wird auf einige Behandlungsmöglichkeiten von Demenzen unter dem Aspekt der Lebensqualität eingegangen. Eine wichtige Rolle bei der Erhaltung der Lebensqualität hat u. a. die Sozialarbeit. Deswegen werden im siebten Kapitel die Tätigkeiten der Sozialen Arbeit im Umgang mit Demenzerkrankten vorgestellt. Kapitel 8 zeigt den aktuellen Forschungsstand von Demenz auf. Themen und Fragen, die noch offenbleiben, sowie die Zusammentragung der Ergebnisse erfolgen im Fazit – Kapitel 9 – dieser Studienarbeit.

2 Definition

Der Begriff „Demenz“ leitet sich aus dem Lateinischen von „Dementia“ ab und besteht aus den Wortteilen „de“, was für „weg“ steht, sowie „mens“, was mit Geist, Verstand (Kognition) übersetzt wird. Demenz bedeutet somit „weg vom Geist“ respektive „ohne Kognition“. Damit ist das wesentliche Merkmal einer Demenzerkrankung beschrieben, nämlich die Verschlechterung bis hin zum Verlust von Kognitionen (Bundesministerium für Gesundheit, 2019, S.11).

Medizinisch betrachtet ist nach der „International Classification of Diseases and Related Health Problems“ (ICD-10) (Maier et al., 2009, S.48) die Diagnose einer Demenz nur gerechtfertigt, wenn es zu einer Störung des Gedächtnisses, des Denkvermögens und der emotionalen Kontrolle kommt. Hinzu muss die erste sowie zweite genannte Störung länger als sechs Monate anhalten und so weit ausgeprägt sein, dass es zu einer wesentlichen Beeinträchtigung des täglichen Lebens kommt.

Demenz ist ein Überbegriff für eine Gruppe von altersbedingten Krankheiten, wobei es mehrere Demenzformen gibt, und eine organische psychische Störung. Denn bei einer Demenz sterben Hirnnervenzellen ab, wodurch die Kognition und das Verhalten beeinträchtigt werden. Dies führt bei Betroffenen zu Verhaltensveränderungen und zu einer Intelligenzminderung (Kortus, 2011).

Es wird zwischen primären und sekundären Demenzen unterschieden. Bei bis zu 90 % aller Demenzerkrankungen tritt eine primäre Demenzform auf. Diese sind irreversibel (unumkehrbar). Das heißt, dass der Prozess der Krankheit lediglich gebremst bzw. verlangsamt, aber nicht gestoppt werden kann. Sekundäre Demenzen – die bei 10 % vorkommen – treten hingegen bei Folgeerscheinungen von Grunderkrankungen wie z. B. Vitaminmangel auf. Daher sind diese zum Teil heilbar.

Aber was genau ist eine Demenzerkrankung? Zu Beginn einer Demenzerkrankung sind das Kurzzeitgedächtnis und die Merkfähigkeit gestört. Betroffenen gelingt es somit nicht mehr, Informationen im Langzeitgedächtnis zu speichern. Sie vergessen bspw. Termine, verlegen Gegenstände oder erinnern sich nicht mehr an die Namen von Bekannten. Dabei werden die gestörte Merkfähigkeit und die Gedächtnislücken von den Betroffenen bewusst wahrgenommen. Im weiteren Krankheitsverlauf bemerken sie ihre Gedächtnisprobleme immer weniger und der Gedächtnisabbau schreitet weiter voran. Nun verblassen bereits eingeprägte Inhalte des Langzeitgedächtnisses wie Erinnerungen, Gesichter zu Personen oder eingeprägte Fähigkeiten wie das Fahrrad-/Autofahren oder das Zähneputzen. Betroffene verlieren somit mehr und mehr ihre im Leben erworbenen kognitiven Fähigkeiten und Fertigkeiten. Nach dem deutschen Bundesministerium für Gesundheit ist die Demenz allerdings weitaus mehr als eine „einfache“ Gedächtnisstörung. Denn durch den Gedächtnisabbau kommt es im Verlauf zunehmend zu Beeinträchtigungen der Aufmerksamkeit, Sprache, des Auffassungs- und Denkvermögens, der Orientierung sowie des logischen Denkens. Die Betroffenen verlieren im Endstadium der Krankheit „das Wissen darüber, wer sie waren und wer sie sind“ (Bundesministerium für Gesundheit, 2019, S.29). Es wird also das ganze Sein der Erkrankten erschüttert, was die Wahrnehmung, das Verhalten und Erleben betrifft. Um für Patienten die Lebensqualität zumindest zu erhalten, ist es essenziell, die Eigenständigkeit der Betroffenen solange wie möglich aufrechtzuerhalten, indem bspw. Hilfen zur Orientierung angeboten werden. Es können z. B. Klebezettel auf Schränken, die auf den Inhalt hinweisen, eine Orientierungshilfe für Betroffene sein (Bundesministerium für Gesundheit, 2019, S.12ff.; S.28ff.).

Der Begriff „Lebensqualität“ ist nicht eindeutig definiert, weil dieser subjektiv ist. Generell steht Lebensqualität für das subjektive psychische und somatische Wohlbefinden. Dies schließt nicht nur die Würde der Erkrankten mit ein, sondern u. a. auch Gefühle der Sicherheit, Geborgenheit, Fürsorge und Vertrauen. Bei Demenzpatienten degenerieren sich zwar die kognitiven Fähigkeiten sowie Fertigkeiten und es kommt zu diversen Beeinträchtigungen. Jedoch können auch Demenzerkrankte mit einer schweren Aphasie (Sprachstörung) und solche, die kaum noch handeln können (Autonomie haben), ihre Umwelt wahrnehmen sowie Gefühle/Bedürfnisse empfinden und äußern. Daher sollten nach Schmidtke (2006, S.260f.) bei Demenzpatienten stets das subjektive Erleben und das Konzept von Würde im Fokus stehen (Schmidtke, 2006, S.260f.).

3 Symptome und Erkennung

Demenzsymptome werden nach Kastner und Löbach (2010, S.10ff.) in fünf Hauptgruppen eingeteilt:

1. Kognitive Symptome
2. Psychische Störungen und Verhaltensänderungen bei Demenz: BPDS
3. Psychische Symptome
4. Verhaltensänderungen
5. Somatische Symptome

Diese Symptome werden im Folgenden anhand der Alzheimer-Demenz für eine bessere Veranschaulichung, und weil Alzheimer die am häufigsten vorkommende Demenzform ist, aufgezeigt. Zudem ist Alzheimer ein Orientierungspunkt in der Diagnostik von Demenzen. Alzheimer ist in drei Stadien eingeteilt. Die Krankheit ist zu Beginn schleichend und nahezu unmerklich, weil es bereits Jahrzehnte vor den ersten Symptomen zu neuronalen Störungen kommt. Darüber hinaus ist Alzheimer schwer zu erkennen, weil die Symptome ebenfalls Symptome des „Altwerdens“ an sich sind. In der ersten Stufe treten leichte Gedächtnislücken auf, die Lern- sowie Reaktionsfähigkeit nimmt ab und es entstehen Stimmungsschwankungen. Zudem bilden sich Aphasien (Sprachstörungen, Wortfindungsschwierigkeiten). Dies hat zur Folge, dass Betroffene einfachere Wörter nutzen, stottern, ihre Sätze kürzen oder abbrechen. Weitere Symptome sind örtliche und zeitliche Orientierungsstörungen. Wegen dieser kognitiven Symptome verschließen sich Erkrankte vermehrt Neuem gegenüber und sind zunehmend in ihrem Alltag überfordert.

In dieser ersten Phase werden die gestörte Merkfähigkeit, die Gedächtnislücken und alle weiteren oben genannten Symptome bewusst wahrgenommen und lösen individuelle Gefühle wie z. B. aversive Zustände aus. Jeder Mensch reagiert auf diese Veränderungen anders, manche mit Angst, manche mit Wut. Daher entstehen häufig psychische Symptome und Verhaltensveränderungen wie Antriebsschwächen, Depressionen, Aggressionsprobleme oder Formen von Unruhezuständen.

Im zweiten Stadium verstärken sich die Symptome. Infolgedessen entsteht eine hochgradige Störung des Gedächtnisses. Nun ist das Zeit- und Ortsgefühl komplett verloren gegangen. Die Aphasie ist so weit fortgeschritten, dass die Sprache undeutlich sowie inhaltsleer wird. Es kommt zu größeren Gedächtnislücken und zu einer Steigerung von aversiven Gefühlen, weshalb sich psychische Symptome und Verhaltensänderungen verstärken. Aversive Zustände wie z. B. Depressionen und Aggressionsprobleme nehmen zu und werden intensiver, weil Gefühle unkontrollierbar werden.

Somatische Symptome leiten dann das Endstadium ein. Es treten Symptome wie Gehschwächen und eine Harn-/Stuhlinkontinenz auf. Durch die immer geringer werdende Mobilität werden die Patienten bettlägerig. Infolgedessen können weitere Komplikationen wie z. B. Muskelschwund, Infektionen, Dekubitus oder Durchblutungsstörungen auftreten. Vereinzelt kommt es zu epileptischen Anfällen. Im Spätstadium ist die Aphasie so weit fortgeschritten, dass die Kommunikation und damit einhergehend die Gefühls- sowie Bedürfnisäußerung nicht mehr möglich sind. Kognitiv betrachtet, sind Betroffene nicht mehr in der Lage, Familienangehörige – wie die eigenen Kinder – wiederzuerkennen, weil nun auch das Langzeitgedächtnis hochgradig gestört ist. Erkrankte vergessen zudem ihre eigene Existenz und Fähigkeiten/Fertigkeiten wie z. B. das Schlucken beim Essen. Somit sind im Endstadium Erkrankte vollkommen auf externe Hilfen (z. B. Pflege, Betreuung) angewiesen, denn ein eigenständiges/autonomes Leben ist nun nicht mehr möglich.

Kognitive Symptome sind nach Kastner und Löbach (2010, S.10) bei den meisten Demenzformen früh erkennbar, weil diese sehr auffällig sind. Bei vaskulären Demenzen (näheres dazu in Kapitel 4.2) ist der Zeitpunkt des Erstauftretens kognitiver Symptome hingegen individuell unterschiedlich. Bei allen Demenzformen verschlechtern sich die kognitiven Symptome progredient (fortschreitend) und es entstehen Aphasien. Aphasien gehören zu den Frühsymptomen von Demenzen. Weitere Symptome sind die Apraxie (Werkzeugstörung) und die Agnosie (Wiedererkennungsstörung). Bei der Apraxie können Betroffene Gegenstände wie z. B. Besteck nicht mehr zuordnen. Sie wissen nicht mehr, was sie mit dem Besteck machen sollen. Bei der Agnosie können Erkrankte Personen oder z. B. das eigene Haus nicht mehr wiedererkennen. Über solche Störungen können Demenzen ebenfalls im Alltag erkannt werden.

Verhaltensänderungen sowie psychische Störungen sind von den kognitiven Symptomen abgegrenzt und werden bei Demenzen mit dem Begriff BPSD abgekürzt (in der Pflegewissenschaft sind sie unter „Herausforderndes Verhalten“ bekannt); sie sind abhängig vom Schweregrad einer Demenz. Nach Kastner und Löbach (2010, S.13ff.) korrelieren Störungen des Tagesrhythmus oder von Routinen sowie Unruhezustände wie z. B. Apathie, Agitiertheit, akustische Störungen oder das „Wandern und Weglaufen“ (nächtliches Wandern, Versuche, das Haus zu verlassen usw.) mit BPSD. Psychische Symptome hingegen verstärken sich nicht mit Fortschreiten der Krankheit, sondern können sich wieder zurückbilden oder verändern. Aggressivität, Angst, Frustration oder Depressivität entstehen meist zu Beginn der Krankheit als Folge organischer Veränderungen oder der psychischen Verarbeitung der Krankheit oder als „eigenständige Erkrankung“. Betroffene können im Spätstadium wegen der Zunahme des Gedächtnisabbaus zu einer ausgeglichenen Stimmung zurückkehren. Deswegen besteht die Schwierigkeit bei der Erkennung von Demenz darin, die beobachteten Symptome von eigenständigen psychischen Erkrankungen abzugrenzen (Kastner et al., 2010, S.13ff.). Inkontinenz, Mobilitätseinschränkungen sowie Schluck- und Essstörungen wie z. B. die Unfähigkeit, Besteck zu nutzen oder Essen zu kauen, gehören zu den somatischen Symptomen von Demenz. Die aufgezählten Symptome geben jedoch nicht als Einzelsymptome betrachtet Aufschluss, ob ein Mensch an Demenz erkrankt ist, sondern sind multifaktoriell. Das heißt, Symptome müssen im Konglomerat und unter biografischen, psychischen, genetischen, sozialen und individuellen Faktoren betrachtet werden. Um Demenzen diagnostizieren zu können, gibt es verschiedene Tests in Form von Fragebögen wie z. B. den „DemTect“ Test nach Pantel (2009). In diesem Test werden kognitive Fähigkeiten wie die Merkfähigkeit überprüft, indem Betroffene u. a. eine vorgelesene Wortliste mehrmals im Verlauf des Tests wiederholen, Zahlen als Wort aufschreiben müssen oder innerhalb einer Minute aufzählen sollen, welche Dinge im Supermarkt gekauft werden können. Um eine Demenz zu diagnostizieren, gibt es weitere Tests wie den „Uhrentest“. In diesem sollen Betroffene in einen Kreis die fehlenden Ziffern einer Uhr aufschreiben und anschließend mithilfe von Zeigern eine explizite Uhrzeit einzeichnen. Durch solch einen Test können nach Kastner und Löbach (2010, S.48f.) „schnell und einfach“ Demenzsymptome wie die räumliche Konstruktionsfähigkeit, die Kritikfähigkeit und das logische sowie abstrakte Denken untersucht werden (Bundesministerium für Gesundheit, 2019, S.12ff.; S.28ff.; Kastner et al., 2010, S.10ff.; S.47ff.; Maier et al., 2009, S.14ff.; Schmidtke, 2006 S.96ff.).

4 Demenzformen

Es existieren ca. 50 verschiedene Formen von Demenz. Um ergründen zu können, wie die Lebensqualität von Erkrankten verbessert werden kann, ist es notwendig, die Diversität der Demenzformen zu kennen und zu verstehen. Deswegen werden im folgenden Kapitel die verbreitetsten Demenzformen beschrieben. Demenzen werden in primäre und sekundäre Formen aufgeteilt. Zudem werden primäre Demenzformen in degenerative (fortschreitende) und nichtdegenerative (nichtfortschreitende) Formen unterschieden. Daher werden im folgenden Kapitel auch die Unterschiede zwischen primären und sekundären Demenzen aufgezeigt (Maier et al., 2009, S.14).

4.1 Alzheimerdemenz

Die Alzheimer-Krankheit ist nach ihrem Entdecker Alois Alzheimer benannt und gehört zu den primären degenerativen Demenzen. Die Alzheimerdemenz ist die am häufigsten vorkommende Demenzerkrankung mit einem Anteil von ca. 60–65 %. Wie im vorherigen Kapitel beschrieben, ist Alzheimer eine progrediente Erkrankung, die tödlich verläuft, langsam fortschreitend und unaufhaltsam ist. Betroffene versterben meist an Sekundärerkrankungen wie eine verminderte Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme sowie an den Folgen der reduzierten Mobilität. Die Krankheit beginnt mit dem irreversiblen Abbau von Gehirnnervenzellen und wird in zwei Typen eingeteilt. Erstens in den Typ mit einem frühen Beginn: Hier sind Menschen unter 65 Jahren von Alzheimer betroffen. Zum zweiten Typ (später Beginn) zählen Menschen, die älter als 65 Jahre sind. Die Erkrankung verläuft bei Betroffenen über 65 Jahren langsamer als bei jüngeren (Kastner et al., 2010, S.29ff.; Maier et al., 2009, S.27f.; 34f.; Schmidtke, 2006, S.96ff.).

4.2 Vaskuläre Demenzen

(Gefäßbedingte) vaskuläre Demenzen gehören ebenfalls zu den degenerativen Demenzen. Die Krankheitssymptome ähneln denen von Alzheimer, hinzu kommen jedoch Taubheitsgefühle, Lähmungserscheinungen und Schwankungen der Leistungsfähigkeit innerhalb eines Tages. Weitere neurologische Symptome können Gang- und Feinmotorikstörungen, Denkschwierigkeiten, Halluzinationen sowie Schwindel sein. Bei Alzheimer ist der Verlauf konstant verschlechternd; die vaskuläre Demenz beginnt jedoch meist plötzlich (plötzlicher Beginn), ist im Verlauf stufenhaft und entsteht als Folge von verstopften Blutgefäßen (Durchblutungsstörungen) oder Läsionen im Gehirn, wodurch Hirnregionen nicht genügend Sauerstoff und Nährstoffe erhalten. Dabei stirbt im Gehirn Nervengewebe irreversibel ab. Schädigungen, die dadurch entstehen, sind Hirninfarkte oder Schlaganfälle. Die Ausprägung der Demenz hängt somit vom Schweregrad der vaskulären Schädigung ab. Formen der vaskulären Demenz sind z. B. die Multiinfarktdemenz, die Enzephalopathie oder die zerebrale Angiopathie. Vaskuläre Demenzen sind mit einem Anteil von ca. 15–20 % die am zweithäufigsten vorkommende Demenzform. Bei 10–15 % kommt es zu Mischformen aus Alzheimer-Krankheit und vaskulärer Demenz (Bundesministerium für Gesundheit, 2019, S.16; Kastner et al., 2010, S.32ff.; Maier et al., 2009, S.26ff.; Schmidtke, 2006, S.208ff.).

4.3 Frontotemporale Demenz

Eine weitere primäre Demenz ist die Frontotemporale Demenz (5–10 % Anteil). Dabei kommt es zu deutlichen Verhaltensveränderungen und daher häufig zu Fehldiagnosen, sodass Persönlichkeitsstörungen, Psychosen oder Schizophrenie fälschlich diagnostiziert werden. Daher werden viele Betroffene stationär psychiatrisch behandelt oder kommen in Altenheime. Dabei entstehen schwere Konflikte, die durch eine frühzeitige Diagnose einer Frontotemporalen Demenz vermieden werden könnten (Kastner et al., 2010, S.35f.).

4.4 Lewy-Körperchen-Demenz

Die Lewy-Körperchen-Demenz (5–10 % Anteil) ist ebenfalls eine primäre Form. Im frühen Verlauf treten Mobilitätseinschränkungen (wiederholte Stürze) und fluktuierende Parkinson-Syndrome auf. Betroffene berichten zudem häufig von visuellen Halluzinationen. Dies führt zu Verdachtsdiagnosen einer Psychose. Betroffene erhalten daher Antipsychotika. Menschen mit einer Lewy-Körperchen-Demenz reagieren allerdings bereits bei niedrigen Dosierungen von Antipsychotika mit übersteigerten Nebenwirkungen aus dem Bereich der Parkinson-Symptomatik (Kastner et al., 2010, S.37).

4.5 Vergleich primärer und sekundärer Demenzen

Sekundäre Demenzen sind Leistungseinschränkungen des Gehirns, die als Folge einer anderen Grunderkrankung entstehen, ausgelöst durch exogene (außerhalb des Gehirns liegende) Schäden und Einflüsse. Dazu zählen Grunderkrankungen wie Vitaminmangelzustände, Stoffwechselerkrankungen oder chronische Entzündungen. Exogene Schäden/Einflüsse sind z. B. Vergiftungen wie Alkohol-, Drogen- und/oder Medikamentenmissbrauch, Infektionen oder Gehirnerschütterungen. Sekundäre Demenzen machen 10 % aller Demenzerkrankungen aus, primäre 90 %. Die Gründe für primäre Demenzen sind noch nicht ausreichend erforscht. Es wird davon ausgegangen, dass Proteinablagerungen (Plaques) im Gehirn und die Verminderung des Botenstoffes Acetylcholin primäre Demenzen wie Alzheimer auslösen könnten.

Bei sekundären Demenzen besteht – wenn diese frühzeitig erkannt werden – eine Chance auf Heilung. Hierzu muss die auslösende Erkrankung (z. B. eine Depression oder Stoffwechselerkrankung) frühzeitig erkannt und behandelt werden. Mit der Behandlung der Grunderkrankung kann dann die Folgeerscheinung (sekundäre Demenz) geheilt oder vermindert bzw. können die Demenzsymptome zurückgebildet werden. Der Prozess einer sekundären Demenz kann somit gestoppt und auch umgekehrt werden. Deswegen zählen sekundäre Demenzen zu den nichtdegenerativen. Primäre Demenzen sind hingegen degenerativ sowie irreversibel verlaufend, also unheilbar und nicht behandelbar. Eine Rückbildung der primären Demenzsymptome ist nicht möglich, lediglich der Prozess kann verlangsamt werden. Zu den sekundären Demenzen zählen u. a. das Demenzsyndrom bei Depressionen und das Korsakow-Syndrom (Kastner et al., 2010, S.29;37ff.; Maier et al., 2009, S.26;32;99).

4.6 Korsakow-Syndrom

Das Korsakow-Syndrom ist eine sekundäre Demenz und wird auch als Alkoholdemenz bezeichnet. Bei einem übermäßigen Konsum von Alkohol über einen kurzen Zeitraum oder im Rahmen einer Alkoholabhängigkeit kann es aufgrund der toxischen Wirkung des Alkohols zu kognitiven Störungen kommen. Daher tritt Korsakow überwiegend bei Alkoholikern auf. Aufgrund des Alkohols entsteht ein Mangel an Vitamin B1 (Thiamin) und es folgt eine anhaltende Störung des Ultrakurzzeitgedächtnisses sowie Kurzzeitgedächtnisses. Daraufhin bildet sich eine anterograde oder retrograde Amnesie und es folgen Desorientiertheit, Verwirrung, Gedächtnisverlust, ein Verlust der Merkfähigkeit und Konfabulationen (Gedächtnislücken werden durch Phantasiegeschichten gefüllt). Dadurch werden viele Betroffene zum Pflegefall. Die Therapie richtet sich nach der Ursache: Über einen konsequenten sowie anhaltenden Verzicht auf Alkohol und die Einnahme von Vitamin B1-Infusionen/Supplementen können die Symptome verbessert werden oder es kann zumindest einer Verschlechterung vorgebeugt werden. Unbehandelt verläuft das Korsakow-Syndrom tödlich. Im Endstadium ist eine Heilung oder Besserung jedoch nicht mehr möglich, weswegen für eine erfolgreiche Therapie eine frühzeitige Diagnose essenziell ist (Kastner et al., 2010, S.41; URL-Quelle Gesundheitsportal, 2021).

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Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Einblick und Besonderheiten der Demenz. Wie kann die Lebensqualität von Demenzerkrankten erhalten werden?
Hochschule
Hochschule Fresenius Frankfurt
Note
1,7
Autor
Jahr
2021
Seiten
19
Katalognummer
V1282159
ISBN (Buch)
9783346739254
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Demenz, Demenzerkrankung, Hausarbeit zu Demenz, Einblick und Besonderheiten von Demenzen, Wie kann die Lebensqualität von Demenzerkrankten erhalten werden?, Symptome und Erkenung von Demenz, Demenzformen, Alzheimer, Vaskuläre Demenzen, Frontotemporale Demenz, Lewy-Körperchen Demenz, primäre Demenz, sekundäre Demenz, Vergleich zwischen primärer und sekundärer Demenz, Korsakow, Korsakow-Syndrom, Ursachen und Risikofaktoren von Demenz, Demenzprophylaxe, Behandlungen von Demenz, Forschungsstand zu Demenz
Arbeit zitieren
Lars B. Appel (Autor:in), 2021, Einblick und Besonderheiten der Demenz. Wie kann die Lebensqualität von Demenzerkrankten erhalten werden?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1282159

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