Getreu ihrem Titel soll diese wissenschaftliche Arbeit die in "Cleopatra" dargestellte Herrschaftskonzeption und die des politischen Affekts untersuchen. In welcher Konstellation stehen die Figuren zueinander? Wie zeigen sich Affekte? Dies geschieht unter besonderer Berücksichtigung des Verhältnisses der Affekte zum Begriff der Staatsklugheit. Hierfür wird dieser zunächst definiert. Nach einem kurzen staatstheoretischen Exkurs möchte ich auch das Konzept der Staatsräson erläutern.
Anschließend an diese theoretische Einführung widmet sich der Hauptteil der Arbeit der Konzeption der Herrschaft und der Affektdarstellung im Drama. Jeder Protagonist wird, unter Bezugnahme der vorangegangenen theoretischen Überlegungen, individuell betrachtet, sein Affektverhalten und seine politische Klugheit erläutert. In der Anschließenden Schlussbetrachtung werden nicht nur die Ergebnisse zusammengefasst, viel mehr soll ein ganzheitliches Bild des politischen Affekts in Cleopatra skizziert werden. Als Primärliteratur dient mir die Zweitfassung des Werkes von 1680.
Nachdem man das Daniel Casper von Lohensteins Drama "Cleopatra" rezipiert hat, ist man sich der vollen Tragweite der Symbolik bewusst. Hier spricht der Fluss Tiber, stellvertretend für das Römische Reich, Ägypten, verkörpert durch den Nil, an. Ein Ausspruch, der eine tatsächliche Begebenheit der Geschichtsschreibung beschreibt und höchstpolitisch ist. Ebenso lässt sich auch "Cleopatra" beschreiben. Als eines von Lohensteins Afrikanischen Trauerspielen beschäftigt es sich mit moralischen und politischen Überzeugungen und setzt diese in einen Kontext mit frühmodernem Gedankengut.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Staatsklugheit
2.1. Exkurs: Machiavelli
2.2. Definition und Konzept der Staatsräson
3. Herrschaftskonzeption
3.1. Antonius und Cleopatra im handlungstheoretischen Labor
3.1.1. Antonius – Macht vs. Leidenschaft
3.1.2. Cleopatra – Versuch des Machterhalts
4. Affektpolitik und politischer Affekt in Cleopatra
4.1. Affektbefangenheit bei Antonius
4.2. Cleopatra – affektlos?
4.3. Staatsräson am Beispiel des Affektverhaltens des Augustus
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Herrschaftskonzeption und die Darstellung politischer Affekte in Daniel Casper von Lohensteins Drama „Cleopatra“ (1680). Dabei wird analysiert, inwieweit das Verhalten der drei Hauptfiguren – Antonius, Cleopatra und Augustus – im Spannungsfeld zwischen rationaler Staatsklugheit und affektivem Handeln steht und welche moralischen sowie politischen Konsequenzen sich daraus für die Figuren ergeben.
- Analyse der Begriffe „Staatsklugheit“ und „Staatsräson“ im Kontext des 17. Jahrhunderts.
- Untersuchung der handlungstheoretischen Konstellation von Antonius und Cleopatra.
- Darstellung der Affektsteuerung und der politischen Strategien der Akteure.
- Evaluation des Verhältnisses von Moral, Affekt und politischem Kalkül als Instrument der Herrschaftssicherung.
Auszug aus dem Buch
3.1. Antonius und Cleopatra im handlungstheoretischen Labor
Antonius und Cleopatra stehen als Mann und Frau und auch als Staatsoberhäupter Ägyptens vor den Trümmern ihrer Existenz und Herrschaft. Antonius will sich nicht geschlagen geben und kündigt an, gegen Augustus in Schlacht zu ziehen: „Es ist der letzte Sturm / den ich hab' auszustehn“ (I, V.454) In der darauffolgenden Szene trifft er auf Cleopatra. Es kommt zu einer Diskussion um Opfergaben und die Zukunft. Die Stichometie in den Versen 547-559 zeigt die Dynamik, die zwischen dem Paar besteht, auf: Auch wenn sie nicht einer Meinung sind, nehmen sie die sprachlichen Bilder des jeweils spontan auf. Antonius' „Furcht kehr't ein zitternd Laubn in einen Donnerschlag.“ (V.553), entgegnet Cleopatra: „Ach! Das bey solchem Sturm er ichtwas hoffen mag!“ (V. 554) Solch dynamische Übergänge finden sich im gesamten Abschnitt. Inhaltlich gehen Antonius und Cleopatra doch sehr auseinander. Während Cleopatra die politische Lage realistisch aussichtslos einschätzt, versucht Antonius sie zu beruhigen. Dies trifft aber auf weniger fruchtbaren Boden. Denn seine Frau deutet die Zeichen auf die bisherigen Opfergaben als negativ. Auf den Vorschlag ihres Gatten, den Göttern weiter Opfer darzubringen, geht sie gar nicht erst ein, denn sie findet, dass „(d)ie Opfer“ von den Goettern „verschmaeht“ werden. (V.549) Bereits hier zeigt sich, dass die Figuren unterschiedliche Denkweisen einschlagen. Im weiteren Handlungsverlauf wird das noch deutlicher.
Augustus unterbreitet Antonius den Vorschlag Cleopatra zu hintergehen, seine Ehe mit der Schwester des Augustus zu begehen und Ägypten somit aufzugeben. Die Dramatik entspringt dem Vorschlag des Augustus auch an Cleopatra, Antonius zu töten, um ihre Herrschaft an der Seite des Augustus zu sichern.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Werk „Cleopatra“ von Lohenstein und dessen Zeitkontext ein, wobei die Forschungsfrage nach dem Verhältnis von Herrschaftskonzeption und politischen Affekten formuliert wird.
2. Staatsklugheit: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Staatsklugheit und das Konzept der Staatsräson im frühmodernen politischen Denken und verknüpft diese mit dem moralischen Handeln der Akteure.
3. Herrschaftskonzeption: Hier wird die dramatische Konstellation der Hauptfiguren aufgearbeitet, wobei der Fokus insbesondere auf der handlungstheoretischen Analyse des Verhaltens von Antonius und Cleopatra liegt.
4. Affektpolitik und politischer Affekt in Cleopatra: Dieses Kapitel untersucht detailliert, wie Affekte bei den einzelnen Figuren – Antonius, Cleopatra und Augustus – zur Anwendung kommen oder unterdrückt werden, um politische Ziele zu erreichen.
5. Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung fasst die Ergebnisse zusammen und resümiert das politische Lehrstück über Macht und Geschichte, das Lohenstein mit seinem Werk im Kontext der Zeit entwirft.
Schlüsselwörter
Daniel Casper von Lohenstein, Cleopatra, Staatsklugheit, Staatsräson, Affekt, politischer Affekt, Macht, Herrschaft, handlungstheoretisch, Barock, Antonius, Augustus, Moral, Leidenschaft, 1680
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit untersucht, wie Daniel Casper von Lohenstein in seinem Drama „Cleopatra“ das Zusammenspiel von politischer Herrschaft und menschlichen Affekten darstellt.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Hauptthemen sind der Begriff der Staatsräson, die Bedeutung von Affekten im politischen Handeln sowie die dramatische Konstellation und Entscheidungsfindung der drei Hauptprotagonisten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Untersuchung?
Das Ziel ist es, das Spannungsfeld zwischen rationalem politischem Kalkül (Staatsklugheit) und dem affektiven Handeln der Figuren zu analysieren und zu klären, wie diese Gegensätze im Drama gewertet werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Die Arbeit nutzt eine handlungstheoretische Perspektive, um das Verhalten der Figuren in den dramatischen Situationen zu dekonstruieren und die Logik hinter ihren Entscheidungen offenzulegen.
Was wird im Hauptteil des Buches bzw. der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung der Staatsräson, die Analyse der Herrschaftskonstellation und die Untersuchung spezifischer Affektverhaltensweisen der Akteure Antonius, Cleopatra und Augustus.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Staatsräson, Macht, Affekt, Staatsklugheit, moralische Integrität und barocke Dramatik geprägt.
Warum spielt die Figur des Augustus eine entscheidende Rolle für die Staatsräson?
Augustus fungiert als rationaler Antagonist, der seine Affekte seinem politischen Handlungsziel unterordnet, und verkörpert damit das Ideal einer erfolgreichen, wenn auch skrupellosen Machtpolitik.
Inwieweit lässt sich das Handeln von Antonius als „Affektbefangenheit“ deuten?
Antonius handelt vorwiegend unter dem Einfluss seiner Liebe zu Cleopatra, was ihn unfähig macht, rein rational nach dem Prinzip der Staatsräson zu wählen, und ihn letztlich in eine ausweglose Situation führt.
- Arbeit zitieren
- Laura Wandt (Autor:in), 2021, Politischer Affekt und Herrschaftskonzeption in Daniel Casper von Lohensteins Drama "Cleopatra", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1282248