In der gängigen Schulpraxis zeigt sich, dass Schulentwicklung als Notwendigkeit und Alltagserfahrung sehr unterschiedlich wahrgenommen oder praktiziert wird. Immer wieder muss ich zur Kenntnis nehmen, dass Schulentwicklung per se streng genommen nicht existent ist. Es gibt zwar überall engagierte Kolleginnen und Kollegen, die für sich, meiner Meinung nach auch zu Recht, in Anspruch nehmen, Schulentwicklung zu betreiben, doch auch oder gerade auf der Führungsebene und das Gesamtsystem betrachtend tut sich diesbezüglich zu wenig. Allgemein, das heißt viele Schulen in Baden-Württemberg im Vergleich nehmend, prä-sentiert sich ein sehr differenziertes Bild.
Die Notwendigkeit von Schulentwicklung per se ist unbestritten. Es stellen sich also, um mit den Worten von Bennis zu sprechen für aktive Musikpädagogen, die auch das Gesamtsystem im Blick haben, drei alternative Vorgehensweisen bezüglich ihres Platzes an ihrer Schule. „Love it, change it or leave it“. In meinem Fall ist die erste Alternative in Bezug auf die Gesamtschule nach wie vor vorhanden. Es handelt sich um eine attraktive Schule mit gutem Ruf und mit einem Musikprofil mit sehr guter Ausstattung. Ich habe also bezüglich der weiteren Entwicklung der Schule konsequent betrachtet die Möglichkeiten, entweder einen Veränderungsprozess mit anzustoßen oder aber die Schule zu verlassen. Als Fachbereichsleiter Musik habe ich in den vergangenen vier Jahren die Entwicklung unserer Schule maßgeblich mitbeeinflusst. Zusammen mit dem früheren Schulleiter hatte ich es mit auf den Weg gebracht, unser Kollegium vom Nutzen eines Musikprofils zu überzeugen. Dieses wurde dann, getragen von einer großen Mehrheit, beschlossen. Das Musikprofil hat sich in den vergangenen Jahren bewährt, stößt auf Annerkennung sowohl innerhalb des Kollegiums, als auch von Seiten des Schulträgers, der Elternschaft und der Öffentlichkeit. Hierin sehe ich eine besondere Chance, behutsam, achtsam, aber nachhaltig und konsequent aus der Fachschaft Musik heraus, Schulentwicklung an unserer Schule zu betreiben und voranzubringen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
2 Herangehensweisen für Schulentwicklung
3 Der Bildungsplan 2004 für Realschule in Baden-Württemberg
3.1 Vorwort
3.2 Einführung in den Bildungsplan 2004
3.2.1 Der Auftrag der Schule
3.2.2 Ziele, die die Schülerinnen und Schüler erreichen sollen
3.2.3 Didaktische und methodische Prinzipien
3.2.4 Maßnahmen und Einrichtungen zur Sicherung des Auftrags, der Bildungsziele, der didaktischen und methodischen Prinzipien
3.3 Leitgedanken zum Kompetenzerwerb
4 Schlussfolgerungen/Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Potenzial des Bildungsplans 2004 für Realschulen in Baden-Württemberg als Grundlage für Schulentwicklung im Fach Musik. Ziel ist es aufzuzeigen, wie eine Fachschaft durch fachpraktische Ansätze wie Klassenmusizieren aktiv zur Schulentwicklung, zur Verbesserung des Schulklimas und zur Stärkung der Schulattraktivität beitragen kann.
- Rolle des Bildungsplans 2004 als Ausgangspunkt für Schulentwicklung
- Verbindung von musikalischer Praxis und Persönlichkeitsbildung
- Bedeutung von fachbereichsinterner Führung ("Bottom-up"-Ansatz)
- Stärkung des Schulklimas durch gemeinsames Musizieren
- Umsetzung pädagogischer Handlungsspielräume im Fach Musik
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Der Auftrag der Schule
Hentig spricht von „drei Bestimmungen der Bildung“.19 Sie ist erstens das, was der sich bildende Mensch aus sich zu machen versucht. Er versucht sich, in seinem ganzen Tun zu vervollkommnen und er bildet Vorstellungen aus.
Diese Bildung nennt Hentig die „persönliche Bildung“. Bildung ist zweitens das, was den Menschen befähigt, „in seiner geschichtlichen Welt, im état civil, zu überleben: Das Wissen und die Fertigkeiten, die Einstellungen und Verhaltensweisen, die ihm ermöglichen, sich in der von seinesgleichen ausgefüllten Welt zu orientieren und in der arbeitsteiligen Gesellschaft zu überleben. Das ist die praktische Bildung.“20
Bildung ist drittens das, „was der Gemeinschaft erlaubt, gesittet und friedlich, in Freiheit und mit einem Anspruch auf Glück zu bestehen: Sie richtet den Blick des Einzelnen auf das Gemeinwohl, auf die Existenz, Kenntnis und Einhaltung von Rechten und Pflichten, auf die Verteidigung der Freiheit und die Achtung für Ordnung und Anstand. Sie ist für die richtige Balance in der Gesellschaft zuständig. Sie hält zur Prüfung der Ziele, der Mittel und ihrer beider Verhältnisses an. Sie befähigt zur Entscheidung angesichts von Macht und begrenzten Ressourcen in begrenzter Zeit. Das ist die politische Bildung.“21
Musikunterricht kann, gerade unter dem Gesichtspunkt des fachpraktisch ausgerichteten Klassenmusizierens als Mikrokosmos für das Erlernen der oben aufgeführten drei Bestimmungen der Bildung angesehen werden. Für mich zeichnet sich hier ein Bild eines Drei-Stufen-Systems. Die übergeordnete Stufe ist das „reale Leben“, welches in der wirklichen Welt spielt und auf welches die Schule möglichst umfassend vorbereiten und üben soll. Die Schule stellt die zweite Systemstufe dar, die Übefeld für „die Welt da draußen“ sein soll. Das Problem ist aus meiner Sicht allerdings, dass das System Schule seinerseits schon sehr komplex und (zu) vielschichtig sein kann und somit dem Anspruch leider oft nicht gerecht werden kann. Eine Musizierklasse wiederum stellt die dritte Systemstufe dar, die in einem noch kleineren Umfeld abläuft. Sie umfasst eine überschaubare Anzahl an Schülerinnen und Schülern und der einzelne Lehrer kann genauer auf jeden einzelnen Mitwirkenden schauen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Die Einleitung beleuchtet die Notwendigkeit von Schulentwicklung und schildert den persönlichen Ansatz des Autors, ausgehend von der Fachschaft Musik aktiv auf den Schulentwicklungsprozess einzuwirken.
2 Herangehensweisen für Schulentwicklung: Dieses Kapitel erörtert theoretische Ansätze, wie ein System erfolgreich von innen heraus – beispielsweise durch die Fachschaft Musik – erneuert werden kann.
3 Der Bildungsplan 2004 für Realschule in Baden-Württemberg: Der Autor analysiert die Vorgaben des Bildungsplans 2004, insbesondere den Bildungsauftrag, die Rolle der Lehrkräfte sowie die Bedeutung von Kompetenzorientierung und didaktischen Prinzipien für das Fach Musik.
3.1 Vorwort: Dieses Unterkapitel thematisiert die pädagogische Selbstständigkeit in der Lernkultur und die Rolle der Musikerziehung für die soziale Kompetenz laut dem Bildungsplan-Vorwort.
3.2 Einführung in den Bildungsplan 2004: Es wird der Rahmen des Bildungsplans erläutert, insbesondere die Forderung nach einer ganzheitlichen Bildung und die Bedeutung von Lernumständen.
3.2.1 Der Auftrag der Schule: Der Bildungsauftrag wird anhand der drei Hentig-Kategorien (persönliche, praktische und politische Bildung) auf den Musikunterricht bezogen.
3.2.2 Ziele, die die Schülerinnen und Schüler erreichen sollen: Fokus auf die Einteilung in Einstellungen, Fähigkeiten und Kenntnisse sowie die Bedeutung der Kompetenzorientierung im Unterricht.
3.2.3 Didaktische und methodische Prinzipien: Erörterung handlungsorientierter Lernkonzepte und der Bedeutung von Musikpraxis für Selbstständigkeit und Motivation.
3.2.4 Maßnahmen und Einrichtungen zur Sicherung des Auftrags, der Bildungsziele, der didaktischen und methodischen Prinzipien: Erläuterung der Struktur von Kern- und Schulcurricula und deren Nutzen für eine aktive Gestaltung durch die Schule.
3.3 Leitgedanken zum Kompetenzerwerb: Darstellung des Stellenwerts der Musik und der Möglichkeiten zur Öffnung von Schule durch musikalische Arbeit.
4 Schlussfolgerungen/Ausblick: Der Autor resümiert die positiven Erfahrungen der letzten Jahre und betont die Notwendigkeit, das Potenzial der Musikpädagogik stärker in der Schulleitung und Schulpolitik zu verankern.
Schlüsselwörter
Schulentwicklung, Bildungsplan 2004, Realschule, Musikunterricht, Klassenmusizieren, Musikpädagogik, Kompetenzerwerb, Schulklima, Schulleitung, Handlungsorientierung, Bildungsauftrag, Schulmanagement, Pädagogische Organisationsentwicklung, Musikerziehung, Lernkultur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Frage, inwiefern der aktuelle Bildungsplan für Realschulen in Baden-Württemberg Möglichkeiten bietet, Schulentwicklung aktiv aus dem Fachbereich Musik heraus zu initiieren und voranzutreiben.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die Verknüpfung von Musikpraxis mit Schulentwicklungsprozessen, die theoretische Fundierung des Bildungsplans 2004 sowie die praktische Umsetzung von musikalischen Profilen zur Stärkung des Schulklimas.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, das Potenzial des Faches Musik für die Schulentwicklung aufzuzeigen und Strategien zu entwickeln, wie die Fachschaft diese Möglichkeiten innerhalb der gegebenen bildungspolitischen Rahmenbedingungen nutzen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine Analyse des Bildungsplans 2004 sowie auf einschlägige Fachliteratur (z. B. Bastian, Hentig, Arnold) und verknüpft diese theoretischen Grundlagen mit seinen eigenen langjährigen Erfahrungen als Fachbereichsleiter Musik.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden der Bildungsplan 2004, der Auftrag der Schule, didaktische Prinzipien wie "Handlungsorientierung" und die Rolle der Musik als "Mikrokosmos" für die Persönlichkeitsentwicklung der Schüler ausführlich analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter sind unter anderem Schulentwicklung, Bildungsplan 2004, Musikunterricht, Klassenmusizieren, Kompetenzerwerb und Schulklima.
Wie bewertet der Autor die Rolle des Musikunterrichts für das soziale Miteinander?
Der Autor sieht im Klassenmusizieren eine ideale Möglichkeit, Unterschiede nach Herkunft und Einstellung zu überwinden. Durch das gemeinsame Musizieren erfahren Schüler ein Zusammengehörigkeitsgefühl, das Integration und Toleranz fördert.
Welche Bedeutung misst der Autor der Schulleitung bei?
Obwohl der Autor betont, dass Schulentwicklung auch von der Fachschaft ausgehen kann, hebt er hervor, dass eine visionäre und unterstützende Schulleitung für den nachhaltigen Erfolg von Schulentwicklungsprozessen unerlässlich bleibt.
- Quote paper
- Dietmar Leichtle (Author), 2009, Musik und Schulentwicklung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/128239