Musik und Schulentwicklung

Welches Potential bietet der aktuelle Bildungsplan für Realschulen in Baden-Württemberg im Fach Musik für Schulentwicklung und welche Möglichkeiten bieten sich für den Fachbereich, diese umzusetzen?


Wissenschaftlicher Aufsatz, 2009

20 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einführung

2 Herangehensweisen für Schulentwicklung

3 Der Bildungsplan 2004 für Realschule in Baden-Württemberg
3.1 Vorwort
3.2 Einführung in den Bildungsplan 2004
3.2.1 Der Auftrag der Schule
3.2.2 Ziele, die die Schülerinnen und Schüler erreichen sollen
3.2.3 Didaktische und methodische Prinzipien
3.2.4 Maßnahmen und Einrichtungen zur Sicherung des Auftrags, der Bildungsziele, der didaktischen und methodischen Prinzipien
3.3 Leitgedanken zum Kompetenzerwerb

4 Schlussfolgerungen/Ausblick

5 Literaturverzeichnis

1 Einführung

In der gängigen Schulpraxis zeigt sich, dass Schulentwicklung als Notwendigkeit und Alltagserfahrung sehr unterschiedlich wahrgenommen oder praktiziert wird. Immer wieder muss ich zur Kenntnis nehmen, dass Schulentwicklung per se streng genommen nicht existent ist. Es gibt zwar überall engagierte Kolleginnen und Kollegen, die für sich, meiner Meinung nach auch zu Recht, in Anspruch nehmen, Schulentwicklung zu betreiben, doch auch oder gerade auf der Führungsebene und das Gesamtsystem betrachtend tut sich diesbezüglich zu wenig. Allgemein, das heißt viele Schulen in Baden-Württemberg im Vergleich nehmend, prä-sentiert sich ein sehr differenziertes Bild.

Die Notwendigkeit von Schulentwicklung per se ist unbestritten. Es stellen sich also, um mit den Worten von Bennis zu sprechen für aktive Musikpädagogen, die auch das Gesamtsystem im Blick haben, drei alternative Vorgehensweisen bezüglich ihres Platzes an ihrer Schule. „Love it, change it or leave it“. In meinem Fall ist die erste Alternative in Bezug auf die Gesamtschule nach wie vor vorhanden. Es handelt sich um eine attraktive Schule mit gutem Ruf und mit einem Musikprofil mit sehr guter Ausstattung. Ich habe also bezüglich der weiteren Entwicklung der Schule konsequent betrachtet die Möglichkeiten, entweder einen Veränderungsprozess mit anzustoßen oder aber die Schule zu verlassen.

Als Fachbereichsleiter Musik habe ich in den vergangenen vier Jahren die Entwicklung unserer Schule maßgeblich mitbeeinflusst. Zusammen mit dem früheren Schulleiter hatte ich es mit auf den Weg gebracht, unser Kollegium vom Nutzen eines Musikprofils zu überzeugen. Dieses wurde dann, getragen von einer großen Mehrheit, beschlossen. Das Musikprofil hat sich in den vergangenen Jahren bewährt, stößt auf Annerkennung sowohl innerhalb des Kollegiums, als auch von Seiten des Schulträgers, der Elternschaft und der Öffentlichkeit. Hierin sehe ich eine besondere Chance, behutsam, achtsam, aber nachhaltig und konsequent aus der Fachschaft Musik heraus, Schulentwicklung an unserer Schule zu betreiben und voranzubringen.

2 Herangehensweisen für Schulentwicklung

In dem Vorhaben, Schulentwicklung aus der Fachschaft Musik heraus angehen zu wollen, sehe ich mich durch die Literatur unter anderem darin bestätigt, dass es ein gangbarer Weg sein kann, ein System von Innen heraus, in meinem Fall aus der Fachschaft Musik heraus, zu erneuern.

Dies nehme ich als Möglichkeit, einen Weg der Schulentwicklung zu beginnen, ohne zunächst die Schulleitung als Treiber an der Spitze vorzusehen; wohl wissend um die eigentliche Wichtigkeit der Schulleitung. Diese wird in der Literatur immer wieder betont, so auch von Rolf Dubs. Er beschreibt die Bedeutung eines aktiv auf die Schulentwicklung gerichteten Schulleitungshandelns, das sich „in einer visionären Orientierung, einer kooperativ-situativen Führung, die klare Wertvorstellungen vorlebt, und der Unterstützung, aber auch der Verdeutlichung einer Erwartungshaltung an alle Lehrkräfte auszeichnet.“[1]

Im Zuge der großen Bedeutung von Führungskräften sehe ich es als eine Möglichkeit an, dass Führung auf unterschiedlichen Ebenen mit unter-schiedlicher Ausrichtung wahrgenommen wird. Durch eine Stärkung der einzelnen Fachbereiche in Theorie und Praxis ist es durchaus möglich, dass ich als Fachbereichsleitung ebenfalls als Führungskraft in Erscheinung trete, nicht in Konkurrenz zur Schulleitung, sondern beispielsweise als Treiber für Schulentwicklung, ausgehend von meinem Fachbereich. An dieser Stelle möchte ich auf Arnold verweisen. Er verweist auf Maßnahmen, die eine Führungskraft ergreifen sollte. Eine dieser Maßnahmen lautet: Lernteams bilden, die sich selbst organisieren und andere multiple Kulturen fördern.[2]

Ich möchte diesen Hinweis in „leicht abgeänderter Variation“ aufgreifen und an meinen Bedingungen exemplarisch darstellen. Das mir zur Verfügung stehende Lernteam ist zwar nicht von der Schulleitung offiziell mit Schulentwicklung beauftragt, die Arbeits- und Wirkungsweise im Fach Musik bietet sich aber an, um nicht als störend oder konkurrenzbildend wahrgenommen zu werden. Meinen Ansatz sehe ich weiterhin durch Guy Kempfert und Hans-Günther Rolff untermauert. Das Konzept der Schulentwicklung als pädagogische Organisationsentwicklung ist inzwischen außerordentlich ausdifferenziert und vielfach erprobt worden. Charakteristisch für OE-Konzepte ist, dass sie sich auf das Ganze der Schule beziehen und nicht nur auf Teilaspekte. Gleichzeitig wird aber betont, dass nur eine schrittweise Entwicklung möglich ist, die an Subeinheiten der Schule, wie Fachkonferenzen, anknüpfen kann, aber auch am Kooperationsklima, an der Schulleitung, am Schulprogramm oder einer Abteilung.[3]

Arnold zitiert in seinem Studienbrief Gerhard Eickenbusch, der sich zu der Frage „Wer ist verantwortlich dafür, dass Schulentwicklung in Gang kommt?“ wie folgt äußert: „Gern wird auf diese Frage geantwortet, die Schule sei der Motor der Schulentwicklung, sie müsse diese in Gang setz-en, steuern, antreiben, am laufen halten. Oft ist dies sicherlich erstrebenswert und richtig, und zwar immer dann, wenn Schulen ihre Verantwortung ernsthaft und gründlich wahrnehmen können. Je mehr die Schule den Prozess ihrer Schulentwicklung selbst gestaltet, umso mehr wird sie ihn als ihre Sache und ihre Aufgabe ansehen, umso mehr Spaß wird er bereiten. Allerdings gibt es auch Schulen und Lehrer, die die Verantwortung für ihre Arbeit nicht so wahrnehmen, dass man ihnen die Entscheidung und Gestaltung von Schulentwicklung einfach übergeben kann. Würde man in diesen Fällen sagen, „die Schule ist der Motor der Entwicklung“, würde man Kinder um Zukunftschancen bringen. Die Verantwortung dafür, dass Schulentwicklung initiiert wird und wie sie durchgeführt wird, liegt hier bei den Eltern, bei der Schulaufsicht und bei der Bildungspolitik. Jeder, der Verantwortung für die Erziehung und die Bildung von Kindern und Jugendlichen trägt, ist Motor von Schulentwicklung. Das darf aber nicht dazu führen, dass Schulentwicklung außerhalb der Schule geschieht. Der Ort, an dem Schulentwicklung erfolgt, kann nur die Schule sein.“[4] Für mich heißt diese Aussage auch, dass ich mich in die Pflicht nehmen sollte, als jemand, der Verantwortung für die Erziehung und die Bildung von Kindern und Jugendlichen trägt und der nicht außerhalb sondern mitten im System Schule steht.

Zum Kerngegenstand der Schulentwicklung sagt Heinz Klippert folgendes: „Wenn wir von vornherein die Schule als Ganzes entwickeln wollen und ganz offen alle Probleme diagnostizieren, die in der Schule da sind, dann laufen wir Gefahr, dass wir das Gros der Lehrer in den Kollegien überfordern. Um dieser drohenden Überforderung entgegenzuwirken, muss der Innovationsanspruch reduziert werden und (man muss) dort ansetzen, wo die Lehrkräfte der Schuh drückt. Und der Unterricht hat auch in der subjektiven Wahrnehmung der Lehrer einen ganz zentralen Stellenwert und ist hochgradig problembeladen. Deshalb beginne ich dort, die Lehrkräfte in Bewegung kommen zu lassen, ihnen Mut zur Veränderung zu machen und sie im Sinne der Teambildung zusammenzuführen, damit sie später auch andere Bereiche der Schule verändern. In der Beschränkung der Innovationsaufgabe liegt die Chance, dass wir vorwärts kommen. Reduktion von Komplexität ist geboten.“[5]

Als verbindliche Grundlage für den Unterricht gilt der Bildungsplan, welchen ich im Folgenden genauer betrachten möchte.

Er dient als Argumentationshilfe für Veränderungen im Unterrichtsablauf, als auch für eine mögliche Initiierung von Schulentwicklungsprozessen, die ebenfalls auf dem Fundament des Bildungsplans angegangen werden sollten beziehungsweise müssen. Ich möchte bei der Betrachtung des Bildungsplans 2004 für Realschulen in Baden-Württemberg meinen Fokus im Besonderen auf die Einleitung von Hartmut von Hentig und auf die Kompetenzen für das Fach Musik legen.

3 Der Bildungsplan 2004 für Realschule in Baden-Württemberg

3.1 Vorwort

Frau Dr. Annette Schavan, die als Ministerin für Kultus, Jugend und Sport des Landes Baden-Württemberg den Bildungsplan maßgeblich mitkonzipiert hat, erwähnt bereits im Vorwort zu diesem, dass neben anderem „die Unterscheidung von Kerncurriculum und Schulcurriculum die pädagogische Selbständigkeit in der Gestaltung der Lernkultur stärkt.“[6] Hierzu kann das Fach Musik einen wesentlichen Beitrag leisten. Hans-Günther Bastian beschreibt in seiner Langzeitstudie, wie soziale Kompetenz durch Musikerziehung entsteht.[7] Diese soziale Kompetenz wirkt sich zwangs-läufig auf das Unterrichts- und darüber hinaus auf das Schulklima aus. Frau Schavan spricht im weiteren Verlauf davon, dass „der Bildungsplan davon lebt, dass Schülerinnen und Schüler in unseren Schulen ernst genommen werden – in ihrer Neugierde, ihren Talenten und auf ihrer Suche nach Identität und Orientierung. Bildung und Erziehung stehen daher in einem untrennbaren Zusammenhang.“[8] Und: „An die Stelle vieler detaillierter Vorgaben treten größere pädagogische Handlungsspielräume für Lehrerinnen und Lehrer.“[9] Dies wird bei der genaueren Betrachtung des Bildungsplanes für das Fach Musik eine wesentliche Rolle spielen.

3.2 Einführung in den Bildungsplan 2004

Den Rahmen für den Bildungsplan 2004 bildet die Einführung von Pro-fessor Dr. Hartmut von Hentig, der im Auftrag des Bildungsrates Baden-Württemberg die Einleitung geschrieben hat, welche im Übrigen für alle Bildungspläne des Landes, also auch für alle Schularten, Gültigkeit besitzt.

[...]


[1] Vgl. Dubs Rolf: Leadership von Schulleitungspersonal zwischen Ideal und Realität. In: Arnold Rolf u. a.: Schulleitung und Schulentwicklung. Voraussetzungen, Bedingungen, Erfahrungen. Baltmannsweiler 2004, S. 13-24.

[2] Vgl. Arnold, Rolf: Leadership und Lernkulturwandel, Studienbrief im Rahmen des Fernstudiengangs Schulmanagement, 2. Auflage, unveröffentlichtes Manuskript, Kaiserslautern 2005, S. 29 ff.

[3] Vgl. Kempfert Guy/Rolff Hans-Günther: Pädagogische Qualitätsentwicklung. Ein Arbeitsbuch für Schule und Unterricht. Weinheim 1999. S.19 f.

[4] Vgl. Arnold, Rolf: Leadership und Lernkulturwandel, Studienbrief im Rahmen des Fernstudiengangs Schulmanagement, 2. Auflage, unveröffentlichtes Manuskript, Kaiserslautern 2005, S. 5

[5] Vgl. ebd, S. 11 f.

[6] Vgl. Ministerium für Kultus, Jugend und Sport (Hg.): Bildungsplan 2004, Vorwort S. 5

[7] Vgl. Bastian Hans Günther: Kinder optimal fördern – mit Musik. Intelligenz, Sozialverhalten und gute Schulleistungen mit Musikerziehung, Schott, Mainz 2001

[8] Vgl. Ministerium für Kultus, Jugend und Sport (Hg.): Bildungsplan 2004, Vorwort S. 5

[9] Vgl. ebd., Vorwort S. 6

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Musik und Schulentwicklung
Untertitel
Welches Potential bietet der aktuelle Bildungsplan für Realschulen in Baden-Württemberg im Fach Musik für Schulentwicklung und welche Möglichkeiten bieten sich für den Fachbereich, diese umzusetzen?
Hochschule
Ekonomická univerzita v Bratislave  (GMR Münsingen)
Veranstaltung
Veröffentlichung im Rahmen meiner Promotion
Autor
Jahr
2009
Seiten
20
Katalognummer
V128239
ISBN (eBook)
9783640364510
ISBN (Buch)
9783640364565
Dateigröße
433 KB
Sprache
Deutsch
Arbeit zitieren
Dietmar Leichtle (Autor), 2009, Musik und Schulentwicklung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/128239

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