Die Sprache in Feridun Zaimoglus 'German Amok'


Seminararbeit, 2006

12 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Die Sprache in Feridun Zaimoglus German Amok
1. Komposita
1.1 Namen
1.2 Adjektive
1.3 Substantive
1.4 Sonderfälle
2. Idiomatische Wendungen
3. Kollokationen und Redewendungen
4. Gesprochene Sprache
4.1 Kosenamen
4.2 Interjektionen
4.3 Personenbezeichnungen
4.4 Weitere Ausdrücke
5. Vulgäre Sprache
5.1 Komposita mit Drecks-
5.2 Personenbezeichnungen
5.3 Weitere Ausdrücke
6. Gehobene Sprache
7. Fremdwörter

III. Schlussgedanke

IV. Quellenangaben

I. Einleitung

In seinem Vortrag Eingrenzung, Ausgrenzung, Grenzüberschreitung – Grundprobleme deutscher Literatur von Minderheiten kritisierte Norbert Mecklenburg den im Jahre 2002 erschienenen Roman German Amok des “Bürgerschreck[s] und postmigrative[n] Milieu-Autor[s]” Feridun Zaimoglu als “im Niveau noch weiter [als die Erträglichkeitsgrenze] herabgesunken”[1]. Einen nicht unwesentlichen Teil zu dieser Beurteilung dürfte die Sprache, die Zaimoglu in diesem Roman verwendet, beigetragen haben. In der nun folgenden Arbeit soll diese nun näher betrachtet werden, wobei diese Untersuchung nach unterschiedlichen Kriterien durchgeführt werden soll.

Zu Beginn soll die Sprache anhand morphologischer Kriterien untersucht werden. Um die Untersuchung in einem begrenzten Rahmen zu halten, werden dabei nur ausgewählte Beispiele für Komposita, idiomatische Wendungen, Kollokationen und Redewendungen innerhalb des Romans behandelt. Als nächster Schritt soll die Sprache stilistisch untersucht werden, d.h. Belege für gesprochene, vulgäre und gehobene Sprache analysiert werden. Da es sich bei Feridun Zaimoglu bekanntlich um einen interkulturellen Literaten handelt, soll abschließend noch ein Blick auf den Fremdwortanteil geworfen werden.

II. Die Sprache in Feridun Zaimoglus German Amok

1. Komposita

1.1 Namen

Betrachtet man die in German Amok verwendeten Namen genauer, fällt auf, dass anstatt üblicher, d.h. allgemein gebräuchlicher, Vornamen wie z.B. Clarissa oder Birgit(ta) zumeist speziellere, eher in die gesprochene Sprache passende und häufig auch nur auf die Sprache des Ich-Erzählers beschränkte Künstler- bzw. Kosenamen wie etwa Mongo-Maniac (31)[2] und Kunstfotze (11) verwendet werden. Diese Art von Namensgebung hat eine ambivalente Wirkung auf den Leser: Einerseits wirkt das Verwenden von Kosenamen zwar erfrischend ungezwungen und nah am Puls der Zeit, aufgrund der Vulgarität und Derbheit bestimmter Namenselemente (Mongo- oder -fotze etwa) wirkt das Ganze aber auch ziemlich übertrieben und irgendwie fast befremdlich. Erstaunlich ist aber, dass der Ich-Erzähler des Romans diese künstlich anmutenden, abschätzigen Namen fallen lässt, sobald ihm die betreffende Person wirklich etwas bedeutet. So spricht er etwa von seiner geistig-labilen und verrückt erscheinenden Nachbarin zunächst nur von Mongo-Maniac. Doch als er Gefühle für sie entwickelt und sich schließlich in sie verliebt, nennt er sie fortan zumeist bei ihrem tatsächlichen, bürgerlichen Namen Clarissa. Durch die Einführung dieses “negative[n] ‚Romeo und Julia’-Motiv[s]” beabsichtigte Zaimoglu nach Selbstaussage die Präsentation einer “besondere[n] Form von Dekadenz [...][, die] zu unserer Kultur [gehöre]”[3].

1.2 Adjektive

Bei den zusammengesetzten Adjektiven handelt es sich zu einem großen Teil um sprachliche Neuschöpfungen, deren Grad der Verständlichkeit stark variiert. Während Begriffe wie duzfreundlich (15), schöngebügelt (32) und leidensgeil (62) noch halbwegs transparent sind und es sich noch erahnen lässt, was gemeint ist, so ist ein Begriff wie mutterwitzig (13) hingegen gänzlich undurchsichtig. Da auch der Kontext, in dem dieser Begriff verwendet wird, keinen wirklichen Anhaltspunkt zu dessen Bedeutung bereithält, kann der Leser diesbezüglich nur Vermutungen anstellen; letzlich kann aber nur der Ich-Erzähler selbst wissen, was mit mutterwitzig wirklich gemeint ist.

1.3 Substantive

Ähnlich verhält es sich mit den meisten der verwendeten Nominalkomposita. Während simple Zusammenrückungen wie Straßenköterblondhaar (16) oder Weibeswollust (66) zwar unkonventionell erscheinen, aber dennoch problemlos verständlich sind, verhält es sich mit Neubildungen wie Hungereule (21), Schlafgrotte (34, 36), Bruthöhle (35), Gossennuttentarife (119) oder Lumpenkontinent (136) schon anders. Während zwar die jeweiligen Bestandteile der einzelnen Komposita durchaus verständlich sind, so ist die Bedeutung des neu geformten Kompositums selbst dann doch nicht mehr ganz so transparent. Die vermutlich metaphorisch eingefärbte Schlafgrotte (16) etwa lässt sich zwar durchaus paraphrasieren mit ‚ Grotte zum Schlafen ’, doch trifft das die beabsichtigte Bedeutung wohl bestenfalls nur teilweise. Noch schwieriger zu entschlüsseln ist die Bedeutung von Hungereule, wo der Leser diesbezüglich nur Vermutungen anstellen kann.

1.4 Sonderfälle

Bei den bislang untersuchten Komposita handelte es sich zumeist um Einzelfälle mit jeweils unterschiedlichen Kompositionsteilen. Manche Kompositionsteile verhalten sich aber auch reihenbildend, weshalb sie teilweise auch als Affixoide aufgefasst werden können. Somit wären die entstandenen Bildungen streng genommen aber keine Komposita mehr, sondern vielmehr Derivationen. Als Belege für diese Affixoide lassen sich die Bildungen mit Prolet(en)- anführen. Während Begriffe wie lumpenproletarische Familien (72) und Massenproleten (113) durchaus als vollwertige Komposita aufgefasst werden können, so erscheinen Bildungen wie Proletenarchaik (25), Proletenweiber (69) und Proletendisco (70) hingegen eher wie Derivationen, wobei Proleten- nun als Nominalsuffix fungiert.

Ein anderer interessanter Fall liegt bei den Bildungen mit -tolerant vor, bei denen es sich tatsächlich meist um Derivationen des Adjektivs tolerant handelt. Diese Bildungen mit -tolerant, zu denen die Adjektive scheißtolerant (50), scheintolerant (121), multitolerant (140) und das Substantiv zero tolerance (52) zählen, wären eigentlich überflüssig, denn laut der Standardsprache ist man entweder tolerant oder eben nicht, d.h. intolerant. Dass Zaimoglu aber dennoch diese unterschiedlichen Derivative bildet und verwendet, macht deutlich, dass es innerhalb des menschlichen Verhaltens unterschiedliche Grade von Toleranz gibt, denen das standardsprachliche Adjektiv tolerant allein nicht gerecht zu werden vermag. Deshalb verleiht er dem Adjektiv tolerant mithilfe der Präfixe scheiß-, schein- und multi- unterschiedliche Bedeutungsnuancen, um diese unterschiedlichen Grade damit sichtbar zu machen.

[...]


[1] Mecklenburg, Norbert: Eingrenzung, Ausgrenzung, Grenzüberschreitung – Grundprobleme deutscher Literatur von Minderheiten. In: Durzak, Manfred und Kuruyazici, Nilüfer (Hrsg.): Die andere Deutsche Literatur – Istanbuler Vorträge. Würzburg: Königshausen und Neumann, 2004, S. 23 – 30, hier: S. 27.

[2] Diese und alle weiteren Seitenangaben in Klammern im laufenden Text verweisen auf folgende Textausgabe: Zaimoglu, Feridun: German Amok. Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2002.

[3] Neumann, Olaf: Niemand wird geschont. (http://www.nadir.org/nadir/periodika/jungle_world/_2002/42/35a.html; zuletzt besucht am 08.06.2006)

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Die Sprache in Feridun Zaimoglus 'German Amok'
Hochschule
Universität Regensburg  (Germanistik)
Veranstaltung
Interkulturelle Literatur: Deutsch-Türkische Literatur in Deutschland
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
12
Katalognummer
V128255
ISBN (eBook)
9783640343553
ISBN (Buch)
9783640343973
Dateigröße
414 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sprache, Feridun, Zaimoglus, German, Amok
Arbeit zitieren
Tobias Zeitler (Autor), 2006, Die Sprache in Feridun Zaimoglus 'German Amok', München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/128255

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