Die Möglichkeit des Wechsels der eigenen Blickrichtung anhand der Perikope "Die Heilung des blinden Bartimäus" (Mk 10,46-52)

Unterrichtsentwurf für eine 1. Klasse im Fach "Katholische Religionslehre"


Unterrichtsentwurf, 2008
18 Seiten

Leseprobe

Inhalt

Intention der Unterrichtsreihe

Aufbau der Reihe

Thema der Unterrichtsstunde

Schwerpunktziel der Unterrichtsstunde

Lernziele der Unterrichtsstunde

Fachwissenschaftliche Analyse des Unterrichtsgegenstandes (Sachanalyse)

Didaktische Schwerpunktsetzung

Literatur

Geplanter Unterrichtsverlauf

Intention der Unterrichtsreihe

Die Schüler sollen sich handelnd und selbsterfahrend mit dem Thema blind sein auseinandersetzen und ihre Erfahrungen auf die Bartimäus-Perikope übertragen können.

Aufbau der Reihe

1. Unterrichtsstunde

„Stationslauf zum Thema nicht-sehen-können“

Handlungsorientierte Erfahrbarmachung von Blindheit als ein „Sehen“ mit anderen Sinnen.

2. Unterrichtsstunde

„Der blinde Bartimäus“ (Mk 10,46)

Erschließung des Beginns einer Hoffnungsgeschichte aus der Erlebniswelt des Blinden und erstes Annähern an die Problematik nicht sehen zu können. Kennen lernen eines blinden Menschen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3. Unterrichtsstunde

„Mit den inneren Augen sehen“

Im Bezug auf die Person Bartimäus durch eine Fantasiereise die Möglichkeit des „Inneren Sehens“ bewusst werden lassen.

4. Unterrichtsstunde

„Bartimäus will sehen können“(Mk 10,47-48)

Das Selbst-Aktiv-Werden eines Blinden, der das Geheimnis sieht, unter besonderer Berücksichtigung der eigenen Möglichkeit in belastenden Situationen etwas zu verändern.

5. Unterrichtsstunde

„Jesus sieht bewusst und heilt Bartimäus“ (Mk 10,49-52)

Erarbeitung der Heilung des Blinden durch Jesus im Hinblick auf ein anderes und neues Sehen.

6. Unterrichtsstunde

„Haben die anderen Menschen Bartimäus nicht gesehen?“

Bewusstmachung der eigenen Blindheit in alltäglichen Situationen, obwohl die Augen gesund sind.

Thema der Unterrichtsstunde

3. Unterrichtsstunde

„Mit den inneren Augen sehen“

Im Bezug auf die Person Bartimäus durch eine Fantasiereise die Möglichkeit des „Inneren Sehens“ bewusst werden lassen.

Schwerpunktziel der Unterrichtsstunde

Die Schüler[1] sollen durch die Wiederholung des Beginns der Erzählung an die vorangegangene Stunde anknüpfen und den blinden Bartimäus ins Zentrum ihrer Betrachtung rücken. Sie sollen die Möglichkeit des Sehens mit dem inneren Auge selbst erleben und diese Erfahrung auf den blinden Bartimäus übertragen und ihn so als eine Person erfahren, die zwar blind ist, aber auf andere Art sehen kann.

Lernziele der Unterrichtsstunde

- Die Schüler sollen sich auf die Fantasiereise einlassen und das während der Reise Erlebte anschließend wiedergeben, indem sie von zentralen und markanten Erlebnissen berichten.

(kognitive und affektive Dimension)

- Die Schüler sollen sich aktiv mit ihren Erlebnissen der Fantasiereise auseinandersetzen und versuchen, diese in Form eines Bildes festzuhalten, um sie anschließend ihren Mitschülern zu präsentieren.

(kognitive, affektive, instrumentelle und soziale Dimension)

- Den Schülern soll bewusst werden, dass Bartimäus zwar blind war, aber mit Hilfe anderer Sinnesorgane und die dadurch entstehenden inneren Bilder „sehen“ kann.

(kognitive und affektive Dimension)

Fachwissenschaftliche Analyse des Unterrichtsgegenstandes (Sachanalyse)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Körperliche wie geistliche Blindheit lassen sich in der Bibel oft nicht voneinander trennen. Visionen messianischer Heilszeit sind mit einer Aufhebung der körperlichen wie der geistlichen Blindheit verbunden, weshalb die Blindenheilungen als Zeichen der angebrochenen Heilszeit verstanden werden. Das Verb „sehen“ wird in der Bibel oftmals dem Verb „glauben“ gleichgesetzt, sodass das Sehen auch eine innere Wahrnehmung (nicht mit den Augen sichtbare Wirklichkeit) bezeichnet.[2] Sehen der Person Jesu wird somit übertragen auf die Wahrnehmung des Glaubens.[3]

Mit Theißen ist daran festzuhalten, dass Wundergeschichten symbolische Handlungen sind, in denen durch Berufung auf eine „Offenbarung des Heiligen die konkrete Negativität menschlichen Daseins überwunden wird. Sie überschreiten in ihrem Vollzug die Grenze des menschlich Möglichen.“[4]

Die Perikope ist eine von vielen Heilungsgeschichten im Neuen Testament, die sich in der unterrichtlichen Praxis besonders gut eignen, um Kinder zu bekräftigen und zu ermutigen, an sich selbst und ihre Stärken zu glauben. Nur mit einem ausgeprägten Selbstvertrauen ist es ihnen möglich, die Herausforderungen, die das Leben an sie stellt, zu meistern.

(von griech. κóπτειν, koptein,»schneiden«) bedeutet Abschnitt und ist ein Begriff der Liturgie: Perikopen sind die biblischen Textabschnitte, die im Gottesdienst vorgelesen und in Perikopenbüchern (Evangelistar, Epistolar, Lektionar) gesammelt wurden.

„Jesus heilt einen Blinden“ ist im Evangelium nach Markus (Mk 10, 46-52), Im Evangelium nach Matthäus (Mt 20, 29.34) und im Evangelium nach Lukas (Lk 18, 35-43) zu finden.

Vers 46: Die Erzählung spielt in Jericho, etwa 30km nordöstlich von Jerusalem gelegen, im Jordantal. Es ist eine der ältesten Städte der Welt, oft zerstört und immer wieder aufgebaut worden.[5] Zur Zeit Jesu war Jericho ein Weltbad, eine Palmenstadt mit großen Kuranlagen. An einer der Straßen dieser vornehmen Stadt sitzt der blinde Bartimäus. Jesus, der in die Stadt kommt, wird von einer großen Menge begleitet.

Verse 47-48: Bartimäus scheint schon viel von dem Wirken Jesu gehört zu haben. Als er merkt, dass Jesus in seiner Nähe ist, schreit er um Hilfe, nicht um ein Geldstück, sondern um das Wunder der Heilung. Er spricht Jesus mit „Sohn Davids“ an, als den seit langem erwarteten Messias, mit dem die Zeit des Heils anbrechen wird.[6] Obwohl die anderen Menschen den Blinden mit seinem Schreien als lästig empfinden, ihn bedrohen und zum Schweigen bringen wollen, hört er nicht auf, nach Jesus zu rufen.

Verse 49-50:

Jesus bleibt stehen und fordert die Leute auf, den Rufenden zu ihm zu bringen.

Verse 51-52:

Die Frage an den Blinden „Was soll ich dir tun?“[7] erscheint zunächst überflüssig. Es ist aber die Frage nach dem Glauben, nach dem Vertrauen des Kranken. Wenn dieser Jesus nicht nur mit dem bloßen Rabbititel, sondern mit „Rabbuni“[8] (=mein Herr und Meister) anredet, so wird dadurch deutlich, dass Bartimäus diesen Glauben mitbringt, was dann auch von Jesus bestätigt wird: „Dein Glaube hat dir geholfen.“[9] Der blinde Bartimäus, der bereits im Glauben sieht, empfängt nun auch das Licht seiner leiblichen Augen. Er folgt Jesus als sein Jünger. Somit hat für ihn ein neuer Lebensabschnitt begonnen. Er ist zum Leben befreit, innerlich und äußerlich.[10]

Diese Erzählung stellt die letzte Wunderheilung, die Jesus bewirkt hat, dar. Durch diese Stellung gewinnt die Szene ihre besondere Bedeutung: es folgen nun die

Passion und Hinrichtung Jesu und die „nur dem Glauben sich darin offenbarende Zukunft des Reiches Gottes“[11] Der Text ist von diesem Wissen her und der bewussten Platzierung der Episode an die letzte Station auf dem Weg nach Jerusalem gestaltet und stilisiert worden: „Jesus ist von jetzt ab der `Sohn Davids`, der königliche Messias also, der sich `seiner` Stadt nähert.“[12]

Der blinde Bettler, der Jesus erstmals begegnet, schreit es unter die Menschenmenge, und Jesus widerspricht nicht mehr. Dennoch und gerade deshalb bleibt er der `Freund der Armen`, der sich dem zuwendet, der in Not ist und ihn anruft.

Das damalige medizinische Wissen war einfach und meist auf das Sichtbare (z.B. Schwellungen, Blutung) und/oder für den Beobachter (Fieber) oder den Patienten (Lähmung) Fühlbare beschränkt.

Die biblischen Krankheitsberichte beruhen auf beobachtbaren Tatsachen.[13]

Alle Krankheiten wurden als Strafe Gottes für Sünde aufgefasst. Viele Juden zur Zeit Jesu führten jede einzelne Krankheit eines Menschen auf eine ganz bestimmte Verfehlung zurück. Da Krankheiten also vor allem religiös gedeutet wurden, sucht man in erster Linie auch Heilung durch religiöse Handlungen z.B. durch Gebete, durch Opfer, durch Gottesdienste oder durch Bußhandlungen.

Blindheit war in biblischer Zeit im Nahen Osten etwas Alltägliches. Vermutlich waren verschiedene Krankheiten dafür verantwortlich. Trachom[14] könnte, wie heute noch in manchen Teilen des Gebietes, häufig aufgetreten sein und Blindheit im Säuglingsalter verursacht haben.

Didaktische Schwerpunktsetzung

Der Schwerpunkt der heutigen Stunde liegt darin, dass die Schüler an die in der vorherigen Stunde erarbeitete Erzählung anknüpfen. Sie sollen sich von diesem Standpunkt aus auf die Fantasiereise einlassen und anschließend ihre Erlebnisse und Emotionen aus der Fantasiereise in Form eines Bildes zum Ausdruck bringen. Was habe ich „gesehen“, als ich die Augen geschlossen hatte? Konnte ich mich auf die Fantasiereise einlassen? Wieso konnte ich etwas sehen, obwohl ich doch die Augen nicht geöffnet hatte?

Die Schüler sollen die verschiedenen Stimmungen und Emotionen aus ihrer Fantasiereise aufnehmen und in Form eines Bildes ausdrücken und visualisieren. Direkt im Anschluss an die Fantasiereise wird das Zusammentragen der Erlebnisse aus dem Grunde kurz gehalten, da Äußerungen einzelner Schüler die Erfahrungen anderer zu sehr beeinflussen könnten und diese sich so von ihren persönlichen Erlebnissen abwenden könnten. Als Symbol für das „Sehen-Können“, trotz verschlossener Augen, erhalten die Schüler ein gelbes Din A5 Papier, auf das sie ihre Bilder malen und auf Wunsch ihre Gedanken verschriftlichen können.

Die festgehaltenen Erlebnisse der Schüler werden in einer Abschlussrunde durch den jeweiligen freiwilligen Vortrag gewürdigt. Darüber hinaus wird ein Ausblick auf die folgende Stunde gegeben (Mk 10,47-48), in der die Schüler den Bibeltext weiter erschließen werden.

Zu Beginn der Unterrichtsreihe haben die Schüler in der Unterrichtseinheit „Stationslauf zum Thema „nicht-sehen-können“ verschiedene Experimente zu der Fragestellung: „Wie ist es, nichts sehen zu können?“ durchgeführt und sind somit sensibilisiert für die Schwierigkeiten, die damit verbunden sind.

[...]


[1] Zum leichteren Verständnis wird im Folgenden nur noch die maskuline Form verwand.

[2] Vgl.: Halbfas, H.: Religionsunterricht in der Grundschule. Lehrerhandbuch 2. Patmos Verlag. Düsseldorf 1984. S. 283. Im Folgenden zitiert als Halbfas, H.: Religionsunterricht in der Grundschule. . Lehrerhandbuch 2.

[3] Vgl.: http_//rpi-loccum.de. Besucht am 20.01.2008

[4] Theißen, G.: Urchristliche Wundergeschichten. Ein Beitrag zur formgeschichtlichen Erforschung der synoptischen Evangelien. Gütersloh 1974.S 295. Im Folgenden zitiert als: Theißen, G.: Urchristliche Wundergeschichten.

[5] Vgl.: Grabner-Haider, A.: Praktisches Bibellexikon. Herder-Verlag. Freiburg, Basel, Wien 1969. S. 574. Im Folgenden zitiert als: Grabner-Haider, A.: Praktisches Bibellexikon.

[6] Vgl: Ort, B., Rendle, L.: Arbeitshilfen. Fragen-Suchen-Entdecken 1. Kösel Verlag. München 2004. Im Folgenden zitiert als: Arbeitshilfen. Fragen-Suchen-Entdecken 1.

[7] Die Bibel. Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift. Altes und Neues Testament. Paul Pattloch Verlag. Aschaffenburg 1983. S. 55. Im Folgenden zitiert als: Die Bibel. Einheitsübersetzung.

[8] Ebd..

[9] Ebd..

[10] Kaiser, M.: Das Neue Testament Deutsch / Kommentar zum Evangelium nach Markus. S. 88.

[11] Halbfas, H.: Religionsunterricht in der Grundschule. Lehrerhandbuch 1. Patmos Verlag. Düsseldorf 1987. Im Folgenden zitiert als: Halbfas, H.: Religionsunterricht in der Grundschule. Lehrerhandbuch 1.

[12] Ebd..

[13] Ebd..

[14] Ein Trachom (gr. „Rauhes Auge“) auch: Konjunktivitis (granulosa) trachomatosa, ägyptische Körnerkrankheit, ist eine bakterielle Entzündung, des Auges, die mit Erblindung enden kann.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die Möglichkeit des Wechsels der eigenen Blickrichtung anhand der Perikope "Die Heilung des blinden Bartimäus" (Mk 10,46-52)
Untertitel
Unterrichtsentwurf für eine 1. Klasse im Fach "Katholische Religionslehre"
Autor
Jahr
2008
Seiten
18
Katalognummer
V128297
ISBN (eBook)
9783640346837
ISBN (Buch)
9783640347049
Dateigröße
484 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
kein Material enthalten
Schlagworte
Möglichkeit, Wechsels, Blickrichtung, Perikope, Heilung, Bartimäus, Unterrichtsentwurf, Klasse, Fach, Katholische, Religionslehre
Arbeit zitieren
Caroline Scholz (Autor), 2008, Die Möglichkeit des Wechsels der eigenen Blickrichtung anhand der Perikope "Die Heilung des blinden Bartimäus" (Mk 10,46-52), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/128297

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