Psychosomatische Reha und Morbus Crohn. Psychologische Diagnostik und Begutachtung


Hausarbeit, 2022

24 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Aufgabenstellung

Einleitung

Konkretisierung der Ausgangslage

Die Rehabilitation
Psychosomatik
Belastung bei chronischer körperlicher Erkrankung
Krankheitsbewältigung und Bewältigungsstile

Die Erkrankung CED Morbus Crohn

Maßnahmen in der Reha
Diagnostik
Verfahren zur Begutachtung
Patient Health Questionnaire (PHQ-D)
Diagnostische Interview für psychische Störungen (DIPS)

Ablauf der Reha

Diskussion und Reflexion

Fazit und Ausblick

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 2 wurde aus urheberrechtlichen Gründen von der Redaktion entfernt.

Abbildung 1: Entstehung funktioneller Körperbeschwerden

Abbildung 2: Fragebogen PHQ-D

Einleitung

Der Körper und die Psyche sind nicht voneinander zu trennen. So kommt es vor, dass viele Menschen mit körperlichen Erkrankungen auch psychische Störungen entwickeln. Aber auch andersrum können psychische Probleme sich körperlich äußern. Bei einer entsprechenden Veranlagung zeigen sich psychische Reaktionen wie Erschöpfung und Sorgen anhand körperlicher Symptome wie Rücken- oder Kopfschmerzen, dies nennt sich somatoforme Störungen.1 Patienten von chronischen Erkrankungen leiden oft unter Angst, Depression, Schuldgefühlen und Verlustängsten.

Diese Hausarbeit soll zeigen, wie man einer von Morbus Crohn betroffenen Frau (J. L.) helfen kann und sie auf ihrem Weg in der Rehabilitation (nachfolgend Reha) zu begleiten. Außerdem widmet sie sich näher dem Thema der Diagnostik und Aufklärung hinsichtlich Morbus Crohn und Psychosomatik.

Im ersten Kapitel der Hausarbeit findet eine Aufklärung über den Begriff der Rehabilita­tion statt. Diese umfasst auch die Psychosomatik und die Belastungen bzw. Ursachen von psychosomatischen Erkrankungen. Anschließend wird auf die Krankheitsbewälti­gung und Bewältigungsstile dieser eingegangen.

Das zweite Kapitel widmet sich der Erkrankung Morbus Crohn, wobei eine genauere Beschreibung der Erkrankung erfolgt und die Verbreitung und Folgen aufgezeigt werden. Im dritten Kapitel geht es um die Maßnahmen der Reha. Um diese festzulegen, muss man eine umfassende Diagnostik vornehmen und wendet dafür Verfahren zur Begut­achtung an. Die betrachteten Verfahren in dieser Hausarbeit sind der PHQ-D und der DIPS.

Im vierten Kapitel wird der Ablauf der Reha hinsichtlich vorangegangener Diagnostik er-läutert und der multimodale Ansatz für Frau L. festgelegt. Darauf folgt dann noch eine Empfehlung für die Zeit nach der Reha.

Abschließend folgen dann die Diskussion und Reflexion vom Ablauf der Sitzung und den angewandten Verfahren und ein Ausblick.

Konkretisierung der Ausgangslage

J. L. ist bereits seit 3 Monaten krankgeschrieben und wurde diese Woche in einer psychosomatischen Rehabilitationseinrichtung aufgenommen. Sie leidet seit kur-zem unter der Diagnose Morbus Crohn. Lange hatten sie die funktionellen Einschrän­kungen schon beschäftigt, aber es wurde nie eine Diagnose gestellt. Mittlerweile ist sie erleichtert eine Diagnose zu haben, auch wenn es sie stark mitgenommen hat. J. berichtet, dass sie zunehmend zu den Magen-Darm-Beschwerden auch unter andau-ernder Müdigkeit und Antriebslosigkeit leidet. Bei ihrer Arbeit kann sie sich nicht kon-zentrieren und macht Fehler, denn sie leide unter Ein- und Durchschlafstörungen. Meis-tens hat sie auch keine Kraft sich etwas zu essen zuzubereiten, wenn sie denn mal Hun-ger hat. Sie fühlt sich einfach als Versagerin, da sie nicht mal mehr ihren Haushalt orga-nisiert bekommt und alles nur stehen und liegen lässt. Sogar ihr Partner hat sie auf Grund der Diagnose Morbus Crohn verlassen, da er damit nicht klarkam. J. fühlt sich allein. Auf Grund der zunehmenden Belastungen und die Angst um ihren Arbeitsplatz hat sich J. für eine medizinische Rehabilitation entschieden.

Bei der Sitzung mit der Psychologin der Einrichtung soll nun die psychische Verfassung von J. genauer untersucht werden und Sitzungen sowie Anschlussbehandlungen ge­plant werden.

Die Rehabilitation

Bevor die Diagnostik und Js Erkrankung weiter erläutert wird, ist erstmal festzustel-len, was der Begriff der Rehabilitation überhaupt bedeutet. Die Rehabilitation ist die dritte Säule des deutschen Gesundheitswesens und hat zum Ziel den Erhalt von Aktivität und Teilhabe eines Betroffenen am Erwerbsleben und am Gesellschaftsleben zu sichern.2 Die allgemeinen Regelungen dafür enthält das Sozialgesetzbuch (SGB) IX „Rehabilita­tion und Teilhabe behinderter Menschen“. Es gibt vier Leistungen zur Teilhabe die un­terschieden werden:

- Leistungen zur medizinischen Rehabilitation (§§ 26 bis 32 SGB IX)
- Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben bzw. berufliche Rehabilitation (§§ 33 bis 43 SGB IX)
- Unterhaltssichernde und andere ergänzende Leistungen (§§ 44 bis 54 SGB IX)
- Leistungen zur sozialen Rehabilitation bzw. zur Teilhabe am Leben in der Ge­meinschaft (§§ 55 bis 59 SGB IX)3

Der Begriff der Rehabilitation umfasst einen Prozess, der gezielt Menschen mit Behin­derung befähigen soll ihr optimales sensorisches, intellektuelles, psychisches, physi­sches und soziales Funktionsniveau zu erreichen und aufrechtzuerhalten.4 2001 führte die Weltgesundheitsorganisatin (WHO) die Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behin­derung und Gesundheit (International Classification of Functioning, Disability and Health, ICF) ein. Demnach bildet sich eine eigene Rehaidentität basierend auf dem Gedanken­gut der ICF.5 Die Rehabilitation ist auf die Behandlung von chronischen Erkrankungen spezialisiert. Bei der Behandlung stehen im Vordergrund die Überwindung der Krank­heitsfolgen von chronischen Störungen, sowie die Reduktion der Funktionseinschrän­kungen und die Verbesserung der Teilhabe am Arbeitsleben.6 In den westlichen Industriegesellschaften werden psychische und psychosomatische Erkrankungen zu­nehmend zu einem Problem für die Sozialsysteme. Die Arbeitsunfähigkeitstage haben sich in den letzten 20 Jahren mehr als verdoppelt, bei gleichbleibendem Krankenstand. Psychische und psychosomatische Erkrankungen sind seit der Jahrtausendwende die häufigste Ursache für frühzeitiges Ausscheiden aus dem Erwerbsleben und für den Be­zug der Erwerbsminderungsrente.7

2013 existierten ca. 200 psychosomatische Rehabilitationseinrichtungen mit insgesamt etwa 18.000 stationären Behandlungsplätzen. Im Jahr 2012 wurden rund 157.000 Reha­maßnahmen aufgrund psychischer und psychosomatischer Störungen durchgeführt. Im Durchschnitt betrug die Behandlungsdauer 38 Tage, wobei die voraussichtliche Rehadauer von 5 Wochen durch einen Bewilligungsbescheid mitgeteilt wird. Im Rahmen des Verweildauerkorridors haben die Kliniken in Abstimmung mit dem Patienten die Möglichkeit die Reha zu verkürzen oder zu verlängern. Bereits in den 1950er Jahren wurden die ersten Kliniken für psychosomatische Medizin und Psychotherapie gegrün­det und seit den 1970ern flächendeckend in Deutschland als psychosomatische Kran­kenhäuser und psychosomatische Rehabilitationseinrichtungen errichtet.8

Im folgenden Kapitel wird die Psychosomatik näher erläutert. Sie bezieht sich auf die Wechselwirkungen zwischen seelischen, sozialen und körperlichen Prozessen.

Psychosomatik

Somatische Symptome entstehen durch psychische Konflikte. Wobei die körperliche Symptomatik ein Symbol ist, dessen konflikthafter Ursprung dem Betroffenen unbewusst ist.9 Der Begriff der Psychosomatik entstand schon um 1811 durch Johann Christian August Heinroth. Sie bezieht sich auf die Wechselwirkungen zwischen seelischen, sozi­alen und körperlichen Prozessen. Der Körper und die Seele sind untrennbar verbundene Aspekte eines Menschen.10 Für den Bereich der Psychosomatik gibt es diverse For­schungsrichtungen. Zum einen die Wechselwirkung zwischen körperlichen Krankheiten, sowie seelischem und sozialem Wohlbefinden. Aber auch internistische und chirurgische Behandlungsmaßnahmen wie eine Organtransplantation haben Einfluss auf den psychi­schen Gesundheitszustand. Auch die Genetik, Umwelt und psychosozialen Einflussfak­toren tragen Ihren Teil beim Entstehen und im Verlauf bei. Auch Einfluss darauf haben biochemische und psychosoziale Parameter und ihre Übermittler bspw. das Hormonsys­tem und Immunsystem.11 Zu den häufigsten Krankheitsbildern, die eine psychosomati­sche Diagnostik erfordern gehören unter anderem funktionelle Herz-Kreislauf-Störun­gen, Hypertonie, Herzrhythmusstörungen und Morbus Crohn.12 Somatisierende Patien­ten nehmen ihre emotionalen Belastungen nicht wahr. Die Aufmerksamkeit liegt dabei auf die begleitenden Körpersymptome die negativ bewertet werden. Psychosoziale Fak­toren die Körperbeschwerden begünstigen sind Traumatisierungen, negative Bindungserfahrungen, Neigung zu Überforderung, geringes Selbstbewusstsein und Überbelastung von Anforderungen bzw. Verpflichtungen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Entstehung funktioneller Körperbeschwerden, Fritzsche/Wirsching (2020), S. 125

Zur Behandlung von chronischen Schmerzen empfiehlt sich ein Gesamtbehandlungs­konzept, welches auch psychosomatische Probleme behandelt.

Belastung bei chronischer körperlicher Erkrankung

Patienten mit chronischen körperlichen Erkrankungen wie bspw. J. mit Morbus Crohn, erfahren häufig eine Doppelbelastung. Der Belastungsbegriff ist jedoch unter­schiedlich geprägt. Teilweise ist er als Synonym für psychische Beanspruchung und sub- syndromaler psychischer Beschwerden in Gebrauch, aber auch als ein Stressor, der auf den Betroffenen einwirkt. Konsequenzen eines Belastungsfaktors sind Belastungsfolgen bspw. Ängste oder Depressivität. Der zentrale Belastungsfaktor sind die körperlichen Beschwerden bspw. Schmerzen, Atembeschwerden, Verdauungsprobleme und die ein­hergehende reduzierte körperliche Leistungsfähigkeit. Der Betroffene muss sich nahezu dauerhaft mit seiner Irreversibilität der Erkrankung auseinandersetzen.

Eine chronische Erkrankung kann unterschiedliche Verlaufsformen annehmen:

- Progredienter Verlauf
- Rezidivierender Verlauf
- Persistierender Verlauf

Bei dem progredienten Verlauf wird sich der körperliche Zustand im Verlauf sukzessive verschlechtern. Ein Beispiel dafür ist Arthrose.

Bei dem rezidivierenden Verlauf treten zeitlich abgrenzbare Phasen wiederholt (Schübe) auf. Der Zustand verschlechtert sich dabei akut. Ein Beispiel dafür ist Migräne.

Bei der persistierenden Verlaufsform bleiben die Symptome in konstanter Ausprägung andauernd bestehen, wie bei Lähmungen.13 Grundsätzlich ist für einen Patienten die Diagnose ein Bruch im alltäglichen Leben. Patienten müssen durch die Erkrankung eine neue Tagesstruktur finden und den Alltag neu ordnen. Besonders wenn sie in Kranken­häusern oder stationären Rehabilitationseinrichtungen aufgenommen sind, müssen sie sich an ein neues Umfeld und eine neue Struktur gewöhnen. Oftmals bringt die Ur­sprungsdiagnose negative Folgen mit sich. Die psychische Verfassung und das Verhal­ten des Betroffenen können sich negativ entwickeln. Die psychischen Reaktionen rei­chen von Ängsten, depressiven Verstimmungen und Schuldgefühlen bis hin zu einer manifestierten psychischen Erkrankung wie Angststörungen oder depressiven Erkran­kungen. Bei chronisch körperlichen Erkrankungen sind die häufigsten psychischen Stö­rungen Angststörungen, Anpassungsstörungen, somatoforme Störungen und affektive Störung. Patienten mit einer chronisch körperlichen Erkrankung haben ein zweifach ho­hes Risiko eine psychische Störung zu erleiden.14

Krankheitsbewältigung und Bewältigungsstile

Um vorangegangene Belastungsfolgen zu vermeiden ist ein guter Umgang mit den krankheitsbedingten Belastungen wichtig. Bei der Belastung im Hinblick auf eine Erkran­kung handelt es sich um Krankheitsbewältigung bzw. Krankheitsverarbeitung (auch Co­ping). Edgar Heim (Psychiater) definiert Coping als Bemühung bereits bestehende oder zu erwartende Belastungen durch die Krankheit innerpsychisch bzw. durch zielgerichte­tes Handeln auszugleichen, zu reduzieren oder zu verarbeiten. Bei der Bearbeitung von chronischen Krankheiten besteht die Besonderheit, dass eine wiederholte und perma­nente Auseinandersetzung mit der Erkrankung geschieht. Die Krankheitsverarbeitung ist also ein kontinuierlicher und interaktionaler Prozess, wobei die Art dieser inter- wie int­raindividuell ausfallen kann.15

[...]


1 Vgl. Universitätsklinikum Bonn

2 Vgl. Köllner (2014), S. 485

3 Vgl. Bengel/Mittag (2016), S. 14/15

4 Vgl. Köllner (2014), S. 489

5 Vgl. Köllner (2014), S. 490

6 Vgl. Köllner (2014), S. 491

7 Vgl. Köllner (2014), S. 486

8 Vgl. Köllner (2014), S. 487

9 Vgl. Bohus/Kapfhammer (2012), S. 1399

10 Vgl. Fritzsche/Wirsching (2020), S. 4

11 Vgl. Fritzsche/Wirsching (2020), S. 7

12 Vgl. Fritzsche/Wirsching (2020), S. 73

13 Vgl. Bengel/Mittag (2016), S. 26/27

14 Vgl. Bengel/Mittag (2016), S. 28

15 Vgl. Bengel/Mittag (2016), S. 30/31

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Psychosomatische Reha und Morbus Crohn. Psychologische Diagnostik und Begutachtung
Hochschule
SRH Fernhochschule
Note
1,3
Autor
Jahr
2022
Seiten
24
Katalognummer
V1283082
ISBN (Buch)
9783346744876
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Psychosomatik, rehabilitation, morbus crohn
Arbeit zitieren
Jasmin Bog (Autor:in), 2022, Psychosomatische Reha und Morbus Crohn. Psychologische Diagnostik und Begutachtung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1283082

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Psychosomatische Reha und Morbus Crohn. Psychologische Diagnostik und Begutachtung



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden