Arbeitsfähigkeit älterer Arbeitnehmer. Betriebliche und individuelle Einflussfaktoren


Diplomarbeit, 2008
93 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung — Zielsetzung meiner Diplomarbeit

2 Demographischer Wandel6
2.1 Was ist der demographische Wandel?
2.2 Veranderung der Altersstruktur in der Bundesrepublik Deutschland
2.2.1 Die Geburtenrate
2.2.2 Die durchschnittliche Lebenserwartung
2.2.3 Der Wanderungssaldo in Deutschland
2.3 Schrumpfung und Alterung der deutschen Bevolkerung als Ergebnis der demographischen Entwicklung

3 Aspekt der Lebensarbeitszeitverlangerung
3.1 Lebensverlauf und Lebensphasen
3.2 Die Entwicklung hin zum fruhen Ruhestand
3.3 Anhebung der Altersgrenze zur nachhaltigen Finanzierbarkeit derGRV
3.4 Finanzierbarkeit der Rentenversicherung und Erwerbsbeteiligung Alterer

4 Beschaftigungssituation alterer Arbeitnehmer
4.1 Auswirkungen des demographischen Wandels in der Arbeitswelt
4.2 Berufliche Situation alterer Arbeitnehmer in Deutschland
4.2.1 Definition des Arbeitnehmers
4.2.2 Unterschied zwischen Bevolkerungsanzahl und Erwerbspersonen
4.3 Erwerbsbeteiligung alterer Arbeitnehmer
4.3.1 Situation und Zukunft altere Arbeitnehmer
4.4 Sozialversicherungsbeschaftigte Altere nach Betriebsgrolle
4.5 Mitarbeitersegmentierung in Unternehmen

5 Faktoren der Arbeitsfahigkeit
5.1 Was ist die Arbeitsfahigkeit?
5.2 Gesundheit — die Voraussetzung fur Erwerbsarbeit im Alter
5.2.1 Ansatzpunkte einer zukunftsorientierten betrieblichen Gesundheitspolitik
5.3 Kompetenzen — der Schlussel fur betriebliche und individuelle Laufbahngestaltung
5.3.1 Altersgerechte Weiterbildung
5.3.2 Lernforderliche Arbeitsgestaltung
5.3.3 Altersgemischtes Lernen im Betrieb
5.4 Werte und Motivation — individuelle Bedurfnisse fur die Arbeit imAlter
5.5 Arbeit — der betriebliche Einfluss fur eine altersgerechte Gestaltung der Arbeit
5.5.1 Ergonomische und altersgerechte Arbeitsgestaltung
5.5.2 Arbeitsorganisation und Arbeitsfahigkeit ..,
5.6 Betriebliche und individuelle Einflussfaktoren - Haus der Arbeitsfahigkeit von J. Ilmarinen.,,

6 Schlusswort

7 Literaturverzeichnis

1 Einleitung — Zielsetzung meiner Diplomarbeit

Es ist weitestgehend bekannt, dass sich die Bevölkerungsstruktur in Deutsch­land verandert. Die Bundesbevölkerung schrumpft und altert. Ab 2010 wird diese Entwicklung an Geschwindigkeit gewinnen und erfordert ein Umdenken aller Betroffener der Unternehmen, der Arbeitnehmer, der Verbande und der Politik.

Die Regierung hat mit dem Ende 2005 gestarteten Bundesprojekt „Perspektive 50plus — Beschaftigungspakete fr Altere in den Regionen" die Beschaftigungsmoglichkeiten Alterer zu einem Schwerpunkt ihrer Politik gemacht. Hierdurch soll die Anhebung des Renteneintrittalters von 65 auf 67 Jahre durch die Schaffung zusatzlicher Arbeitsplatze fr altere Menschen unterstutzt werden. Die bisherigen Mallnahmen sind jedoch noch unzurei-chend und haben keine nachhaltige Neuorientierung der Betroffenen bewirkt.

Da ich in einem der 62 bundesweit ausgelobten Modellprojekte beschaftigt bin, habe ich einen praktischen Zugang zu der betroffenen Altersgruppe. Die theoretischen Hintergrunde um die Auswirkungen des demographischen Wandels, die geringe Beschaftigungsquote Alterer und die Schwierigkeiten bei der Umsetzung verschiedener Mallnahmen interessieren mich und liellen mich dieses Thema fr meine Diplomarbeit wahlen.

Der demographische Wandel in Deutschland kann in einem nahezu sicheren Korridor vorhergesagt werde. Die strukturelle Zusammensetzung der Bevolkerung wird sich durch verschiedene Faktoren verandern. Das Durch-schnittsalter der bundesdeutschen Bevolkerung steigt und der seit 2003 begonnene Bevolkerungsschwund wird ab 2010 deutlich an Geschwindigkeit gewinnen. Diese Veranderungen der Bevolkerungsstruktur haben nicht nur Auswirkungen auf die Finanzierung des Rentenversicherungssystems, sondern nehmen auch gravierenden Einfluss auf die zuknftige Arbeits- und Beschaftigungsstruktur.

So wird die Alterung der Bundesbevölkerung auch den Ausschnitt des Erwerbspersonenpotenzials betreffen und ab 2010 zu einer deutlichen Zunahme der Gruppe der Ober 50-Jahrigen führen. Die Anzahl der 20- bis 30-Jahrigen hingegen wird weiter abnehmen.

Die Unternehmen in Deutschland mussen daher Wirtschaftskraft und Innova-tionsfahigkeit mit einer wachsenden Anzahl von alteren Erwerbspersonen erreichen. Die Politik hat durch den Abbau der Fruhverrentungsmoglichkeiten und das Heraufsetzen der gesetzlichen Altersgrenze auf nun 67 Jahre einen Teil der gesetzlichen Rahmenbedingungen an die Entwicklungen angepasst. Ziel war hierbei vornehmlich die Finanzierbarkeit des Rentenversicherungs-systems. Ohne betriebliche Strategien zum Erhalt der Arbeitsfahigkeit, werden aber weder die Unternehmen ihren Fachkraftemangel noch die Regierung ihr Finanzierungsproblem lsen konnen.

In dieser Diplomarbeit werden zunachst die einzelnen Faktoren des demogra-phischen Wandels und deren Auswirkungen auf die heutige und zuki_inftige Zusammensetzung der bundesdeutschen Bevolkerung betrachtet. Anschlieflend wird eine differenzierte Darstellung nach formalen Qualifika-tionen, Alter und Betriebsgrofle speziell fr die Gruppe der fiber 50-Jahrigen vorgenommen.

Danach folgt ein Einblick in die Veranderung der Lebensphasen und eine Schilderung der gesetzlichen Maflnahmen zur Sicherung des Rentenver-sicherungssystems.

Das vierte Kapitel befasst sich mit der Situation alterer Arbeitnehmer in Deutschland.

Kapitel 5 beginnt mit der Definition von Arbeitsfähigkeit. Anschlieflend wird auf die vier Saulen der Arbeitsfähigkeit (Gesundheit, Kompetenz, Werte und Motivation sowie Arbeit) eingegangen. Diese bilden gleichzeitig die Bestand-teile des Modells des „Haus der Arbeitsfähigkeit", welches von J. Ilmarinen entwickelt wurde und im Anschluss erläutert wird.

Im Schlusswort fasse ich die Arbeit und ihre wichtigsten Erkenntnisse zusammen.

2 Demographischer Wandel

2.1 Was ist der demographische Wandel?

Unter dem demographischen Wandel versteht man die Veranderung der Altersstruktur einer Gesellschaft. Der demographische Wandel ist weder positiv noch negativ gepragt und kann sowohl einen Bevölkerungszuwachs als auch einen Bevölkerungsrückgang zur Folge haben. Er wird im Wesentlichen durch drei Faktoren beeinflusst:

- Veranderung der Fertilitat (Geburtenrate)
- Veranderung der Lebenserwartung
- Wanderungssaldo als Ergebnis aus den Zu- und Abwanderungen einer Gesellschaft

Eine hohe Geburtenrate und eine abnehmende Sterblichkeit führt zu einer Verjüngung und zum Wachstum der Bevölkerung. Ein kompakter Altersaufbau ist das Resultat.

Eine sinkende oder gleich bleibend niedrige Geburtenzahl und eine steigende Lebenserwartung führen im Gegensatz dazu zu einer Alterung und Abnahme der Bevölkerung. Eine unausgewogene Altersstruktur ist die Folge (vgl. Pack, J., Buck, H., Kistler, E. et al. (2000), 8).

2.2 Veranderung der Altersstruktur in der Bundesrepublik Deutschl a nd

2.2.1 Die Geburtenrate

Die Jahre zwischen 1945 und 1971 waren durch einen Bevölkerungszuwachs gekennzeichnet. 1972 war erstmalig die Anzahl der Geburten geringer als die der Todesfälle. Dieser Trend setzte sich in den folgenden Jahren fort. Durch ein positives Wanderungssaldo konnten dessen Folgen bis auf einzelne Jahre kompensiert werden (siehe Abbildung 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Durchschnittliche Kinderzahl je Frau -

Zusammengefasste Geburtenziffer von 1990 bis 2006 (Statistisches Bundesamt (31.08.2007))

Für die Zukunft wird jedoch ein deutlicher Bevölkerungsrückgang erwartet. Zum einen, weil die Zahl der Geburten nicht ausreicht, um die Anzahl der Verstorbenen auszugleichen, wodurch ein Geburtendefizit entsteht. Und zum anderen, weil die Anzahl der Sterbefälle in den nächsten Jahren erheblich zunehmen werden, da wir in Folge der zunehmenden Lebenserwartung mit immer mehr Hochbetagten zu rechnen haben. Um die Gesamtbevolkerung konstant zu halten, musste es also zu einer erheblichen Steigerung der Geburtenrate kommen. Ein solcher Trend lasst sich allerdings nicht erkennen.

So lange die Geburtenhaufigkeit unter 2,1 Kinder pro Frau bleibt, schrumpft die Muttergeneration von Jahr zu Jahr und damit auch die Anzahl der Neugeborenen.

Zwischen 1990 und 2006 pendelte die Geburtenziffer mit leicht abnehmender Tendenz zwischen rund 1,45 und 1,33 Kindern pro Frau (siehe Abbildung 1). Den absoluten Tiefpunkt in dieser Zeitspanne erreichte die Geburtenziffer 1994 mit rund 1,24 Kindern pro Frau.

Dieser Effekt wurde vor allem durch den massiven Ruckgang der Geburten-rate in den neuen Bundeslandern nach der Wiedervereinigung verursacht.

Die Prognosen zum Geburtendefizit basieren auf 12 Rechenvarianten, die sich auf Grund von verschieden kombinierten Annahmen der Faktoren Geburtenhaufigkeit, Lebenserwartung und Wanderungssaldo ergeben. Im Folgenden werden die Ergebnisse von vier Berechnungsvarianten dargestellt. So grenzen die beiden in der Mitte der Grafik dargestellten Varianten, den Korridor ab, der sich unter der Annahme der Fortsetzung des aktuellen demografischen Trends (Bevolkerungsgrofle und Altersaufbau) ergibt.

Die aufleren Balken („relativ junge Bevolkerung" und „relativ alte Bevolker-ung") decken die maximale Spannweite der Alterung innerhalb der Studie ab, die unter Verwendung der in der 11. koordinierten Bevolkerungsvoraus-berechnung berucksichtigten Faktoren fr realistisch gehalten werden.

Andert sich nicht Grundlegendes an dem aktuellen Trend, wird sich das Geburtendefizit von Jahr zu Jahr vergralern. Geringfügige Veränderungen können nur Auswirkung auf das Ausmafl, nicht auf den Trend selbst haben (vgl. Statistisches Bundesamt 2006, 13 ff.).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Geburbandefizit 2005 und 2050 (Statistisches Bundesamt 2006,14)

2.2.2 Die durchschnittliche Lebenserwartung

In Deutschland kann seit 130 Jahren ein Anstieg der Lebenserwartung sowie ein kontinuierlicher Ruckgang der Sterblichkeitsrate verzeichnet werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Entwicklung der Lebenserwartung Neugeborener seit 1871 / 1881 (Statistisches Bundesamt 2006, 38)

Einen mallgeblichen Beitrag zu dieser Entwicklung leisten die Fortschritte in der medizinischen Versorgung, der Hygiene, der Ernahrung sowie der Ver-besserung der Wohnsituation und Arbeitsbedingungen.

Infektionskrankheiten, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine wesentliche Todesursache darstellten, sind heute durch Krebserkrankungen und kardio-vaskulare Erkrankungen als primare Todesursachen abgelost worden. Neben dem Ruckgang der Kindersterblichkeit seit dem Ende des 19. Jahrhunderts ist auch die Sterblichkeit alterer Menschen in der zweiten Halfte des 20. Jahr-hunderts aufgrund der medizinischen Entwicklungen erheblich gesunken.

Der steile Anstieg der durchschnittlichen Lebenserwartung von Neugeborenen (siehe Abbildung 3) im Gegensatz zu dem moderaten Anstieg der Lebens-erwartung der 60-Jährigen (siehe Abbildung 4) ist durch die vormals bestehende hohe Säuglings- und Kindersterblichkeit zu erklären. So betrug die durchschnittliche Lebenserwartung 1871/1881 bei Geburt kir Jungen 35,6 Jahre und kir Mädchen 38,4 Jahre. Betrachtet man hingegen nur Kinder, die das 5. Lebensjahr bereits vollendet haben, lag die durchschnittliche Lebens-erwartung kir Jungen bei 49,4 und kir Mädchen bei 51 Jahren.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Entwicklung der Lebenserwartung 60-jahriger seit 1871/1881 (Statistisches Bundesamt 2006, 39)

Hatte ein Mann 1871/1881 das 60. Lebensjahr erreicht, konnte er, wie die Abbildung 4 verdeutlicht, mit einer weiteren durchschnittlichen Lebenser-wartung von 12,1 Jahren rechnen. Eine 60-jahrige Frau lebte durchschnittlich noch weitere 12,7 Jahre.

Ein im Zeitraum 2002/2004 lebender 60 Jahre alter Mann hingegen hat eine durchschnittliche Lebenserwartung von 80,0 Jahren. Eine unter gleichen Be-dingungen aufgewachsene 60-jahrige Frau sogar von 84,1 Jahren.

Aktuell (2002/2004) liegt die durchschnittliche Lebenserwartung eines neuge-borenen Jungen bei 75,9 Jahren, die kir ein Madchen bei 81,5 Jahren.

Da die Sauglingssterblichkeit mittlerweile auf unter 0,5% gesunken ist, ergeben sich nur noch sehr geringe Veranderungen der durchschnittlichen Lebenserwartung. Manner und Frauen werden zukunftig alter, aber die Geschwindigkeit mit der sich das Leben verlangert wird abnehmen.

Im Gegensatz zu fruheren Entwicklungen wird nun den Fortschritten in der Medizin groflere Bedeutung beigemessen. Beispielsweise konnte seit 1980 die Anzahl der Todesfalle infolge kardiovaskularer Erkrankungen um mehr als die Halfte gesenkt werden.

Des weiteren lasst sich seit dem Ende der 1970er Jahre eine Angleichung der Lebenserwartung zwischen Mannern und Frauen erkennen. Die Ursache hierfr wird im allmahlichen Aussterben der durch den Krieg geschadigten Mannerjahrgange gesehen. Auflerdem scheinen sich die gesundheitsrele-vanten Verhaltensweisen (z.B. Rauchen) anzugleichen (vgl. Statistisches Bundesamt 2006, 36 ff.).

2002/2004 betrug die Differenz der Lebenserwartungen zwischen den Ge-schlechtern noch 5,6 Jahre. Bis zum Jahre 2050 wird von einer Abnahme derselben auf 4,5 Jahre ausgegangen.

Wie in Abbildung 5 gezeigt, geht man von zwei unterschiedlichen Annahmen der Entwicklung der durchschnittlichen Lebenserwartung aus. Dabei berück-sichtigt die Basisannahme sowohl die langfristige Entwicklung seit 1871 als auch die kurzfristige Entwicklung seit 1970. Die Annahme mit „hohem Anstieg" berücksichtigt hingegen nur die kurzfristige Entwicklung der Lebenserwartung seit 1970 fr die Schatzung. So ergeben sich fr die Prognose zwei Schenkel, die die Ober- und Untergrenze bilden. Ein im Jahr 2050 geborener Mann kann demzufolge mindestens mit 83,5 und maximal mit 85,4 Lebensjahren rechnen. Die Lebenserwartung fr eine im selben Jahr geborene Frau wird auf minimal 88,0 und maximal 89,8 Jahre geschatzt. In beiden Fallen wird eine auch weiterhin steigende Lebenserwartung prognostiziert (vgl. Statistisches Bundesamt 2006, 36 ff.).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Lebenserwartung bei Geburt bis 2050 (Statistisches Bundesamt 2006, 43)

2.2.3 Der Wanderungssaldo in Deutschland

Der Wanderungssaldo ergibt sich aus der Differenz zwischen den Einwande-rungen und den Auswanderungen. Anders als bei der Altersentwicklung oder der Geburtenrate lässt sich bei dem Wanderungssaldo kaum eine Tendenz voraussagen.

Ausschlaggebend fr das Migrationspotential ist einerseits die politische, wirtschaftliche, demographische oder auch okologische Entwicklung in den Herkunftsländern. Andererseits wird der Wanderungssaldo von der Migra-tionspolitik in Deutschland sowie der wirtschaftlichen und sozialen Attraktivität Deutschlands als Zielland beeinflusst.

Die Abbildung 6 zeigt die Entwicklung des Wanderungssaldos seit 1955, sowie die migrationspolitischen Mallnahmen und Einflüsse der Bundesrepu­blik Deutschland. Rund 80 % des gesamten Wanderungsvolumens — also der Zu- und Fortzüge — werden von Personen mit ausländischer Staatsangeh6rig-keit verursacht. Diese Wanderungsbilanz ist positiv. Jedoch sind Schwan-kungen zu verzeichnen. So wanderten 2001 etwa 190.000 Personen, 2004 jedoch lediglich 55.000 Personen ein.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Es liellen sich ebenfalls geschlechts- und altersspezifische Unterschiede feststellen. Ausländische Männer wandern häufig zwischen Anfang 20 und Mitte 30 und ausländische Frauen zwischen 19 und 29 Jahren ein. Auf diese Altersgruppe entfallen im Durchschnitt der Jahre 2002 bis 2004 die Hälfte aller Wanderungsaktivitäten von Ausländern über die deutsche Grenze (Statistisches Bundesamt 2006, 46).

Die Zuwanderung von Deutschen spielt erst seit dem Umbruch in Ost- und

SOdeuropa am Ende der 1980er Jahre eine Rolle. Hierzu zählen auch Spät-aussiedler. Ein Spätaussiedler ist in der Regel ein deutscher Volkszugehö-riger, der die Republiken der ehemaligen Sowjetunion (z.B. Kasachstan, Russland, Estland, Lettland oder Litauen) verlassen und nun seinen ständigen Aufenthalt in Deutschland hat.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 7: Wanderungssaldo der Deutschen Ober die Grenze Deutschlands (Statistisches Bundesamt 2006, 48)

Die Nettozuwanderung stieg durch den Zuzug von Spätaussiedlern an und erreichte ihren Höchstwert von 312.000 im Jahr 1990. Seitdem lässt sich ein Abfall der Einwanderungen von Deutschen auf etwa 35.500 im Jahr 2005 verzeichnen.

Auf der anderen Seite wanderten immer mehr Deutsche aus. 2001 waren es 110.000 Personen und im Jahr 145.000 Personen. Im Durchschnitt sind die deutschen Migranten älter als die Ausländischen.

Die ausgepragteste Wanderungsaktivitat deutscher Manner zeigt sich bei den 30- bis 38-Jahrigen. Deutsche Frauen wandern am haufigsten im Alter zwischen 28 bis 38 Jahren. Der Wanderungssaldo deutscher Manner und Frauen ist im Durchschnitt der Jahre 2002 bis 2004 ausgeglichen bis leicht negativ. Im Vergleich der letzten Jahre zeigt sich, dass die Altersstufen zwischen 20 und 40 Jahren durch eine leichte Nettoabwanderung gepragt sind, da die zunehmenden Auswanderungen Deutscher in diesen Altersstufen durch die abnehmenden Zuwanderer nicht mehr kompensiert werden konnen (vgl. Statistisches Bundesamt 2006, 48).

Fiir die Zukunft geht man von einer weiteren Abnahme der Wanderungszah-len in Europa aus.

Die meisten der auslandischen Migranten in Deutschland kommen derzeit aus Ost- und Siideuropa. Vor allem in den Staaten Osteuropas geht seit dem Ende der 1990er Jahre die Bevolkerung deutlich zuriick. Die Altersgruppe der 20- bis 34-Jahrigen, welche aktuell die grollte Wanderungsaktivitat zeigt, ist von dieser Entwicklung iiberproportional stark betroffen. Bis zum Jahr 2050 rechnet man dort mit einer Halbierung der jungen Bevolkerung (vgl. Statistisches Bundesamt 2006, 50).

In Siideuropa wird dieser Trend erst ab 2015 einsetzen und eine Abnahme der Bevolkerung von 151 Millionen im Jahr 2015 auf circa 139 Millionen im Jahr 2050 verursachen. Deshalb braucht mit grollen Einwanderungsbewe-gungen aus Ost- und Siideuropa nicht gerechnet zu werden.

Zukiinftige Einwanderungspotentiale fiir Deutschland werden hingegen bei den Balkanstaaten, der Tiirkei und Afrika gesehen. So wird sich das Bevölker-ungswachstum in der Tiirkei weiter fortsetzen. Im Jahr 2050 wird noch mehr als die Halfte der tiirkischen Bevölkerung jiinger als 39,5 Jahre sein. Im Ver-gleich dazu betrug bereits 2004 das mittlere Alter in der Bundesrepublik Deutschland 42 Jahre.

Sehr viel dramatischer gestaltet sich die Lage in Nordafrika. Die Bevölkerung wird dort von aktuell 191 Millionen auf etwa 310 Millionen im Jahr 2050 ansteigen, was einem Wachstum von 63% entspricht. Der Anteil der Bevöl-kerung im aktiven Wanderungsalter wird dabei um 31% von aktuell 50 Mil-lionen auf ca. 66 Millionen zunehmen. In wie weit Deutschland fiir nordafri-kanische Auswanderer ein interessantes Ziel wird, bleibt jedoch abzuwarten.

Noch sind Frankreich und Spanien die wichtigsten Ziellander fur Migranten aus Nordafrika.

Die hier beschriebene Prognose fr das Wanderungssaldo beruht auf folgenden Feststellungen:

1. Das Wanderungsgeschehen hangt vom Bedarf im Zielland und von Migrationspotentialen in den Herkunftslandern ab. Ein hoher Bedarf an Arbeitskraften kann so z.B. zu einem Wanderungssog, therbevolker-ung und Armut konnen zu einem Wanderungsdruck fhren. Einfluss auf die Realisierung von Wanderungen wird durch politische Regel-ungen ausgeObt.
2. Der Auswanderungssaldo war in den vergangenen 50 Jahren mit
zwischen 150.000 und 300.000 Personen vorwiegend positiv.
3. Die nach Deutschland zuziehenden auslandischen Personen sind im Durchschnitt jnger als die Auswanderer, was zu einer Verjungung der Bevolkerung fhrt.
4. Zu- und Fortzuge von Auslandern dominieren das Wanderungsge-schehen in Deutschland. Die Zuwanderung von Spataussiedlern durfte jedoch durch die Einfhrung des Zuwanderungsgesetzes insgesamt gesteuert und begrenzt sein.
5. Vollständige Freizügigkeit auf dem deutschen Arbeitsmarkt wird fr die der EU neu beigetretenen Staaten spätestens 2011 bestehen (vgl. Statistisches Bundesamt 2006, 51 f.).

Die Prognose zum Wanderungssaldo beruht auf den Beobachtungen der letzten Jahrzehnte und den daraus resultierenden Annahmen zu den zu-künftigen Geschehnissen. In der folgenden Abbildung wird somit lediglich ein denkbarer Korridor zwischen 100.000 und 200.000 Einwanderern als Ergebnis des Zu- und Fortzugs in Deutschland wiedergegeben.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 8: Entwicklung des Wanderungssaldos Ober die Grenzen Deutschlands bis 2050 (Statistisches Bundesamt 2006, 53)

2.3 Schrumpfung und Alterung der deutschen Bev o lkerung als Ergebnis der dem o graphischen Entwicklung

Die Bevolkerungszahl in Deutschland nimmt bereits seit 2003 ab. Der Grund hierfür ist, dass das Geburtendefizit seit einigen Jahren durch den sinkenden Wanderungssaldo nicht mehr kompensiert werden kann. Dieser Trend wird sich in den nachsten Jahren fortsetzen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass in einzelnen Jahren ein Bevolkerungswachstum vorliegen kann. Langfristig jedoch ist ein positiver Wanderungssaldo, welcher zur Kompensation der stark ansteigenden Todesfalle und der sinkenden Geburtenrate notwendig ware, nicht vorstellbar (vgl. Statistisches Bundesamt 2006,14 f.).

Folglich wird eine Abnahme der Bevölkerung in Deutschland von heutigen 82,4 Millionen auf 74 bis 69 Millionen im Jahr 2050 erwartet (Abbildung 9). Dieser Rückgang bedeutet einen Bevölkerungsschwund von 10% bis 17%.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 9: Entwicklung der Bevolkerung in Deutschland bis 2050 (Statistisches Bundesamt 2006, 15)

Der Bevolkerungsruckgang wird durch die Veranderung des Bevolkerungs-aufbaus gepragt. Besonders plastisch lasst sich diese Veranderung an der Form der fruheren und der prognostizierten Altersstruktur in der folgenden Abbildung zeigen.

Die Form der klassischen Bevolkerungsstruktur ist eine Pyramide. Einen Altersaufbau in Form einer Bevolkerungspyramide fand sich gegen 1910 (Abbildung 10). Die Bevolkerungspyramide bekam durch die Wirtschaftskrise 1930, die Weltkriege und die damit verbundenen Bevolkerungsverluste deut-liche Kerben. Die Autoren Eisenmenger, M., Pötzsch, 0 . und Sommer, B. pragten fr die heutige Darstellung der Bevolkerungsstruktur den Begriff einer „zerzausten Wettertanne" (vgl. Statistisches Bundesamt 2006, 17).

Die heute am starksten besetzten mittleren Jahrgange werden in Zukunft weiter nach oben verschoben und durch zahlenmallig kleinere Jahrgange ersetzt. So fhren die Veranderungen des Altersaufbau dazu, dass die vormals bestehende Pyramide steiler und glatter wird.

2005 waren die 41-Jahrigen der am starksten besetzte Jahrgang. 2030 werden es die im Jahr 1964 geborenen und nun mittlerweile 66-Jahrigen immer noch sein. Die Zahl der 60-Jahrigen wird 2050 doppelt so grol wie die der neugeborenen Kinder sein. Dies fhrt zu einer deutlichen Verschiebung der Altersgruppen untereinander. Die Ergebnisse der 11. koordinierten Bevöl-kerungsvorausberechnung ergaben fr die „mittlere Bevölkerung" eine Abnah-me der 0 bis unter 20 Jahrigen von 20% am Anteil der Gesamtbevölkerung auf 14,7% im Jahr 2030 und 13,5% im Jahr 2050. Der Anteil der 20 bis unter 65 Jahre alten Bevölkerung betrug 2005 61% und wird den Schatzungen zu Folge 2030 55% und 2050 52% betragen. Die 65-Jahrigen und Alteren stellten 2005 19% der Bevölkerung. Für 2030 wird ein Anteil von 29% und fr 2050 von 52% vorausgesagt. Somit wird sich das Durchschnittsalter der Bundes-burger von 42 Jahren im Jahre 2005 unter der Annahme einer annahernd konstanten Geburtenhaufigkeit und der Basisannahme zur Lebenserwartung („mittlere Bevölkerung") auf ca. 50 Jahre im Jahr 2050 anheben (vgl. Statistisches Bundesamt 2006, 14 ff.).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 10: Aufbau der Bevolkerung in Deutschland (Statistisches Bundesamt 2006, 16)

Ahnlich wie die Anzahl der Bundesbürger insgesamt wird auch die Bevölke-rung im erwerbsfähigen Alter (20 bis 64 Jahre) schrumpfen. Gehören heute noch 50 Millionen zu dieser Altersgruppe werden es nach den Prognosen der „mittleren Bevölkerung" im Jahr 2030 nur noch zwischen 42,4 Millionen und 44,2 Millionen sein. Bis zum Jahr 2050 wird die Erwerbsbevölkerung nur noch 35,5 Millionen bis 39,1 Millionen betragen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 11: Bevölkerung im

Erwerbsalter (Statistisches Bundesamt
2006, 21)

Weiterhin ist zu berücksichtigen, dass der demographische Wandel sich regio­nal unterschiedlich ausprägen wird. Die Variante 2 der 9. koordinierten Bevöl-kerungsvorausberechnung prognostiziert in den Jahren 2000 bis 2010 in Lüneburg noch einen Anstieg der Bevölkerung um 12,6%. In der gleichen Zeit wird es dieser Untersuchung zu Folge aber in Mecklenburg-Vorpommern einen Bevölkerungsrückgang um 3,4% geben. Für den Zeitraum zwischen 2010 und 2025 wird in Mecklenburg-Vorpommern ein weiterer Bevölkerungs-rückgang von 21,0% prognostiziert. In Detmold wird allerdings noch ein Wachstum von 1,2% erwartet (vgl. Buck, H., Kistler, E., Mendius, H.-G. (2002), 22).

[...]

Ende der Leseprobe aus 93 Seiten

Details

Titel
Arbeitsfähigkeit älterer Arbeitnehmer. Betriebliche und individuelle Einflussfaktoren
Hochschule
Universität Vechta; früher Hochschule Vechta  (Hochschule Vechta)
Note
2,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
93
Katalognummer
V128309
ISBN (eBook)
9783640345625
ISBN (Buch)
9783640345540
Dateigröße
2538 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Arbeitsfähigkeit älterer Mitarbeiter, Definition, Modelle, Illmarien
Arbeit zitieren
Dipl. Sozialarbeiter / Dipl. Sozialpädagoge Thomas Löhr (Autor), 2008, Arbeitsfähigkeit älterer Arbeitnehmer. Betriebliche und individuelle Einflussfaktoren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/128309

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