Die vorliegende Arbeit untersucht die sexuelle Vielfältigkeit mit Blick auf den Sport, sowie multiple heterosexistische, diskriminierende aber auch vorteilsbehaftete Tendenzen im Frauen- und Männerfußball. Die internen Strukturen, die Vereinsanhänger und das gesamtgesellschaftliche stereotypische Denken sind Einflussfaktoren, welche die dichotomen Strukturen begünstigen und daher essentielle Bestandteile der Arbeit darstellen. Schweer spricht von einem „sehr prekären Feld“, welches es zu überwinden gilt. Die Aufklärung und Bereitschaft für eine wirksame Veränderung und Inklusion von allen Fußballer*innen, steht im zentralen Mittelpunkt.
Dabei tauchen immer wieder zentrale Begriffe auf, welche nicht nur im Laufe des Textes, sondern auch in der Praxis von großer Bedeutung sind. Der Sport ist mit all seinen Facetten ein absolutes Sinnbild purer gesellschaftlicher Begeisterung, worunter die Bedeutsamkeit der Sportart Fußball jegliche Vorstellung übersteigt. Die Begeisterung für diesen Sport ist länderübergreifend, altersunabhängig und kulturverbindend, wodurch dem Fußball die Möglichkeit einer absoluten Vorbildsrolle zugeschrieben werden kann.
Trotzdem erweisen sich immer noch, aufgrund der strikten binären Geschlechterteilung, Zugangsbarrieren für Menschen, welche sich nicht über das biologische Geschlecht identifizieren, aber auch Ausgrenzungs- und Diskrimierungserfahrungen von homo,- bi- und/ oder trans*sexuellen Sportler*innen. Dass der Begriff Fußball überwiegend mit dem männlichen Phänomen in Verbindung gebracht wird und Frauen im absoluten Schatten stehen, ist unumstritten. Doch wie Vielfältig ist der Sport und insbesondere der Fußball fern ab der dichotomen Strukturen? Hat die bunte Sportwelt Chancen, Teil des traditionellen ‚schwarz-weißen‘ Fußballs zu werden?
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Rund ums Thema und Gliederung der Arbeit
3 Schwarz-Weiß vs. Regenbogen
3.1 Historischer Hintergrund - essentielle Meilensteine der LGTB*IQ Rechte
3.2 Stereotypisiertes Denken im Sport
3.2.1 Abgrenzung der Geschlechterrollen
3.2.2 Das resultierende sexistische und homonegative Denken
3.3 Sexuelle Vielfalt und ihre Bedeutung im Sport
3.4 Homo,- Bi- und Trans*feindlichkeit
4 (Hetero-)Sexismus und Homonegativität im Fußball
4.1 „Das Coming-Out“: Unterschiede zwischen Männer- und Frauenfußball
4.2 Die Dunkelziffern des Männerfußballs
4.3 Das Idealbild eines Fußballers
4.4 Einfluss von Fankulturen
5 Fern ab von Stereotyp: Queere Fußballvereine
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Bachelorarbeit untersucht die sexuelle Vielfalt im Kontext des Sports, insbesondere des Fußballs, unter Berücksichtigung von heterosexistischen, diskriminierenden sowie vorteilsbehafteten Tendenzen. Ziel der Arbeit ist es, den wissenschaftlichen Horizont gegenüber heterosexistischem Denken zu erweitern und Handlungsoptionen aufzuzeigen, die zur Akzeptanz und zum Abbau von Vorurteilen gegenüber LGTB*IQ-Sportler*innen führen.
- Analyse der historischen Meilensteine der LGTB*IQ-Rechte und ihrer Bedeutung für den Sport.
- Untersuchung von stereotypem Denken und Geschlechterrollen im sportlichen Kontext.
- Vergleich der Coming-Out-Prozesse und Bedingungen zwischen Männer- und Frauenfußball.
- Beleuchtung des Einflusses von Fankulturen und internen Vereinsstrukturen auf das Coming-Out.
- Beschreibung queerer Fußballvereine und deren Inklusionspotenzial für eine diversere Sportwelt.
Auszug aus dem Buch
3.1 Historischer Hintergrund - essentielle Meilensteine der LGTB*IQ Rechte
Neben der Entwicklung entsprechender Regenbogenflaggen, bildeten sich über die Jahrzehnte ebenfalls juristische und auch soziale Veränderungen heraus, welche bis heute von enormer Bedeutung sind und einen positiven Ausblick erhoffen lassen.
Mit Artikel drei, Absatz drei des Grundgesetzes wurde 1949 ein wesentlicher Grundstein der Inklusionspolitik für LGTB*IQ Personen gelegt. Das Geschlecht darf hierbei kein Grund für politische, gesellschaftliche oder soziale Benachteiligung sein, wodurch ein erster kleiner Schritt in Richtung LGTB*IQ Grundrechte gelegt wurde. Um weitere Diskrimierungen vorzubeugen, aber auch entgegenzuwirken, veranlassten Bundestag und Bundesrat, 2006 erneut eine juristisch sehr wertvolle Grundlage. Mit dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz entstand eine rechtliches Fundament, welches zu einer dauerhaften Toleranz und Akzeptanz aller Menschen, egal welchen Geschlechts, führen soll (Vgl. Binder, B., o.J. S. 48). Die Charta der EU Grundrechte brachte 2000 mit dem §21 ein Gesetz ins Rollen, welches die Ausgrenzung und Benachteiligung, auch auf Grund der sexuellen Orientierung, entgegenwirken soll (§21, Absatz 1 GRC; Rada, A., 2016, S.6). Klapeer bestätigt daraufhin, dass das mediale, juristische aber auch soziale Augenmerk der LGTB*IQ Community, seit Beginn der 2000er Jahren immer weiter gestiegen ist und bis heute weiter an Präsenz gewinnt (vgl. Klapeer, C. M., 2016, S.96). Blickt man einmal tiefer in die LGTB*IQ Rechte hinein, zeigte sich Dänemark 1989 als absoluter Vorreiter in Sachen gleichgeschlechtlicher Akzeptanz. Als erstes Land wurde im Königreich die homosexuelle Partnerschaft anerkannt und toleriert. In Deutschland schaffte man erst 2001, mit dem Lebenspartnerschaftsgesetz (LPartG) den Durchbruch (Vgl. Rada, A., 2016, S.6). Als offizielle Ehe wurde die sogenannte Lebenspartnerschaft in Deutschland nicht anerkannt, was sich 2017 mit §1353, Absatz 1, Satz 1 BGB änderte (vgl. Binder, B., o.J., S.45). Die umgangssprachliche ‚Ehe für Alle‘, vermittelte damit zumindest ein Gefühl, welches allen Menschen auch eine Eheschließung erlaubt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Kapitel 1 führt in die Thematik der sexuellen Vielfalt im Sport ein und beleuchtet die Problematik der binären Strukturen im Fußball, die als tabuisiertes Feld für LGTB*IQ-Personen fungiert.
2 Rund ums Thema und Gliederung der Arbeit: Kapitel 2 erläutert die persönliche Motivation der Autorin sowie die methodische Vorgehensweise und den inhaltlichen Aufbau der Arbeit.
3 Schwarz-Weiß vs. Regenbogen: Kapitel 3 untersucht das dichotome Denken im Sport, beleuchtet historische Meilensteine der LGTB*IQ-Rechte und analysiert die Bedeutung von Geschlechterrollen sowie sexueller Vielfalt.
4 (Hetero-)Sexismus und Homonegativität im Fußball: Kapitel 4 konkretisiert die Themen Sexismus und Homonegativität spezifisch im Fußball, vergleicht Coming-Out-Prozesse und beleuchtet Einflussfaktoren wie Fankulturen.
5 Fern ab von Stereotyp: Queere Fußballvereine: Kapitel 5 beschreibt die Rolle queerer Fußballvereine, ihr Inklusionspotenzial und wie sie als Gegenentwurf zum heteronormativen Fußball fungieren.
6 Fazit: Kapitel 6 fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und diskutiert die Notwendigkeit weiterer Forschung sowie praktischer Maßnahmen zur Förderung einer inklusiven Sportkultur.
Schlüsselwörter
Sport, Fußball, LGTB*IQ, Coming-Out, Homonegativität, Heterosexismus, Geschlechterrollen, Stereotype, Diskriminierung, Inklusion, Vielfalt, Regenbogenflagge, Profifußball, Fanlager, queere Sportvereine
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit thematisiert die Herausforderungen und Diskriminierungserfahrungen von LGTB*IQ-Personen im Sport, mit einem speziellen Fokus auf die binären und heteronormativen Strukturen in der Sportart Fußball.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind Sexismus, Homonegativität, die Bedeutung des Coming-Outs, stereotypisches Denken im Sport sowie die Rolle von Fans und Vereinen bei der Inklusion von sexuellen Minderheiten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, das heterosexistische Denken und Handeln im Sport zu beleuchten und Handlungsoptionen zu finden, die zu einer gesteigerten Akzeptanz und einem effektiven Abbau von Vorurteilen führen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Die Untersuchung basiert primär auf wissenschaftlicher Fachliteratur, ergänzt durch Fachartikel, Doktorarbeiten, Experteninterviews, Handbücher sowie qualitative Daten aus Medienberichten und eigenen Erfahrungswerten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die historischen Grundlagen der LGTB*IQ-Rechte, untersucht das stereotypische Denken im Sport, vergleicht die Coming-Out-Prozesse zwischen Männer- und Frauenfußball und bewertet den Einfluss der Fankultur sowie queerer Vereine.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich geprägt durch Begriffe wie Diversität, Diskriminierung, Heteronormativität, LGTB*IQ-Rechte, Coming-Out sowie Sportsoziologie.
Warum wird zwischen Coming-Out-Prozessen im Männer- und Frauenfußball unterschieden?
Die Autorin stellt fest, dass Coming-Outs im Frauenfußball gesellschaftlich oft auf positivere Resonanz stoßen, während männliche Fußballprofis aufgrund medialen Drucks und strikter Männlichkeitsideale signifikant größeren Vorbehalten gegenüberstehen.
Welche Rolle spielen Fankulturen bei der Homonegativität im Fußball?
Fankulturen spiegeln oft heteronormative Strukturen wider. Während sie in Teilen diskriminierend wirken, gibt es auch positive Vorreiterbeispiele, die sich aktiv gegen Homophobie einsetzen.
- Arbeit zitieren
- Jenice Funke (Autor:in), 2022, Sexuelle Vielfalt im Sport. Heterosexismus, Diskriminierung und Vorurteile gegenüber der queeren Community, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1283125