Innerhalb und als Folge der Unabhängigkeitskriege in Lateinamerika entwickelten sich für das Militär im 19. und 20. Jahrhundert neue Rollen. Die Kolonialzeit gilt als eigene Epoche Spanisch – Amerikas.
Innerhalb des Moduls ging es in der Vorlesung um „Wissen und Macht: Latein-amerikanisches Militär des 19. und 20. Jahrhunderts“ und vertiefend hierzu um die Modernisierungsbestrebungen im Cono Sur: Militärs und Reformer. Militäry Emulation (Nachahmung) wurde hier unterteilt in: Technologietransfer durch Nachahmung, Nachahmung als Technik, Nachahmung als politische & gesellschaftliche Rolle der Militärs (z.B. Entwicklungshilfe verknüpft mit Militär) und als Verbindung zwischen Militär & Staatsbildung. In meiner Hausarbeit wird es um das das Thema der „military emulation“, also der militärischen Nachahmung gehen. Die Militärs in Lateinamerika haben im Laufe vor allem nach der Kolonialisierung im 19. und 20. Jahrhundert durch die Unabhängigkeit der Länder Lateinamerikas große Veränderungen erlebt und die Militärs mussten sich überlegen, wie sie sich zu reformieren hatten, um die Sicherheit ihrer neu gewonnenen Freiheit langfristig schützen zu können und vielleicht auch ihre Macht und ihren Einfluss ausweiten zu können. Ein Weg war der Versuch der Nachahmung. So hatte zum Beispiel Argentinien Frankreich und Chile Preußen zum militärischen Vorbild. Zu untersuchen bleibt, ob Innovationen über Nachahmung durchgeführt wurden, in wieweit die Nachahmungen tatsächlich glückten, was die Motivation für Innovationen waren, welche Innovationen beispielhaft eingeführt und wie diese umgesetzt wurden.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
1.1 Fragestellung
1.2 Forschungstand
2. INNOVATIONEN
2.1 Begriffsdefinition und Erklärungsversuch
2.2 Rollen des Militärs
2.3 Modernisierungstheorien
3. VERSUCHE MILITÄRISCHER INNOVATIONEN
4. ZUSAMMENFASSUNG
Zielsetzung & Themen
Die Hausarbeit untersucht die Dynamik militärischer Nachahmung ("military emulation") in Lateinamerika während des 19. und 20. Jahrhunderts. Ziel ist es zu analysieren, aus welchen Motiven heraus das Militär Innovationen anstrebte, wie diese durch Nachahmung ausländischer Vorbilder umgesetzt wurden und inwieweit diese Reformprozesse unter Berücksichtigung nationaler Gegebenheiten tatsächlich erfolgreich waren.
- Analyse von Motiven für militärische Innovationen
- Rollenbilder des Militärs nach Max Weber
- Bedeutung von Modernisierungstheorien für Reformprozesse
- Beispielhafte Fallstudien (u.a. Luftwaffe in der Dominikanischen Republik, Preußischer Einfluss in Chile)
- Reflexion über den Prozess der Adaption und Modifikation ausländischer militärischer Modelle
Auszug aus dem Buch
2.1 Begriffsdefinition und Erklärungsversuch
Man kann militärische Innovationen in drei zu untersuchende Phasen einteilen:
1. Verhalten des Militärs in Friedenszeiten oder auch: Innovation im operationalen Verhalten des Militärs in Friedenszeiten (menschlich – soziales Verhalten)
2. Verhalten des Militärs in Kriegszeiten oder auch: Innovationen während des Krieges (menschlich – soziales Verhalten)
3. Technologische Innovationen im Militär (Waffenbau)
Allgemein lässt sich sagen, dass große Bürokratien wie das Militär scheinbar nicht nur schwer zu verändern sind, sondern dass sie scheinbar dafür gemacht sind, um nicht verändert zu werden. Militärs sind laut Rosen besonders resistent gegen Veränderungen. Ein Erklärungsversuch hierfür sei gegeben von Colonel John Mitchell (Britische Armee): Der Beitritt der Männer in die Armee geschehe in einem Alter, wo sie die Meinungen „älterer, weiserer Männer“ im Militär adaptieren. Diese blieben dann bestehen als eigene Meinung oder würden durch Reflexion oder Argumente / Erfahrungen revidiert. Es scheint keine gute Erklärung für bürokratische Innovationen zu geben, denn die Studien widersprechen sich oft.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Darstellung der Ausgangslage des Militärs in Lateinamerika nach den Unabhängigkeitskriegen und Definition der Forschungsfrage hinsichtlich der militärischen Nachahmung.
2. INNOVATIONEN: Theoretische Einordnung von Innovationsprozessen im Militär durch Definitionen, Rollenbilder und den Einfluss von Modernisierungstheorien.
3. VERSUCHE MILITÄRISCHER INNOVATIONEN: Empirische Betrachtung konkreter Beispiele, wie der Luftwaffe unter dem Trujillo-Regime und der militärischen Professionalisierung Chiles durch preußische Einflüsse.
4. ZUSAMMENFASSUNG: Synthese der Ergebnisse, die aufzeigt, dass keine eins-zu-eins-Übernahme stattfand, sondern eine zielgerichtete Anpassung fremder Vorbilder an nationale Bedürfnisse.
Schlüsselwörter
Militärische Innovation, Military Emulation, Lateinamerika, Modernisierungstheorie, Militärreform, Nachahmung, Technologietransfer, Nationale Sicherheit, Militärdiktaturen, Soziales Bewusstsein, Waffenbau, Strategiemethoden, Professionalisierung, Preußisches Modell, Trujillo-Regime
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit befasst sich mit der militärischen Nachahmung und den damit verbundenen Innovationsversuchen des Militärs in Lateinamerika im 19. und 20. Jahrhundert.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die Motive für militärische Reformen, die soziologische Klassifizierung der Militärrollen, die Anwendung von Modernisierungstheorien und die praktische Umsetzung ausländischer Vorbilder.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Die Arbeit möchte untersuchen, ob Innovationen durch Nachahmung gelangen, was die Motivationen dahinter waren und wie diese Prozesse praktisch in den jeweiligen Ländern umgesetzt wurden.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse und den Vergleich von Fallbeispielen, um theoretische Konzepte (wie die von Rosen, Weber oder Resende Santos) auf historische Ereignisse anzuwenden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst theoretische Grundlagen zu Innovationen und Militärrollen erarbeitet, gefolgt von einer konkreten Untersuchung an Fallbeispielen wie der Luftwaffe in der Dominikanischen Republik und dem preußischen Einfluss in Chile.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Military Emulation, Militärinnovation, Modernisierungstheorien, nationale Sicherheit und die Anpassung fremder militärischer Strukturen.
Wie bewertet der Autor die Rolle des Militärs als "Beschützer"?
Der Autor stellt fest, dass sich das Militär oft selbst in einer Funktion als "Beschützer" sah, die Reformen notwendig machte; ob dies objektiv gerechtfertigt war, wird in der Arbeit jedoch ausdrücklich unbewertet gelassen.
Was ist das Ergebnis der Fallstudie zum chilenischen Militär?
Die Studie kommt zu dem Schluss, dass das chilenische Militär das preußische Vorbild nicht eins zu eins kopierte, sondern bewusst auswählte und an die eigenen Bedürfnisse anpasste, wobei dennoch eine signifikante Professionalisierung erzielt wurde.
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- Dipl. Simone Menzer (Author), 2009, Militärische Innovationen in Lateinamerika, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/128339