Das Thema Moral ist sehr wichtig für das Zusammenleben in einer Gesellschaft. Die Auseinandersetzung wie sich eine solche Moral entwickelt, ist nicht nur interessant sondern auch sehr aufschlussreich.
Diese Arbeit möchte sich vor allem mit Piagets Ideen zur moralischen Entwicklung beim Kind beschäftigen. Dazu wird es notwendig sein, einen Einblick in Piagets Untersuchungen des Murmelspiels zu geben. Das Hauptmerk dieser Arbeit soll allerdings auf Piagets Moraltheorie liegen, welche besonders zwischen einer heteronomen Moral und einer autonomen Moral unterscheidet. Wie wird die heteronome Moral dargestellt? Was macht die autonome Moral im Gegensatz zur heteronomen Moral aus? Kann es auch Mischformen aus diesen beiden Moraltypen geben? Solche Fragen werden im Mittelpunkt der Diskussion stehen. Zur Verdeutlichung der Moraltheorie wird es von Nutzen sein, auch Piagets Untersuchungsmethoden zur Erarbeitung und Bestätigung seines Modells in Ansätzen offen zu legen. Auch eine Kritik zur Moralkonzeption Piagets soll nicht ausgespart werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Moralentwicklung bei Piaget
3 Das Murmelspiel
3.1 Versuchsaufbau und Versuchsobjekt
3.2 Die Regeln des Murmelspiels
3.3 Die Stadien der Regelpraxis
4 Heteronome und autonome Moral
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Grundlagen von Jean Piagets Theorie zur Moralentwicklung beim Kind, wobei der Fokus auf dem Übergang von einer heteronomen zu einer autonomen Moral liegt. Die Forschungsfrage widmet sich dabei der Bedeutung von kindlichen Spielregeln als Spiegelbild für soziale Entwicklungsprozesse und der Unterscheidung zwischen moralischem Denken und praktischem Handeln.
- Analyse des Murmelspiels als zentrales Untersuchungsobjekt
- Abgrenzung heteronomer und autonomer Moralstufen
- Vergleich von moralischem Urteil und konkretem Handeln
- Diskussion der klinischen Methode zur Erforschung des Kindesalters
Auszug aus dem Buch
3.2 Die Regeln des Murmelspiels
Was haben die Regeln des Murmelspielens mit Moral zu tun? Für Piaget stellt jede Moral ein System von Regeln dar. Das Wesen der Sittlichkeit besteht für ihn in der Achtung, welche das Individuum für diese Regeln empfindet. Schwierigkeiten in der Analyse der kindlichen Moral sieht er darin, dass Kinder mit einer Erwachsenenmoral konfrontiert werden, die auf Bedürfnisse und Entwicklungsstand eines Kindes keine Rücksicht nehmen. Da es schwer ist, herauszufinden, inwieweit ein Kind tatsächlich Regeln „an sich“ berücksichtigt oder sich nur der Autorität Erwachsener fügt, beginnt Piaget seine Analyse anhand eines von Kindern erstellen Regelsystems, den Regeln des Murmelspiels.
„Die Regeln des Murmelspiels werden genau wie die sogenannten moralischen Tatsachen von Generation zu Generation überliefert und verdanken ihre Fortdauer lediglich ihrer Beachtung durch die Individuen. Der einzige Unterschied ist, daß es sich hier um Beziehungen der Kinder untereinander handelt.“
Die Analyse der Regeln des Murmelspiels ist für Piaget deshalb ein interessanter Bereich, weil der Einfluss Erwachsener gering ist. Zudem ermöglichte die Untersuchung sowohl die Praxis der Einhaltung der Regeln als auch das Bewusstsein der Regeln zu erforschen. Die Beziehungen zwischen diesen beiden Bereichen sind besonders wichtig für die „Bestimmung des psychologischen Charakters der moralischen Tatsachen“. Die Beziehungen zwischen „Praxis“ und „Bewusstsein“ sind identisch mit dem, was wir heute als Zusammenhang zwischen Handeln und Denken bezeichnen würden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in das Thema der Moralentwicklung beim Kind unter besonderer Berücksichtigung von Piagets Untersuchungen und seiner Theorie zu moralischen Urteilen.
2 Die Moralentwicklung bei Piaget: Darstellung der theoretischen Grundlagen und der Einflüsse auf Piaget, die seine Problemstellung zur moralischen Urteilsforschung maßgeblich geprägt haben.
3 Das Murmelspiel: Analyse von Spielregeln als spontane, nicht von Erwachsenen geprägte Ausdrucksform der kindlichen moralischen Entwicklung und deren Stufen.
4 Heteronome und autonome Moral: Untersuchung der Unterscheidung zwischen einer durch Zwang bestimmten heteronomen Moral und einer durch Kooperation entwickelten autonomen Moral.
5 Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Erkenntnisse über die Moralentwicklung als bereichsspezifischen Prozess und kritische Würdigung der Forschungsmethode Piagets.
Schlüsselwörter
Jean Piaget, Moralentwicklung, Kindheit, Murmelspiel, heteronome Moral, autonome Moral, klinische Methode, Regelbewusstsein, Regelpraxis, moralisches Urteil, soziale Kooperation, moralischer Realismus, Kinderspiele, moralisches Handeln, Gerechtigkeitsbegriff.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Theorie von Jean Piaget zur moralischen Entwicklung bei Kindern, insbesondere mit dem Übergang von fremdbestimmten Regeln zu selbstbestimmten moralischen Prinzipien.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Kernbereichen gehören das Murmelspiel als Analyseobjekt, die Entwicklung des Regelbewusstseins sowie die Unterscheidung zwischen heteronomer und autonomer Moral.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, Piagets moraltheoretische Ansätze verständlich darzulegen, die Bedeutung kindlicher Spielpraxis für die Moralentwicklung zu beleuchten und den Zusammenhang von Denken und Handeln zu diskutieren.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet Piaget?
Piaget nutzt primär die „Klinische Methode“, welche durch Verhaltensbeobachtungen und explorative Interviews mit Kindern geprägt ist, um deren moralische Urteilsbildung zu erforschen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die verschiedenen Stadien der Regelpraxis und des Regelbewusstseins im Murmelspiel sowie die theoretischen Differenzierungen zwischen moralischem Urteil und tatsächlichem Handeln.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Moralentwicklung, Autonomie, Heteronomie, Regelpraxis und die klinische Methode von Jean Piaget definiert.
Warum wählt Piaget ausgerechnet das Murmelspiel als Untersuchungsgegenstand?
Da das Murmelspiel von Kindern untereinander tradiert wird und kaum direkten Einfluss durch Erwachsene erfährt, bietet es eine unverfälschte Einsicht in die moralische Entwicklung innerhalb der Peer-Group.
Inwiefern unterscheiden sich heteronome und autonome Moral?
Die heteronome Moral basiert auf einseitigem Respekt vor Autoritäten und der Unabänderlichkeit von Regeln, während die autonome Moral auf gegenseitiger Achtung, Kooperation und dem demokratischen Aushandeln von Regeln beruht.
- Quote paper
- Evelyn Habel (Author), 2008, Moralentwicklung beim Kind - Jean Piaget, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/128393