Was bewegt junge Menschen heute noch zum Deutschlernen und inwiefern könnten Videos und Memes sie eventuell davon abschrecken oder sie auch dazu motivieren?
Neben diesen Fragestellungen soll diese Arbeit mit Hilfe eines qualitativen Interviews beantworten, welche soziale Bedeutung – also Prestige, Stigmata, Emotionen – die Gewährsperson mit der deutschen Sprache verbindet. Welche Einstellungen hat sie gegenüber dialektalen Varietäten und welche (sprach-)biographischen Schlüsselerlebnisse während des Deutschlernens?
Im Rahmen dieser Arbeit wird der aktuelle Forschungsstand dargestellt und analysiert, im zweiten Teil wird das Interview in Form einer Transkription wiedergegeben analysiert. Zuletzt werden die Ergebnisse zusammengetragen und die Forschungsmethode reflektiert.
Noch vor wenigen Jahrzehnten hätte niemand gedacht, dass Social Media ein wesentlicher Bestandteil unseres Lebens sein würde. Jüngere, wie auch ältere, Generationen scrollen oft stundenlang durch TikTok, Instagram und Co. Bei diesem Zeitvertreib stößt man mitunter auch auf Comedy und Witze über Sprachen. Nicht selten ist dabei Deutsch eine Zielscheibe. Angriffspunkte sind vor allem harte Konsonanten oder lange Komposita, welche nicht selten zu Challenges für Menschen mit einer anderen L1 herangezogen werden. Ebenso wird die Menge an Artikeln und Fällen wird als unglaublich schwer zu lernen dargestellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung und Motivation für das Thema
2. Wie international ist die deutsche Sprache?
3. Exkurs: wie Memes und Comedy dem Image der Deutschen Sprache schaden, aber auch nützen, können.
4. Deutsch als Fremdsprache – Motivationen
5. Dialektale Varietäten
6. Existierende Spracheinstellungen zum Deutschen
7. Qualitatives Interview – Analyse
7.1. Motivationen
7.2. Hürden & Erfahrungen mit Dialekten
7.3. „Motivationskiller“ German Memes
8. Fazit & Reflexion
Zielsetzung & Forschungsthemen
Die Arbeit untersucht die Faktoren für das Erlernen der deutschen Sprache, insbesondere im Hinblick auf die Motivation, den Einfluss von Spracheinstellungen und das Image der deutschen Sprache in sozialen Medien. Eine zentrale Forschungsfrage widmet sich der Bedeutung von Comedy-Videos und "German Memes" für die Lernmotivation junger Menschen.
- Rolle der Motivation beim Spracherwerb (instrumentell vs. integrativ).
- Einfluss von Social Media auf das Image und die Wahrnehmung der deutschen Sprache.
- Umgang von Fremdsprachenlernenden mit Dialekten und regionalen Varietäten.
- Erfahrungen und sprachbiografische Schlüsselerlebnisse im Lernprozess.
- Vergleichende Analyse von Spracheinstellungen und der Wirkung von Vorurteilen.
Auszug aus dem Buch
3. Exkurs: wie Memes und Comedy dem Image der Deutschen Sprache schaden, aber auch nützen, können.
Der Begriff „Meme“ ist um einiges älter, als man glauben möchte. Es wurde tatsächlich bereits 1976 vom Biologen Richard Dawkins benutzt, um kleine kulturelle Einheiten zu beschreiben, die sich durch Imitation, von Person zu Person übertragen (Vgl. L. Shifman, S. 2567.). Die Verbreitung von Memes wird dabei durch mehrere Punkte begünstigt:
Online meme transmission has a higher copy-fidelity (i. e., accuracy) than does communication through other media, as digitalization allows the transfer of information without loss. Fecundity (the number of copies made in a time unit) also is greatly increased since computers can quickly produce thousands of message copies. Longevity can potentially increase as well since information can be stored indefinitely in archives. (L. Shifmann, S. 2568-2569.)
All diese Punkte begünstigen also die Verbreitung von Witzen und Memes im World Wide Web und können so dem Ansehen einer Sprache schaden, aber es gibt auch eine Gegenbewegung mit Beiträgen, die zeigen, dass Deutsch nicht die schrecklich harte Sprache ist, die in anderen Comedy-Sketches dargestellt wird und manche Wörter und Ausdrücke sogar kürzer und einfacher sind als in anderen Sprachen. Auch teilen viele Menschen ihre Erfahrungen mit dem Erlernen des Deutschen und nehmen so Interessierten hoffentlich die Angst davor, selbst Deutsch lernen zu wollen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung und Motivation für das Thema: Die Einleitung beleuchtet die Rolle von Social Media bei der Wahrnehmung der deutschen Sprache und formuliert die Forschungsfrage bezüglich der Auswirkung von Online-Inhalten auf Lernmotivationen.
2. Wie international ist die deutsche Sprache?: Dieses Kapitel analysiert den Status des Deutschen im EU-Kontext und diskutiert die Konkurrenz durch Englisch als lingua franca.
3. Exkurs: wie Memes und Comedy dem Image der Deutschen Sprache schaden, aber auch nützen, können.: Es wird theoretisch erläutert, wie sich Memes verbreiten und welche ambivalenten Effekte dies auf die Motivation von Deutschlernenden haben kann.
4. Deutsch als Fremdsprache – Motivationen: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Fremdsprachenmotivation, insbesondere die Unterscheidung zwischen instrumenteller/integrativer und intrinsischer/extrinsischer Motivation, dargelegt.
5. Dialektale Varietäten: Dieses Kapitel definiert Dialekte innerhalb der Sprachwissenschaft und erörtert die Problematik der Abgrenzung dialektaler Einheiten.
6. Existierende Spracheinstellungen zum Deutschen: Die Autorin fasst aktuelle Forschungsansätze zu Spracheinstellungen zusammen und beleuchtet, wie gesellschaftliche Einflüsse das Image des Deutschen prägen.
7. Qualitatives Interview – Analyse: Der Hauptteil präsentiert die Auswertung eines qualitativen Interviews, in dem eine Gewährsperson ihre Erfahrungen mit dem Deutschlernen in Österreich reflektiert.
8. Fazit & Reflexion: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse und reflektiert über die Notwendigkeit weiterführender empirischer Forschung im Bereich Social Media und Spracheinstellungen.
Schlüsselwörter
Deutsch als Fremdsprache, DaF, Spracherwerb, Lernmotivation, Social Media, German Memes, Spracheinstellungen, Dialekte, Sprachbiografie, Lingua franca, Qualitative Forschung, Sprachwissenschaft, Deutsch in Österreich, Prestige, Stigma.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Faktoren, die junge Menschen dazu motivieren oder davon abhalten, Deutsch als Fremd- oder Zweitsprache zu erlernen, wobei ein besonderes Augenmerk auf dem Einfluss durch digitale Medien liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen der Motivation, die Analyse von Spracheinstellungen sowie die Untersuchung, wie dialektale Varietäten und das von Internet-Memes geprägte öffentliche Image die Lernenden beeinflussen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es zu ergründen, welche Rolle soziale Medien, insbesondere durch Comedy und Memes erzeugte Vorurteile über die "Schwere" der deutschen Sprache, für junge Lernende spielen und wie diese ihre Motivation prägen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin verwendet eine Kombination aus einer theoretischen Literaturanalyse zum aktuellen Forschungsstand und einem empirischen Ansatz in Form eines qualitativen Interviews mit einer Gewährsperson.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Erörterung der Motivationsarten und Spracheinstellungen sowie eine ausführliche Analyse eines Experteninterviews, das die persönlichen Erfahrungen und Herausforderungen beim Deutschlernen in Österreich abbildet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie "DaF" (Deutsch als Fremdsprache), "Sprachmotivation", "German Memes" und "Spracheinstellungen" charakterisiert.
Warum spielt die Rolle der Großmutter der Au-Pair-Familie eine so markante Rolle in der Analyse?
Sie fungiert in der Untersuchung als Beispiel einer kritischen Sprachumgebung; diese kritischen Rückmeldungen wurden von der befragten Person nicht als demotivierend, sondern paradoxerweise als Ansporn wahrgenommen, ihre Deutschkenntnisse gezielter zu verbessern.
Inwiefern unterscheidet sich die Wahrnehmung des Österreichischen Deutsch im Vergleich zum Bundesdeutschen?
Die befragte Person gibt an, durch den Alltag in Österreich primär mit österreichischen Varietäten vertraut zu sein, während "bundesdeutsche" Begriffe und Akzente ihr aufgrund mangelnder Exponierung oft schwerer fallen und als eine Hürde im Verständnis wahrgenommen werden.
Wie wirkt sich die grammatikalische Komplexität des Deutschen auf das Schreibverhalten der Befragten aus?
Die Befragte beschreibt eine Unsicherheit beim schriftlichen Ausdruck im Vergleich zum gesprochenen Wort, da beim Schreiben die Kompensationsmöglichkeiten für fehlendes grammatikalisches Wissen, die in der mündlichen Kommunikation existieren, eingeschränkt sind.
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- Iris Vondraschek (Autor), 2022, Warum Deutsch lernen, wenn man schon eine Prestigesprache spricht?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1284506