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Visueller Kolonialismus am Beispiel Schwarzer Frauenkörper. Fantasien des weißen Mannes

Title: Visueller Kolonialismus am Beispiel Schwarzer Frauenkörper. Fantasien des weißen Mannes

Term Paper , 2022 , 31 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Felix Naundorf (Author)

African Studies - Miscellaneous
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Die Arbeit spürt den Mechanismen kolonialer Bildpraktiken anhand der Darstellung Schwarzer Frauenkörper nach. Zwar gibt es nicht den kolonialisierenden weißen männlichen Blick, ebenso wenig den Westen oder den Rest der Welt – dieser Dualismus reproduziert künstliche Konstrukte, verallgemeinert komplexe Prozesse, Lebensrealitäten und Zusammenhänge.

Dennoch muss zur Kenntnis genommen werden, dass es institutionalisierte, inszenierte Projektionen zugunsten männlicher westlicher Identitätsbildung gab (und gibt), die ein Zerrbild Afrikas schufen. Wie es zu dieser Institutionalisierung von rassistischen Wissenspraktiken kam und wie sich diese Praktiken im Bildmedium einschrieben, soll erörtert werden. Um die diskursive Entstehung von Bildnarrativen nachvollziehen zu können, werden Bilder in dieser Arbeit als Bedeutungsträger mit Repräsentationsfunktion verstanden.

Zur Herausarbeitung der Mechanismen hinter den Bildern soll im ersten Teil ein theoretisches Framework erarbeitet werden, das eine postkoloniale und feministische Perspektive bei der späteren Analyse der Fotografien einnimmt. Grundlegende Konzepte der postkolonialen Theorie liefern dabei einen Zugang zum Verständnis der Hintergründe westlichen Herrschaftsdenkens sowie von Identitäts- und Alteritätsprozessen.

Insbesondere Bhabhas Verständnis der Kultur als signifying process, Saids Konzept der imagined geographies und Spivaks Postulat der Mehrfachausbeutung des sexed subaltern subject sollen hierbei zentrale Pfeiler sein. Das transdisziplinäre Forschungsfeld Visual History soll im zweiten Teil das nötige framework zur Einordnung von Kolonialfotografie und deren Bildpraktiken liefern, um anschließend beide theoretische Teile – den postkolonialen und den visuell-historischen – in einer Ausformulierung und Beschreibung der kolonialen Narrative fruchtbar zusammenzuführen.

Der Bildkorpus setzt sich aus Fotografien der ehemaligen Kolonien des Deutschen Kaiserreichs zusammen, die (höchstwahrscheinlich) zwischen 1883 und 1918 entstanden sind. Um das Besondere, die Frauenkörper beschreiben zu können, soll zunächst jedoch das Allgemeine, nämlich alle Körper betrachtet werden. Daher soll über die Darlegung allgemeiner Narrative kolonialer Fotografie zu speziellen Bildpraktiken hingeführt werden, die nur Frauenkörper betrafen. Ziel ist es, anhand von Beispielbildern herauszuarbeiten, inwiefern sich der koloniale Blick über die Othering- Mechanismen strukturierte.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Postkoloniale Theorie

2.1 Grundlagen und Konzepte

2.2 Selbst- und Fremd(en)konstruktionen

3 Kolonialfotografie

3.1. Bildmaterial

3.2 Der koloniale Blick– Zwischen (Re)Präsentation, Fiktion und Aneignung

3.3 Stereotype Darstellungen – das archetypische Fremde

3.3.1 Rassifizierte, pathologisierte, weibliche Körper

4 Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die Mechanismen kolonialer Bildpraktiken anhand von Fotografien Schwarzer Frauenkörper. Zentral ist dabei die Frage, wie rassistische und sexistische Wissenspraktiken, die den kolonialen Blick prägten, durch das Medium Fotografie institutionalisiert und als Mittel der Identitätskonstruktion des weißen Mannes instrumentalisiert wurden.

  • Analyse kolonialer Bildnarrative mittels postkolonialer Theorie.
  • Untersuchung der Wechselwirkung zwischen Fotografie, Macht und Othering-Prozessen.
  • Dekonstruktion des stereotypen Bildes "der Fremden" und der damit einhergehenden Objektwerdung.
  • Reflektion über die Machtverhältnisse zwischen Fotograf und dem Subjekt der Fotografie.

Auszug aus dem Buch

3.3 Stereotype Darstellungen – das archetypische Fremde

Kolonialfotografie war diversen Zwecken dienlich. Besonders erschreckend ist dabei die anthropologisch-ethnologische Typen- oder Vermessungsfotografie (s. Abb.1-10). Hierbei handelt es sich, wie Bärbel Küster in ihrem Aufsatz „Der verglichene Körper. Aktdarstellung und anthropologische Fotografie" (2003) herausgearbeitet hat, um Aufnahmen einer Person in unbewegter, vom Fotografen vorgegebenen Pose. Die Typenfotografie erinnert stark an mugshots, da Körper- und Kopfhaltung an den „anthropometrischen Aufnahmemodus angepasst" sind. In der Frontalansicht richtet sich der zumeist von Mimik freie Blick direkt in die Kamera, eine Bestellnummer wird teilweise entweder auf den Personen angebracht oder ist in einer Ecke zu finden. „Typenbezeichnung" oder geografische Region bilden den Paratext. Oft ist der Hintergrund genormt, befindet sich eine Messlatte im Bild. Die Personen sind meist teilweise bis ganz nackt.

Zwar weisen die hier gezeigten Aufnahmen nur teilweise die klassischen Merkmale der Typenfotografie auf, doch sollen sie dennoch in diese fotografische Praxis eingereiht werden, da die Mechanismen und Beweggründe ähnliche gewesen sind. So zeigt Abbildung 1 eine lediglich mit einem Bastrock bekleidete Frau, die frontal in die Kamera schaut; im Hintergrund Flora. Diese Art von Postkarte ließ sich häufig finden; Einzelpersonen wurden zu Kollektivsubjekten gemacht – so wie diese Frau, die stellvertretend für die Ewondos (auch Jaunde, eines der bantusprachigen Beti-Völker) zum „Gruss aus Kamerun" abgelichtet wurde. Der Titel verweist somit nicht nur auf den Aufnahmeort der Postkarte, sondern ordnet die Frau der „Typenbezeichnung" Jaunde zu.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Arbeit führt in die Thematik ein, beleuchtet die diskursive Entstehung kolonialer Bildnarrative und definiert den Untersuchungsgegenstand sowie den theoretischen Rahmen.

2 Postkoloniale Theorie: Dieses Kapitel erarbeitet ein theoretisches Framework anhand zentraler Denker wie Said, Bhabha und Spivak, um Machtverhältnisse, Othering und Selbst- sowie Fremdkonstruktionen zu analysieren.

3 Kolonialfotografie: Es wird untersucht, wie koloniale Bildpraktiken, darunter Typen- und Vermessungsfotografien, dazu dienten, rassistische Herrschaftsstrukturen visuell zu stabilisieren und zu rechtfertigen.

4 Fazit: Die Arbeit fasst zusammen, dass die untersuchten Bildpraktiken nicht nur rassistisch und sexistisch geprägt waren, sondern aktiv zur Diskursbildung und zur Festigung eines überlegenen weißen Selbstbildes beitrugen.

Schlüsselwörter

Postkoloniale Theorie, Kolonialfotografie, Othering, Schwarze Frauen, Visueller Kolonialismus, Stereotypisierung, Rassismus, Sexismus, Identitätskonstruktion, Machtverhältnisse, Bildnarrative, Körperpolitik, Repräsentation, Anthropometrie, Visual History.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die Mechanismen hinter kolonialen Fotografien Schwarzer Frauenkörper und wie diese zur Festigung kolonialer und rassistischer Ordnungsstrukturen beitrugen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Themen sind postkoloniale Theorie, koloniale Bildpraktiken, visuelle Repräsentation von Alterität und die Verbindung von Gender und Race in machtvollen Diskursen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es, herauszuarbeiten, wie der koloniale Blick über Othering-Mechanismen strukturiert war und welche Rolle die Fotografie bei der Konservierung rassistischer und sexistischer Zerrbilder spielte.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Die Arbeit nutzt einen diskurstheoretischen Rahmen, basierend auf der Visual History und postkolonialen Theorieansätzen, um die Fotografien als Bedeutungsträger zu analysieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung und eine praktische Analyse, in der verschiedene Bildtypen, wie Typenfotografien und ethnographische Aufnahmen, untersucht werden.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen zählen das koloniale Othering, die Objektwerdung, der male gaze sowie Konzepte von Identität und Differenz in kolonialen Kontexten.

Was besagt das Konzept der "imagined geographies" in diesem Zusammenhang?

Es dient dazu, diskursive Grenzziehungen zwischen einem vermeintlich vertrauten "Eigenen" und einem abgewerteten "Fremden" zu greifen und zu dekonstruieren.

Inwiefern spielt der Begriff "double colonization" eine Rolle?

Der Begriff thematisiert die Mehrfachausbeutung Schwarzer Frauen durch sowohl patriarchale als auch kolonial-ökonomische Machtstrukturen.

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Details

Title
Visueller Kolonialismus am Beispiel Schwarzer Frauenkörper. Fantasien des weißen Mannes
College
Ernst Moritz Arndt University of Greifswald  (Historisches Institut)
Grade
1,0
Author
Felix Naundorf (Author)
Publication Year
2022
Pages
31
Catalog Number
V1284654
ISBN (PDF)
9783346778277
ISBN (Book)
9783346778284
Language
German
Tags
visueller kolonialismus beispiel schwarzer frauenkörper fantasien mannes
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Felix Naundorf (Author), 2022, Visueller Kolonialismus am Beispiel Schwarzer Frauenkörper. Fantasien des weißen Mannes, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1284654
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