Ist das Wechseln zwischen dem Deutschen und dem Türkischen ein Defizit oder eine Stärke? Welche Absichten werden mit dem Codeswitching verfolgt? Diese und weitere Fragen werden in der folgenden Arbeit genauer untersucht. Die Tatsache, dass immer mehr Jugendliche nicht-türkischer Herkunft türkische Elemente in ihrem alltäglichen Sprachgebrauch aufweisen, ist ebenfalls abschließend ein Thema dieser Arbeit. Es beschreibt die resultierende Folge des türkisch-deutschen Codeswitchings, welches als "Türkendeutsch" bezeichnet wird. All diese genannten Themen werden Inhalt dieser Arbeit sein. Bevor sich thematisch auf das Codeswitching des Türkisch-Deutschen spezialisiert wird, wird zuerst eine Klärung verschiedener Begrifflichkeiten zum Thema des Codeswitchings angeführt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Codeswitching
2.1 Unterscheidung von Codeswitching, Codemixing und Entlehnung
2.2 Die drei Arten von Codeswitching
2.3 Funktionen von Codeswitching
3. Hintergrund des türkisch-deutschen Codeswitchings in Deutschland
4. Anwendung der Arten und Funktionen am Beispiel des türkisch-deutschen Codeswitchings
5. Türkendeutsch als Folge des türkisch-deutschen Codeswitchings
6. Fazit
7. Anhang
8. Literaturverzeichnis
8.1 Quellen der Abbildungen im Anhang
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Phänomen des Codeswitchings bei Menschen mit türkischer Herkunft in Deutschland mit dem Ziel, dessen Arten und Funktionen im Sprachalltag linguistisch zu analysieren und als sprachliche Kompetenz anstatt als Defizit einzuordnen.
- Grundlagen des Codeswitchings und Abgrenzung zu verwandten Sprachphänomenen
- Analyse der Funktionen des Codeswitchings (z.B. referentiell, phatisch, metalinguistisch)
- Historischer Hintergrund und Entwicklung des deutsch-türkischen Sprachkontakts
- Anwendung theoretischer Ansätze auf konkrete türkisch-deutsche Sprachbeispiele
- Die Entstehung und Charakteristik von "Türkendeutsch" als Folgeerscheinung
Auszug aus dem Buch
2. Codeswitching
Codeswitching ist ein Sprachwechselverhalten und stellt damit ein wichtiges Element der Kontaktlinguistik dar. Beim Codeswitching werden zwei Sprachen in Kontakt gebracht, indem sie beide von nur einer Person verwendet werden. Teilt man das Wort Codeswitching in Code und Switching auf, übersetzt man Code mit der Sprache beziehungsweise Sprachvariation und Switching mit dem Wechsel dessen (Tok 2014: 28-29). Es beschreibt die optionalen Verwendung von zwei Sprachvariationen innerhalb einer Konversation, die Seitens eines Sprechers erfolgt (Pfaff/Heller 2008: 594). Voraussetzend dafür ist, dass die Gesprächsteilnehmer Wissen über beide Sprachen besitzen. Vergleicht man Codeswitching mit Zweisprachigkeit kann man sagen, dass Zweisprachigkeit nicht voraussetzt, dass man beide Sprachen gleichzeitig sprechen kann, Codeswitching hingegen beinhaltet genau diesen Aspekt, welcher im weiteren Verlauf genauer erläutert wird.
Die anfängliche Einstellung gegenüber des Phänomens des Codeswitchings war sehr negativ geprägt (Pfaff/Heller 2008: 594), da das Codeswitching als etwas angesehen wurde, das gegen die monolinguale Sprachstruktur spricht und mangelnde Sprachkenntnisse der Grund dafür seien. Die Sprecher*innen wurden als inkompetent angesehen, dabei beweist Codeswitching vielmehr eine sprachliche Kompetenz der bilingualen oder multilingualen Sprecher*innen (Tok 2014: 28-30), da die Sprecher*innen über Kenntnisse beider Sprachen verfügen müssen, um von der einen Sprachstruktur in die andere Sprachstruktur switchen zu können (Peterson 2015: 49). Das Codeswitching umfasst verschiedene Größen, denn es können Sätze, Phrasen, Interjektionen oder auch einzelne Wörter getauscht werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Phänomen des Codeswitchings bei Deutschtürken sowie die Problemstellung bezüglich des "Türkendeutsch".
2. Codeswitching: Definition des Begriffs sowie Erläuterung der verschiedenen Arten und Funktionen von Sprachwechseln in der Kontaktlinguistik.
3. Hintergrund des türkisch-deutschen Codeswitchings in Deutschland: Darstellung des historischen Kontextes der Einwanderung türkischer Gastarbeiter und der Entwicklung bilingualer Generationen.
4. Anwendung der Arten und Funktionen am Beispiel des türkisch-deutschen Codeswitchings: Analyse konkreter Beispielsätze zur Identifikation und Zuordnung der zuvor eingeführten theoretischen Konzepte.
5. Türkendeutsch als Folge des türkisch-deutschen Codeswitchings: Untersuchung des neuen Sprachstils unter Jugendlichen und seiner phonetischen sowie grammatikalischen Merkmale.
6. Fazit: Zusammenfassende Bewertung des Codeswitchings als Ausdruck sprachlicher Kompetenz im Kontrast zu den Auswirkungen von "Türkendeutsch".
7. Anhang: Bereitstellung von statistischen Daten zur Bevölkerungsstruktur und einer Konsonantentabelle für die linguistische Analyse.
8. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten fachwissenschaftlichen Quellen und Datenherkünfte.
Schlüsselwörter
Codeswitching, Kontaktlinguistik, Türkendeutsch, Bilinguismus, Sprachkontakt, Türkisch-Deutsch, Sprachwechsel, Matrixsprache, Auxiliarsprache, Sprachkompetenz, Jugendsprache, Intersententiell, Intrasententiell, Extrasententiell, Migration.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem sprachlichen Phänomen des Codeswitchings innerhalb der türkischstämmigen Bevölkerung in Deutschland.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die Definition von Codeswitching, seine verschiedenen Formen und sozialen Funktionen sowie die Entstehung von "Türkendeutsch".
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, Codeswitching als Ausdruck von bilingualer Sprachkompetenz zu verdeutlichen und vom bloßen Mangel an Sprachkenntnissen abzugrenzen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es wird eine linguistische Analyse unter Rückgriff auf kontaktlinguistische Theorien und die Untersuchung von authentischen Beispielsätzen durchgeführt.
Was liegt dem Hauptteil zugrunde?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung des Codeswitchings, eine Analyse türkisch-deutscher Sprachdaten und eine Diskussion über "Türkendeutsch".
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die wesentlichsten Begriffe sind Codeswitching, Bilinguismus, Sprachkontakt, Türkisch, Deutsch, sowie die verschiedenen linguistischen Ebenen wie Syntax und Phonetik.
Gibt es einen Unterschied zwischen Codeswitching und Entlehnung?
Ja, Entlehnungen sind lexikalisiert und fester Teil des Wortschatzes, während Codeswitching eine spontane, situative Sprachverwendung darstellt.
Warum wird "Türkendeutsch" als problematisch angesehen?
Dem Autor zufolge kann "Türkendeutsch" durch die Missachtung grammatikalischer Standards und die Vereinfachung des Sprachgebrauchs langfristig den Schulerfolg und die korrekte Beherrschung der deutschen Sprache gefährden.
Wie unterscheidet sich intrasententielles Codeswitching?
Dabei werden Elemente einer zweiten Sprache innerhalb eines einzelnen Satzes der Matrixsprache eingefügt, im Gegensatz zum Sprachwechsel zwischen ganzen Sätzen.
- Arbeit zitieren
- Medina Samioglu (Autor:in), 2021, Das Türkisch-Deutsche Codeswitching, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1284832