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Von Widerstand und Eigensinn der Welt. Über das weiche Vermächtnis virtueller Umgebungen.

Title: Von Widerstand und Eigensinn der Welt. Über das weiche Vermächtnis virtueller Umgebungen.

Term Paper (Advanced seminar) , 2002 , 31 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Marcus Reiß (Author)

Philosophy - Practical (Ethics, Aesthetics, Culture, Nature, Right, ...)
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Summary Excerpt Details

Ausgangspunkt unseres Ausfluges in die Eigenheiten der Sinne wird eine Schrift sein, die in einmaliger Weise aufzeigt, wie Wahrnehmung aus einer phänomenologischen Perspektive sich zeigt, wie sie uns erscheint. Maurice Merleau-Ponty liefert mit seiner „Phänomenologie der Wahrnehmung“ ein Dokument, das sich in seiner einmaligen Vielfalt auch nahezu 60 Jahre nach der Ersterscheinung dazu eignet, Unzulänglichkeiten gängiger und populärer Meinungen bezüglich des Status und der Bedeutung unserer Wahrnehmung aufzuweisen und zu korrigieren. Wir wählen diese Schrift deshalb, weil es eine zentrale Fragestellung des französischen Autors ist, wie die Empfindungen dazu beitragen eine Welt zu erfahren, die undurchdringlich und unfertig ist und dabei jeden Bereich stellt, in dem wir leben. Die Bedeutung der Wahrnehmung ist dabei eine grundlegende, ihr Modus ist, wie noch zu zeigen sein wird, der einer „originären Erfahrungsweise“ (PdW,254)1.

Der erste Teil der Untersuchung widmet sich dem Leib als Ursprung unseres Verhältnisses zur Welt. Nach einer kurzen Überschau leiblicher Typiken werden die einzelnen Sinne isoliert dargestellt, dies unter dem Gesichtspunkt ihrer Funktion für die Erfahrung von Widerstand innerhalb der Lebenswelt. Schließlich bleibt zu klären, wie sinnliche Leistungen erfahren werden und warum intellektualistische wie auch empirische Verfahren zur Bestimmung ihrer Eigenheiten die Gänze des Phänomens nicht zu umfassen vermögen.

Danach wenden wir unsere Erkenntnisse an auf Umgebungen, die in einem weiten Sinne als „virtuelle“ zu bezeichnen sind. Wir sind um die Beantwortung der Frage bemüht, inwiefern diese Medien, diese Spielarten bildlicher Darstellungen uns Widerstand bieten können. Beleuchtet wird deren Beschaffenheit immer im Kontrast zu zentralen Thesen Merleau-Pontys.2 Daran anknüpfend verlagert sich der Themenschwerpunkt auf Mikrotechnologien, die gezielt um, im oder sogar als Leib „arrangiert“ werden, um Nuancierungen oder Perfektionierungen jeglicher Wahrnehmungen vorzunehmen und dabei aber vielfach auf Grenzen stoßen, die nicht zu umgehen sind. Materialität und Widerständigkeit scheinen dort nur denkbar als gedachte Momente.

Letztlich wird zu zeigen versucht, warum virtuelle „Welten“ streng genommen keine Welten sind. Ob Mißverständnis, begriffliche Unschärfe oder gar Absicht: Jene imaginären Welten gerieren sich rücksichtslos als mögliche Verdoppelung bzw. Verbesserung der Lebenswelt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Wahrnehmung: Zugang zum Sein.

2.1. Der Leib als „Mittel überhaupt, eine Welt zu haben.“

2.2. Die Tastempfindungen.

2.3. Das Sehen.

2.4. Das Hören.

3 Zusammenspiel: Die „Gesamterfahrung“.

3.1. Das Feld der Synästhesien.

3.2. Der Dialog.

4 Das Netz: „Raum“ des Imaginären.

4.1. Kalküle und das anthropomorphe Raster.

4.2. Jenseits des Horizonts.

5 Materialität im Zwielicht.

6 Zur Weltgeltung virtueller Welten.

7. Zusammenfassung.

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das menschliche Wahrnehmungsvermögen auf Basis der phänomenologischen Ansätze von Maurice Merleau-Ponty und stellt diese in den Kontext moderner digitaler Technologien und virtueller Umgebungen, um die Frage nach der Erfahrbarkeit von Widerständigkeit zu klären.

  • Phänomenologie der menschlichen Sinne und Leiblichkeit
  • Strukturen des Widerstands in der Lebenswelt
  • Kritische Analyse virtueller Umgebungen und digitaler Medien
  • Die Problematik der Entstofflichung und technischer Prothesen
  • Unterscheidung zwischen der unerschöpflichen Lebenswelt und digitalen Konstrukten

Auszug aus dem Buch

2.2 Die Tastempfindungen

Immer schon ist mir eine Welt gegenwärtig. Die motorischen Vermögen des Leibes erlauben es, meine Position in ihr zu variieren und meine Stellung den Dingen gegenüber zu arrangieren. Begrenzt wird dies nur durch den Eigenleib als „Nullpunkt aller Orientierungen“ (Meyer-Drawe,1989:295): Er erscheint mir selbst teilweise perspektivisch verzerrt oder, im Falle des Gesichtes, eben gar nicht. Im tastenden Erkunden meines Umfeldes bin ich stets auf diese „leibliche Komponente“ angewiesen (PdW,364).

Dabei ist es keine Vielzahl einzelner Impressionen, die in der Reflexion synthetisiert das getastete Objekt ausmachen: „Nicht das Bewusstsein berührt oder tastet, sondern die Hand“ (Ebd.,366). Es gelingt niemals, die überaus komplexe Struktur des Tastphänomens auseinander zu nehmen, da dem Subjekt die „Impressionskomponenten ... gar nicht gegeben sind“ (Ebd.). Ist das vor mir ausgebreitete Ding, eine Pflanze etwa, uneben bzw. nicht glatt gestaltet, so ist der Raum zwischen den Blättern nicht derart aufzufassen, als sei dort ein „taktiles Nichts“ (Ebd.).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Fragestellung ein, wie Wahrnehmung angesichts moderner Technologien neu zu bewerten ist und stellt das phänomenologische Erkenntnisinteresse dar.

2. Die Wahrnehmung: Zugang zum Sein.: Dieses Kapitel analysiert die Rolle des Leibes sowie der einzelnen Sinne – Tasten, Sehen und Hören – für unsere ursprüngliche Welterfahrung.

3 Zusammenspiel: Die „Gesamterfahrung“.: Hier wird aufgezeigt, wie die Sinne präreflexiv ineinandergreifen und eine leibliche Gesamterfahrung bilden, die einen Dialog mit der Welt ermöglicht.

4 Das Netz: „Raum“ des Imaginären.: Das Kapitel befasst sich mit digitalen Umgebungen und der Frage, inwieweit diese durch ihre binäre Codierung ein echtes Erfahren von Widerstand zulassen.

5 Materialität im Zwielicht.: Die Untersuchung der Auswirkungen technischer Prothesen und Mikrotechnologien auf die leibliche Autonomie und Wahrnehmungsfähigkeit steht im Zentrum.

6 Zur Weltgeltung virtueller Welten.: Hier wird argumentiert, dass virtuelle Konstrukte aufgrund ihrer begrenzten, logischen Struktur keine Welten im strengen, unerschöpflichen Sinne sein können.

7. Zusammenfassung.: Die Arbeit schließt mit einem Resümee über die Unübertragbarkeit der leiblich erfahrenen Welt in digitale Datenstrukturen und warnt vor der Entstofflichung der Existenz.

Schlüsselwörter

Phänomenologie, Wahrnehmung, Leiblichkeit, Widerständigkeit, Virtuelle Welten, Merleau-Ponty, Synästhesie, Digitalisierung, Technikphilosophie, Medientheorie, Weltgeltung, Lebenswelt, Körper-Schema, Internet, Widerstand.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die menschliche Wahrnehmung aus einer phänomenologischen Perspektive und kontrastiert diese mit der zunehmenden Virtualisierung unserer Umwelt durch moderne Technik.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind die Rolle der Sinne, die leibliche Verfasstheit im Dialog mit der Welt, die Kritik an virtuellen Konstrukten und die Bedrohung der Leiblichkeit durch moderne Informationstechnik.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Forschungsfrage lautet, ob und inwiefern in virtuellen, digitalen Umgebungen eine reale Widerständigkeit erfahren werden kann, die mit der leiblichen Welterfahrung vergleichbar ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Untersuchung basiert primär auf phänomenologischen Methoden, insbesondere unter Rückgriff auf das Werk von Maurice Merleau-Ponty, ergänzt durch Positionen der Medientheorie und Technikphilosophie.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil behandelt die Eigenheiten der leiblichen Sinne, die Mechanismen der Synästhesie, den technologischen Zugriff auf den Leib sowie eine kritische Analyse der digitalen Welt als "imaginären Raum".

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe umfassen Phänomenologie, Wahrnehmung, Leiblichkeit, Widerständigkeit und die Differenz zwischen Lebenswelt und virtueller Konstruktion.

Warum spricht der Autor virtuellen Welten den Charakter einer "echten Welt" ab?

Virtuelle Welten basieren auf berechenbaren, binären Codierungen und sind somit geschlossen und "schon entziffert", während die Lebenswelt durch eine unerschöpfliche Tiefe und Unabgeschlossenheit gekennzeichnet ist.

Welche Gefahr sieht der Autor in Bezug auf den Leib bei neuen Technologien?

Es besteht die Gefahr einer "Entstofflichung" des Menschen, in der der Leib als störendes oder zu optimierendes Restrisiko betrachtet wird, was zu einem Verlust an leiblicher Autonomie und existentieller Tiefe führt.

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Details

Title
Von Widerstand und Eigensinn der Welt. Über das weiche Vermächtnis virtueller Umgebungen.
College
Ruhr-University of Bochum  (FB Philosophie)
Course
Imagination und Cyberspace
Grade
1,0
Author
Marcus Reiß (Author)
Publication Year
2002
Pages
31
Catalog Number
V12851
ISBN (eBook)
9783638186445
Language
German
Tags
Widerstand Eigensinn Welt Vermächtnis Umgebungen Imagination Cyberspace
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Marcus Reiß (Author), 2002, Von Widerstand und Eigensinn der Welt. Über das weiche Vermächtnis virtueller Umgebungen., Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/12851
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