Denkt man an die politische Philosophie, so bringt man diese zuerst einmal mit Termini wie Liberalismus, Konservatismus oder Sozialismus in Verbindung, ohne dabei an die Frauenbewegung zu denken. Besonders im Laufe des 20. Jahrhunderts hat sich jedoch der Feminismus als fester Bestandteil heutiger politischer Philosophie etabliert – mit einer grundlegenden Besonderheit, wie Kymlicka in seinem 1990 erschienenen Buch „Contemporary Political Philosophy: An Introduction“ erklärt: „Es gibt einen liberalen Feminismus, einen sozialistischen Feminismus, sogar einen libertären Feminismus.“ Aber wie lässt sich dann der Feminismus in die politische Philosophie einordnen? Um diese Frage zu klären, soll im Folgenden ein, zumindest grober, Überblick über das weitreichende Phänomen gewährt werden, um später seine politische Philosophie bewerten zu können. Der Fokus soll hierbei auf die von Kymlicka angesprochenen Ideen gelegt werden. Das Ziel dieser Arbeit ist also ein doppeltes. Zum einen wird gefragt, was ist überhaupt der Feminismus und welche Philosophie steht dahinter? Und zum anderen stellt sich die Frage nach der politischen Philosophie, welche Kymlicka darin entdeckt und kritisiert. Dafür muss dem zuerst ein kurze Geschichte des Feminismus vorangestellt werden, aus welcher sich die zentralen Theorien ableiten lassen. Trotz des eingegrenzten Themenbereiches soll der Rahmen für eine Kritik an der Kritik und über diese hinaus geschaffen werden. Zu diesem Zweck muss auch ein Blick auf die theoretische Auseinandersetzung Kymlickas mit politischer Philosophie geworfen werden. Als Ergebnis wird ein Überblick über die Entwicklung des Feminismus, die daraus resultierenden Hauptströmungen und schließlich die Auseinandersetzung mit der politischen Philosophie entstehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung: Von Wahlrecht und politischer Philosophie
2. Von den Feminismen
2.1. Die Geschichte: Von der Frauenbewegung zum Feminismus
2.2. Die Feminismen: Von Liberalismus bis Marxismus
2.3. Die Grundsätze: Von Befreiung und Unterdrückung
3. Von der politischen Philosophie des Feminismus bei Kymlicka
3.1. Die politische Philosophie heute: Von Kymlickas Untersuchungen
3.2 Die Kritik Kymlickas: Von Gleichstellung, Privatem
und der Fürsorge
3.3. Die ergänzenden Ansätze: Von Differenzen unter den Feminismen
4. Fazit: Von einer Darstellung mit Grenzen
5. Ausblick: Vom Wandel der Feminismen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das vielschichtige Phänomen des Feminismus und setzt dieses in Bezug zur politischen Philosophie, insbesondere kritisch beleuchtet anhand der Untersuchungen von Will Kymlicka. Ziel ist es, die Entwicklung der Feminismen nachzuvollziehen, deren Grundsätze zu extrahieren und Kymlickas Auseinandersetzung mit feministischen Ansätzen auf deren Konsistenz und Reichweite zu prüfen.
- Historische Entwicklung des Feminismus von der ersten bis zur dritten Welle
- Differenzierung der feministischen Strömungen (Liberalismus, Sozialismus, Libertarismus)
- Analyse der feministischen Ethik der Fürsorge im Vergleich zur liberalen Gerechtigkeitsethik
- Kritische Würdigung der Trennung von öffentlicher und privater Sphäre in der politischen Philosophie
- Untersuchung der Vereinbarkeit von liberaler Philosophie und feministischen Forderungen
Auszug aus dem Buch
3.2 Die Kritik Kymlickas: Von Gleichstellung, Privatem und der Fürsorge
Kymlicka beginnt mit einer Untersuchung des Gleichheitsgrundsatzes im Feminismus, indem er darstellt, wie liberale Demokratien über Diskriminierungsverbote die Gleichstellung der Frau zu realisieren versuchen. Gleich darauf zitiert er aber MacKinnon, welche festgestellt habe, dass dieser juristische Ansatz dabei gescheitert sei, den Frauen Sicherheit, die Chance auf Selbstverwirklichung und Würde zu verschaffen. Er betrachtet den zugrunde liegenden Differenzansatz (MacKinnon: difference approach) und stellt fest, dass dieser nur dort greift, wo Frauen ohne rationalen Grund willkürlich benachteiligt werden. Dieser Ansatz scheitere jedoch dort, wo bestimmte berufliche oder gar gesellschaftliche Positionen direkt auf Männer zugeschnitten sind.
Allerdings sei diese Art der Diskriminierung trotz ihrer „massiven Folgen“ nach dem Differenzansatz eben keine Diskriminierung. Im Folgenden erklärt Kymlicka, die Frau sei durch ihre gesellschaftlich definierte Rolle als Mutter von ihrem Ehepartner abhängig und er übernimmt die Kritik am unvollständigen Differenzansatz. Die Lösung liege also nicht darin, Frauen rechtlich gleichen Zugang zu bestimmten Positionen zu verschaffen, sondern mehr „weiblich definierte Rollen zu schaffen“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Von Wahlrecht und politischer Philosophie: Dieses Kapitel führt in die historische Entwicklung des Frauenwahlrechts ein und begründet die Relevanz des Feminismus als festen Bestandteil der modernen politischen Philosophie.
2. Von den Feminismen: Hier wird ein Überblick über die verschiedenen Wellen des Feminismus, die unterschiedlichen theoretischen Strömungen sowie die gemeinsamen Grundsätze von Befreiung und Unterdrückung gegeben.
3. Von der politischen Philosophie des Feminismus bei Kymlicka: In diesem zentralen Teil wird die Auseinandersetzung Will Kymlickas mit dem Feminismus analysiert, wobei besonders die Kritik an der Gleichstellung, die Privatsphäre und die Ethik der Fürsorge im Vordergrund stehen.
4. Fazit: Von einer Darstellung mit Grenzen: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Untersuchung zusammen und reflektiert die Stärken und Grenzen von Kymlickas Kritik am Feminismus.
5. Ausblick: Vom Wandel der Feminismen: Abschließend wird der Wandel der Feminismen reflektiert und aufgezeigt, wie diese zur Entwicklung eines gerechteren Liberalismus beitragen können.
Schlüsselwörter
Feminismus, Politische Philosophie, Will Kymlicka, Liberalismus, Frauenbewegung, Gerechtigkeitsethik, Fürsorgeethik, Gleichstellung, Privatsphäre, Patriarchat, Differenzansatz, Gender Studies, Unterdrückung, Sozialistischer Feminismus, Politische Partizipation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das komplexe Verhältnis zwischen dem Feminismus als gesellschaftspolitischer Bewegung und dessen Einordnung in die politische Philosophie, unter besonderer Berücksichtigung der kritischen Perspektive von Will Kymlicka.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die historische Entwicklung der Feminismen, die theoretischen Hauptströmungen, die feministische Kritik an liberalen Gerechtigkeitsmodellen sowie die Kontroverse um die Ethik der Fürsorge.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die politische Philosophie hinter den verschiedenen Feminismen zu erschließen und zu bewerten, wie erfolgreich Kymlickas Kritik an diesen Konzepten in seinem Werk "Politische Philosophie heute" ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literatur- und theoriebasierte Analyse, die bestehende feministische Theorien systematisiert und mit den politisch-philosophischen Thesen von Will Kymlicka vergleicht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Strömungen des Feminismus (liberal, sozialistisch, libertär) dargestellt und anschließend Kymlickas Kritik an der Gleichstellung, die Problematik der Trennung von öffentlicher und privater Sphäre sowie die Differenzen zwischen Gerechtigkeits- und Fürsorgeethik untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Feminismus, politische Philosophie, Kymlicka, Liberalismus, Fürsorgeethik und Gleichstellung geprägt.
Wie bewertet der Autor die Ethik der Fürsorge?
Der Autor stellt fest, dass Kymlicka die feministische Fürsorgeethik zwar als notwendige Ergänzung sieht, aber letztlich versucht, sie in ein rationales Schema der liberalen Gerechtigkeitsethik zu integrieren.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor zur Privatsphäre?
Der Autor schließt, dass die liberale Trennung von öffentlicher und privater Sphäre überwunden werden muss, da die Unterdrückung der Frau primär im häuslichen Raum stattfindet, was der liberale Gleichheitsgrundsatz bisher vernachlässigt.
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- Bakkalaureus Artium Steve Nowak (Author), 2008, Die politische Philosophie der Feminismen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/128616