Die Landung der Alliierten in der Normandie am 6. Juni 1944


Hausarbeit, 2001
16 Seiten, Note: 2-

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die politischen Voraussetzungen vor der Invasion
1.1 Die Konferenz von Teheran
1.2 Britische und amerikanische Überlegungen vor der Invasion

2. Der Ablauf der Invasion
2.1 Die deutsche Lage vor der Landung
2.1.1 Der Atlantikwall
2.1.2 Deutsche Einschätzung der alliierten Pläne
2.1.3 Der Verlaine-Vers
2.2 Die alliierten Vorbereitungen für den D-Day
2.2.1 Die Bildung des COSSAC
2.2.2 Übernahme des Kommandos durch Eisenhower
2.2.3 Entscheidung für den 6. Juni als Landungstag
2.2.4 Die einzelnen Landungszonen
2.3 Der längste Tag
2.3.1 Absprung von Fallschirmjägern
2.3.2 Landung der Landstreitkräfte
2.3.3 Erfolgreicher Abschluß des ersten Invasionstages

3. Schwerwiegende Fehler der deutschen Seite

4. Abschließende Beurteilung des D-Days

5. Militärische Karte der Normandie vom 6. Juni 1944

Literaturverzeichnis

Einleitung

Als die Alliierten am 6. Juni 1944 in der Normandie landeten, war das für Europa ein entscheidender Tag. Denn von nun an war der Weg für die Alliierten ins Deutsche Reich frei, ohne daß z.B. die Alpen ihn versperrt hätten. Es war der erste Schritt zur Befreiung Europas. Mit der geglückten Landung konnten die westlichen Alliierten ihre Überlegenheit an Truppen und Kriegsmaterial ausspielen, so daß der Krieg nur noch zu einer Frage der Zeit wurde.

Welche politischen Überlegungen im Vorfeld der Invasion eine Rolle spielten, wie der sogenannte D-Day im Einzelnen ablief und welche Fehler vor allem auf deutscher Seite gemacht wurden, ist Inhalt dieser Hausarbeit. Der erste Teil zeigt auf, wie die politischen Konstellationen waren und welche Alternativen man von westlicher Seite hinsichtlich der Invasion sah. Der zweite Teil geht näher auf die Vorbereitungen und die Durchführung des Invasionstages ein und bietet einen chronologischen Überblick für den 6. Juni 1944. Der dritte Abschnitt schließlich beurteilt die deutsche Reaktion auf die Landung und zeigt Fehler auf, die entscheidend zum Erfolg für die Alliierten beigetragen haben. Abschließend wird dann die Landung der Alliierten in der Normandie beurteilt.

1. Die Politischen Voraussetzungen vor der Invasion

1.1 Die Konferenz von Teheran

„Es ist ganz zweifellos, daß diese ungeheure Operation die komplizierteste und schwierigste ist, die jemals unternommen wurde“[1], sagte der britische Premierminister Churchill am Mittag des 6. Juni 1944 bei einer Rede vor dem Unterhaus. Gut ein halbes Jahr zuvor wurde bei der Konferenz in Teheran vom 28. November bis zum 1. Dezember über dieses Unternehmen mit dem Namen „Overlord“ beraten. Die Teilnehmer waren der amerikanische Präsident Franklin Roosevelt, der sowjetische Diktator Stalin und der britische Premier Winston Churchill. Die Rolle Stalins wird dabei nicht ganz klar, denn einerseits forderte er die Invasion, um seine eigenen Armeen an der Ostfront zu entlasten (die Invasion sollte mit der sowjetischen Sommeroffensive zusammenfallen) und um einer gewissen Kriegsmüdigkeit seiner Truppen vorzubeugen[2], andererseits war er nicht mehr so dringend auf eine stattfindende Invasion angewiesen wie die Jahre zuvor und durch sie würde er seinen Herrschaftsanspruch in Europa nicht mehr so weit fassen können. Vermutlich liegt das Verhalten Stalins darin begründet, daß er nicht ohne die Westmächte stutzig zu machen von seinen bisher geäußerten Forderungen abrücken konnte. Noch ein Jahr zuvor, im Mai 1942, hatte der sowjetische Außenminister Molotov bei seinem Treffen mit Roosevelt unablässig die Forderung nach einer zweiten Front gestellt. Fast in drohender Weise sagte Molotov damals bezüglich einer zweiten Front zum amerikanischen Präsidenten: „Falls Sie Ihre Entscheidung aufschieben, werden Sie vielleicht die ganze Wucht des Krieges zu tragen haben, und falls Hitler der unbestreitbare Herrscher des Kontinents sein wird, wird es nächstes Jahr unzweifelbar härter werden als dieses Jahr“[3]. Roosevelt sagte Molotov dann auch die zweite Front zu. Übrigens zu einem Zeitpunkt, als dies noch nicht mit den Briten abgestimmt war.[4] Jedenfalls hatte sich die Situation seit 1942 grundlegend geändert für die Sowjetunion. Stalin muß deshalb in Teheran als jemand betrachtet werden, der mehr herauszufinden versucht, was die Westmächte vorhaben, als daß er selbst unbedingt die Invasion fordert.[5]

Roosevelt schrieb nach der Teheraner Konferenz am 4. Dezember 1943 an Stalin: „Ich denke, daß die Konferenz ein großer Erfolg war, und ich bin sicher, daß sie ein historisches Ereignis war, da sie nicht bloß unsere Fähigkeit, gemeinsam Krieg zu führen, bestätigt hat, sondern auch unsere Fähigkeit, in größter Harmonie für den künftigen Frieden zu wirken“[6].

Daß diese „größte Harmonie“ sich in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg nicht durchsetzte, macht deutlich, daß es schon vor 1945 und dem Einsetzen des Kalten Krieges, Probleme gab. Besonders Chruchill war der Sowjetunion gegenüber mißtrauisch. Deshalb sucht er nach Wegen, um Großbritanniens Großmachtstellung zu halten und die Macht Stalins einzugrenzen.

1.2 Britische und amerikanische Überlegungen vor der Invasion

Für Churchill war die Invasion in Frankreich auch nicht unbedingt willkommen. Vielmehr wollte England eine Vormachtstellung im Mittelmeerraum einnehmen und hier einige Operationen unternehmen.[7] Eine Alternative zur Invasion in Frankreich, die zwischenzeitlich diskutiert wurde, war eine Landung auf dem Balkan. William Bullit, ein Vertrauter Roosevelts, sah in einem Einmarsch auf dem Balkan die Chance die Sowjetunion in ihrem Griff nach Europa zu stoppen, indem man bis nach Österreich vorstoße, Hitler gestürzt würde und die Wehrmacht weiter an der Ostfront kämpfen würde. Aber allein aus militärischen Gesichtspunkten war dieses Vorhaben nicht zu realisieren, da man bei weitem auf dem Balkan nicht so schnell vorrücken könnte wie in Frankreich (zwischen der Invasion und der endgültigen Kapitulation haben die westlichen Alliierten ca. 1000 Kilometer zurückgelegt).[8]

Es gab aber noch weitere Überlegungen der Amerikaner, die als Alternativen zu einer Invasion in Frankreich bestanden hätten. Diese Überlegungen wurden im Hinblick auf die Situation nach dem Krieg bezogen. Denn der Feind hieß schon lange nicht mehr nur noch Deutschland bzw. Hitler, sondern auch Stalin bzw. die Sowjetunion. Man steuerte schon zu diesem Zeitpunkt auf den Kalten Krieg zu. Zum einen gab es die Überlegung die amerikanische Produktionsunterstützung für die Sowjetunion zu kürzen oder sogar zu streichen, um das Vorrücken der Roten Armee in Europa zu verzögern, aber letztendlich sah Roosevelt in dieser Maßnahme keine allzu großen Auswirkungen.

Eine andere Möglichkeit wäre der Rückzug Amerikas aus dem Krieg in Europa gewesen, wobei die Folgen gewesen wären, daß entweder Hitler oder Stalin den Krieg für sich entscheiden würden oder daß ein Ausgleichsfrieden zwischen beiden bestehen würden. Doch ein nationalsozialistisches Europa war aus der Sicht Roosevelts nicht akzeptabel.

So bestand die dritte Alternative im Abbruch der Beziehungen zur Sowjetunion, die bis zur offenen Auseinandersetzung mit ihr hätte führen können. Da die amerikanischen Siegaussichten in diesem Fall aber relativ gering gewesen wären, wurde auch diese Möglichkeit nicht in Betracht gezogen.[9] „In diesem Sinn meinte Roosevelt im Mai 1944, die einzige Alternative zur Zusammenarbeit mit der Sowjetunion bestehe darin, Vorbereitungen für den Dritten Weltkrieg zu treffen“[10].

2. Der Ablauf der Invasion

Doch trotz all dieser Überlegungen sollte die Landung 1944 stattfinden. Wie konkret die Vorüberlegungen der Alliierten waren und wie die deutsche Seite der Invasion gegenüberstand, wird im folgenden Teil dargestellt.

2.1 Die deutsche Lage vor der Landung

2.1.1 Der Atlantikwall

Das Oberkommando der Wehrmacht war sich durchaus klar darüber, daß die westlichen Alliierten versuchen würden, auf das europäische Festland zu gelangen, um eine zweite Front zu schaffen. Noch im Dezember 1943 hatte Hitler folgendes gesagt: „Der Angriff wird kommen; daran ist nicht mehr zu zweifeln...Wenn sie im Westen angreifen, wird dieser Angriff den Krieg entscheiden. Wenn dieser Angriff zurückgeschlagen wird, dann ist die ganze Sache vorüber. Dann können wir sofort Truppen abziehen“[11]. Aber was eben nicht klar war, war das Gebiet, wo dieses Unternehmen stattfinden könnte. Deshalb ließ Hitler den sogenannten Atlantik-Wall bauen, der die westeuropäische Küste von Dänemark bis zur Biskaya umfaßte.[12]

Der Oberbefehlshaber West, Generalfeldmarschall Gerd von Rundstedt machte auf dieses Problem bereits 1942 aufmerksam, indem er auf Verteidigungslücken hinwies. Aber erst im November 1943 reagierte Hitler darauf, u.a. nachdem ein britisches Kommandounternehmen versucht hatte bei Dieppe anzugreifen, was allerdings in einer Katastrophe geendet hatte.[13] So lautete eine Mitteilung Hitlers in der Weisung Nr.51 vom 3. November 1943: „Im Osten läßt die Größe des Raumes im äußersten Falle einen Bodenverlust auch größeren Ausmaßes zu, ohne den deutschen Lebensnerv tödlich zu treffen. Anders der Westen! Gelingt dem Feind hier ein Durchbruch in unsere Verteidigung in breiter Front, so sind die Folgen in kurzer Zeit unabsehbar... Ich kann es daher nicht mehr verantworten, daß der Westen zugunsten anderer Kriegsschauplätze weiter geschwächt wird. Ich habe mich daher entschlossen, seine Abwehrkraft zu verstärken...“[14].

Daß der Atlantikwall mehr als ein „Hirngespinst aus Hitlers Wolkenkuckkucksheim“[15] (ein Zitat Rommels) sein sollte, dafür sorgte der von der Propaganda so gern genutzte Erwin Rommel, nachdem er den Oberbefehl über die Heeresgruppe B erhielt, deren Einsatzgebiet von der deutsch-holländischen Grenze bis zur Loiremündung reichte. Rommel war wie Hitler, aber im Gegensatz zu von Rundstedt, davon überzeugt, daß eine stattfindende Invasion direkt an der Küste abgefangen werden müßte, da sonst „die Invasion als eine Tatsache betrachtet werden müßte, die sich nicht mehr rückgängig machen ließ“[16].

[...]


[1] Churchill, Winston S., Der Zweite Weltkrieg, Bd. VI, Bern 1953, S.19

[2] Churchill, Winston S., Der Zweite Weltkrieg, Bd. V, Bern 1953, S.70 f.

[3] Nadeau, Remi A., Stalin, Churchill, and Roosevelt divide Europa, New York 1990, S.30

[4] wie Anmerkung 3, S.31

[5] Rauh, Manfred, Geschichte des Zweiten Weltkriegs, Dritter Teil: Der Weltkrieg 1941-1945, Berlin 1998, S.303 f.

[6] Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten der UdSSR (Hrsg.), Teheran, Jalta, Postdam Konferenzdokumente der Sowjetunion, Bd.1 Die Teheraner Konferenz 1943, Köln 1986, S.34

[7] wie Anmerkung 5, S.302

[8] wie Anmerkung 5, S.300 f.

[9] wie Anmerkung 5, S.310

[10] wie Anmerkung 5, S.310

[11] Bryant, Arthur, Sieg im Westen 1943-1946, Aus den Kriegstagebüchern des Feldmarschalls Lord Alanbrooke, Chef des Empire-Generalstabs, Düsseldorf 1960, S.199

[12] Cartier, Raymond, Der Zweite Weltkrieg, München 1967, S.726

[13] Ryan, Cornelius, Der längste Tag, Normandie: 6. Juni 1944, Klagenfurt 1959, S.29

[14] wie Anmerkung 12, S.726

[15] wie Anmerkung 13, S.26

[16] wie Anmerkung 12, S.726

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die Landung der Alliierten in der Normandie am 6. Juni 1944
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal  (Historisches Institut)
Note
2-
Autor
Jahr
2001
Seiten
16
Katalognummer
V12864
ISBN (eBook)
9783638186551
ISBN (Buch)
9783638757836
Dateigröße
461 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Landung, Alliierten, Normandie, Juni
Arbeit zitieren
Peter Lindhorst (Autor), 2001, Die Landung der Alliierten in der Normandie am 6. Juni 1944, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/12864

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