Grundlage der vorliegenden Hausarbeit im Schwerpunktfach Arbeitssicherheit & Gesundheit I ist die 1999 veröffentlichte Studie "cognitive biases, risk perception, and venture formation: how individuals decide to start companies" von Simon, Houghton & Aquino. In dieser Studie werden die Einflüsse personenbezogener Faktoren des Entscheidungsträgers bei der Unternehmensgründung untersucht. Im Fokus steht dabei das Persönlichkeitsattribut der Risikowahrnehmung des Unternehmers zum Zeitpunkt der Unternehmensgründung sowie deren kognitiven Determinanten. Es stellt sich also die Frage, ob mangelnde Risikowahrnehmung des Entscheidungsträgers eine Komponente für das Scheitern (bzw. den Erfolg) einer Unternehmensgründung ist, und falls ja, welche personenbezogenen Faktoren die Risikowahrnehmung beeinflussen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Entrepreneurship-Forschung
2.1 Entscheidungstheoretische Grundlagen
2.2 Risikobereitschaft und Unternehmensgründung
2.3 Risikowahrnehmung und Unternehmensgründung
2.4 Auswirkungen der Studie von Simon et al.
3. Literatur
4. Anhang
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Arbeit analysiert den Einfluss kognitiver Verzerrungen (cognitive biases) auf die Risikowahrnehmung von angehenden Unternehmern und deren Entscheidungsprozesse bei der Unternehmensgründung. Dabei wird insbesondere untersucht, wie psychologische Faktoren die Einschätzung von Risiken verzerren und somit maßgeblich zum Erfolg oder Scheitern einer Gründung beitragen können.
- Grundlagen der Entrepreneurship-Forschung
- Entscheidungstheoretische Konzepte unter Unsicherheit
- Risikobereitschaft vs. Risikowahrnehmung bei Gründern
- Rolle von kognitiven Verzerrungen (cognitive biases)
- Strategien zur Verbesserung der unternehmerischen Entscheidungsfindung
Auszug aus dem Buch
2.3. Risikowahrnehmung und Unternehmensgründung
Simon, Houghton & Aquino (1999) betrachteten die Frage, warum sich so viele Menschen dafür entscheiden, ein Unternehmen zu gründen, wenn statistisch belegt ist, dass fast die Hälfte aller Neugründungen innerhalb der ersten fünf Jahre scheitern deshalb aus einem anderen Blickwinkel. Im Mittelpunkt ihres Interesses stand nicht die Risikobereitschaft, sondern die Risikowahrnehmung des Entscheidungsträgers. Bedingen also Unterschiede in der Risikowahrnehmung die Entscheidung, ein Unternehmen zu gründen? Und führen sogenannte „cognitive biases“ der jeweiligen Individuen zu unterschiedlichen Graden der Risikowahrnehmung in identischen Entscheidungssituationen?
In ihrer Studie untersuchten die drei Forscher, wie 191 Studenten (Masters of Business Administration) als potentielle Jungunternehmer die ihren Entscheidungen innewohnenden Risiken bewältigen. Eine Differenzierung zwischen Ungewissheit und Risiko, wie sie Knight (1921) und Wöhe (1996) vorschlagen, wurde hierbei nicht vorgenommen, obwohl sie durchaus angebracht wäre. Abgefragt wurde bei der Betrachtung identischer Situationen:
- die Bereitschaft der Studenten, ein Unternehmen zu gründen,
- ihre individuelle Risikowahrnehmung und
- das Ausmaß von „cognitive biases“ bei ihren Entscheidungen.
Ein Teilergebnis der Studie ist, dass Unternehmen nicht gegründet werden, weil die damit verbundenen hohen Risiken erkannt und akzeptiert werden, sondern weil sie schlicht und ergreifend nicht wahrgenommen werden. Die personenbezogene Risikowahrnehmung beeinflußt also die Entscheidung einer etwaigen Unternehmensgründung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die wirtschaftliche Bedeutung von Unternehmensgründungen und führt in die Thematik der Erfolgsfaktoren ein, wobei der Fokus auf die psychologische Studie von Simon, Houghton & Aquino gelegt wird.
2. Die Entrepreneurship-Forschung: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die theoretischen Ansätze der Gründungsforschung und diskutiert die Rolle der Persönlichkeitsmerkmale von Unternehmern.
2.1 Entscheidungstheoretische Grundlagen: Hier werden die normativen und deskriptiven Entscheidungstheorien erläutert, mit besonderem Fokus auf das Konzept der Unsicherheit nach Knight.
2.2 Risikobereitschaft und Unternehmensgründung: Dieses Kapitel setzt sich kritisch mit dem Zusammenhang zwischen der allgemeinen Risikobereitschaft und der Gründungsentscheidung auseinander.
2.3 Risikowahrnehmung und Unternehmensgründung: Der Kernabschnitt analysiert die Studie von Simon et al., welche den Einfluss von "cognitive biases" auf die Risikowahrnehmung untersucht.
2.4 Auswirkungen der Studie von Simon et al.: Das Kapitel diskutiert praktische Konsequenzen aus den Studienergebnissen und zeigt Wege auf, wie eine bewusstere Gründungsplanung Risiken minimieren kann.
3. Literatur: Verzeichnis der in der Arbeit verwendeten wissenschaftlichen Quellen und Studien.
4. Anhang: Detaillierte statistische Übersicht zur Gründungs- und Liquidationsdynamik in Deutschland zwischen 1991 und 2001.
Schlüsselwörter
Unternehmensgründung, Entrepreneurship-Forschung, Risikowahrnehmung, Risikobereitschaft, Entscheidungstheorie, kognitive Verzerrungen, cognitive biases, Unternehmertum, Existenzgründung, Erfolgsfaktoren, Unsicherheit, Psychologie, Überoptimismus, Illusion of Control, Gründungserfolg.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht psychologische Determinanten bei Unternehmensgründungen, insbesondere die Rolle der individuellen Risikowahrnehmung und deren Beeinflussung durch kognitive Verzerrungen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Themenfelder umfassen die Entrepreneurship-Forschung, Entscheidungstheorien unter Unsicherheit, den Einfluss von Persönlichkeitsmerkmalen auf Gründungen sowie die spezifischen Auswirkungen von kognitiven Mustern (biases) auf das unternehmerische Handeln.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es zu ergründen, ob mangelnde Risikowahrnehmung eine Ursache für das Scheitern von Gründungen ist und welche spezifischen kognitiven Faktoren diesen Wahrnehmungsprozess bei Gründern verzerren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung und Interpretation der empirischen Studie von Simon, Houghton & Aquino (1999) zu kognitiven Verzerrungen bei Gründungsentscheidungen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen der Entscheidungsfindung, eine Analyse der Risikobereitschaft und Risikowahrnehmung sowie eine Diskussion, wie angehende Unternehmer ihre Entscheidungsqualität durch Planung verbessern können.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Unternehmensgründung, Risikowahrnehmung, kognitive Verzerrungen (cognitive biases), Entscheidungstheorie und Entrepreneurship.
Wie definiert die Studie von Simon, Houghton & Aquino Risikowahrnehmung?
Sie unterscheidet nicht primär zwischen Risiko und Ungewissheit, sondern konzentriert sich darauf, wie kognitive Verzerrungen dazu führen, dass Risiken bei einer Unternehmensgründung systematisch unterbewertet oder gar ignoriert werden.
Was sind die drei im Text genannten Beispiele für "cognitive biases"?
Es werden "overconfidence" (übersteigertes Selbstvertrauen), "illusion of control" (Überschätzung des eigenen Einflusses) und der "belief in the law of small numbers" (Verallgemeinerung unvollständiger Informationen) als Hauptfaktoren genannt.
Welchen Rat gibt die Arbeit für angehende Unternehmer?
Die Arbeit empfiehlt eine gründliche Vorbereitung und sorgfältige Planung, beispielsweise durch Marktanalysen, Erfahrungsaustausch mit anderen Unternehmern und die Inanspruchnahme externer Beratungsangebote, um die eigene Risikowahrnehmung zu objektivieren.
- Quote paper
- Heiko Sieben (Author), 2003, Unternehmensgründung - Simon, Houghton & Aquino: cognitive biases, risk perception, and venture formation: how individuals decide to start companies, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/12868