Nach der Unterzeichnung der bedingungslosen Kapitulation des Oberkommandos der Wehrmacht, in Anwesenheit der alliierten Generale, in der Nacht vom 8. auf den 9. Mai 1945 in Berlin- Karlshorst, endete in Europa der Zweite Weltkrieg und die Sowjetunion regierte somit etwa zweidrittel des deutschen Gebietes.
Ab dem 11. Mai begann dann der Alliierte Kontrollrat in Berlin mit seiner Arbeit.
Hitlers Dritte Reich war somit Geschichte. Doch was sollte jetzt mit dem deutschen Gebiet geschehen? Sollte man Deutschland unter den vier alliierten Besatzungsmächten Frankreich, USA, Großbritannien und der Sowjetunion aufteilen oder das Ziel eines gemeinsam regierten Deutschlands verfolgen? [...] War es also vorauszusehen, dass Deutschland ein geteiltes Land werden wird? Auf diese Frage und andere Aspekte werde ich im folgenden Text genauer eingehen und die Entwicklungen, vor allem die politischen, aber auch die wirtschaftlichen Veränderungen genauer darlegen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung - Vorraussetzungen
2. Von der sowjetischen Besatzungszone zur Gründung der DDR
2.1. Die Teilung der Welt
2.2. Stationen auf dem Weg zur Zweistaatlichkeit
2.3. Die Transformation des politischen Systems in der SBZ
2.4. Das Primat der Planwirtschaft
2.5. Die Volkskongressbewegung
2.6. Die Verfassung
2.7. Vom Volksrat zur Volkskammer
2.8. Die Staatsgründung
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die politische und wirtschaftliche Entwicklung in der sowjetischen Besatzungszone (SBZ) im Zeitraum von 1946 bis 1949 und untersucht, inwiefern die Gründung der DDR als Resultat dieser spezifischen Transformationsprozesse sowie der systemischen Blockkonfrontation vorauszusehen war.
- Die Auswirkungen der internationalen Blockbildung auf Deutschland
- Wirtschaftliche Umgestaltungen: Bodenreform und Planwirtschaft
- Der politische Transformationsprozess zur SED-geführten Herrschaft
- Die Rolle der Volkskongressbewegung als Vorbereitung auf die Staatsgründung
- Die Verfassungsentwicklung und der Weg zur DDR-Gründung 1949
Auszug aus dem Buch
2.6. Die Verfassung
Das Ergebnis des II. Volkskongresses war, dass der Verfassungsausschuss des Volksrates, unter Leitung des SED- Vorsitzenden Otto Grotewohl, einen Verfassungsentwurf, fast identisch mit dem Entwurf der SED aus dem Jahre 1946, herausarbeitete, nachdem im Oktober 1948 der Öffentlichkeit die Möglichkeit gegeben wurde, Änderungsvorschläge abzugeben. Etwas substantielles wurde danach aber nicht verändert. Dieser Verfassungsentwurf wurde schließlich am 19. März 1949 vom Volksrat, als Verfassungsentwurf für eine “Deutsche Demokratische Republik gebilligt”. Wie die Verfassung der BRD, erhebt auch die Verfassung der künftigen DDR den Anspruch, eine Verfassung für ganz Deutschland zu sein. Im Artikel 1 hieß es: “Deutschland ist eine unteilbare demokratische Republik”. Sie enthielt außerdem die Grundrechte und ähnelte in Teilen der Verfassung der Weimarer Republik. Auf den ersten Blick schienen sich Grundgesetz der BRD und Verfassung der (künftigen) DDR kaum zu unterscheiden, doch schon hier war die Regierung nach dem Blockprinzip vorgeschrieben und keine Opposition vorgesehen, um eine Arbeitsunfähigkeit des Parlaments durch Parteienzersplitterung zu vermeiden. Außerdem sollte nach außen hin die Macht des Parlaments gestärkt werden und somit mehr Kompetenzen als der Reichstag der Weimarer Republik besitzen. Weiterhin wurde beschlossen, dass die größte Fraktion den Ministerpräsidenten stellen sollte, der einer Allparteienregierung vorstand. Somit entfiel jegliche Opposition. Durch die Bestimmung, dass es fortan keine politisch unabhängige Justiz mehr geben sollte und Richter nun von der Volksvertretung abberufen werden, sicherte sich die SED die strikte politische Kontrolle der Justiz.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung - Vorraussetzungen: Der Abschnitt erläutert die Ausgangslage nach der Kapitulation 1945 und die zunehmenden Schwierigkeiten bei der Erhaltung der deutschen wirtschaftlichen und politischen Einheit durch alliierte Reparationsbestimmungen.
2. Von der sowjetischen Besatzungszone zur Gründung der DDR: Dieses Kapitel betrachtet detailliert den Prozess der Spaltung, die wirtschaftliche Umgestaltung durch Bodenreform und Planwirtschaft sowie die politische Gleichschaltung unter der SED.
2.1. Die Teilung der Welt: Hier werden die Enteignungen und die systemische Blockbildung zwischen den USA und der Sowjetunion als Voraussetzungen für die deutsche Teilung dargestellt.
2.2. Stationen auf dem Weg zur Zweistaatlichkeit: Das Kapitel beschreibt das Scheitern der Londoner Außenministerkonferenzen und die zunehmende institutionelle Trennung der Besatzungszonen bis hin zur Währungsreform.
2.3. Die Transformation des politischen Systems in der SBZ: Es wird die Festigung der SED-Macht und die Umformung gesellschaftlicher Verbände sowie die Aufrüstung der Kasernierten Volkspolizei erläutert.
2.4. Das Primat der Planwirtschaft: Der Fokus liegt auf der Etablierung zentralistischer Wirtschaftsstrukturen und der Einführung des Zweijahrplans als Reaktion auf die Ablehnung des Marshallplans.
2.5. Die Volkskongressbewegung: Dieses Kapitel analysiert die Volkskongressbewegung als von der SED inszeniertes Instrument, um nationalen Einheitswillen für die eigenen politischen Ziele zu vereinnahmen.
2.6. Die Verfassung: Die Entstehung der DDR-Verfassung und deren formale Ähnlichkeit mit dem Grundgesetz bei gleichzeitiger Etablierung eines oppositionslosen Blockprinzips werden beleuchtet.
2.7. Vom Volksrat zur Volkskammer: Der Prozess der Scheinlegitimation durch Einheitslisten und die Vorbereitung der Regierungsbildung durch den III. Volkskongress sind zentrale Themen.
2.8. Die Staatsgründung: Der Abschnitt dokumentiert den formalen Akt der Staatsgründung am 7. Oktober 1949 und die Übertragung der SMAD-Kompetenzen an die provisorische Regierung.
3. Fazit: Die abschließende Zusammenfassung bewertet die DDR-Gründung als Reaktion auf die westdeutsche Staatsbildung und betont die totale Ausrichtung am sowjetischen Vorbild.
Schlüsselwörter
Sowjetische Besatzungszone, SBZ, DDR, SED, SMAD, Planwirtschaft, Bodenreform, Blockbildung, Zweistaatlichkeit, Volkskongressbewegung, Deutsche Demokratische Republik, Kalter Krieg, Verfassung, Deutschlandpolitik, Staatsgründung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem historischen Übergang der sowjetischen Besatzungszone zur Gründung der Deutschen Demokratischen Republik im Zeitraum von 1946 bis 1949.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die politischen Transformationsprozesse, die wirtschaftliche Umgestaltung (Bodenreform und Planwirtschaft) sowie die ideologische Einbettung in den beginnenden Kalten Krieg.
Was ist die Forschungsfrage der Arbeit?
Die Forschungsfrage untersucht, ob die Teilung Deutschlands und die Gründung der DDR vorauszusehen waren und inwiefern diese Prozesse durch die Sowjetunion gesteuert wurden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine historisch-analytische Methode, basierend auf der Auswertung relevanter Fachliteratur und zeitgenössischer Dokumente zur deutschen Nachkriegsgeschichte.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Etappen: von den internationalen Voraussetzungen, über die wirtschaftlichen Veränderungen bis hin zu den konkreten Schritten wie der Verfassungsgebung und der Volkskongressbewegung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind SBZ, SED, Planwirtschaft, Volkskongress, Zweistaatlichkeit und die politische Entwicklung der Jahre 1946 bis 1949.
Welche Rolle spielte die SMAD bei der Staatsgründung?
Die SMAD (Sowjetische Militäradministration in Deutschland) fungierte als steuernde Kraft, welche die politische Gewalt innehatte, die Blockbildung initiierte und die Bildung der Regierung maßgeblich unterstützte.
Wie bewertet die Autorin den Charakter der DDR-Verfassung?
Die Autorin hebt hervor, dass die Verfassung zwar äußerlich demokratisch wirkte und Grundrechte enthielt, jedoch durch das Blockprinzip und die fehlende Unabhängigkeit der Justiz de facto eine SED-Diktatur absicherte.
Warum war die Volkskongressbewegung für die SED so bedeutsam?
Sie diente als "von oben" inszenierte Gegenbewegung zur Weststaatsgründung, mit der die SED versuchte, das nationale Einheitsverlangen der Bevölkerung für ihre eigene Machtkonsolidierung zu nutzen.
- Quote paper
- Nadja Kloß (Author), 2006, Die Entwicklung der sowjetischen Besatzungszone bis zur Gründung der DDR, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/128741