Colin Crouch macht in seinem wegweisenden Buch über die Postdemokratie mehrere Vorhersagen über die Entwicklungen von Parteien. Von diesen wird in der vorliegenden Artbeit die Parteienfinanzierung anhand der Rechenschaftsberichte der Bundestagsparteien genauer in den Blick genommen.
Die Frage nach dem Zustand unserer Demokratie muss – so scheint es – in den letzten Jahren immer häufiger gestellt werden. „Politikverdrossenheit“, „Post Faktizität“, „Populismus“, all dies sind wiederkehrende Begriffe im aktuellen politischen Diskurs, denen die Frage innewohnt, welchen Einfluss der Bürger noch auf die Politik hat, welche Rolle er im politischen System spielt und wieweit die Politik auf den Bürger angewiesen ist. Postdemokratietheorien versuchen ein neues Verständnis für die Demokratie zu entwickeln, welche der modernen Gesellschaftsentwicklung gerecht wird.
Zunächst stelle ich die Postdemokratische Theorien von Sheldon Wolin, in Jacques Rancière und Colin Crouch vor und werde anhand letzterer Hypothesen für die Postdemokratische Partei aufstellen, welcher er ein eigens Kapitel in seinem Buch widmet. Anschließend werde ich diese Hypothesen anhand der Rechenschaftsberichte der Bundestagsparteien überprüfen und zuletzt meine Ergebnisse kurz diskutieren.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Daten und Methode
Auswertung
Christlich Demokratische Union (CDU):
Sozialdemokratische Partei Deutschland (SPD):
Freie Demokratische Partei (FDP):
Bündnis 90/ Die Grünen (Grünen):
Die Linke (Linke):
Alternative für Deutschland (AfD):
Christlich Soziale Union (CSU):
Ergebnis:
Diskussion:
Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht anhand der Rechenschaftsberichte deutscher Bundestagsparteien im Zeitraum von 2008 bis 2019, inwiefern empirische Anzeichen für eine von Colin Crouch beschriebene Postdemokratisierung vorliegen.
- Analyse der Mitgliederentwicklung und Beitragsstruktur
- Untersuchung der Bedeutung von Spenden juristischer Personen
- Evaluierung der Entwicklung von Personalausgaben
- Analyse der Wahlkampfausgaben und deren Schwankungen
- Überprüfung postdemokratischer Thesen mittels Regressionsanalysen
Auszug aus dem Buch
Einleitung
Die Frage nach dem Zustand unserer Demokratie muss – so scheint es – in den letzten Jahren immer häufiger gestellt werden. „Politikverdrossenheit“, „Post Faktizität“, „Populismus“, all dies sind wiederkehrende Begriffe im aktuellen politischen Diskurs, denen die Frage innewohnt, welchen Einfluss der Bürger noch auf die Politik hat, welche Rolle er im politischen System spielt und wieweit die Politik auf den Bürger angewiesen ist. Postdemokratietheorien versuchen ein neues Verständnis für die Demokratie zu entwickeln, welche der modernen Gesellschaftsentwicklung gerecht wird.
Zunächst stelle ich die Postdemokratische Theorien von Sheldon Wolin, in Jacques Rancière und Colin Crouch vor und werde anhand letzterer Hypothesen für die Postdemokratische Partei aufstellen, welcher er ein eigens Kapitel in seinem Buch widmet. Anschließend werde ich diese Hypothesen anhand der Rechenschaftsberichte der Bundestagsparteien überprüfen und zuletzt meine Ergebnisse kurz Diskutieren.
Sheldon Wolins Postdemokratietheorie fasst zwei Entwicklungsströme zusammen. Zum einen die Selbstzerstörerischen Tendenzen, die jeder Demokratie innewohnen, da „[…] sie Ideologisierung erlauben, die eine Transformation des freiheitlichen Charakters der Demokratie in eine totalitäre Funktionslogik zu Folge haben könnte.“ (Ritzi 2014: 61) und zum anderen die Postmodernisierung bzw. Ökonomisierung. In Anlehnung an Tocqueville sagt er, dass das Engagement für die Gemeinschaft zugunsten dem Streben nach individuellem Wohlstand, Frieden und Zufriedenheit aufgegeben wurde, was von der neoliberalen Marktwirtschaft weiter angetrieben wird (demokratischer Despotismus). Dadurch tritt eine schleichende Änderung ein, die mit der Zeit die Demokratie nur noch dem Schein nach existieren lässt. Es bildet sich eine entpolitisierende ökonomische und politische Elite, welche nach dem Status der „Superpower“ und dem „Management der Demokratie“ strebt.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Thematik der Postdemokratie und Vorstellung der theoretischen Grundlagen sowie der aus den Thesen von Colin Crouch abgeleiteten Hypothesen.
Daten und Methode: Erläuterung der Datengrundlage basierend auf den Rechenschaftsberichten der Jahre 2008 bis 2019 sowie der Methodik der Regressionsanalyse.
Auswertung: Detaillierte Analyse der Einnahmen und Ausgaben für alle untersuchten Parteien unter Einbeziehung zahlreicher Diagramme.
Ergebnis: Zusammenführung der Ergebnisse zur Bestätigung oder Ablehnung der aufgestellten Hypothesen bei den verschiedenen Parteien.
Diskussion: Kritische Reflexion der Ergebnisse vor dem Hintergrund theoretischer Erwartungen und der Einschränkungen durch die Datenverfügbarkeit.
Zusammenfassung: Abschließendes Resümee der durchgeführten Untersuchung und der Erkenntnis, dass die deutschen Parteien tendenziell nicht postdemokratisch geworden sind.
Schlüsselwörter
Postdemokratie, Parteienfinanzierung, Bundestagsparteien, Mitgliederzahlen, Mitgliedsbeiträge, Firmenspenden, Personalausgaben, Wahlkampfkosten, Demokratie, Neoliberalismus, Rechenschaftsberichte, politische Elite, Empirie, Crouch, Wolin
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert die finanzielle Entwicklung der im Bundestag vertretenen Parteien, um festzustellen, ob sich diese im Sinne der Theorie der "Postdemokratie" von Colin Crouch entwickeln.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum?
Im Zentrum stehen die Einnahmequellen der Parteien (Mitgliederbeiträge und Firmenspenden) sowie deren Ausgabestrukturen, namentlich Personal- und Wahlkampfkosten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die empirische Überprüfung von fünf spezifischen Hypothesen, die aus Crouchs Theorie abgeleitet wurden, um den Grad der Postdemokratisierung deutscher Parteien zu messen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine quantitative Analyse, die Rechenschaftsberichte auswertet, statistische Zusammenhänge mittels Regressionsgeraden berechnet und eine Zeitreihenanalyse durchführt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Einzelanalyse jeder Partei (CDU, SPD, FDP, Grüne, Linke, AfD, CSU), bei der die jeweiligen Finanzdaten untersucht und grafisch aufbereitet werden.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Postdemokratie, Parteienfinanzierung, Mitgliederentwicklung, Personalkosten und politischer Wettbewerb.
Warum wurde der Analysezeitraum für die CSU erweitert?
Die CSU wurde als alleinige Regionalpartei gesondert betrachtet, wobei der Zeitraum bis 1984 ausgeweitet wurde, um eine präzisere Beobachtung der Wahlkampfausgaben über verschiedene Wahlzyklen hinweg zu ermöglichen.
Warum ist die Hypothese 2b bei allen Parteien gescheitert?
Die Hypothese, dass Wahlkampfkosten steigend seien, konnte nicht bestätigt werden, da Parteien keine hinreichend differenzierten Zahlen für einzelne Wahlkampfkosten veröffentlichen und die Ausgaben stark fluktuieren.
Wie lautet die abschließende Schlussfolgerung des Autors?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die untersuchten deutschen Parteien angesichts der empirischen Daten nicht als postdemokratisch im Sinne Crouchs bezeichnet werden können.
- Arbeit zitieren
- Nils Jatho (Autor:in), 2020, Auf dem Weg in die Postdemokratie? Eine Analyse der Rechenschaftsberichte Deutscher Bundestagsparteien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1287570