Leben und Lernen in der Schuleingangsphase


Referat (Ausarbeitung), 2004
27 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Eingangsphase
2.1 Definition
2.2 Unterricht
2.3 Pädagogische Grundsätze
2.3.1 Aufbau von Vertrauen
2.3.2 Stärkung der Persönlichkeit und Vermeidung von Versagen
2.3.3 Spielen und Lernen
2.3.4 Förderung und Forderung der Individualität
2.3.5 Schule als Erfahrungs- und Lernraum

3. Leben in der Institution Schule
3.1 Entdeckungsprozesse in der Schuleingangsphase
3.2 Möglichkeiten zur Unterstützung der Entdeckungsprozesse

4. Soziale Erfahrungen in einer Lerngruppe
4.1 Anfängliche soziale Erfahrungen
4.2 Soziale Beziehungen der Geschlechter
4.3 Gemeinsames Leben unterschiedlicher Kulturen
4.4 Gemeinsames Leben mit Kindern besonderer Bedürfnisse

5. Leben mit einem Klassenlehrer

6. Schulwelt als Lebenswelt im Zusammenhang mit dem Elternhaus

7. Lernen in der Eingangsphase anhand eines Vergleiches:
Didaktische Konzeptionen im Kindergarten und in der Grundschule

8. Fazit

9. Anhang

1. Einleitung

Der Eintritt in die Grundschule ist für die Kinder ein bedeutender Wendepunkt im Leben. Sie begegnen zahlreichen neuen Menschen, einer unbekannten Umgebung und ihr Alltag verändert sich. Es liegt in der Hand der Lehrer[1] bzw. der Eltern die jungen Schüler[2] im neuen Lebensabschnitt zu unterstützen. Aufgrund dessen halten wir es als angehende Lehrer für sinnvoll, uns mit dem Leben und Lernen der Kinder in der Schuleingangsphase auseinanderzusetzen.

Da einige Änderungen in Bezug auf die Schuleingangsphase stattgefunden haben, halten wir es für richtig, den Begriff „Eingangsphase“ zunächst zu definieren. Dabei gehen wir auch kurz auf den Unterricht in der Eingangsphase und auf pädagogische Grundsätze dieser Phase ein. Anschließend erläutern wir die Entdeckungsprozesse, welche die Schulanfänger durchlaufen und nennen Möglichkeiten zur Unterstützung dieser Entdeckungsprozesse. Weiterhin setzen wir uns mit den sozialen Erfahrungen, die die Schulneulinge machen, auseinander. Aber auch die Beziehung zum Klassenlehrer und zu den Eltern spielt in der Schuleingangsphase eine wichtige Rolle, so dass wir das Leben mit einem Klassenlehrer und die Schulwelt als Lebenswelt in Kontinuität mit dem Elternhaus bearbeiten. Durch den Vergleich der didaktischen Konzeption des Kindergartens und der Grundschule wollen wir das Lernen in der Eingangsphase präsentieren. Abschließend fassen wir im Fazit Besonderheiten noch einmal zusammen.

2. Die Eingangsphase

2.1 Definition

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[3]

Mit Beginn des Schuljahres 2003/2004 können alle Grundschulen in Niedersachsen die neustrukturierte Eingangsstufe einführen. Das heißt: Alle schulpflichtigen und schulfähigen Kinder, auch „Kann-Kinder“ genannt, werden eingeschult. Es gibt keine Zurückstellung vom Schulbesuch mehr und somit auch keinen Schulkindergarten, sondern eine jahrgangsübergreifende altersgemischte Eingangsphase. Kinder, die in den Bereichen Sprache, Lernen, emotionaler und sozialer Entwicklung sonderpädagogisch gefördert werden müssen, werden eingeschult, vorausgesetzt die Schule verfügt über „eine sonderpädagogische Grundversorgung im Rahmen eines regionalen Integrationsskonzepts“ (Niedersächsisches Kultusministerium 2003).

Die Eingangsphase in der Grundschule umfasst die erste und zweite Klassenstufe, die als pädagogische Einheit bezeichnet werden. Mit dem ersten und zweiten Schuljahr kann, wenn die Schule sich nicht für die neue Eingangsstufe entschieden hat, ein Schulkindergarten pädagogisch verbunden sein. Die Eingangsphase können die Kinder in einem, zwei oder in drei Jahren durchlaufen. Nur ein Jahr Lernzeit für die Klassenstufen eins und zwei bedeutet, dass ein Schüler

während des gesamten Schuljahres aus der ersten in die zweite Klasse aufsteigen kann. Dieses trifft auf schnell lernende Kinder zu. Durchläuft ein Schüler die erste und zweite Klasse in zwei Jahren, was der Regelfall ist, so heißt das zwei Jahre Lernzeit für die Eingangsphase. Besucht ein Kind die zweite Klasse und hat zum Beispiel Lernschwierigkeiten, so kann es während des gesamten Schuljahres in die Klassenstufe eins zurückgehen. Daraus ergibt sich eine Lernzeit von drei Jahren für die Schuljahrgänge eins und zwei. Nach drei Jahren in der Eingangsstufe rückt der Schüler dann am Ende der zweiten Klasse ohne Versetzungsentscheidung in den dritten Schuljahrgang auf.

Ob und wann ein Kind die Klassenstufe wechselt, beschließt die Klassenkonferenz.

2.2 Unterricht

Der Unterricht in der Eingangsphase ist sowohl thematisch, methodisch als auch didaktisch auf die Lebens- und Erfahrungswelt der Kinder abgestimmt. „Handlungs- und projektorientiertes Lernen haben Vorrang.“ (Landesbildungsserver Schleswig-Holstein 2003, http://www.grs.lernnetz.de/lernbere.php3) Überwiegend handelt es sich beim Anfangsunterricht um differenzierenden Unterricht. Bei der Unterrichtsvorbereitung und Durchführung sind der unterschiedliche Entwicklungsstand der Schüler, deren unterschiedliche Lernwege, Lernstrategien und Lernzeiten zu beachten.[4]

Im Gegensatz zu den weiterführenden Schulen sind die Unterrichtsfächer in der Grundschule, dabei vor allem im ersten und zweiten Schuljahr, nicht so stark voneinander getrennt. Es wird immer versucht, vorausgesetzt es ist sachgerecht möglich, einen thematischen Zusammenhang zwischen den einzelnen Fächern herzustellen. Das didaktische Planungsprinzip lautet deshalb: Fächerübergreifender Unterricht oder Lernen in Zusammenhängen. So soll es den Kindern erleichtert werden, den Sinn des Lernenden zu verstehen. Ziele und Inhalte der Lernbereiche Deutsch, Mathematik, Sachunterricht, Musik, evangelische/katholische Religion, Kunst/Textillehre/Technik, Sport werden thematisch miteinander verknüpft und in handlungs- und projektorientierten Unterricht umgesetzt.

2.3 Pädagogische Grundsätze

Die Eingangsphase soll pädagogisch so gestaltet werden, dass sie möglichst an die Erfahrungen des Kindes vor dem Schulanfang anschließt. Die Schüler werden ihren Fähigkeiten und Fertigkeiten entsprechend gefordert und gefördert, wobei die Lernausgangslage berücksichtigt wird.[5]

2.3.1 Aufbau von Vertrauen

Schule, Eltern und vorschulische Einrichtungen wie z.B. der Kindergarten müssen eng zusammenarbeiten, um ein erfolgreiches Lernen der Kinder zu unterstützen.

Besonders in der Schuleingangsphase ist der Aufbau des Vertrauens zwischen Schule und Eltern wichtig.

2.3.2 Stärkung der Persönlichkeit und Vermeidung von Versagen

Für die Entfaltung der Persönlichkeit und damit auch für das zukünftige Lern- und Leistungsverhalten der Kinder sind die Erfahrungen, die sie in der Eingangsphase machen, bedeutungsvoll. Einfühlsame Begleitung, individuell abgestimmte Anforderungen, positive Vorbilder in der Lerngruppe und anregende Lernsituationen tragen dazu bei. Aber auch Freizeit und Ruhe sind wichtige Vorraussetzungen für selbsttätiges und selbstbestimmtes Lernen.

Bei der Gestaltung von Unterricht sind Sozialentwicklung, Gemeinschaftsbildung und individuelle Förderung der Lernentwicklung aller Schüler zu berücksichtigen.

2.3.3 Spielen und Lernen

„Der Anfangsunterricht ist geprägt durch ganzheitliches Lernen mit allen Sinnen. Spielen lernen und im Spiel lernen sind wesentlicher Teil des Unterrichts.“ (Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur 1996,

S. http://www.schulrecht-sh.de/index.htm) Formen des Offenen Unterrichts wie z.B. Freiarbeit oder Spielen bieten den Schülern die Chance, bei der Auswahl und Gestaltung von Lernaktivitäten ihre eigenen Möglichkeiten und Grenzen zu erkennen.

2.3.4 Förderung und Forderung der Individualität

Im Rahmen pädagogischer Leitthemen werden die Schulanfänger[6] an fachorientiertes Lernen schrittweise herangeführt. Formen des zielorientierten und differenzierenden Unterrichts werden mit Phasen des Spielens und der Freien Arbeitens verknüpft. Solche Formen des Offenen Unterrichts ermöglichen verstärkte Differenzierung und individuelle Lernhilfen. „Individuelles und soziales Lernen ergänzen einander.“

(Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur 1996, http://www.schulrecht-sh.de/index.htm)

2.3.5 Schule als Erfahrungs- und Lernraum

Projekte oder Lernstationen sind besonders für entdeckendes Lernen geeignet. Diese Erfahrungsanlässe sollte die Schule schaffen, um Lern- und Lebensraum für die Kinder zu werden.

3. Leben in der Institution Schule

3.1 Entdeckungsprozesse in der Schuleingangsphase

Die Kinder können in der Schuleingangsphase folgendes entdecken:[7]

plurale Schulgemeinschaft als „Lebensgemeinschaft“:

Die Gemeinschaft in der Schule unterscheidet sich hinsichtlich der Größe von der Gemeinschaft im Kindergarten oder anderen sozialökologischen Ausschnitten. Zu einer Schulgemeinschaft zählen Schulleiter/Schulleiterin, Lehrer, andere Schüler, Hausmeister, Eltern, Sekretärin…, sodass diese wesentlich umfangreicher als z.B. der Kindergarten ist und die Kinder spezifische Lebens- und Beziehungskulturen zwischen diesen Beteiligten erleben.

neue Lebensräume:

Nicht nur die Gemeinschaft in der Schule ist größer als in den bisher vertrauten sozialökologischen Ausschnitten, sondern auch das Gelände sowie das Gebäude mit seinen unterschiedlichen Funktionsräumen wie z.B. der Turnhalle oder den Toiletten. Selbstverständlich gehört auch der eigene Klassenraum zu dem neuen Lebensraum der Schulanfänger.

Rhythmisierung von Lebenszeit:

Der Alltag der Kinder ist in der Schule anders als bisher zeitlich strukturiert und organisiert.

Schulpflicht:

Die Schule ist eine Institution außerhalb der Familie, deren Besuch für die Kinder nicht freiwillig, sondern verpflichtend ist. Sie entdecken also das Leben und Lernen in der Institution Schule zugleich als eine Pflicht.“ (Hanke 2002, S. 38)

Einbringen und Erweitern von Lebenswelt:

Die Schulanfänger können ihre eigenen Interessen, Bedürfnisse und Erfahrungen in den Unterricht mit einbringen und feststellen, dass Schule mit ihrer eigenen Lebenswelt im Zusammenhang steht. Des Weiteren können sie systematisches schulisches Lernen in einer Lerngruppe selbst mit planen und gestalten.

[...]


[1] Für die gesamte Arbeit gilt: Es sind Lehrerinnen und Lehrer gemeint.

[2] Für die gesamte Arbeit gilt: Es sind Schülerinnen und Schüler gemeint.

[3] vgl. Landesbildungsserver Schleswig-Holstein (2003): Grundschule macht Spaß. Im Internet: http://www.grs.lernnetz.de/eingang.php3 (Aufruf: 2004-05-24);

vgl. Niedersächsisches Kultusministerium (2003): Niedersachsen macht Schule mit der neuen Eingangsstufe. Hannover.

[4] vgl. Landesbildungsserver Schleswig-Holstein (2003): Grundschule macht Spaß. Im Internet: http://www.grs.lernnetz.de/lernbere.php3 (Aufruf: 2004-05-24).

[5] vgl. Landesbildungsserver Schleswig-Holstein (2003): Grundschule macht Spaß. Im Internet: http://www.grs.lernnetz.de/eingang.php3 (Aufruf: 2004-05-24).

[6] Für die gesamte Arbeit gilt: Es sind Schulanfänger und Schulanfängerinnen gemeint.

[7] vgl. Hanke, Petra (2002): Anfangsunterricht – Grundschule. Leben und Lernen in der Grundschule. Neuwied: Luchterhand, S. 37-38.

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Leben und Lernen in der Schuleingangsphase
Hochschule
Universität Vechta; früher Hochschule Vechta
Veranstaltung
Übergänge gestalten - Einführung in die Pädagogik des Erstunterrichts
Autor
Jahr
2004
Seiten
27
Katalognummer
V128771
ISBN (eBook)
9783640392407
ISBN (Buch)
9783668145924
Dateigröße
592 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Ausarbeitung beinhaltet Folien und einen praktischen Teil, der vom Seminar während des Referats in Gruppen bearbeitet werden musste.
Schlagworte
Leben, Lernen, Eingangsphase
Arbeit zitieren
Jessica Frerking (Autor), 2004, Leben und Lernen in der Schuleingangsphase, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/128771

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