Das Menschenbild Niccolo Machiavellis in 'Il Principe' / 'Der Fürst'


Hausarbeit, 2009
13 Seiten, Note: gut plus

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitende Fragestellung

2. Quellenanalyse
2.1 Machiavelli – Leben und Werk
2.2 Historische Einordnung des Principe
2.3 Das Menschenbild Machiavellis in Il Principe

3. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

1. Einleitende Fragestellung

In der vorliegenden Hausarbeit soll das von Machiavelli in seinem Werk Il Principe vermittelte Menschenbild analysiert werden. Hierbei soll vor allem darauf eingegangen werden, welche Eigenschaften er den Menschen zuordnet, wie er seine Aussagen rechtfertigt und welche Hintergründe seinem Menschenbild zu Grunde liegen. Der Principe teilt die Gemüter - Machiavelli polarisiert. Dieses Werk und die Discorsi, welche als Einführungslektüre für den Principe gelten, verbinden größtes Lob und schärfsten Tadel für den Florentiner.[1] Die Werke machten Machiavelli berühmt und berüchtigt und wirken bis in unsere Zeit mit den Begriffen Machiavellismus und Anti-Machiavellismus fort. Dass der Florentiner an den Menschen seiner Zeit nichts Gutes lässt, ist allgemein bekannt. Frank Deppe bezeichnet den Ausgangspunkt der politischen Überlegungen Machiavellis als „anthropologischen Pessimismus“.[2] Sein Werk steht aber, trotz der Abkehr vom optimistischen Lebensgefühl[3], in der „Tradition der humanistischen Menschenkunde“.[4] Diese beruhe, so Buck, auf dem in der Renaissance neu erwachten psychologischen Interesse am Menschen, die Antriebe von dessen Handeln, seine Leidenschaften und Affekte zu analysieren und seine Tugenden und Laster zu definieren, meist in der Absicht, aus den Erkenntnissen praktische Folgerungen im Hinblick auf die Verhaltensweisen des Individuums in der Gesellschaft ziehen zu können.[5] Genau dies macht Machiavelli im Principe. Er analysiert den Menschen für Lorenzo de` Medici, damit dieser mit diesen Erkenntnissen Italien zu neuer Kraft emporsteigen lassen kann. Hierfür ist dem Florentiner jedes Mittel recht. Die Erhaltung des Staates sollte nach Machiavelli oberstes Ziel eines jeden Fürsten sein. Retrospektiv wird Machiavelli die Idee der Staatsräson in den Mund gelegt. Des Weiteren ist der Einfluss des Humanismus auch eindeutig durch die vielseitigen antiken Beispiele im Principe zu erkennen.[6]

Um die Entstehung seines Menschenbildes verstehen zu können, wird zuerst Machiavellis Leben und Werk sowie der historische Hintergrund des Werkes Il Principe beleuchtet. Erst dann wird nah an der Quelle arbeitend herausgestellt, welches Menschenbild dieser zu Grunde liegt. Abschließend soll ein Fazit die oben genannten Fragestellungen beantworten.

2. Quellenanalyse

2.1 Machiavelli – Leben und Werk

Niccolò Machiavelli wird am 3. Mai 1469 in Florenz dem mittleren Florentiner Beamtentum entstammend geboren.[7] Bekannt ist, dass er sich früh lateinischer sowie der Literatur der Antike widmet, unbekannt jedoch seine Ausbildung bis zu seinem Eintritt in die Politik 1498. Mit 29 Jahren wird er Sekretär der „Zweiten Kanzlei“, dem Kriegs- und Außenministerium unter der Leitung des „Rats der Zehn“, dessen Sekretär er ebenfalls wird. Die Republik Florenz befindet sich in einer außer- sowie innerpolitischen Krise, an der auch Machiavelli nichts mehr ändern kann. Als Italien in den 90er Jahren des 15. Jahrhundert immer mehr zum Schauplatz internationaler Kriege wird, beauftragt das Staatsoberhaupt Piero Soderini Machiavelli damit, dafür Sorge zu tragen, das mit Frankreich verbündete Florenz aus den Kampfhandlungen herauszuhalten.[8] Mit dieser Mission reist der Florentiner durch die Lande, ist allein vier Mal in Frankreich. Hier lernt er die wichtigsten Akteure seiner Zeit kennen, kann „sein Urteil stärken und Einsichten überprüfen“.[9] Seine Werke, so könnte man schlussfolgern, beruhen auf Erfahrungen aus der Gegenwart und seinem angelesenen Wissen der Antike. 1509 erreicht er den Höhepunkt seiner politischen Karriere. Unter seiner Leitung erobert die von ihm aufgestellte Miliz Pisa zurück. Somit hat Florenz nicht nur einen Zugang zum Meer, sondern auch einen weitaus größeren Erfolg zu verbuchen: Machiavelli gelingt das, was Söldnergruppen jahrelang nicht schafften. Diese Erkenntnis, dass eigene Heere stets vorteilhafter sind als fremde, findet sich auch im Principe wieder, wo an anderer Stelle drauf einzugehen ist. Doch der Erfolg währt nur kurz, denn 1512 erobert das spanische Heer Florenz und ermöglicht so die Rückkehr der Medici. Machiavelli wird aller seiner Ämter enthoben, zieht mit seiner Familie auf ein kleines ererbtes Landgut in Percussina bei San Casciano und lebt dort 14 Jahre lang in sehr armen Verhältnissen. Hier schreibt er sein „politisches, historisches und literarisches Werk“.[10] 1513 beginnt er mit den Discorsi, Betrachtungen über die ersten zehn Bücher Titus Livius`. Im gleichen Jahr beendet er den Principe, der jedoch erst 1532, fünf Jahre nach seinem Tod, veröffentlicht wird. Die Discorsi beendet er 1521, es folgt Arte della Guerra, ein Traktat über die Kriegskunst, 1525 die für Papst Clemens VII. angefertigte Geschichte von Florenz. Fast nebenbei entstehen Lustspiele, Zeit- und Lehrgedichte und politische Skizzen. Ebenfalls ist der umfangreiche Briefwechsel zu nennen, der vor allem Erläuterungen zur politischen Lage Florenz` enthält. Nach vierzehnjähriger politscher Schaffenspause darf Machiavelli wieder kleine Gesandtengeschäfte für die Medici ausführen. Er wird ebenfalls Leiter der Arbeiten für neue Befestigungsanlagen. Als jedoch 1527 das Ende der Medici durch die Plünderung Roms durch kaiserliche Truppen besiegelt ist, setzt man ihn – nun als Teil der Medici – erneut ab. „Mit dieser Niederlage (ist) das Schicksal der Republik besiegelt und so (reißt) das zum Rücktritt gezwungene Oberhaupt des Stadtstaates Machiavelli mit in seinen Sturz.“[11] Machiavelli stirbt arm, ohne die Rückkehr der Medici 1530 zu erleben, am 22. Juni 1527 nach schwerer Krankheit.

2.2 Historische Einordnung des Principe

Die Medici können 1512 nach Florenz zurückkehren. Die damit verbundenen Folgen für Machiavelli wurden oben erläutert. Nach eben noch erfolgreichen Siegen in Pisa bricht sein Heer unter den spanischen Truppen zusammen. Machiavelli nutzt diese private als auch staatliche Niederlage und analysiert das Geschehene. Er kommt zu dem Entschluss, dass Soderini den Fall Florenz` durch seine Unentschlossenheit zu verantworten hat. Nach Machiavelli hat er „weder den von Kämpfen geschwächten Feind in offener Schlacht gestellt, noch das Bündnis mit den inzwischen aus Italien abziehenden Franzosen gekündigt“.[12] Sein Wissen, seine Erfahrungen und seine Erkenntnisse der Geschehnisse der jüngsten Jahre fasst er im Principe zusammen, um ein Handbuch zu entwerfen, welches aufzeigt, wie ein Fürst sich zu verhalten habe, um sein Land vor Feinden zu schützen und sich die Gunst der Menschen zu sichern.

Der Principe muss vor diesem historischen Hintergrund verstanden werden. Schon Herder erklärte, den „Principe von seinem letzten Kapitel her zu verstehen, das dazu aufruft, Italien von der Fremdherrschaft zu befreien“.[13] Das Werk ist nicht als zeitlos zu verstehen, sondern richtet sich an die italienischen Fürsten der Zeit Machiavellis.

[...]


[1] Alfred A. Strnad: Noccolò Machiavelli. Politik aus Leidenschaft . Göttingen u.a. 1984. S.7.

[2] Frank Deppe: Niccolo Machiavelli. Zur Kritik der reinen Politik. Köln 1987. S. 297.

[3] Vgl. Ebd. S. 299.

[4] August Buck: Machiavelli. Darmstadt 1985. S. 37.

[5] Ebd.

[6] Vgl. Deppe. S.305.

[7] Vgl. Niccolò Machiavelli: Il Principe/Der Fürst. Stuttgart 1986. S 231 (Nachwort von Philipp Rippel).

[8] Vgl. Ebd. S. 234. (Nachwort).

[9] Jürgen Miethke. Politische Theorien im Mittelalter. In: Lieber, Hans-Joachim (Hrsg.): Politische Theorien von

der Antike bis zur Gegenwart. München 1991. S. 148.

[10] Machiavelli. S. 236. (Nachwort).

[11] Vgl. Rudolf Weber-Fas: Staatsdenker der Moderne. Tübingen 2003. S. 2

[12] Machiavelli. S. 236. (Nachwort).

[13] Johann Gottfried Herder: Briefe zur Beförderung der Humanität. In: B. Suphan (Hrsg.): Johann Gottfried

Herder. Sämtliche Werke. Band 17. Berlin 1881. S. 323.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Das Menschenbild Niccolo Machiavellis in 'Il Principe' / 'Der Fürst'
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
gut plus
Autor
Jahr
2009
Seiten
13
Katalognummer
V128808
ISBN (eBook)
9783640341450
ISBN (Buch)
9783640337217
Dateigröße
471 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Menschenbild, Niccolo, Machiavellis, Principe, Fürst
Arbeit zitieren
Natascha Weimar (Autor), 2009, Das Menschenbild Niccolo Machiavellis in 'Il Principe' / 'Der Fürst', München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/128808

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