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Erzählen von Ambivalenzen in frühneuhochdeutschen Prosaromanen

Titel: Erzählen von Ambivalenzen in frühneuhochdeutschen Prosaromanen

Hausarbeit , 2022 , 16 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Anonym (Autor:in)

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Ambivalente und widersprüchliche Strukturen sind nicht erst spätmittelalterlichen Texten inhärent und entfalten dort einen besonderen ästhetischen Wert. Anhand von zwei Texten aus dem 15. Jahrhundert, Melusine und Hug Schapler, soll das Phänomen der Ambiguität analysiert werden. Ihrer durchaus heterogenen Thematik, Motivik und (Erzähl-)Tradition zum Trotz, weisen beide Texte signifikante Gemeinsamkeiten auf, die sie dem gleichen Genre zuordnen und als Schwellenromane markieren lassen. Neben ihrer Herkunft aus dem französischen Sprachraum, der Entstehungszeit und ihrem großen Erfolg präsentieren beide Prosaromane auch ambivalente Figuren. Im Folgenden soll gezeigt werden, dass die Anwendung von Ambivalenz als Erzählprinzip zusammen mit anderen innovativen und experimentellen Entwicklungen einen schleichenden Umbruch – sowohl der Epoche als auch des Genres – signalisiert. Zudem wird davon ausgegangen, dass es die Faszination der ambivalenten Figuren selbst ist, der die Prosaromane einen Teil ihres Erfolgs verdanken. In einem ersten Schritt werden deshalb Konzepte von Ambivalenz, Widersprüchlichkeit, Ambiguität, Oppositionen und Zweideutigkeit als ästhetisches Erzählprinzip definiert, um im Anschluss die Figuren Hug Schapler und Melusine auf diese Merkmale hin zu analysieren. Durch diese vergleichende Betrachtung der beiden Figuren kann gezeigt werden, wie sich Ambivalenz in beiden Figuren äußert und dargestellt wird. Ziel der Untersuchung ist es, die Bedeutung ambivalenter Figuren für den frühneuhochdeutschen Prosaromanen herauszuarbeiten.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ambivalenz als Erzählprinzip – Begriffsbestimmung

3. Ambivalente Figuren in frühneuhochdeutschen Prosaromanen

3.1 Ambivalenz der Protagonistin in Melusine

3.2 Ambivalenz des Protagonisten in Hug Schapler

4. Vergleich der ambivalenten Protagonisten Melusine und Hug Schapler

5. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der Ambiguität in frühneuhochdeutschen Prosaromanen des 15. Jahrhunderts unter besonderer Berücksichtigung der ambivalenten Charakterdarstellungen in "Melusine" und "Hug Schapler", um deren Funktion als Spiegel gesellschaftlicher Umbruchsprozesse im Übergang zur Neuzeit zu analysieren.

  • Erarbeitung einer fachspezifischen Definition von Ambivalenz als Erzählprinzip.
  • Analyse der widersprüchlichen Charakterkonstruktion der Protagonisten Melusine und Hug Schapler.
  • Untersuchung der narrativen Strategien (Fremd- vs. Selbstdarstellung) zur Aufrechterhaltung von Ambiguität.
  • Erforschung der Bedeutung ambivalenter Figuren für den Erfolg und die Rezeption frühneuhochdeutscher Prosaromane.
  • Betrachtung von Hybridität und Standesgrenzen als Ausdruck gesellschaftlicher Instabilitäten.

Auszug aus dem Buch

3.1 Ambivalenz der Protagonistin in Melusine

Zuerst einmal liegt eine Diskrepanz zwischen der Selbstdarstellung von Melusine und der Darstellung der anderen Figuren von ihr vor.25 Melusine inszeniert sich den gesamten Handlungsverlauf als adlige Christin (vgl. M S. 12-14, 30, 88), während ihr die anderen Figuren ein gewisses Misstrauen aufgrund ihrer unbekannten Herkunft entgegenbringen. Exemplarisch für die Diskrepanz zwischen Fremd- und Selbstdarstellung (Selbstlegitimation) ist das erste Aufeinandertreffen zwischen Melusine und Reymund (M S. 10-15). Reymund, noch völlig weggetreten nach dem von ihm verschuldeten Tod Graf Emerichs, trifft an einem Brunnen auf Melusine und ihre Schwestern. Nachdem Melusine äußerst bestimmend nach Reymunds Aufmerksamkeit verlangt, weisen seine Gedanken bezeichnenderweise auf Melusines Ambivalenz hin: oder ob das ein Gespenst oder ein Frauw was (M S. 11). Initiierend wird Melusine also von einer anderen Figur als ambivalent vorgestellt. Im Verlauf des Gesprächs überzeugt Melusine Reymund jedoch von ihrer christlichen Herkunft, indem sie sich mehrmals auf Gott bezieht (vgl. M S. 13f.). So legt sich die Skepsis ihres Gesprächspartners (zu mindestens bis zum Tabubruch): Nun mag ich etwas Trosts haben / daß die Jngfrauw kein Gespenst noch keines Unglaubens / sondern von Christlichem Blut kommen / unnd nicht Unglaͤubig sey (M S. 13).

Hier offenbaren sich exemplarisch die Oppositionspaare Heidin – Christin beziehungsweise Unglaube –Glaube und Fee – Mensch, die in Melusine vereint sind. Reymund integriert zusätzlich das Merkmal ‚adlig‘ in diesem Gefüge, indem er Melusine, nach Überzeugung von ihrer Frömmigkeit, als solche betitelt (vgl. M S. 13).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik ambivalenter Strukturen in Literatur des späten Mittelalters und der Frühen Neuzeit ein und legt das Ziel der Untersuchung anhand der Texte "Melusine" und "Hug Schapler" fest.

2. Ambivalenz als Erzählprinzip – Begriffsbestimmung: Dieses Kapitel definiert theoretische Konzepte wie Ambiguität, Hybridität und Ambivalenz und beleuchtet deren narrative Funktion als Ausdruck gesellschaftlicher Umbrüche.

3. Ambivalente Figuren in frühneuhochdeutschen Prosaromanen: Der Abschnitt widmet sich der konkreten Analyse der Figurenkonstruktion, wobei die erzählerische Gestaltung von Inkonsistenz und der Umgang mit Gegensätzen bei den Protagonisten im Zentrum stehen.

3.1 Ambivalenz der Protagonistin in Melusine: Fokus auf die Doppelwertigkeit Melusines als christliche Adelige und anderweltliches Fabelwesen sowie die narrativen Mittel zur Inszenierung dieser Diskrepanz.

3.2 Ambivalenz des Protagonisten in Hug Schapler: Analyse der hybriden Identität Hug Schaplers, der zwischen seiner bürgerlichen Metzgerherkunft und seiner adligen Heldenrolle oszilliert.

4. Vergleich der ambivalenten Protagonisten Melusine und Hug Schapler: Synthese der gemeinsamen narrativen Inszenierungsweisen, die verdeutlicht, wie Ambivalenz Identifikation und Projektion ermöglicht.

5. Fazit: Zusammenfassung der Ergebnisse, welche die Ambivalenz als zentrales, faszinierendes Charakteristikum der frühneuhochdeutschen Prosaromane bestätigt.

Schlüsselwörter

Ambivalenz, Ambiguität, Prosaroman, Mittelalter, Frühe Neuzeit, Melusine, Hug Schapler, Figurenkonstruktion, Hybridität, Oppositionsstruktur, Identität, Erzählprinzip, Schwellenroman, Rezeption, Literaturwissenschaft

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die erzählerische Gestaltung ambivalenter Figuren in frühneuhochdeutschen Prosaromanen des 15. Jahrhunderts, die zwischen verschiedenen gegensätzlichen Identitäten stehen.

Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus?

Zentrale Themen sind die literarische Darstellung von Ambiguität, das Spannungsfeld zwischen Standesgrenzen (Bürgertum und Adel) sowie die Rolle der Erzählinstanz bei der Bewertung dieser Figuren.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es aufzuzeigen, wie ambivalent konzipierte Figuren zu einer besonderen Faszination beim Rezipienten führen und inwiefern sie den gesellschaftlichen Wandel vom Mittelalter zur Neuzeit widerspiegeln.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Es handelt sich um eine vergleichende literaturwissenschaftliche Analyse, die theoretische Definitionen von Ambivalenz auf die Primärtexte "Melusine" und "Hug Schapler" anwendet.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert detailliert die Konstruktion der Hauptfiguren Melusine und Hug Schapler und arbeitet heraus, wie durch Perspektivwechsel und widersprüchliche Attribute eine bewusste Mehrdeutigkeit erzeugt wird.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind Ambivalenz, Hybridität, frühneuhochdeutscher Prosaroman, Identitätskonstruktion sowie das Wechselspiel aus negativer und positiver Wertung.

Inwieweit spielt die Herkunft der Figur Melusine eine Rolle für die narrative Ambivalenz?

Ihre Doppelwertigkeit als Fee mit übernatürlichen Kräften und als christlich-adlige Ehefrau erzeugt das zentrale Spannungsmoment, das den Leser fortwährend zwischen Skepsis und Akzeptanz pendeln lässt.

Wie unterscheidet sich die Ambivalenz bei Hug Schapler von derjenigen Melusines?

Während bei Melusine das übernatürliche Element überwiegt, ist Hug Schaplers Ambivalenz stärker gesellschaftlich geprägt durch den Kontrast zwischen seiner bürgerlichen Metzgerherkunft und seinem Status als adliger Held.

Welche Rolle spielt die Gesellschaft innerhalb der Romane für die Protagonisten?

Die Gesellschaft fungiert als Instanz, die durch ihre wechselnden Beurteilungen und ihr Misstrauen den Protagonisten erst den notwendigen Raum zur (Selbst-)Legitimation oder Ausgrenzung bietet.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Erzählen von Ambivalenzen in frühneuhochdeutschen Prosaromanen
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn  (Philosophische Fakultät)
Veranstaltung
Deutsche Literatur des Mittelalters
Note
1,3
Autor
Anonym (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2022
Seiten
16
Katalognummer
V1288297
ISBN (PDF)
9783346749697
ISBN (Buch)
9783346749703
Sprache
Deutsch
Schlagworte
erzählen ambivalenten prosaromanen
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Anonym (Autor:in), 2022, Erzählen von Ambivalenzen in frühneuhochdeutschen Prosaromanen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1288297
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Leseprobe aus  16  Seiten
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