Am 1. Januar 1999 wurden die Wechselkurse der Landeswährungen der an der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion (EWWU) teilnehmenden Ländern gegenüber dem Euro festgelegt. Damit wurde die dritte und letzte Stufe der EWWU eingeleitet. Diese dritte Stufe stellt die Umstellung der nationalen Währungen auf eine neue, gemeinsame europäische Währung, den EURO dar.
Jedoch nicht alle Mitgliedsstaaten der Europäischen Union (EU) nehmen an dieser dritten Stufe der europäischen Währungsunion teil, wie auf dem Europäischen Gipfel in Brüssel Anfang Mai 1998 entschieden wurde. So verfehlte Griechenland die im Vertrag von Maastricht niedergelegten Bedingungen für den Beitritt (Konvergenzkriterien), Dänemark und Großbritannien hatten von ihrer Wahlmöglichkeit Gebrauch gemacht, der Währungsunion nicht beizutreten und Schweden hat sich vorbehalten, erst zu einem späteren Zeitpunkt an dem Europäischen Währungssystem teilzunehmen1. Demnach nehmen an der Europäischen Währungsunion die folgenden Staaten teil: Belgien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Irland, Italien, Luxemburg, die Niederlande, Österreich, Portugal und Spanien.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. ORGANISATION DES EUROPÄISCHEN SYSTEMS DER ZENTRALBANKEN
3. KONZEPTION DER GELDPOLITISCHEN STRATEGIE DES ESZB
4. INSTRUMENTARIUM DES ESZB
4.1 Offenmarktpolitik
4.2 Ständige Fazilitäten
4.3 Mindestreservepolitik
5. SCHLUßWORT
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Seminararbeit untersucht die organisatorische Struktur, die geldpolitische Strategie sowie das operative Instrumentarium des Europäischen Systems der Zentralbanken (ESZB) zu Beginn der dritten Stufe der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion.
- Föderaler Aufbau und Unabhängigkeit des ESZB
- Konzeption der geldpolitischen Strategie (Preisstabilität und Geldmengensteuerung)
- Funktionsweise der Offenmarktpolitik als zentrales Steuerungselement
- Bedeutung der ständigen Fazilitäten und der Mindestreservepolitik
Auszug aus dem Buch
4.1 Offenmarktpolitik
Ziel der Offenmarktpolitik ist es, die Bankenliquidität und die Zinssätze am Geldmarkt zu steuern und Signale bezüglich des geldpolitischen Kurses der ESZB zu geben. Dies geschieht dadurch, daß den Banken Refinanzierungsmöglichkeiten, also die Beschaffung von Liquidität durch Aufnahme eines Kredites beim ESZB eröffnet werden. Die Kosten, die dabei für die Banken entstehen, werden durch die entsprechenden Zinssätze gebildet, die durch diese Refinanzierungsmöglichkeiten entstehen.
Es werden hauptsächlich Offenmarktgeschäfte auf Zeit, sogenannte befristete Transaktionen eingesetzt. Bei diesen befristeten Transaktionen handelt es sich zum einen um Pensionsgeschäfte, bei denen das ESZB refinanzierungsfähige Sicherheiten kauft/verkauft, unter der Bedingung, daß die jeweiligen Banken diese zu einem bestimmten Termin wieder verkaufen/zurückkaufen müssen (vergleichbar mit den Wertpapierpensionsgeschäften der Deutschen Bundesbank). Zum anderen gibt es Pfandkredite (vergleichbar mit dem Lombardgeschäft der Deutschen Bundesbank), bei denen im Gegensatz zu den Pensionsgeschäften die Sicherheiten nicht ver- bzw. gekauft werden, sondern auf Zeit verpfändet.
Bei der Wahl über die Form der befristeten Transaktionen entscheiden die nationalen Notenbanken eigenständig, ob sie Pensionsgeschäfte oder Pfandkredite durchführen möchten. Die Deutsche Bundesbank setzt seit Beginn der EWWU befristete Transaktionen in Form von Pfandkrediten ein.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Einführung in die dritte Stufe der EWWU und den Übergang der geldpolitischen Verantwortung an das ESZB.
2. ORGANISATION DES EUROPÄISCHEN SYSTEMS DER ZENTRALBANKEN: Erläuterung der föderalen Struktur und der Aufgaben von EZB-Rat und Direktorium.
3. KONZEPTION DER GELDPOLITISCHEN STRATEGIE DES ESZB: Darstellung des vorrangigen Ziels der Preisstabilität und der Orientierung an der Geldmengensteuerung.
4. INSTRUMENTARIUM DES ESZB: Analyse der verfügbaren geldpolitischen Instrumente zur Steuerung der Liquidität und Zinsen.
4.1 Offenmarktpolitik: Beschreibung der befristeten Transaktionen als wichtigstes Instrument der EZB.
4.2 Ständige Fazilitäten: Erläuterung der Spitzenrefinanzierungs- und Einlagefazilitäten zur kurzfristigen Liquiditätssteuerung.
4.3 Mindestreservepolitik: Beschreibung der Mindestreserve als Instrument zur Stabilitätsförderung und Zinssteuerung.
5. SCHLUßWORT: Zusammenfassende Einschätzung der künftigen Rolle der EZB und ihrer geldpolitischen Handlungsspielräume.
Schlüsselwörter
ESZB, EZB, Euro, Währungsunion, Geldpolitik, Preisstabilität, Geldmengensteuerung, Offenmarktpolitik, Refinanzierung, Zinssatz, Ständige Fazilitäten, Mindestreserve, Liquidität, Zentralbank, Geldmarkt
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die konzeptionellen Grundlagen und das operative Instrumentarium des neu geschaffenen Europäischen Systems der Zentralbanken (ESZB) zu Beginn der gemeinsamen europäischen Währung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind die föderale Organisationsstruktur der EZB, die geldpolitische Strategie mit Fokus auf Preisstabilität sowie die spezifischen operativen Instrumente wie Offenmarktgeschäfte und Mindestreserven.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das ESZB seine geldpolitischen Aufgaben nach dem Vorbild der Deutschen Bundesbank strukturiert und welche Instrumente zur Steuerung des Geldmarktes eingesetzt werden.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer deskriptiven Analyse, die sich auf offizielle Dokumente der EZB, Fachpublikationen sowie wirtschaftswissenschaftliche Literatur stützt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der ESZB-Organisation, der geldpolitischen Strategie (Geldmengensteuerung) und eine detaillierte Erläuterung der Instrumente: Offenmarktpolitik, ständige Fazilitäten und Mindestreservepolitik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Europäische Zentralbank, Preisstabilität, Geldmengensteuerung, Offenmarktpolitik und Leitzinssätze geprägt.
Warum spielt die Geldmengensteuerung eine so zentrale Rolle?
Nach Ansicht der EZB bietet die Steuerung der Geldmenge (M3) einen direkten Zusammenhang zur Inflationsrate und dient als entscheidendes Instrument zur Sicherung der Preisstabilität.
Wie unterscheiden sich die ständigen Fazilitäten von der Offenmarktpolitik?
Während bei der Offenmarktpolitik die Notenbank die Initiative ergreift, liegt bei den ständigen Fazilitäten die Initiative bei den Geschäftsbanken, um kurzfristigen Liquiditätsbedarf zu decken oder Überschüsse anzulegen.
- Citation du texte
- Marc Ebel (Auteur), 1999, Konzeption und Instrumentarium des Europäischen Systems der Zentralbanken, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/12886